{"id":200,"date":"2007-05-02T12:42:54","date_gmt":"2007-05-02T10:42:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/die-saeulen-von-venedig\/"},"modified":"2010-09-23T17:07:03","modified_gmt":"2010-09-23T15:07:03","slug":"die-saeulen-von-venedig","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/die-saeulen-von-venedig\/","title":{"rendered":"Die S\u00e4ulen von Venedig"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/reviews\/saeulenvenedig.jpg\" align=\"left\" hspace=\"10\"\/>Verlag: Goldsieber Spiele<br \/>Autor: Christian Fiore und Knut Happel<br \/>Spieleranzahl: 2-6 (besser: 4-6) <br \/>Alter: ab 10 Jahre<br \/>Spieldauer: 45-60 Minuten<\/p>\n<p>Es gab mal eine Zeit da standen die Spiele von Goldsieber im Mittelpunkt der Spielewelt: Ob \u201eEntdecker\u201c oder \u201eL\u00f6wenherz\u201c &#8211; wer Spielen wollte, fand qualitativ hochwertiges bei den F\u00fcrthern. Dann kamen einige Verlagsverschmelzungen und Umstrukturierungen und damit eine etwas schlingernde und wenig konsequente Ver\u00f6ffentlichungspolitik. Goldsieber verschwand etwas aus dem Fokus der Szene. Nicht zuletzt seit \u201eKreta\u201c dr\u00e4ngt Goldsieber nun aber wieder zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Und hat Pech. Kann man mehr Pech mit der Titelauswahl haben als mit \u201eS\u00e4ulen von Venedig\u201c? In Essen erschien \u201eDie S\u00e4ulen der Erde\u201c bei Kosmos und bekam jede Menge Lob und verdr\u00e4ngte das andere S\u00e4ulenspiel aus dem Blickpunkt. Zu allem \u00dcberfluss erscheint dann in N\u00fcrnberg ein Spiel von SdJ-Gewinner Wrede bei Amigo mit dem Titel \u201eVenedig\u201c. Kein Wunder, dass man auf den einschl\u00e4gigen Seiten wenig \u00fcber dieses Spiel findet. <br \/>Ich hole es hier einmal nach. <\/p>\n<p>Zuerst: Ja, es ist YAVG (Yet another Venedig-Game). Allerdings unterscheidet es sich in einem entscheidenden Detail von anderen Venedig-Spielen: Die Lagunenstadt steht hier bei Spielbeginn noch nicht. Vielmehr sollen wir sie erst erschaffen. Oder, genauer gesagt, wir sollen den Bau organisieren, denn die eigentliche Drecksarbeit \u00fcbernehmen Handwerker &#8211; im Spiel durch handliche Karten dargestellt. Diese Organisation ist dabei einfach: Jeder Spieler w\u00e4hlt gleichzeitig einen Handwerker aus, alle decken gleichzeitig auf und dann werden die im Uhrzeigersinn nacheinander t\u00e4tig und zwar so wie der Spieler es will. Und weil sich die Handwerker nicht nur in Berufung sondern auch in Qualit\u00e4t unterscheiden, Italien aber ein faires Land ist, geben wir die verwendete Karte anschlie\u00dfend unserem linken Nachbar. So sollte sich der Bauherr nicht nur \u00fcberlegen, was er spielen will, sondern auch aufpassen, dass er nicht mit Handwerkern auf der Hand verbleibt, die er gar nicht verwenden kann.<\/p>\n<p>Am Bau so einer Lagunenstadt sind zahlreiche Handwerker beteiligt: Der Ratsherr z.B. besorgt dem Spieler fertige Stadtteile verschiedener Gr\u00f6\u00dfe und Form. Der Baumeister kann die dann an die entstehende Stadt anbauen. Doch da Stadtteile nicht schwimmen k\u00f6nnen, m\u00fcssen erst einmal Pf\u00e4hle gebaut werden. Das  macht der Pechtunker. Also: der Ratsherr besorgt mir die Stadtteile, der Pechtunker baut die S\u00e4ulen und der Baumeister die ersteren auf letzteren.