{"id":21469,"date":"2021-02-06T13:45:31","date_gmt":"2021-02-06T11:45:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=21469"},"modified":"2021-02-13T13:06:06","modified_gmt":"2021-02-13T11:06:06","slug":"harry-potter-strike","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/harry-potter-strike\/","title":{"rendered":"Harry Potter Strike"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag<\/strong>: Ravensburger<br \/>\n<strong>Autor<\/strong>: Dieter N\u00fc\u00dfle<br \/>\n<strong>Spielerzahl<\/strong>: 2-5<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 8 Jahren (eher ab 6)<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: ca. 5 Minuten pro Mitspieler<\/p>\n<p>Das Werfen eines W\u00fcrfels an sich ist eine eher profane T\u00e4tigkeit. Moderne <em>Roll and Writes<\/em> haben deshalb so viel Erfolg, weil sie den Focus von der T\u00e4tigkeit des W\u00fcrfels weg, auf die Interpretation des Ergebnisses hin bewegen &#8211; Nicht das W\u00fcrfeln selbst ist entscheidend, es ist was wir mit dem Ergebnis machen. Reine W\u00fcrfelspiele, bei denen die Entscheidung, was mit dem Ergebnis genau gemacht werden soll, fehlt, bei denen es also nur darum geht eine bestimmte Kombination zu w\u00fcrfeln, werden oft als weniger interessant angesehen. Das ist aber nun genau das was bei <em>Strike<\/em> eigentlich geschieht: Es wird mindestens ein W\u00fcrfel geworfen, in der Hoffnung, dass dieser ein Symbol zeigt, das bereits auf einem zuvor gew\u00fcrfelten W\u00fcrfel zu sehen ist. Gelingt das nicht, d\u00fcrfen weitere W\u00fcrfel nachgew\u00fcrfelt werden. Das ist im Prinzip so wenig bemerkenswert, wie es klingt.<\/p>\n<p>Nun w\u00e4re das Spiel von Dieter N\u00fc\u00dfle nicht seit fast zehn Jahren unter wechselnden Titeln (aber immer mit furchtbaren Titelbildern) im Programm von Ravensburger, wenn das in der Tat alles w\u00e4re. Reine Ergebnisw\u00fcrfelspiele halten sich normalerweise nicht lange am Markt, wenn sie nicht gerade <em>Kniffel<\/em> hei\u00dfen und auf \u00fcber 50 Jahre Anlauf zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnten. Tats\u00e4chlich greift <em>Strike<\/em> an einer unerwarteten Stelle ins herk\u00f6mmliche W\u00fcrfelspiel ein: Beim W\u00fcrfeln selbst n\u00e4mlich.<\/p>\n<p>Aus der oben erw\u00e4hnten profanen T\u00e4tigkeit macht N\u00fc\u00dfle eine Art Autoscooter. Die W\u00fcrfel werden nicht einfach <em>gew\u00fcrfelt<\/em>, sie werden in die Arena <em>geworfen<\/em>. Und k\u00f6nnen so durchaus bereits liegende W\u00fcrfel umsto\u00dfen oder wegschie\u00dfen und so wird der Eindruck vermittelt, man k\u00f6nnte mit Geschicklichkeit ausgleichen, was Fortuna f\u00fcr uns bereith\u00e4lt. Das ist nat\u00fcrlich Bl\u00f6dsinn &#8211; aber Bl\u00f6dsinn mit Selbst\u00fcberlistung.<\/p>\n<p>Ist w\u00fcrfeln normalerweise profan, macht das Werfen tats\u00e4chlich als T\u00e4tigkeit Spa\u00df. Der Rest des Spieles steht dem zumindest nicht im Wege: Es geht ums nackte \u00fcberleben, denn wer keine W\u00fcrfel mehr hat, ist raus. Das kann u.U. schnell gehen, da alle W\u00fcrfel werfen muss, wer keine W\u00fcrfel in der Arena vorfindet. Und nur W\u00fcrfel mit denselben Symbolen d\u00fcrfen zur\u00fcckgenommen werden. W\u00fcrfel mit einem X werden zudem sofort entfernt. Das ist gemein, das ist unfair und reines Gl\u00fcck &#8211; aber durch das Werfen ist das haptische Erlebnis gro\u00df genug, f\u00fcr ein <a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/looping-louie\">Looping-Louie<\/a>-\u00e4hnliches Popkorngef\u00fchl. Noch mal! Und genau deswegen hat sich <em>Strike<\/em> auch schon re\u00f6lativ lange gehalten.<\/p>\n<p>Ich kann diese Rezension aber nicht beenden, um auf das Lizenzthema einzugehen. Harry Potter ist ein Zugpferd, keine Frage. Es ist aber das Zugpferd von J.K.Rowling, die in den letzten Jahren immer verkniffener gegen Trans-Menschen k\u00e4mpft &#8211; Vom Verklagen von Freizeit-Blogerinnen zum Aufhetzen der eigenen massiven Social-Media-Folgschaft gegen einzelne Kritiker*innen. Ihre z.T. kruden Thesen gegen\u00fcber Transmenschen m\u00f6chte ich an dieser Stelle nicht wiederholen, aber wer ein Harry Potter-Produkt kauft, dem sollte schon klar sein, dass damit eine<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Politics_of_J._K._Rowling#Transgender_people\"> Anti-Trans-Aktivisti<\/a>n unterst\u00fctzt wird. .<\/p>\n<p>In diesem Fall ist es das eventuell auftretende Dilemma aber leicht zu vermeiden, denn ein Harry-Potter-freies <em>Strike<\/em> ist auf dem Markt zum selben Preis erh\u00e4ltlich und es ist nicht so, dass das Thema irgendetwas mit dem Spiel zu tun h\u00e4tte. Der einzige Unterschied: Statt Zahlen zeigen die Seiten Symbole, die f\u00fcr bestimmte Zauber aus dem Harry-Potter-Universum stehen sollen und wenn sie genommen werden f\u00fcr Sondereffekte sorgen &#8211; entweder Umkehrung der Spielerreihenfolge oder das Stapel aller verbleibender W\u00fcrfel in der Arena zu einem Turm. Das gab es bereits in einer fr\u00fcheren Version unter der Bezeichnung \u201eElemente\u201c und hat sich auch deswegen nicht durchgesetzt, weil die Anwendung z.T. verwirrend ist &#8211; verwirrender zumindest als f\u00fcr ein Spiel dieser Kategorie angemessen. Zudem sind diese Effekte eher marginal, weniger das Salz in der Suppe, als die kleine Prise Ingwer in der Karottensuppe- vielleicht ein Ticken interessanter, aber viele w\u00fcrden das Fehlen nicht bemerken. Wer dennoch nicht darauf verzichten will, der kann nat\u00fcrlich auch beim normalen Spiel die einzelnen Augenzahlen die entsprechenden Effekte zuweisen. Anders ausgedr\u00fcckr: Es war selten so einfach, kein schlechtes Gewissen zu haben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Ravensburger Autor: Dieter N\u00fc\u00dfle Spielerzahl: 2-5 Alter: ab 8 Jahren (eher ab 6) Dauer: ca. 5 Minuten pro Mitspieler Das Werfen eines W\u00fcrfels an sich ist eine eher profane T\u00e4tigkeit. 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