{"id":195,"date":"2007-04-15T19:56:27","date_gmt":"2007-04-15T17:56:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/carcassonne-die-stadt\/"},"modified":"2010-09-23T17:03:45","modified_gmt":"2010-09-23T15:03:45","slug":"carcassonne-die-stadt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/carcassonne-die-stadt\/","title":{"rendered":"Carcassonne &#8211; Die Stadt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/reviews\/carcassonnestadt.jpg\" align=\"left\" hspace=\u201c10\u201c\/>Verlag: Hans im Gl\u00fcck<br \/>Autor: Klaus-J\u00fcrgen Wrede<br \/>Spieleranzahl: 2-4<br \/>Alter: ab 8 Jahre<br \/>Spieldauer: ca. 30-45 Minuten<\/p>\n<p>Ich habe 15 Monate in Thailand gearbeitet. Da es Thailand absolut keine \u201eechte\u201c Brettspielszene gibt (oder besser \u201egab\u201c &#8211; es hat vor kurzem ein Spielecaf\u00e9 nach Singapurer Vorbild dort aufgemacht) war es sozusagen spielerisches Exil. Was ich viel gespielt habe war  <i>Carcassonne<\/i> am Computer. Dadurch hat sich nicht nur eine gewisse Spielst\u00e4rke bei mir eingestellt (wenn ich das so sagen darf), sondern auch daf\u00fcr gesorgt, dass ich das pure <i>Carcassonne<\/i> ohne Erweiterungen richtig zu sch\u00e4tzen gelernt habe. Nun ist mir klar, dass jeder Verlag nat\u00fcrlich das Recht &#8211; ja schon fast die Pflicht &#8211; hat, aus einem Spiel so viel Geld rauszuholen wie geht, aber f\u00fcr mich sind die Erweiterungen im Regelfall nichts. Im Falle Carccis geht durch die Erweiterung sogar etwas Taktik fl\u00f6ten: Da es durch die Erweiterungen mittlerweile f\u00fcr jede erdenkbare Situation ein Gegenpl\u00e4ttchen gibt, ist es fast unm\u00f6glich geworden destruktiv zu spielen. Und dadurch gewinnt dann doch der, der am meisten St\u00e4dtepl\u00e4ttchen gezogen hat. Zudem wird durch die Pl\u00e4ttcheninflation auch die Spieldauer in die L\u00e4nge gezogen &#8211; auch ein kleiner Nachteil, wie ich finde.<br \/>\nLange Rede kurzer Sinn: Seit meiner spielerischen Reinigung im ehemaligen Siam habe ich mir keine Erweiterungen f\u00fcr <i>Carcassonne<\/i> mehr gekauft. <\/p>\n<p>Insofern war es auch keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass ich mir <i>Carcassonne &#8211; Die Stadt<\/i> zugelegt habe. Zwar keine Erweiterung, aber letztlich doch nur eine Variante in einer Holzbox. Alter Wein in neuen Schl\u00e4uchen? <\/p>\n<p>Nun bleibt das Grundger\u00fcst nat\u00fcrlich gleich (Ich werde dessen Kenntnis im folgenden voraussetzen), allerdings m\u00fcssen sich Carcci-Kenner doch an einige Neuerungen gew\u00f6hnen. So sind zwar die Stra\u00dfen gleich geblieben, aber statt St\u00e4dten und Wiesen gibt es nun M\u00e4rkte in 3 Ausf\u00fchrungen und Wohngebiete. Und diese k\u00f6nnen beliebig aneinandergelegt werden &#8211; nur Strassen m\u00fcssen angeschlossen werden. Die M\u00e4rkte \u00fcbernehmen so ein bisschen die Rolle der St\u00e4dte. Wir ein solcher fertig gestellt, h\u00e4ngt sein Wert von der Pl\u00e4ttchenanzahl und der Anzahl der unterschiedlichen Produkte ab. Die Wohngebiete entsprechen im Prinzip den Wiesen, z\u00e4hlen die dort plazierten Gefolgsp\u00f6ppel doch bei Spielende 2 Punkte pro Markt. Durch die Pl\u00e4ttchen und die M\u00f6glichkeit \u00fcberall anzubauen sind die spielerischen Auswirkungen allerdings weitaus gr\u00f6\u00dfer: Gro\u00dfe \u201eWiesen\u201c-Wertungen sind schwieriger geworden. Riesenwiesen, die alle \u201eSt\u00e4dte\u201c ber\u00fchren kommen nicht vor. Fast unm\u00f6glich ist es mittlerweile sich in einen Markt einzuschleusen (so wie das bei den St\u00e4dten eine beliebte Taktik war) &#8211; Da fast alles passt, wird einfach ein Wohngebiet zwischen die M\u00e4rkte gelegt und beide gewertet. Nicht unwichtig ist \u00fcbrigens, dass es nun nicht mehr m\u00f6glich ist, einzusetzen und gleich zu werten &#8211; das w\u00e4re hier zu einfach. Also muss mit den Mannen zumindest anfangs mehr gehaushaltet werden. <\/p>\n<p>Doch die wichtigste \u00c4nderung ist