{"id":18937,"date":"2019-09-16T21:13:48","date_gmt":"2019-09-16T19:13:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=18937"},"modified":"2019-09-16T21:13:48","modified_gmt":"2019-09-16T19:13:48","slug":"kung-fu","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/kung-fu\/","title":{"rendered":"Kung Fu"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de-DE\"><strong>Verlag: <\/strong>Good Game Design<br \/>\n<strong>Autor:<\/strong> Zong-Hua Yang<br \/>\n<strong>Spieleranzahl: <\/strong>2-5<br \/>\n<strong>Alter: <\/strong>ab 8 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer: <\/strong>20 Minuten<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Was mir in jedem Jahr an der Spiel besonders gef\u00e4llt, ist die gro\u00dfe Auswahl an internationalen Spielautoren, die ihre Werke dort vorstellen. Spieldesign ist mehr als nur technisches Handwerk. Ein Spiel ist auch Produkt der \u00f6rtlichen Spielkultur. Oder um es anders zu sagen, es ist ein Ausdruck das pers\u00f6nlichen Spielemillieus des Autors.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Diese Unterschiede kann man manchmal bereits an der Pr\u00e4sentation erkennen. So ist ein franz\u00f6sisches Spiel wie Seasons stark vom Zeichenstil gepr\u00e4gt, voll \u00fcppiger Farbenpracht und einfallsreicher Motive. Die Aufmachung ist wichtiger Bestandteil des Spielerlebnisses und speist sich nicht selten aus der lebhaften Genre der bande dessin\u00e9e (Comics). In Spielen erkennt man diese durch den Hintergrund gepr\u00e4gten Unterschiede auch daran wie ein Autor H\u00fcrden in seinem Spiel angeht, oder welche Aspekte nach vorne gestellt und welche eher klein gehalten werden. Ein Spiel wie Machi Koro wehte wie ein frischer Wind durch manche Spielrunden, weil es einen so starken Wert auf Gl\u00fccksspiel und W\u00fcrfelei legte. Manche Verlage sehen ein starkes Zufallselement (immer noch) als Zeichen daf\u00fcr, dass ein Spiel eher f\u00fcr Kinder und Familien geeignet ist, als f\u00fcr erfahrene Spielstrategen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Kung Fu von Designer Zong-Hua Yang, ver\u00f6ffentlicht von Good Game Studio unter dem Taiwan Boardgame Design Banner, spielt sich ein wenig wie eine Kombination aus Seasons und Machi Koro. Es beginnt wie auch Seasons damit, dass man Karten draftet. Das hei\u00dft aus einer Hand von Karten w\u00e4hlt man eine aus, und gibt die restlichen an seinen Nachbarn weiter bis man seine Spielhand St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zusammengestellt hat. Sp\u00e4ter w\u00e4hlt man drei Karten aus, um sie in der laufenden Runde zu nutzen. Die zweite, k\u00e4mpferische H\u00e4lfte des Spiels erinnert an Machi Koro. Die W\u00fcrfel f\u00fcgen dem Spiel ein Gl\u00fccksspielmoment zu, welches immer wieder f\u00fcr viel Emotionen zu sorgen wei\u00df.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18943\" aria-describedby=\"caption-attachment-18943\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-18943\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-700x466.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-2048x1363.jpg 2048w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-370x246.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-270x180.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-570x379.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-751x500.jpg 751w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05358-740x493.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18943\" class=\"wp-caption-text\">Von Carl Douglas fehlt jede Spur<\/figcaption><\/figure>\n<p lang=\"de-DE\">Das ist eigentlich schon das gesamte Spiel. Man sucht sich 10 Karten zusammen. W\u00e4hlt f\u00fcr jede Runde drei davon als Angriff und Verteidigung aus. Dann werden 7 W\u00fcrfel gew\u00fcrfelt, eventuell angepasst und dann schaut man welche Kampfaktionen damit ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Nach maximal drei Runden ist der Kampf vorbei. Wer am Ende noch steht, oder besonders fit ist, hat das Spiel gewonnen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Diese Kompaktheit kann ein Spiel unscheinbar wirken lassen. Denn jedes Jahr sind die Hallen der Spiel in Essen mit Neuerscheinungen vollgestopft. Da ist es nicht einfach aufzufallen. Kung Fu sollte das aber dennoch gelingen, selbst wenn es einen Zeichenstil pflegt, der eher spezielle Vorlieben und Geschm\u00e4cker bedient.