{"id":21219,"date":"2020-12-20T18:36:32","date_gmt":"2020-12-20T16:36:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=21219"},"modified":"2021-01-24T18:29:11","modified_gmt":"2021-01-24T16:29:11","slug":"furnace","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/furnace\/","title":{"rendered":"Furnace"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag<\/strong>: Hobby World (Deutsche Ausgabe: Kobold Verlag)<br \/>\n<strong>Autoren<\/strong>: Ivan Lashin<br \/>\n<strong>Spielerzahl<\/strong>: 2-4<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 12 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 45-60 Minuten<\/p>\n<p>Es ist keine \u00dcberraschung, dass es so etwas wie \u201enationale Trends\u201c in den Spielen gibt: Worker Placement (und andere Euromechanismen) in Deutschen Spielen, Japanischer Minimalismus, Der Koreanische Trend zu Haptischen Gimmicks, Narratives mit viel Gew\u00fcrfel aus den USA, Drafting und Partyspiele aus Frankreich. Spieleautoren orientieren sich immer an dem, was sie kennen und so werden Trends verst\u00e4rkt, insbesondere wenn sich das mit dem deckt, was das Publikum m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ob es nun ein Trend oder Zufall ist, wei\u00df ich nicht, aber mir ist in den letzten Monaten bei meinen Russischen Spielen ein kleiner Trend aufgefallen:<\/p>\n<p>Ob <em><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/kassiopeia\/\">Kassiopeia<\/a><\/em>, <em><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/architectura\/\">Architectura<\/a><\/em> oder jetzt <em>Furnace<\/em>: Immer geht es um Reihenfolgen. Bei <em>Kassiopeia<\/em> spielt sowohl die Reihenfolge in der Aktionen durchgef\u00fchrt werden eine gro\u00dfe Rolle, als auch die Reihenfolge der Planeten. In <em>Architectura<\/em> beeinflusst jede gelegte Karte bereits liegendes auf fundamentale Weise. Und bei <em>Furnace<\/em> werden Karten ersteigert, die in einer festen Reihenfolge liegen.<\/p>\n<p>Das klingt erst einmal nicht ganz so fundamental wie bei den anderen Beispielen: Schlie\u00dflich spielen bei den meisten Versteigerungen Reihenfolgen nur insofern eine Rolle, als dass der Informationsgehalt zunimmt. Hier sind aber alle zu versteigerten Karten der Runde von Anfang an bekannt,. Das die Reihenfolge so zentral ist, liegt daran, dass die Versteigerung selbst eine sehr ungew\u00f6hnliche Spielart von Versteigerungen ist, die fast schon an ein Arbeitereinsetzspiel erinnert:<\/p>\n<p>Jeder Spieler*in hat Scheiben mit Werten von 1-4. Die Scheiben werden reihum auf die zu versteigernden Karten gelegt, wobei jede Ziffer pro Karte nur einmal vergeben werden darf und jeder nur auf eine Karte bietet. Nat\u00fcrlich bekommt der Meistbietende die Karte, aber &#8211; und jetzt kommt das coole &#8211; jeder andere bekommt eine Kompensation, die ebenfalls auf der Karte vermerkt ist. Das sind entweder Rohstoffe oder es ist die M\u00f6glichkeit einen Rohstoff in einen anderen umzuwandeln. Das geniale dabei: Die Anzahl der Rohstoffe die genommen\/umgetauscht werden k\u00f6nnen, richtet sich nach der gelegten Ziffer: Bekomme ich als Kompensation etwa Kohle, so bekomme ich eine Kohle, wenn ich die 1 geboten hatte, aber 3, wenn ich bei der drei \u00fcberboten wurde.\u00a0 Dadurch ist es manchmal sogar besser \u00fcberboten worden zu sein, als die Karte selbst zu bekommen. Die Karte gibt einem im allgemeinen ebenfalls Rohstoffe oder Umtauschm\u00f6glichkeiten, aber eben zumeist nur einfach. Zudem sorgt das auch f\u00fcr eine Nivellierung des Frustmomentes: Wird meine starke drei \u00fcberboten, bekomme ich mehr als wenn ich die recht wertlose 1 (ich habe es genau einmal geschafft etwas mit der zu ersteigern) geopfert habe. So f\u00fchlt sich das Spiel immer konstruktiv an.