{"id":205,"date":"2007-05-20T20:52:56","date_gmt":"2007-05-20T18:52:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/kleopatra-und-die-baumeister"},"modified":"2010-09-23T17:48:38","modified_gmt":"2010-09-23T15:48:38","slug":"kleopatra-und-die-baumeister","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/kleopatra-und-die-baumeister\/","title":{"rendered":"Kleopatra und die Baumeister"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/reviews\/kleopatra.jpg\" align=\"left\" hspace=\u201c10\u201c\/>Verlag: Days of Wonder<br \/>Autor: Bruno Cathala und Ludovic Maublanc<br \/>Spieleranzahl: 3-5<br \/>Alter: ab 10 Jahre<br \/>Spieldauer: ca. 60 Minuten<\/p>\n<p>Schwer ist dat Ding. Etwa 1,8 Kilo (ja, ich habe es gewogen). Der Grund sind die vielen 3D-Plastikteile, die beim simulierten Tempelbau f\u00fcr die n\u00f6tige Atmosph\u00e4re sorgen sollen. Diese Figuren (Sphinxen, Obelisken, T\u00fcrrahmen, ein Thron nebst Sockel und mehrere S\u00e4ulenw\u00e4nde) waren auch der Grund f\u00fcr einen kurzen Hype-Sturm beim Erscheinen des Spieles. Nachdem KMW auf der Spielboxseite die ersten Fotos online gestellt hat, flippte das Forum vollst\u00e4ndig aus &#8211; es ging nur noch darum m\u00f6glichst schnell dieses neue Super-Spiel, dieses neue <i>Puerto Rico<\/i>, diese spielerische Offenbarung zu bekommen. <br \/>Dass sich da eine Entt\u00e4uschung breit machte, die nur durch den <i>Fall Tempus<\/i> \u00fcbertroffen werden sollte, ist klar. <br \/>Doch was ist jetzt wirklich dran am Spiel? <\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal ist es eigentlich ein Kartenspiel. Die 3-5 Baumeister werden den gr\u00f6\u00dften Teil des Spieles damit verbringen Karten zu sammeln. Dazu nehmen sie einfach alle Karten, die in einer (von insgesamt drei) Reihen liegen. Dabei gibt\u2019s einen ganz witzigen Mechanismus: Offene und verdeckte Karten sind zusammengemischt, so dass man eventuell ein paar Karten kennt, aber nicht alle.<\/p>\n<p>Die Karten zeigen nun entweder einen Rohstoff oder eine Spezialf\u00e4higkeit. Mit den Rohstoffen wird an Tempeln gebaut und daf\u00fcr gibt es Siegpunkte und daf\u00fcr werden die erw\u00e4hnten Plastikteile verwendet: Der Tempel entsteht wirklich! Da die einzelnen Teile wechselwirken und jedes Bauteil nicht nur eine andere Rohstoffanzahl ben\u00f6tigt, sondern auch anders Siegpunkte aussch\u00fcttet ben\u00f6tigt der ganze Prozess mehr Regeln, als dem Spiel eigentlich gut tut &#8211; zum Gl\u00fcck gibt\u2019s \u00dcbersichtskarten! <\/p>\n<p>Die Spezialkarten erlauben besondere Aktionen, doch daf\u00fcr gibt es Korruptionschips. Die gibt es auch f\u00fcr \u00dcberschreiten des Handlimits. Wer also wirklich vorankommen will, muss ab und an Korruption ansammeln. Was ist schon schlimm daran? Nichts, au\u00dfer dass der Spieler mit den meisten Korruptionschips bei Spielende von Krokodilen gefressen wird und somit ausscheidet. Das sorgt f\u00fcr eine interessante Dynamik: Wer zu vorsichtig spielt, gewinnt kaum Siegpunkte. Wer zu aggressiv spielt, wird gefressen. So einfach ist das. Allerdings k\u00f6nnen keine Karten abgeworfen werden und so wird jeder zwischendurch Korruptionsmarker bekommen &#8211; ob er will oder nicht. Ausgleichend kann Korruption durch geschicktes Bauen von Mosaiken (eines der Palastelemente) abgebaut werden. Das Setzen von Steinen reinigt den Geist oder so. <\/p>\n<p>Um die Korruptionsgeschichte noch un\u00fcbersichtlicher zu machen, kommt es ab und an zu einem Opfer. Dann m\u00fcssen alle Spieler geheim Siegpunkte bieten und die geizigen sammeln Korruptionschips. Nur der spendabelste kann welche abgeben. <\/p>\n<p>Das Opfer ist ein wichtiges Element, verhindert es doch eine zu vorsichtige Spielweise. Gerade zu dritt kann zu gut gerechnet