{"id":2168,"date":"2011-04-20T20:29:59","date_gmt":"2011-04-20T18:29:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=2168"},"modified":"2011-04-20T20:29:59","modified_gmt":"2011-04-20T18:29:59","slug":"schwarzer-freitag","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/schwarzer-freitag\/","title":{"rendered":"Schwarzer Freitag"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/reviews\/schwarzerfreitag.jpg\" align=\"left\" hspace=\"10\"\/>Verlag: Kosmos<br \/>\nAutor: Friedemann Friese<br \/>\nSpieleranzahl: 2-5<br \/>\nAlter: ab 12 Jahre<br \/>\nSpieldauer: 55 Minuten <\/p>\n<p>Eigentlich bin ich ja partiell nonkonformistisch veranlagt, aber ausnahmsweise muss ich mal mit dem Strom schwimmen und als erstes \u00fcber die wirklich furchtbare Regel von Schwarzer Freitag meckern. Es ist sicherlich nicht die schlechteste Regel, die ich kenne (dazu spiele ich zu viele Kleinverlagsspiele), aber sie liegt einem Spiel bei, das bei Kosmos, dem Erfinder von Prof. Easy und dem Siedler-Regelerkl\u00e4rungsblatt, erschienen ist. Und sie erh\u00f6ht die Einstiegsh\u00fcrde auf selten dagewesener Weise. Das f\u00e4ngt schon mit den Begriffen an: Es gibt die Silberleiste, die Silberpreisleiste und die Silberkaufleiste, drei Verkaufsleisten und eine Kaufleiste. Wenn in der Regel von \u201eden Leisten\u201c die Rede ist, sind \u00fcbrigens nur die drei letzteren gemeint. Zudem werden Ausnahmen prinzipiell vor dem Regelfall erkl\u00e4rt, was zus\u00e4tzlich verwirrt. Mein Lieblingsbeispiel: \u201eKauft ein Spieler w\u00e4hrend seines Zuges mehrere Aktien verschiedener Farben, darf er sich aussuchen, welche der beteiligten Farben er auf die Kaufleiste setzt. Allerdings muss er, wenn m\u00f6glich, eine der beteiligten Farben einsetzen.\u201c Bl\u00f6d ist nur, dass das nur einen Sinn ergibt, wenn man wei\u00df, dass man zwar mehrere Aktien kaufen darf, aber immer nur ein Koffer auf die Kaufleiste gesetzt wird (dass \u201ewelche der beteiligten Farben\u201c im Plural gelesen werden kann, macht die Sache nicht besser). Und das steht erst eine Seite sp\u00e4ter, nachdem alle anderen m\u00f6glichen Aktionen erl\u00e4utert worden sind! Insofern ist es fast unm\u00f6glich, die erste Partie regelfehlerfrei zu absolvieren (selbst in meiner dritten Partie habe ich noch einen solchen kapitalen Schnitzer begannen, dass wir von vorne anfangen mussten).<\/p>\n<p>Das ist umso bedauerlicher, als dass Schwarzer Freitag prinzipiell kein schwieriges Spiel ist: Wer an der Reihe ist kann Aktien (dargestellt durch Koffer) kaufen oder verkaufen oder man darf Silber zum aktuellen Preis erwerben. Aktien steigen und sinken im Wert und vermehren so das Eigenkapital (das eigentlich Fremdkapital ist, denn es d\u00fcrfen Kredite aufgenommen werden, die zwar Zinsen kosten, aber nicht zur\u00fcckgezahlt werden m\u00fcssen). Silber steigt zwar stetig im Wert, kann aber nicht verkauft werden, denn am Ende gewinnt, wer am meisten Silber vorzuweisen hat.<br \/>\nWir haben es hier also mit dem immer wieder sch\u00f6nen Mechanismus zu tun, Geld f\u00fcr etwas ausgeben zu m\u00fcssen, das einem spieltechnisch nicht weiterbringt, aber den Sieger bestimmt.