<\/p>\n<p>Hier spielt dann auch die Reihenfolge een eine gro\u00dfe Rolle: Ich erwarte im allgemeinen nicht, mit der 1 oder der 2 etwas zu ersteigern, werde die also bevorzugt dahin legen, wo ich auf die Kompensation schiele. Ein Umtausch dagegen bringt mir nur etwas ein, wenn ich den Rohstoffe zuvor schon bekommen habe &#8211; womit wir wieder bei der Reihenfolge w\u00e4ren! Knifflig ist die ganze Sache, weil man bis zur letzten Scheibe nicht wei\u00df, welche Karten man letztendlich tats\u00e4chlich bekommt und ob man auf seine Wunschkompensation seine Wunschscheibe \u00fcberhaupt\u00a0 legen darf (wie gesagt, darf jede Ziffer pro Karte nur einmal vorkommen).<\/p>\n<p>Sind die Karten verteilt und die Kompensationen vergeben gibt es einen kleinen Bruch im Flow, der hier jedochnicht wirklich st\u00f6rt: Jeder nimmt sich alle seine Karten (alte und neue) und baut daraus eine Siegpunktengine. Mit den Karten d\u00fcrfen Rohstoffe genommen und umgewandelt werden, aber auf manchen Karten d\u00fcrfen auch Siegpunkte erlauscht werden &#8211; die einzige M\u00f6glichkeit Siegpunkte zu gewinnen. Karten d\u00fcrfen jetzt auch upgegradet werden, wof\u00fcr aber ein besonderer Rohstoff n\u00f6tig ist, der nur sehr begrenzt zur Verf\u00fcgung steht und niemals per Kompensation zur Verf\u00fcgung steht. Au\u00dferdem kann das nur eine einzige Karte &#8211; was wichtig ist:<\/p>\n<p>Die Karten k\u00f6nnen zwar beliebig kombiniert werden, aber es gibt die zun\u00e4chst unscheinbare Einschr\u00e4nkung, dass jede Karte nur einmal aktiviert werden kann. Das hei\u00dft: Es ist nicht m\u00f6glich, sich mit Karte A den Rohstoff zu nehmen, dann diesen mit Karte B umzutasuchen und dann wieder mit Karte A Siegpunkte zu gewinnen. Es sind oft nur zwei Aktionen auf den Karten, aber die greifen grunds\u00e4tzlich nie problemlos ineinander. Oft hat man Karten, die nicht effektiv genutzt werden k\u00f6nnen und das \u00e4rgert einen. Auf eine konstruktive Art und Weise allerdings. Das betrifft insbesondere auch das Upgraden: Da auf der Karte, mit der man seine anderen karten verbessert auch Siegpunkte gewinnen kann, w\u00fcrde man gerne, die dazu n\u00f6tigen Rohstoffe generieren &#8211; m\u00fcsste die Karte aber dazu <em>vorher<\/em> upgraden. Und das geht nun einmal nicht. Der Kopf raucht da schnell so wie ein Hochofen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens hier merkt man auch das wunderbare Korrektiv des Versteigerungsmechanismus: Wer viele zuvor Karten gewonnen hat, dem Fehlen im allgemeinen Rohstoffe. Wer wenig bekommen hat, durfte bei den Kompensationen ordentlich zugreifen und hat entsprechend viele Rohstoffe zur Verf\u00fcgung. Der eine kann seine wenigen Rohstoffe durch viele Reigen springen lassen und sie hoffentlich so m\u00f6glichst effizient nutzen. Der andere baut eher eine spukende und hustende Maschine, verbrennt aber einfach so viel Holz, dass auch hier unten Siegpunkte herauspurzeln. Dadurch f\u00fchlt sich <em>Furnace<\/em> niemals frustrierend an &#8211; und die Endpunkte liegen im allgemeinen keine Welten auseinander. Das ist f\u00fcr ein Engine-Builder tats\u00e4chlich keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Gr\u00fcbeln muss man aber schon m\u00f6gen.<\/p>\n<p><em>Furnace<\/em> ist ein ansprechendes Gesamtpaket: Eine H\u00e4lfte interaktives Verzweifeln an der Frage, wo man wann welche Scheibe ablegt und eine H\u00e4lfte Optimierungskette. Und das spielt sich besser als es klingt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Hobby World (Deutsche Ausgabe: Kobold Verlag) Autoren: Ivan Lashin Spielerzahl: 2-4 Alter: ab 12 Jahren Dauer: 45-60 Minuten Es ist keine \u00dcberraschung, dass es so etwas wie \u201enationale Trends\u201c in den Spielen gibt: Worker Placement (und andere Euromechanismen) in Deutschen Spielen, Japanischer Minimalismus, Der Koreanische Trend zu Haptischen Gimmicks, Narratives mit viel Gew\u00fcrfel aus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":21220,"parent":66,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-21219","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21219"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21219\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21396,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/21219\/revisions\/21396"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/66"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}