{"id":18824,"date":"2019-08-05T13:12:02","date_gmt":"2019-08-05T11:12:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=18824"},"modified":"2019-08-15T18:24:15","modified_gmt":"2019-08-15T16:24:15","slug":"der-herr-der-traeume","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/der-herr-der-traeume\/","title":{"rendered":"Der Herr der Tr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p>Verlag: Plaid Hat Games (Vertrieb: Asmodee)<br \/>\nAutor: Jerry Hawthorne<br \/>\nSpieleranzahl: 2-4<br \/>\nAlter: ab 7 Jahre (Wenn ein Erwachsener am Tisch, gehen auch 6)<br \/>\nSpieldauer: 60-90 Minuten (eher 90)<\/p>\n<p>Jerry Hawthorne hat vor einigen Jahren <em>Maus und Mystik<\/em> entwickelt, eine Art \u201e<em>Descent<\/em> f\u00fcr \u00a0Teenager\u201c. Jetzt ist er mit <em>Herr der Tr\u00e4ume<\/em> noch eine Altersstufe tiefer gegangen und hat ein Spiel entwickelt, dass sich tonal an Kinder unter zehn richtet und schon fast ein Bindeglied zum Rollenspiel darstellt: Die Spieler schl\u00fcpfen in die Rolle von Stofftieren, die nachts ein kleines M\u00e4dchen besch\u00fctzen &#8211; vor allem in der dunklen Alptraumwelt, die sie von der Wohnung des M\u00e4dchens aus erreichen. Das Spiel bietet dabei insgesamt sieben Abenteuer, jedes mit etwa 90 Minuten Spieldauer, was recht heftig f\u00fcr die Zielgruppe ist &#8211; Zum Gl\u00fcck bestehen Abenteuern aus Kapiteln, so dass man gut pausieren und das Material f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag stehen lassen kann (Wir haben jedes Abenteuer in zwei Etappen gespielt).<\/p>\n<p>Atmosph\u00e4risch\u00a0 sind die Abenteuer gelungen mit sch\u00f6nem Material und vor allem wirklich gelungenen, stimmungsvollen und auch altersgerechten Texten: Die Monster sind bedrohlich, aber nicht be\u00e4ngstigend, die Geschichte interessant aber nicht zu komplex &#8211; gerade richtig! Auch die \u00dcbersetzung ist absolut gelungen. Gelungen ist auch das Einteilen in verschiedene Kapitel: Jeder Schauplatz der Geschichte ist eine Doppelseite im \u201eBuch der Geschichten\u201c, wobei die linke Seite immer den Spielplan darstellt und auf der rechten die hier geltenden Regeln und die passenden Textstellen untergebracht sind. Da vieles passieren kann, gibt es hier oft einen regelrechten Ereignisbaum, der daf\u00fcr sorgt, dass das Geschehen stimmig bleibt. Diese Struktur sorgt nicht nur f\u00fcr ein sehr narratives Erlebnis, sondern auch f\u00fcr Neugier: Man ist wirklich gespannt, wie es weitergeht, was sich wohl auf der n\u00e4chsten Seite verbirgt. Das bedingt aber nat\u00fcrlich, dass jemand mitspielt, \u00a0der schnell Regeln erfassen und verwalten kann &#8211; ich habe daher immer mitgespielt und diesen Part \u00fcbernommen. Schon allein, weil sonst zu viele Lesepausen entstehen, die das Spiel zu langatmig machen. Doch dazu sp\u00e4ter mehr; hier m\u00f6chte ich erst einmal feststellen, dass die narrative, die rollenspielerische Seite absolut gelungen ist und der Grund sein d\u00fcrfte, dass meine Sechsj\u00e4hrige von dem Spiel absolut begeistert ist.