{"id":19247,"date":"2019-12-18T17:51:07","date_gmt":"2019-12-18T15:51:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=19247"},"modified":"2019-12-18T21:09:31","modified_gmt":"2019-12-18T19:09:31","slug":"porto","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/porto\/","title":{"rendered":"Porto"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag: <\/strong>Mebo<br \/>\n<strong>Autor: <\/strong>Orlando S\u00e1<br \/>\n<strong>Spielerzahl: <\/strong>2-4<br \/>\n<strong>Alter: <\/strong>ab 8 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer:<\/strong> ca. 50 Minuten<\/p>\n<p>Es ist eine der Marotten von Eurogames, dass sie oft nach Ortschaften, St\u00e4dten oder Regionen benannt sind. Der Vorteil sollte auf der Hand liegen. Eine lose Ansammlung unterschiedlicher Spielregeln nach einem Ort zu benennen ist so stimmungsvoll wie es nichtssagend ist. Statt eines Pl\u00e4ttchenlegespiels mit Bereichswertungen, spielen wir Carcassonne! Statt einem ulkig aussehenden Spiel in dem man Kartenreihen sammelt, spielen wir St. Petersburg!<\/p>\n<p>Porto ist nicht das Spiel, das mit dieser Tradition brechen wird. Auch wenn es auf dem Spielbrett von Sehensw\u00fcrdigkeiten und Anspielungen auf Portos Geschichte und Kultur nur so wimmelt, weckt die Kartenspielerei, die darauf stattfindet, nur bedingt Eindr\u00fccke dieser Stadt. Allerdings gibt es nur wenige Spiele, die tats\u00e4chlich davon handeln, was auf der Schachtel steht.<\/p>\n<p>Bei Porto errichten die Spieler mit Hilfe ihrer Karten die bunte Promenade in.. nun&#8230; Porto. Das Spielkonzept ist einfach und griffig. Wenn man am Zug ist, nimmt man bis zu drei Karten auf die Hand oder errichtet ein Geb\u00e4ude, in dem man zwei Karten aus der Hand spielt, und punktet damit. Wenn eine bestimmte Zahl an Geb\u00e4uden fertig gebaut ist, beginnt die letzte Runde. Das ist schnell, einfach und man wei\u00df worauf man sich einl\u00e4sst.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-19250\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191206_202556-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" \/>Gleich zu Beginn des Spiels f\u00e4llt einem auf, wie das Verkn\u00fcpfen des Spieltempos mit den Entscheidungen der Spieler dadurch gewinnt, dass es nur so wenige Optionen gibt. So kann man das Spiel entweder langsam oder schnell vorantreiben. Denn Porto ist ein herrlich interaktives Spiel. Nicht im Stil der alten Schule, als man noch mit W\u00fcrfeln, Ereigniskarten und Blockaden die sorgf\u00e4ltigen Pl\u00e4ne anderer Spieler zunichte macht. Es erreicht seine Interaktion zwischen den Spielern auf eine Weise, wie es Eurogames nur noch selten gelingt. Jede Spielerentscheidung er\u00f6ffnet neue Punktem\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle am Tisch. So bleibt die Spielsituation durchgehend spannend und in Bewegung.<\/p>\n<p>Denn in Porto gibt es viele M\u00f6glichkeiten, um zu punkten. Angefangen mit den Geb\u00e4uden selbst, hin zu pers\u00f6nlichen Zielen, \u00f6ffentlichen Punktekarten oder einfach Punktepl\u00e4ttchen, die auf dem Spielbrett verteilt sind. Das mag nach Punktesalat klingen, aber statt s\u00e4mtliche Nuancen unter einem offenen Siegpunkte-buffet zu vergraben, entsteht so ein einladendes Netz an Anreizen, denen man folgen kann.<\/p>\n<p>Autor Orlando S\u00e1 hat ein schickes Netzwerk an verschachtelten Zielen geschaffen, welches dem Spiel sein Tempo gibt und das Spielerinteresse zu halten wei\u00df. Ein Kunstst\u00fcck, das einfacher aussieht als es ist. Zwar gibt es Vielspieler, die sich daran erfreuen mehr reizvolle Optionen zu besitzen als Spielz\u00fcge, um sie alle auszuf\u00fchren, aber es ist keine angenehme Spielerfahrung an sich. Zum einen er\u00f6ffnet diese Knappheit viel gedankliches Hin und Her, w\u00e4hrend man versucht sich f\u00fcr die eine oder andere Option zu entscheiden. Hobbyisten bezeichnen das als analysis paralysis (zu dt. Entscheidungsunf\u00e4higkeit). Im bestm\u00f6glichen Fall ist man seine eigene Unentschlossenheit irgendwann leid. Statt sich gegenseitig ausschlie\u00dfenden Optionen abzuw\u00e4gen, f\u00e4llt man einfach eine Bauchentscheidung. Damit koppelt