{"id":19897,"date":"2020-05-16T20:50:11","date_gmt":"2020-05-16T18:50:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=19897"},"modified":"2020-05-27T12:22:15","modified_gmt":"2020-05-27T10:22:15","slug":"my-city","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/my-city\/","title":{"rendered":"My City"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag<\/strong>: Kosmos<br \/>\n<strong>Autoren<\/strong>: Reiner Knizia<br \/>\n<strong>Spieleranzahl<\/strong>: 2-4<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 10 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 30 Minuten<\/p>\n<p>Eine gute Geschichte verdient sich ihr Lob vor allem durch ein gelungenes Ende. Man vergleiche etwa das Finale von Star Trek \u2013 Das N\u00e4chste Jahrhundert mit dem Ende von Game of Thrones. Eine dieser Serien hat noch immer eine leidenschaftliche Anh\u00e4ngerschaft, w\u00e4hrend die andere nach einem mehr als nur ern\u00fcchternden Ende kaum noch namentlich genannt wird. F\u00fcr Spiele galt der gleiche Ansatz lange Zeit nicht. Der Ausgang eines guten Spiels \u00e4ndert nichts an seiner hohen Qualit\u00e4t. Es war schlie\u00dflich der Weg und nicht das Ziel, das in Erinnerung blieb. Mit der Einkehr des Legacy-Konzepts und seinen langfristigen Ver\u00e4nderungen an Spielablauf und -materials wird diese bequeme Trennung zwischen guten Geschichten und guten Spielen aufgeweicht. Das wird nirgends so deutlich wie in My City von Reiner Knizia, erschienen bei Kosmos. Ein gutes Spiel welches durch seinen Abschluss leider nur in mittelm\u00e4\u00dfiger Erinnerung bleibt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19902\" aria-describedby=\"caption-attachment-19902\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/My-City-Spielbrett-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-19902 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/My-City-Spielbrett-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-19902\" class=\"wp-caption-text\">Den richtigen Ort f\u00fcr ein Geb\u00e4ude zu finden ist \u00fcberraschend unterhaltsam<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die St\u00e4rken des Spiels jedoch zuerst. Wie von Knizia gewohnt hat man es hier mit einem sehr eing\u00e4ngigen Spielmechanismus zu tun. Zuf\u00e4llig bestimmte Pl\u00e4ttchen werden auf die Landschaft des eigenen Spielbretts gelegt. Am Ende des Spiels m\u00f6chte man m\u00f6glichst viel davon bedeckt haben und so Minuspunkte vermeiden. Dabei m\u00fcssen Pl\u00e4ttchen angrenzend an bereits Platzierte gelegt werden. Ausgew\u00e4hlte Merkmale der Landschaft d\u00fcrfen nicht \u00fcberdeckt werden, andere bringen Bonuspunkte wenn sie am Ende frei liegen. Das ist sowohl durch die Regeln, wie auch durch die grafische Aufmachung klar kommuniziert. So knobelt man von Beginn an munter vor sich hin, dreht seine Pl\u00e4ttchen mal so und mal anders und erfreut sich daran wenn man ganz geschickt wieder Minuspunkte verdeckt hat. Das spielt sich so schnell und fl\u00fcssig, wie man es nur von den altbekannten Roll\u2018n\u2018Writes kennt. Nur das hier weder geschrieben, gekritzelt oder am Ende ein Zettel weggeworfen werden muss.<\/p>\n<p>Aber in der Schachtel befinden sich neben den Spielbrettern, Pl\u00e4ttchen und Karten noch acht Umschl\u00e4ge, welche von Kapiteln sprechen. So als verstecke sich hinter diesem netten, eing\u00e4ngigen Spiel noch eine Geschichte, die es zu erkunden gilt. Das ist das Legacy-Element mit dem die Schachtel lockt, wenn sie von Einzigartigkeit spricht und es ist leider auch der Grund weshalb das Spiel am Ende so ein unbefriedigendes Gef\u00fchl zur\u00fcckl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Dabei beginnt alles so vielversprechend und mit der Sorgfalt, die man von einem Knizia-Spiel gewohnt ist. Nach jeder Partie