{"id":19548,"date":"2020-03-11T22:34:25","date_gmt":"2020-03-11T20:34:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=19548"},"modified":"2020-03-11T22:34:25","modified_gmt":"2020-03-11T20:34:25","slug":"letter-jam","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/letter-jam\/","title":{"rendered":"Letter Jam"},"content":{"rendered":"<p>Verlag: CGE \/ Heidelberger<br \/>\nAutor: Ondra Skoup\u00fd<br \/>\nSpieleranzahl: 2-6<br \/>\nAlter: ab 10 Jahren<br \/>\nSpieldauer: ca. 45 Minuten<\/p>\n<p>Es regt mich sehr auf, wenn jemand von einem Brettspiel behauptet \u201eDas ist ja gar kein Spiel\u201c, normalerweise gefolgt von einer sehr engen Definition von \u201eSpiel\u201c, die zu nichts gut ist, au\u00dfer rein zuf\u00e4llig das entsprechende Spiel auszugrenzen.<\/p>\n<p>Insofern ist es mir fast unangenehm zuzugeben, dass sich <em>Letter Jam<\/em> f\u00fcr mich weniger wie ein Spiel anf\u00fchlt, sondern mehr wie ein R\u00e4tsel. Warum das so ist, versuche ich im folgenden zu ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Doch zuerst die Klarstellung: Nat\u00fcrlich ist <em>Letter Jam<\/em> ein Spiel! Es ist sogar ein \u201ezielorientiertes Regelspiel\u201c was die etwas sperrige Bezeichnung f\u00fcr alle Spiele ist, die wir gemeinhin als Brett- und Kartenspiele bezeichnen; Es hat ein Spielziel (jeder muss die Buchstaben, die man zugeteilt bekommt, deduzieren und daraus ein Wort bilden) und M\u00f6glichkeiten dieses zu erreichen (das erkl\u00e4re ich lieber etwas ausf\u00fchrlicher). Nein, den Status als Spiel stelle ich gar nicht infrage, sonst w\u00e4re es ja auch kein R\u00e4tsel, warum es sich nicht wie eines anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re vielleicht auch nicht weiter bemerkenswert, wenn <em>Letter Jam<\/em> v\u00f6llig interaktionslos w\u00e4re &#8211; das ist aber gar nicht, im Gegenteil! Es funktioniert z.B. nicht alleine &#8211; denn anders als bei anderen kooperativen Spiele, bek\u00e4mpft man hier keinen Algorithmus, sondern gibt sich gegenseitig Hinweise und Aufgaben;<\/p>\n<p>Damit garantiert jeder am Ende ein Wort legen kann, bekommt jeder am Anfang ein Wort von seinem Nachbarn, dessen Buchstaben er vermischt. Es ist explizit nicht Ziel das Wort zu raten, solange man am Ende ein Wort vorliegen hat. Ob aus \u201eRegal\u201c ein \u201eLager\u201c geworden ist, ist irrelevant.<\/p>\n<p>Die Buchstaben err\u00e4t man nach und nach: Jeder hat einen (bei niedrigen Mitspieleranzahlen auch mal zwei) Buchstaben in Hanabi-Manier vor sich stehen, so dass jeder die Buchstaben der Mitspieler sieht, nicht aber seine eigenen. Hinweise gibt, wer welche geben will, wobei ein Mechanismus daf\u00fcr sorgt, dass die Hinweise zumindest einigerma\u00dfen zwischen den Spielern verteilt sind. Hinweise sind W\u00f6rter, die der Hinweisgeber mit den f\u00fcr ihn sichtbaren Buchstaben erstellt. Wobei niemand das Wort selbst h\u00f6rt, sondern nur sieht welche Buchstaben an welcher Stelle vorkommen und so hoffentlich auf die eigenen schlie\u00dfen kann:<\/p>\n<p>Hat Spieler 1 ein S und Spieler 2 ein N und Spieler 3 Ein A, so k\u00f6nnte der vierte Spieler das \u00b4Wort \u201eNASS\u201c bilden und dem ersten die Zahlen 3 und 4 geben, dem zweiten eine 1 und dem dritten eine 2. Ob das eine gro\u00dfe Hilfe war? Dazu muss man sich in die Position der anderen hineinversetzen.