<\/p>\n<p>Die Aktienkurse sinken und steigen durch K\u00e4ufe oder Verk\u00e4ufe direkt. Vor allem aber werden die Kurse indirekt beeinflusst: Wenn eine Aktion durchgef\u00fchrt wird, wird stellvertretend  ein Koffer auf die entsprechende Leiste gestellt (bzw. beim Verkauf weggenommen). Liegen dort genau 5 Koffer, so \u00e4ndern sich die Kurse. Dazu werden Koffer aus einem Beutel gezogen: Je mehr desto besser \u2013 sprich: je mehr desto mehr steigt der Kurs. Die Koffer aus der betreffenden Leiste kommen in den Beutel und so sorgt ein Aktienkauf zeitverz\u00f6gert f\u00fcr einen potentiellen Preisanstieg. Potentiell deshalb, weil ja nicht garantiert ist, dass ein Koffer im Beutel tats\u00e4chlich gezogen wird. Au\u00dferdem kommen im Laufe des Spieles immer mehr schwarze Koffer in den Beutel, die f\u00fcr alle Farben negativ z\u00e4hlen und die Kurse so abst\u00fcrzen lassen (und nebenbei noch den Silberpreis erh\u00f6hen).<br \/>\nDas Ergebnis ist ein wirklich neuartiger Aktienmechanismus, der gut funktioniert. Die Spieler k\u00f6nnen spekulieren, sind sich des Ergebnisses aber nicht zu sicher. Dieser Teil des Spieles macht den Reiz von Schwarzer Freitag aus.<\/p>\n<p>Allerdings ist so ein \u201eRandom walk\u201c wie die Bewegung der Aktienkurse hier mathematisch hei\u00dft schon sehr zuf\u00e4llig und so kann es zu merkw\u00fcrdigen Spielverl\u00e4ufen kommen. Damit das Ganze nicht zu merkw\u00fcrdig wird, gibt es zahlreiche Regeln, die f\u00fcr mehr Ordnung sorgen sollen. Das Problem: Sie sind absolut unintuitiv und wirken wie eine Aufz\u00e4hlung zuf\u00e4lliger Mechaniken: Manchmal geht der Aktienkurs nach links, manchmal nach oben, hier muss ein schwarzer Koffer in den Vorrat, dort zur\u00fcck in den Beutel. Neben der schwachen Regel ist dies der zweite Grund f\u00fcr die Regelprobleme, die auftreten (zumal jegliche \u00dcbersicht auf oder neben dem Spielplan fehlt).<\/p>\n<p>Im Kern ist Schwarzer Freitag sehr reizvoll: Einerseits auf immer h\u00f6here Kurse spekulieren, andererseits den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen, auf Silber umzuschwenken. M\u00f6glichst kurz bevor es zum (unvermeidlichen) Crash kommt. Leider ist dieser Kern nicht gerade elegant herausgearbeitet: Damit es so spannend wird, wie es wird, sind schlicht zu viele Hilfsregeln und zu viel reine Verwaltungsarbeiten (Koffer von A nach B, von B nach A, Koffer sortieren, Koffern mischen\u2026) notwendig, die im Weg stehen und gerne auch mal vergessen werden \u2013 mit z.T. dramatischen Folgen f\u00fcr den Spannungsbogen.<br \/>\nAu\u00dferdem ist das Spielvergn\u00fcgen sehr Mitspielerabh\u00e4ngig. Zu dritt ist es meiner Meinung nach am besten: Timing ist entscheidend, aber man kann durchaus planen. Bei mehr Mitspielern kann das Spiel ohne gro\u00dfes Eigenverschulden an einem Vorbeilaufen: Wenn man selbst st\u00e4ndig weniger Aktionen zwischen den Preis\u00e4nderungen durchf\u00fchren kann, als die Mitspieler, ist man chancenlos. Ja, es kann sogar zu zwei Preis\u00e4nderungen kommen, zwischen denen man nicht an der Reihe war (da Reihen nicht abger\u00e4umt wurden). Trifft das einen in einer kritischen Phase, macht sich Frust breit.<br \/>\nUmgekehrt kann man Schwarzer Freitag attestieren, eines der wenigen Aktienzockspiele zu sein, dass gut zu dritt funktioniert.<\/p>\n<p>Unterm Strich ein komisches Biest: Ich mag den zentralen Mechanismus, ich finde den Kursmechanismus interessant und damit ausgesprochen reizvoll. Aber das Spiel drumrum empfinde ich als zu unperfekt, als dass ich es noch h\u00e4ufiger auf den Tisch bringen wollen w\u00fcrde. Schade drum!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Kosmos Autor: Friedemann Friese Spieleranzahl: 2-5 Alter: ab 12 Jahre Spieldauer: 55 Minuten Eigentlich bin ich ja partiell nonkonformistisch veranlagt, aber ausnahmsweise muss ich mal mit dem Strom schwimmen und als erstes \u00fcber die wirklich furchtbare Regel von Schwarzer Freitag meckern. 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