werden, wer wie viele Chips hat und das killt das Spiel &#8211; wenn zwei vorsichtig spielen, so muss auch der Dritte vorsichtig agieren. Und dann geht\u2019s darum NICHT die Spezialkarten zu ziehen (was sich kaum verhindern l\u00e4sst). Das wiederum macht aus dem Spiel ein reines Kartensammeln &#8211; langweilig! Gut also, dass es das Opfer gibt? Theoretisch ja, aber leider ist die Chance, dass es tats\u00e4chlich zu einem Opfer kommt (das wird ausgew\u00fcrfelt, wobei die Chance w\u00e4hrend des Spieles steigt) so gering, dass im Schnitt in jedem zweiten Spiel gar nicht geopfert wird! Und damit ist da ein Element, dass wieder ein paar Regeln braucht, aber viel zu selten tats\u00e4chlich zum Tragen kommt. Ich empfehle hier zumindest einige der W\u00fcrfel mit einem zus\u00e4tzlichen W\u00fcrfelpunkt auszustatten, um die H\u00e4ufigkeit des Opfers zu erh\u00f6hen. <\/p>\n<p>\u00dcberhaupt die Regeln. <i>Kleopatra und die Baumeister<\/i> w\u00e4re ein sch\u00f6nes, einfaches Familienspiel und tats\u00e4chlich spielt es sich auch wie eines. Doch die pure <i>Anzahl<\/i> der Regeln stellt erst einmal eine gewisse H\u00fcrde dar. Viele Sonderregeln, viel \u201eChrom\u201c, wie der Amerikaner sagen w\u00fcrde, verl\u00e4ngern die Erkl\u00e4rungsphase. Und im Falle des Opfers sogar unn\u00f6tig &#8211; das h\u00e4tte man entweder ganz weg lassen sollen oder so gestalten, dass es in jeder Partie garantiert einmal vorkommt. Im Prinzip richtet sich Kleopatra also an Familienspieler, die einen Erkl\u00e4rb\u00e4ren in Rufweite haben. <\/p>\n<p>So, wir haben also ein paar Macken festgestellt: Das Opfer, das nicht zu tragen kommt, die &#8211; f\u00fcr den Spielverlauf &#8211; zu vielen Regeln und die Anf\u00e4lligkeit im Spiel zu dritt gegen\u00fcber einer \u00fcbervorsichtigen Spielweise (zu viert und zu f\u00fcnft taucht das Problem nicht so auf). Und es kommt noch eines dazu: So wie es bei den <i>Siedlern von Catan<\/i> zu schiefen Partien kommen kann, in denen ein Spieler einfach seine Rohstoffe trotz guter Zahlen nicht bekommt, so kann es bei <i>Kleopatra<\/i> zu schiefen Partien kommen, bei denen ein Spieler einfach keine Baumeisterkarten zieht (die werden f\u00fcr alle Bauaktionen ben\u00f6tigt). Das frustriert, ist aber die Ausnahme und nicht die Regel. <\/p>\n<p>Ist man sich dieser Kinderkrankheiten bewusst, so mag <i>Kleopatra<\/i> aber durchaus gefallen &#8211; mit mindestens 4 Spielern. Gewiss, es ist ein unglaublich aufgebohrtes Kartenspiel, doch gerade das macht den Reiz aus. Als reines Kartenspiel (w\u00e4re mit wenigen Kompromissen sicherlich m\u00f6glich gewesen) w\u00fcrde es nur halb so viel Spa\u00df machen, denn die Bausteine sorgen schon f\u00fcr ein haptisches Erlebnis. Zumal sie auch gut genutzt werden (Geschicktes Bauen der Mosaike zum Abbauen von Korruption). <\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum eingangs erweckten Hype: <i>Kleopatra und die Baumeister<\/i> konnte die Erwartungen nicht erf\u00fcllen, denn es hat ein paar Macken (darunter die erw\u00e4hnten schiefen Partien, die schon bei Siedler f\u00fcr Unbill sorgten) und es ist beileibe kein Vielspielerspiel. Wer aber einfach ein gutes Familienspiel erwartet, dass auch Vielspielern Spa\u00df macht, der findet ein sch\u00f6nes Spiel in der Schachtel &#8211; und nicht nur \u00fcberw\u00e4ltigendes Material.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Days of WonderAutor: Bruno Cathala und Ludovic MaublancSpieleranzahl: 3-5Alter: ab 10 JahreSpieldauer: ca. 60 Minuten Schwer ist dat Ding. Etwa 1,8 Kilo (ja, ich habe es gewogen). Der Grund sind die vielen 3D-Plastikteile, die beim simulierten Tempelbau f\u00fcr die n\u00f6tige Atmosph\u00e4re sorgen sollen. 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