<\/p>\n<p>Spieler 1 sieht NA??, Spieler 2 ?ASS und Spieler 3 N?SS. F\u00fcr Spieler 1 war der Hinweis vermutlich brauchbar, da es nicht viele W\u00f6rter gibt, die in Frage k\u00e4men. F\u00fcr Spieler 2 dagegen war der Hinweis absolut nicht hilfreich, denn ob es Fass, Dass, Ma\u00df (mit ss geschrieben), Bass oder sonst was &#8211; vielleicht sogar nass &#8211; ist, kann er nur raten. Und Spieler drei wei\u00df dass er ein U oder ein A hat, aber nicht welches davon. Der Hinweis war also im gro\u00dfen und ganzen mehr so semi-gut. Besser w\u00e4re ANANAS gewesen, denn dann kann jeder der drei seinen Buchstaben vermutlich zielsicher erraten. Das Stellen der Aufgaben ist also, nun ja, genau,\u00a0 schon eine anspruchsvolle Aufgabe an sich &#8211; gel\u00f6st werden will die aber auch (maW: die eigenen Buchstaben entschl\u00fcsseln). Da die Anzahl der Hinweise pro Spiel limitiert ist, kommt sowas wie \u00a0Zeitdruck auf &#8211; und das ganz ohne <em>Zeit<\/em>druck &#8211; und das verhindert, dass die Buchstaben perfekt entschl\u00fcsselt werden k\u00f6nnen. Manchmal kommt man um ein bisschen Raterei beim Entschl\u00fcsseln nicht herum. Hilfreich ist hier aber das Wissen, dass aus all den Buchstaben zusammen ja ein Wort bildbar ist.<\/p>\n<p>Insgesamt bietet<em> Letter Jam<\/em> also mehrere verkn\u00fcpfte Puzzle, die parallel gel\u00f6st werden wollen &#8211; und damit sind wir beim Spielgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Anders als bei anderen kooperativen Spielen l\u00f6st man hier zwar <em>parallel<\/em> aber eben nicht <em>gemeinschaftlich<\/em> die individuellen R\u00e4tsel &#8211; jeder Spieler sieht einen anderen Satz Buchstaben und sieht damit auch einen ganz eigenen Teil der Aufgabe. Hilfestellungen untereinander sind (abseits der Hinweise) nicht erlaubt, da dabei zwangsl\u00e4ufig Informationen flie\u00dfen m\u00fcssten, die nicht flie\u00dfen d\u00fcrfen.Daher gibt es eigentlich keine <em>gemeinsame<\/em> Aufgabe, die man kooperativ l\u00f6st, vielmehr stellt man sich die ganze Zeit gegenseitig R\u00e4tsel, die jeder f\u00fcr sich alleine l\u00f6st. Die Interaktion ist das Stellen von besonders geschickten R\u00e4tseln, aber die eigentliche Denkarbeit liegt bei jedem einzelnen. Das wird durch die Wertung unterstrichen: Es gibt keine scharfe Grenze zwischen \u201eGewonnen\u201c und \u201eVerloren\u201c, lediglich eine Punktzahl, wie die Gruppe abgeschnitten hat &#8211; und das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich auch von den Hinweisen ab, aber wie und ob diese gel\u00f6st werden oder \u00fcberhaupt gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, h\u00e4ngt an jedem Individuum.<\/p>\n<p>Damit steht das R\u00e4tselgef\u00fchl im Vordergrund. Das ist gar nicht negativ gemeint &#8211; lediglich, dass es sich nicht nach \u201espielen\u201c anf\u00fchlt, sondern nach \u201eJeder l\u00f6st einzeln Deduktionsaufgaben\u201c. Das ist nicht zwangsl\u00e4ufig das Spielgef\u00fchl, das man gemeinhin von einem kooperativen Spiel erwartet. Ist das ein Problem? Mit Sicherheit nicht! <em>Letter Jam<\/em> ist ohne Zweifel ein originelles Spiel. So originell, dass es die gewohnten Pfade verl\u00e4sst und im R\u00e4tselbereich umherwandert. Das einzige vergleichbare Spiel, dass mir einf\u00e4llt ist <em>Witness<\/em>, bei dem die Gruppe ebenfalls R\u00e4tselaufgaben l\u00f6sen muss. Witness <em>habe<\/em> ich damals mit dem Sylvester bedacht, was zeigt, dass ich mich gerne in den Bereichen bewege, die <em>Letter Jam<\/em> mir bereitstellt. Die Zielgruppe ist also da, aber sie ist kleiner als bei anderen Koops.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: CGE \/ Heidelberger Autor: Ondra Skoup\u00fd Spieleranzahl: 2-6 Alter: ab 10 Jahren Spieldauer: ca. 45 Minuten Es regt mich sehr auf, wenn jemand von einem Brettspiel behauptet \u201eDas ist ja gar kein Spiel\u201c, normalerweise gefolgt von einer sehr engen Definition von \u201eSpiel\u201c, die zu nichts gut ist, au\u00dfer rein zuf\u00e4llig das entsprechende Spiel auszugrenzen. 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