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Kung Fu funktioniert so gut, weil das Design schnell und mit Schmackes auf den Punkt kommt. Die Aufgabe ist klar: die eigenen Angriffe und Verteidigung gut ausgleichen, um seine Gegner auf die Bretter zu schicken, ohne selbst umgehauen zu werden. Dank der W\u00fcrfel in der zweiten Spielh\u00e4lfte wird eine der gr\u00f6\u00dften Schw\u00e4chen von Draftingspielen oder kombo-basierten Kartenspielen umgangen. Die Karten gut zu kennen f\u00fchrt nicht zwingend zu einem spielentscheidenden Vorteil. Stattdessen hilft diese Erfahrung schnell und selbstsicher Entscheidungen zu treffen, ohne dabei den Ausgang des Kampfes vorwegzunehmen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Noch wichtiger hingegen ist, dass die Entscheidung dar\u00fcber, welche Karte man beh\u00e4lt, beinahe umgehend Auswirkungen zeigt. Kung Fu\u2019s kurze Spieldauer (etwa 20 Minuten) ist kein Beleg daf\u00fcr, dass ein vermeintlich albernes Spiel einen nicht lange an den Tisch binden darf. Es zeigt vielmehr, dass hier keine Sekunde vergeudet wird, um zur Sache zu kommen. Durch diese Unmittelbarkeit gewinnt das Spiel enorm an Fahrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18944\" aria-describedby=\"caption-attachment-18944\" style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-18944\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-195x300.jpg 195w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-456x700.jpg 456w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-98x150.jpg 98w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-768x1179.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-1000x1536.jpg 1000w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-1334x2048.jpg 1334w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-370x568.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-270x415.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-570x875.jpg 570w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-326x500.jpg 326w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-740x1136.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/DSC05362-e1568661073568-scaled.jpg 1667w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18944\" class=\"wp-caption-text\">Diese Kampfpose tr\u00e4gt den Namen: &#8220;Uff&#8217;s Maul?&#8221;<\/figcaption><\/figure>\n<p lang=\"de-DE\">An Kung Fu sitzt einfach alles. Die 10 gesammelten Karten passen die Grundwerte des eigenen K\u00e4mpfers an. Darunter fallen Lebenspunkte, Angriffs- und Verteidigungsboni, sowie die M\u00f6glichkeit einzelne W\u00fcrfelwerte im Nachhinein zu ver\u00e4ndern. Jede Regel hat einen klar erkennbaren Zweck und nachvollziehbare Anwendung. Jede Entscheidung, die man f\u00e4llen muss, ist einfach zu verstehen ohne dabei banal zu sein. Man kann nicht deutlich genug sagen wie schwer es ist diese Balance richtig hinzubekommen. Aber das ist auch der Grund weshalb sich Kung Fu so fl\u00fcssig runterspielen l\u00e4sst.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Dabei ist diese sparsame Designarbeit kein Vertreter des Microgame-Minimalismus. Kung Fu ist nicht so herunterreduziert, dass es vorwiegend als Erlebnis funktioniert. Stattdessen wird die Zeit zwischen einer Spielerentscheidung und ihren Folgen aufs K\u00fcrzeste heruntergebrochen. Die gedrafteten Karten reifen nicht \u00fcber mehrere Runden, um am Ende in einem Siegpunkte-spendenden Blumenstrau\u00df aufzugehen. Man nimmt sich eine Karte, setzt sie kurz darauf ein und wenn die W\u00fcrfel es wollen, haut man seinen Gegnern ordentlich was um die Ohren.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Dennoch ist das Spiel nicht ohne schweren Fehler, der wohl dazu beitr\u00e4gt, dass es kein gro\u00dfes Publikum finden wird. Kung Fu sieht aus wie ein Spiel, bei dem versehentlich die Dateien des Prototypen an die Druckerei geschickt wurden. Auf jeder Karte nimmt ein K\u00e4mpfer eine passende Pose ein. Leider erinnert der Zeichenstil eher an die Kritzeleien, die ein angehender K\u00fcnstler w\u00e4hrend einer besonders langweiligen Vorlesung \u00fcber das Wirtschaftssystem des 16. Jahrhunderts in seinem Transkript verewigt hat. Die unruhige Strichf\u00fchrung hat zwar einen gewissen Amateur-Charme, aber l\u00e4sst vermuten, dass man es mit einem schludrigen und ungelenken Spiel zu tun hat. In Wirklichkeit aber spielt sich Kung Fu wie ein Traum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Good Game Design Autor: Zong-Hua Yang Spieleranzahl: 2-5 Alter: ab 8 Jahren Dauer: 20 Minuten Was mir in jedem Jahr an der Spiel besonders gef\u00e4llt, ist die gro\u00dfe Auswahl an internationalen Spielautoren, die ihre Werke dort vorstellen. Spieldesign ist mehr als nur technisches Handwerk. Ein Spiel ist auch Produkt der \u00f6rtlichen Spielkultur. 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