<\/p>\n<p>Meine Elfj\u00e4hrige mag das (Zitat) \u201eKonzept\u201c &#8211; also die Geschichte, die Einkleidung und den grunds\u00e4tzlichen Ablauf &#8211; auch und spielt gerne mit. <em><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/talisman-legendaere-abenteuer\/\">Talisman: Legend\u00e4re Abenteuer<\/a><\/em> ist aber ihr Abenteuerspiel der Wahl und der Grund daf\u00fcr d\u00fcrfte unter der Haube des <em>Herrn der Tr\u00e4ume<\/em> liegen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Spiel will ja narrativ Abenteuer erz\u00e4hlen und die Handlungen der Protagonisten spielerisch abbilden. Daher sollte das verwendete Zufallssystem folgende Punkte erf\u00fcllen:<\/p>\n<ol>\n<li>Es sollte thematisch schl\u00fcssig sein<\/li>\n<li>Es sollte flexibel genug sein, um viele unterschiedliche Situationen zu simulieren<\/li>\n<li>Es sollte interessante Entscheidungen erm\u00f6glichen<\/li>\n<li>Es sollte f\u00fcr spannende Spielverl\u00e4ufe sorgen<\/li>\n<li>Bedenkt man die Zielgruppe sollte es zudem so einfach sein, dass es schnell erfasst werden kann, so dass sich die Kinder auf die Aufgabe konzentrieren k\u00f6nnen und nicht durch die Regeln abgelenkt werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das erw\u00e4hnte <em><a href=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/talisman-legendaere-abenteuer\/\">Talisman: Legend\u00e4re Abenteuer<\/a><\/em> erf\u00fcllt all diese Punkte mit Ausnahme von (2) &#8211; Talismans Herausforderungen sind doch schon sehr \u00e4hnlich (siehe die verlinkte Rezi).<\/p>\n<p><em>Der Herr der Tr\u00e4ume<\/em> verwendet dagegen ein doch eher abstraktes System, bei dem der Zugspieler erst farbige W\u00fcrfel aus einem Beutel zieht und diese dann w\u00fcrfelt, um sie f\u00fcr verschiedene Aufgaben zu nutzen. Die Einsatzm\u00f6glichkeiten der W\u00fcrfel h\u00e4ngen von der Farbe ab, so k\u00f6nnen rote W\u00fcrfel f\u00fcr den Nah- und gr\u00fcne f\u00fcr den Fernkampf verwendet werden. Zudem k\u00f6nnen schwarze und wei\u00dfe W\u00fcrfel gezogen werden &#8211; Wei\u00dfe k\u00f6nnen den Spieler heilen und schwarze sind schlicht b\u00f6se, denn sie triggern die Monster oder die negativen Spielplaneffekte (je nachdem wo man sich gerade befindet).<\/p>\n<p>Wie die Beschreibung andeutet ist das System doch eher abstrakt. Tats\u00e4chlich wirkt es f\u00fcr mich eher so, als w\u00e4re es unabh\u00e4ngig vom eigentlichen Spiel entwickelt worden, denn <em>keiner<\/em> der oben genannten Punkte wird wirklich zufriedenstellend erf\u00fcllt: Thematisch ist das System wie erw\u00e4hnt nicht gerade, es ist dadurch aber auch nicht leicht zu lernen, sondern f\u00fchlt sich sehr mechanisch an. Zudem sorgen viele kleine Anpassungen und Feinheiten daf\u00fcr, dass die Zielgruppe kaum eine Chance haben d\u00fcrfte <em>Herr der Tr\u00e4ume<\/em> ohne Hilfe zu spielen. Das w\u00e4re noch zu verkraften, wenn man das Gef\u00fchl h\u00e4tte, das System verfolgt einen klaren Zweck, doch wenn es das tut, dann sehe ich ihn nicht: Da es nur auf Farben und die H\u00f6he des Wurfes ankommt (je h\u00f6her desto besser) \u00e4hneln sich die meisten Aufgaben im Spiel doch sehr und beschr\u00e4nken sich darauf die richtigen W\u00fcrfel zur richtigen Zeit zu ziehen und damit gut zu w\u00fcrfeln. Wer das tut, schafft ordentlich etwas, wer die falschen W\u00fcrfel bekommt, kann oft \u00fcberhaupt nichts sinnvolles tun, au\u00dfer die W\u00fcrfel jemand anderem zu geben. F\u00fcr diesen Ertrag h\u00e4tte es aber auch ein einfacheres Skillsystem getan. Das Spielprinzip ist trotz aller unterschiedlichen