{"id":19132,"date":"2019-11-27T17:53:03","date_gmt":"2019-11-27T15:53:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=19132"},"modified":"2019-12-04T12:47:16","modified_gmt":"2019-12-04T10:47:16","slug":"mini-mutabo","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/mini-mutabo\/","title":{"rendered":"Mini Mutabo"},"content":{"rendered":"<p>Verlag: Drei Hasen in der Abendsonne<br \/>\nAutoren: Kathi Kappler und Johann R\u00fcttinger (basierend auf einem traditionellen Spiel)<br \/>\nSpieleranzahl: 3 <strong>bis<\/strong> recht beliebig viele Spieler<br \/>\nAlter: ab 10 Jahren (ggf. auch etwas j\u00fcnger, lesen sollte man halt schon gut k\u00f6nnen )<br \/>\nSpieldauer: So lange die Spieler wollen. Eine Runde dauert so ca. 5 Minuten<\/p>\n<p>Ca. 2000 spielte ich zum ersten Mal ein Spiel, bei dem man sich einen Begriff &#8211; oder besser ein Sprichwort oder einen Filmtitel &#8211; ausdachte, auf einen Zettel schrieb und diesen weitergab. Der n\u00e4chste musste diesen Begriff (oder Sprichwort oder Filmtitel) malen und das Blatt geknickt weitergeben. Der n\u00e4chste versuchte zu erraten, was auf dem Bild dargestellt ist, schrieb seine Interpretation darunter und gibt es weiter, der n\u00e4chste malt dann wiederum die Interpretation <em>davon<\/em> usw. Da mir kein Titel f\u00fcr das Spiel bekannt war, nannte ich es <em>Titel-Bilder<\/em> und stellte es 2005 in meinem Buch <em><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3000170499\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;tag=spielbar-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;linkCode=as2&amp;creativeASIN=3000170499&amp;linkId=93407ef03a3a6f05b0b0e380c34a5f29\">Jam Dudel<\/a><\/em> vor. Erst sp\u00e4ter erfuhr ich, dass das Spiel im englischsprachigem Sprachraum als <em>Eat poop you cat<\/em> bekannt ist (laut Boardgamegeek seit 1984).<\/p>\n<p>2012 brachte Goliath Toys eine kommerzielle Variante (&#8220;<a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/stille-post-extrem\/\">Stille Post Extreme<\/a>&#8220;) auf dem Markt, bei dem eine absolut \u00fcberfl\u00fcssige (und eher kontraproduktive) Punktwertung und schicke Bl\u00f6cke erg\u00e4nzt wurden. Diese Version wurde \u00a0schnell ein Hit in meiner Familie.<\/p>\n<p>2017 brachte Drei Hasen in der Abendsonne erstmals <em><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/2018\/04\/08\/17193\/\">Mutabo<\/a><\/em> auf den Markt &#8211; Ohne Punktwertung, daf\u00fcr aber mit lustigen Karten.<\/p>\n<p>2019 schrumpfte der Verlag die Verpackung, in dem der \u00fcberfl\u00fcssige (aber immerhin mit Knicklinien ausgestatte) Block gestrichen wurde. Und nat\u00fcrlich sind die Karten, der Kern dieser Version, neu. Warum es die beste Version auf dem Markt ist und das traditionelle Spiel gut erg\u00e4nzt, werde ich auf den n\u00e4chsten 372 Seiten meiner Doktorarbeit ausf\u00fchrlich darlegen:<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bei <em>Mutabo<\/em> (abgeleitet von <em>Mutabor<\/em> aus dem M\u00e4rchen Kalif Storch) gibt es keine Siegbedingung &#8211; es geht nicht um Punkte, es gibt keine festgelegte Spieldauer, niemand scheidet aus, niemand spielt auf Gewinn, nicht einmal kooperativ. Damit f\u00e4llt <em>Mutabo<\/em> nicht in den Bereich der \u201eZielorientierten Spiele\u201c, die hier sonst besprochen werden und deren Definition in etwa lautet: \u201eEs gibt ein Spielziel und feste Regeln, nach denen die Spieler das Ziel erreichen k\u00f6nnen\u201c. Wer jetzt aber <em>Mutabo<\/em> als \u201eAktivit\u00e4t, kein Spiel\u201c abstuft, \u00fcbersieht, dass zielorientierte Spiele nur eine Teilmenge der \u201eRegelspiele\u201c bilden (die zusammen mit \u201efreiem Spiel\u201c die Aktivit\u00e4t (sic!) \u201eSpiel darstellen) &#8211; Auch Fantasy-Rollenspiele etwa haben in der Regel keinerlei Siegbedingung und denen wird auch nicht unterstellt \u201eKein Spiel\u201c zu sein. Mit Rollenspielen hat <em>Mutabo<\/em> freilich nur gemein, dass der Weg das Ziel ist &#8211; hier geht es lediglich darum Spa\u00df zu haben und zwar nat\u00fcrlich Spa\u00df an den irrwitzigen Zeichnungen und vor allem der Evolution, die ein Begriff (oder ein Sprichwort oder ein Filmtitel) durchwandert. Es ist immer wieder erstaunlich, was erkannt wird und bis zum Ende durchl\u00e4uft und was sich komplett ver\u00e4ndert, oft ins Gegenteil verkehrt wird. Das macht einfach SPASS, wie wir Fachanalytiker sagen. Hier m\u00f6chte ich tiefergehende Analysen \u00fcber die Wurzeln des Spa\u00dfgef\u00fchles in <em>Mutabo<\/em> vermeiden und verweise diesbez\u00fcglich auf meine in B\u00e4lde erscheinende zw\u00f6lfb\u00e4ndige\u00a0 Abhandlung zu diesemThema. Mittlerweile sollte der Leser aber auch so schon eruiert haben, ob ihn <em>Mutabo<\/em> interessiert.<\/p>\n<p>Spannender ist die Frage: Warum ist<em> Mini-Mutabo<\/em> die beste kommerzielle Version?<\/p>\n<p>Spielt man das Spiel ganz klassisch \u201ePen&amp;Paper\u201c, stellt man schnell fest, wie schwierig es eigentlich ist, sich einen passenden Begriff f\u00fcr den Anfang auszudenken: Man will nicht zu einfach werden, denn wenn sich in all den Male-und Raterunden gar nichts \u00e4ndert, ist das ein bisschen antiklimatisch. Bei zu abstrusen Begriffen aber ist die Verbl\u00fcffung zu klein, wenn sich was \u00e4ndert, da sowieso niemand damit gerechnet hat, dass \u201eExistentialphilosophie\u201c vom ersten Rater richtig erkannt wird. Und als Rater hat man mehr Spa\u00df, wenn man zumindest versuchen kann, zu erraten, was auf dem Bild zu sehen ist. Daher waren Sprichw\u00f6rter immer eine gute Idee, aber davon gibt es halt auch nur eine begrenzte Anzahl. Und wenn man wei\u00df, dass es ein Sprichwort ist, ist es irgendwann auch zu einfach. Dies ist der einzige Schwachpunkt von<em> Titel-Bilder<\/em> und hier greift <em>Mutabo<\/em> an &#8211; anders als <em>Stille Post Extrem<\/em>, deren Redaktion man vorwerfen kann, den Reiz des Spieles nicht verstanden zu haben (wozu eine Punktwertung, die genau das spassige Element unterl\u00e4uft?). Material sind Karten, die in <em>Soldatenspiel-<\/em>Manier kombiniert einen Satz bilden wie \u201eDer jonglierende Pausenclown springt \u00fcber eine hohe Mauer\u201c. Die Elemente kann man theoretisch zeichnen und k\u00f6nnen theoretisch erkannt werden und sind oft auch f\u00fcr sich genommen schon witzig &#8211; wenn dann neue, witzigere S\u00e4tze herauskommen, hat das Spiel erreicht, was es soll. Mehr muss eine kommerzielle Version dieses Spieles nicht leisten!<\/p>\n<p>Und damit sind wir beim Hauptargument pro <em>Mini Mutabo<\/em>: Der Preis. So sch\u00f6n die abwaschbaren Bl\u00f6cke bei der Goliath -Ausgba auch waren: Im Prinzip braucht man f\u00fcr dieses Spiel nur Papier und Stift. Wer das Spiel kennt, wei\u00df das und wird nicht Geld f\u00fcr besonders schickes Papier und Stift ausgeben wollen &#8211; aber vielleicht kleines Geld f\u00fcr einen gro\u00dfen Batzen absolut geeigneter Anfangss\u00e4tze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Drei Hasen in der Abendsonne Autoren: Kathi Kappler und Johann R\u00fcttinger (basierend auf einem traditionellen Spiel) Spieleranzahl: 3 bis recht beliebig viele Spieler Alter: ab 10 Jahren (ggf. auch etwas j\u00fcnger, lesen sollte man halt schon gut k\u00f6nnen ) Spieldauer: So lange die Spieler wollen. 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