die Stadtmauer. Wenn so ein Drittel der Pl\u00e4ttchen gezogen worden sind, wird bei jeder Wertung die Stadtmauer verl\u00e4ngert. Diese erlaubt es zum einen noch ein paar Punkte zu machen und zum anderen werden Stra\u00dfen und M\u00e4rkte gewertet, die an der Mauer enden. Seine Gefolgsleute darf man auch einsetzen und zwar auf die Mauer &#8211; ihr Punktwert richtet sich danach, wie viele Sondergeb\u00e4ude sie in gerader Linie \u201esehen\u201c. Sondergeb\u00e4ude sind in zuf\u00e4lliger Verteilung auf die Wohngebiete draufgedruckt. Da hier viele Punkte zu holen sind, ist das Bauen der Stadtmauer wichtig. <br \/>\u00dcberhaupt ist die Stadtmauer das entscheidende Element. Durch Sie kommt eine bislang unbekannte Enge ins Spiel und auch Tempo: Zum einen m\u00f6chte ich an der Stadtmauer bauen, denn dann gibt\u2019s Punkte. Um das zu d\u00fcrfen, muss ich Wertungen ausl\u00f6sen. Zur Not l\u00f6se ich eine gegnerische Wertung aus, um dann Mauerbau zu betreiben. Zum anderen werden Stra\u00dfen und M\u00e4rkte durch die Mauer begrenzt und so werden noch mehr Wertungen ausgel\u00f6st (dem, das dadurch auch k\u00fcrzere Stra\u00dfen entstehen wird durch eine etwas modifizierte Stra\u00dfenwertung Rechnung getragen). Dadurch kommt ungemein Tempo ins Spiel. Zudem endet das Spiel auch dann, wenn die Stadtmauer die Auslage fast umschlossen hat, so dass nicht unbedingt alle Pl\u00e4ttchen ben\u00f6tigt werden. Endet das Urspiel einfach irgendwann, wenn es keine Pl\u00e4ttchen mehr gibt, so wirkt das Ende der Stadt organischer, logischer. <\/p>\n<p>Doch wie ist es jetzt mit der Empfehlung? Man gestatte mir einen Vergleich mit \u201eJ\u00e4ger und Sammler\u201c &#8211; dem \u201egr\u00fcnen Carcassonne\u201c und dessen Verh\u00e4ltnis zum Urspiel. In meinen Augen waren das blaue und das gr\u00fcne Carcassonne trotz unterschiedlicher Elemente ziemlich austauschbar. Gespielt haben sich die beiden letztlich gleich und dass sich bei mir das blaue durchgesetzt hat, liegt einfach daran, dass ich es zuerst hatte. W\u00e4re das gr\u00fcne das erste gewesen und als solchen Spiel des Jahres geworden, h\u00e4tte ich das wohl in Thailand gespielt (wobei mich interessiert h\u00e4tte, wie dann die Erweiterungen thematisch gepasst h\u00e4tten). <\/p>\n<p>Bei der Stadt ist dies anders. Es spielt sich schon taktisch und vom Spannungsverlauf her ziemlich anders als das Grundspiel. Nat\u00fcrlich blieb der Kern unber\u00fchrt, so dass vollkommene Carcassonne-Hasser auch durch die Stadt nicht bekehrt werden k\u00f6nnen. Die gro\u00dfen Fans kaufen sich die Stadt auch. Die dazwischen sollten einen Blick riskieren: Die Stadt hat einen ganz eigenen Reiz. Es hat zudem den Vorteil der sch\u00f6neren Optik und der Holzkiste, die sich bei Nichtgefallen prima verschenken l\u00e4sst. Zwei Nachteile jedoch bringt die Stadt freilich mit sich: Zum einen ist sie nur f\u00fcr maximal 4 Spieler ausgelegt. Das empfinde ich nicht als Makel, spiele ich doch schon das Urspiel am liebsten zu dritt. Gr\u00f6\u00dfere Runden m\u00fcssen aber nun einmal passen. Zum anderen kommt es durch die Wertungswut in der zweiten Spielh\u00e4lfte und aufgrund der vielen Punkte durch die Gefolgsleute auf den Mauern zu einer Punkteinflation (dreistellige Punktzahlen sind keine Seltenheit). Das kann gegen Ende etwas rechenintensiv werden und f\u00fcr so manche \u00dcberraschung gut sein &#8211; Ein Absch\u00e4tzen, wer denn nur f\u00fchrt ist dadurch n\u00e4mlich nur sehr bedingt m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Hans im Gl\u00fcckAutor: Klaus-J\u00fcrgen WredeSpieleranzahl: 2-4Alter: ab 8 JahreSpieldauer: ca. 30-45 Minuten Ich habe 15 Monate in Thailand gearbeitet. Da es Thailand absolut keine \u201eechte\u201c Brettspielszene gibt (oder besser \u201egab\u201c &#8211; es hat vor kurzem ein Spielecaf\u00e9 nach Singapurer Vorbild dort aufgemacht) war es sozusagen spielerisches Exil. 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