man sich leider auch vom reizvollsten Aspekt eines guten Eurogames ab: das gen\u00fc\u00dfliche Ausknobeln und Vorplanen des eigenen Zuges. Es ist eine Falle, in die viele stark interaktive Designs tappen. Sobald die eigene Entscheidung zu stark von den Entscheidungen anderer Spieler abh\u00e4ngt, und das Zusammenspiel der Aktionen zu undurchsichtig wird, verschiebt sich der Kern des Spielerlebnis. Was als vielversprechende Knobelei beginnt wird im Handumdrehen zum wei\u00dfem Rauschen. Stattdessen spielt man sich durch eine Reihe an Lernrunden, in denen man experimentiert und ausprobiert, um nach einigen Abenden ein funktionierendes Spielskript im Kopf zu haben, das man in zuk\u00fcnftigen Runden anwenden kann. Je ungenauer das Verh\u00e4ltnis zwischen Aktion und Reaktion ist, umso l\u00e4nger wird man experimentieren m\u00fcssen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19249\" aria-describedby=\"caption-attachment-19249\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-19249\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191206_202601-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19249\" class=\"wp-caption-text\">Auftragskarten bringen Bonuspunkte<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gl\u00fccklicherweise will Porto, dass man in diesem Spiel schon Spa\u00df hat und nicht erst im n\u00e4chsten. Darum bekommt man nur zwei M\u00f6glichkeiten aus denen man w\u00e4hlen kann. Man kann bauen, um Punkte zu machen. Aber das erh\u00f6ht wom\u00f6glich die Chancen f\u00fcr die anderen Spieler diese Runde noch mehr Punkte zu holen. Wenn man allerdings jede Gelegenheit, die Mitspieler einem anbieten, auskosten m\u00f6chte, braucht man daf\u00fcr eine Vielzahl unterschiedlicher Karten in der Hand.<\/p>\n<p>Porto zu spielen, hei\u00dft ein Gesp\u00fcr f\u00fcrs richtige Timing zu haben. Wann genau springt man vom Ausf\u00fcllen der eigenen Kartenhand auf den Zug in Richtung Siegpunkte? Ist es besser sich lange vorzubereiten bevor man wiederholt Punkte in den letzten Runden des Spiels einheimst? Oder sollte man eher kurzfristig und schnell Punkte holen, um so mit Masse den Sieg zu holen? Bevor man sich versieht spielt man mit seinen Freunden eine seltsame Art des Feiglingspiels: wer kneift zuerst um sich die Siegpunkte auf dem Brett zu holen, und gew\u00e4hrt dabei seinen Gegnern unvermeidlich einen Vorteil?<\/p>\n<p>F\u00fcr ein Eurogame ist das nicht zwingend ein ungew\u00f6hnliches Spielerlebnis. Es ist jedoch beeindruckend, dass das mit so wenigen Regeln umgesetzt wurde. Portos Schlichtheit und einfache Spielbarkeit l\u00e4sst einen das beeindruckend robuste Regeldesign \u00fcbersehen. Schon bald richtet man seine Aufmerksamkeit auf andere Spieler, statt auf das Brett zu starren und die n\u00e4chste Aktion zu planen. Jede Entscheidung spielt eine Rolle und bereichert den Knobelspa\u00df, wenn es darum geht, wann man den Schritt zum Punkteholen macht.<\/p>\n<p>Es st\u00f6ren an Porto nur Kleinigkeiten. Die Illustration sind zwar charmant und humorvoll, aber auch etwas unruhig. Das Spielbrett ist absolut funktionsorientiert, aber vielleicht einen Tick zu gro\u00df. So weckt es die Erwartung, man h\u00e4tte es hier mit einem komplexeren Spiel zu tun als es der Fall ist. Porto spielt sich aber nicht nur schnell. Man kann es auch w\u00e4hrend des ersten Spiels begreifen. Das sollte jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass die im Hintergrund laufenden Zahlenspiele fehlerfrei arbeiten. Die Regeln des Spiels sind kein Brocken, den man erst lange verdauen muss, weil Porto durch sein sauberes Design zu \u00fcberzeugen wei\u00df. Dieses Spiel wird das Hobby nicht revolutionieren, aber es ist ein sehr gutes Beispiel daf\u00fcr, was moderne Brettspiele leisten k\u00f6nnen, wenn sie sich nicht auf Gimmicks verlassen wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Mebo Autor: Orlando S\u00e1 Spielerzahl: 2-4 Alter: ab 8 Jahren Dauer: ca. 50 Minuten Es ist eine der Marotten von Eurogames, dass sie oft nach Ortschaften, St\u00e4dten oder Regionen benannt sind. Der Vorteil sollte auf der Hand liegen. 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