der Kampagne werden die Spielregeln ganz kleinschrittig erweitert. Ein Aufkleber hier, eine ver\u00e4nderte Punktewertung dort. Obwohl die Regeldichte mit der Zeit zunimmt, verliert das Spiel nie seinen klaren Fokus. Zumindest in der ersten H\u00e4lfte der Kampagne. Mit dem f\u00fcnften Umschlag beginnt die anf\u00e4ngliche Klarheit der ersten Runden einer Vielzahl abweichender Punkteanreize zu weichen. Doch an Stelle eines h\u00f6heren Anspruchs oder ungew\u00f6hnlicher Spielans\u00e4tze, h\u00e4uft My City lediglich Zielsetzungen an. Dadurch wird die stimmige Pr\u00e4zision des anf\u00e4nglichen Spiels verw\u00e4ssert und kann in manchen Momenten in desorientierende Beliebigkeit umschlagen. My Citys Legacy-Kampagne verliert zum Ende schlicht an Schwung. Da kann auch die Freude \u00fcber immer mehr und gr\u00f6\u00dfere Aufkleber nicht viel richten. Schlimmer noch, das Ende entzaubert viel von der Spielfreude, die einen anfangs noch mitzurei\u00dfen wusste.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19901\" aria-describedby=\"caption-attachment-19901\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/My-City-Komponenten-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-19901 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/My-City-Komponenten-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-19901\" class=\"wp-caption-text\">Wie bei vielen TV-Serien sollte man eher mittendrin aufh\u00f6ren, statt alles sehen zu wollen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Seitdem die Kampagne bei uns abgeschlossen wurde, steht das Spiel unber\u00fchrt und auch unbeachtet im Schrank. Der anf\u00e4ngliche Enthusiasmus ist verflogen und auch die Aussicht mit der R\u00fcckseite des Spielbretts weiter zu spielen lockt niemanden an den Tisch. Dort befindet sich das vollmundig umschriebene \u201eewige Spiel\u201c, welches von den Legacy-Effekten g\u00e4nzlich unber\u00fchrt bleibt. Eine Handvoll der Regelerg\u00e4nzungen aus der ersten H\u00e4lfte der Kampagne sind hier bereits in das Spiel integriert. Etwas entlarvend ist jedoch, dass sich keine Regel aus der zweiten H\u00e4lfte hier finden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>My City funktioniert am Besten, wenn man es als nahen Verwandten des Roll\u2018n\u2018Write (oder auch Flip\u2018n\u2018Write, Mix\u2018n\u2018Match, Scratch\u2018n\u2018Sniff oder was f\u00fcr bedepperte Begriffe hier noch erfunden werden) versteht. Es ist eine eing\u00e4ngige und unterhaltsame Knobelei, die sich fl\u00fcssig runterspielt ohne dabei zu langweilen. Gerade auch durch die selbst gesetzten Aufkleber gewinnt jedes Spielbrett bald einen subtil anderen Charakter. Das ist charmant und es ist auch sehr reizvoll. Aber es war vielleicht ein Fehler diese feinen Unterschiede als Einzigartigkeit auf der Spieleschachtel anzupreisen. So werden Erwartungen geweckt, die das Spiel kaum leisten kann. Vielleicht war es auch ein Fehler die im Spiel entwickelten Ver\u00e4nderungen unbedingt auf 24 Partien auszubauen. So m\u00fcndet das wunderbar spielbare Tutorial der ersten 12 Partien bald in eine eher belanglose Ansammlung austauschbarer Ideen.<\/p>\n<p>In einem Spiel ist es nat\u00fcrlich der Weg und nicht das Ziel, der nachwirkt und uns das Gef\u00fchl gibt ein gutes Spiel gespielt zu haben. Aber leider verirrt sich My City auf dem Weg zu seinem Ziel und l\u00e4sst einen mit einem teilnahmslosen Schulterzucken zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Kosmos Autoren: Reiner Knizia Spieleranzahl: 2-4 Alter: ab 10 Jahren Dauer: 30 Minuten Eine gute Geschichte verdient sich ihr Lob vor allem durch ein gelungenes Ende. Man vergleiche etwa das Finale von Star Trek \u2013 Das N\u00e4chste Jahrhundert mit dem Ende von Game of Thrones. 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