<\/p>\n<p>Und wo bleibe ich als Spieler? Ich bekomme Siegpunkte auf vielf\u00e4ltige Weise: Wenn ich Stadtteile anbaue, bekomme ich je nach Gr\u00f6\u00dfe Siegpunkte, zudem kann ich Extrapunkte durch passendes Anlegen gewinnen. Baut jemand auf meinen Pf\u00e4hlen, bekomme ich ebenfalls meinen Anteil. Au\u00dferdem ist die Einwohnerschaft des entstehenden Venedigs nicht auf Pechtunker, Ratsherren und Baumeister beschr\u00e4nkt (auch wenn diese die gr\u00f6\u00dfte Bev\u00f6lkerungstruppe stellen): Der Gondoliere gibt mir Punkte, wenn jemand am Kanal baut (und er wird durch eine ziemlich \u00fcberfl\u00fcssige und vor allem extrem unpraktische, weil zu gro\u00dfe Figur repr\u00e4sentiert). Erfinder, Spekulanten und H\u00e4ndler machen nichts spielbedeutendes, geben ihrem Spieler aber Siegpunkte, wenn andere Spieler bestimmte Handwerker angeheuert haben. Die dunkle Seite Venedigs wird durch den Spion (klaut Karten) und den Saboteur (sprengt Stadtteile) repr\u00e4sentiert, die zwar keine Siegpunkte bringen, aber f\u00fcr Unbill sorgen.<\/p>\n<p>Alle Charaktere sind liebevoll illustriert und ihre Funktion ist weitestgehend intuitiv &#8211; so intuitiv wie der ganze Spielablauf (Karte spielen &#8211; ausf\u00fchren &#8211; weitergeben). Ist das Amigo-Venedig eher abstrakt so dient bei der Goldsiebervariante Venedig nicht nur als Graphikvorlage sondern sorgt f\u00fcr Stimmung und das Thema durchdringt das Spiel. Das ist angenehm und erleichtert den Einstieg ungemein. <\/p>\n<p>Gebaut wird an Venedig bis die S\u00e4ulen ausgehen. Das ist m.E. der einzige Kritikpunkt an dem Spiel, denn das Spielende wirkt ziemlich abrupt und willk\u00fcrlich. Gerne w\u00fcrde man noch weiterbauen &#8211; aber vor allem sorgt es f\u00fcr etwas merkw\u00fcrdige Endspiele: Da jeder sieht wie viele S\u00e4ulen noch im Spiel sind und auch die Siegpunkte per Leiste immer sofort abgetragen werden (geheime Siegpunkte gibt es nicht), wird der F\u00fchrende immer versuchen den Rest zu verbauen, w\u00e4hrend die anderen das S\u00e4ulenbauen vermeiden. Leider kann man ohne S\u00e4ulen nicht viel Sinnvolles tun und so sind die letzten Runden etwas unrund. Doch das ist auch so ziemlich der einzige Kritikpunkt an diesem ansonsten recht runden Spiel. <\/p>\n<p>Gewiss, das Spiel ist keine hochgeistige Angelegenheit &#8211; daf\u00fcr sorgt schon die Regel, dass in jeder Runde der Startspieler einem Mitspieler blind eine Karte zieht &#8211; aber das macht nichts. Es spielt sich locker runter und ist damit ein idealer Absacker und nat\u00fcrlich auch ein Familienspiel. Den Reiz bezieht es vor allem durch das Wechselspiel der Charaktere und das kommt nat\u00fcrlich erst bei steigender Mitspieleranzahl zum tragen, weswegen ich das Spiel erst ab 4 Personen empfehlen kann. Daf\u00fcr ist es gut zu sechst spielbar, eine Seltenheit heutzutage. <\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend muss ich feststellen, dass \u201eDie S\u00e4ulen von Venedig\u201c zu Unrecht \u00fcbersehen wird: Es ist ein richtig gutes Familienspiel. Ich w\u00e4re nicht \u00fcberrascht, wenn dieses Spiel eine Nominierung von der Jury bek\u00e4me. <br \/>Verdient h\u00e4tte das Spiel es jedenfalls.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Goldsieber SpieleAutor: Christian Fiore und Knut HappelSpieleranzahl: 2-6 (besser: 4-6) Alter: ab 10 JahreSpieldauer: 45-60 Minuten Es gab mal eine Zeit da standen die Spiele von Goldsieber im Mittelpunkt der Spielewelt: Ob \u201eEntdecker\u201c oder \u201eL\u00f6wenherz\u201c &#8211; wer Spielen wollte, fand qualitativ hochwertiges bei den F\u00fcrthern. 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