Spielpl\u00e4nen (und einigen kreativen Anwendungen) doch sehr eindimensional und w\u00fcrfellastig. F\u00fcr Achtj\u00e4hrige mag die thematische Einkleidung ausreichen, ab zehn ist das spielerische auf Dauer doch etwas d\u00fcnn. Besonders \u00e4rgerlich ist m.E. dass das System nicht einmal f\u00fcr ausgewogene Spielverl\u00e4ufe sorgt: Alles B\u00f6se wird mit schwarzen W\u00fcrfeln ausgel\u00f6st. Da man die aber nicht f\u00fcr Aktionen nutzen kann, hat wer sie zieht auch weniger M\u00f6glichkeiten auf das Spielziel hinzuarbeiten. Mit anderen Worten: Werden keine schwarzen W\u00fcrfel gezogen schaffen die Spieler mehr UND die Gegner tun nichts. Werden viele schwarze W\u00fcrfel gezogen greifen die Gegner dauernd an UND die Spieler haben weniger M\u00f6glichkeiten der Verteidigung. So kippt das Spiel schnell mal in die eine oder andere Richtung (zumindest bei uns deutlich h\u00e4ufiger in die leichte Richtung). Auch hier bleibt die Frage was der Autor mit dem System erreichen wollte &#8211; Ein einfaches W\u00fcrfel werfen \u00e1 la <em>HeroQues<\/em>t w\u00e4re einfacher und flexibler und besser auf die Bed\u00fcrfnisse des Spieles zugeschnitten gewesen. Wie es auch geht zeigt eine einzelne Mechanik in <em>Herr der Tr\u00e4ume<\/em>: Auf vielen Pl\u00e4nen gibt es Felder, die eine Begegnung erm\u00f6glichen &#8211; da wird eine Karte gezogen und vorgelesen und gibt zwei Entscheidungen vor: Helfen oder weitergehen? Einen Tipp geben oder tr\u00f6sten? Entsprechend der Entscheidung gibt es eine Reaktion &#8211; das ist kein <em>Schach<\/em>, aber es sind thematische, einfache Entscheidungen und meine Kinder lieben diese Karten. Leider sind es zu wenige, so dass sich ein gutes Ged\u00e4chtnis bald bezahlt gemacht hat\u2026 Das W\u00fcrfel ziehen und werfen wirkt da im Gegenzug uninspiriert und Fehl am Platze.<\/p>\n<p>Diese Diskrepanz zwischen gelungenem Storytelling und misslungener Mechanik sorgt daf\u00fcr, dass <em>Herr der Tr\u00e4ume<\/em> tats\u00e4chlich ein recht spezifisches Alter hat: 6-10 Jahre etwa, dar\u00fcber allenfalls zum Mitspielen. Und auch diese Zielgruppe muss etwas Stehverm\u00f6gen mitbringen, denn das erste Abenteuer f\u00fchrt erst langsam in die Welt ein &#8211; eigentlich eine gute Idee, aber die ersten Kapitel haben doch ein eher ung\u00fcnstiges Verh\u00e4ltnis zwischen \u201eSpiel\u201c und \u201eVorlesen\u201c, insbesondere wenn Regeln nachgeschlagen werden m\u00fcssen. Das Verh\u00e4ltnis wird erst besser wenn die Regeln sitzen (auch deswegen sollte ein regelkundiger Erwachsener mitspielen) und die Story in Gang gekommen ist.<\/p>\n<p>Interessant ist <em>Herr der Tr\u00e4ume<\/em> f\u00fcr die Zielgruppe aufgrund der gelungenen Storyelement durchaus &#8211; die ganze Verpackung ist rund. Ich habe durch das Spiel jedenfalls tats\u00e4chlich lust bekommen meine Kinder an einfache Rollenspiele heranzuf\u00fchren. Und das ist auch eine Leistung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Plaid Hat Games (Vertrieb: Asmodee) Autor: Jerry Hawthorne Spieleranzahl: 2-4 Alter: ab 7 Jahre (Wenn ein Erwachsener am Tisch, gehen auch 6) Spieldauer: 60-90 Minuten (eher 90) Jerry Hawthorne hat vor einigen Jahren Maus und Mystik entwickelt, eine Art \u201eDescent f\u00fcr \u00a0Teenager\u201c. Jetzt ist er mit Herr der Tr\u00e4ume noch eine Altersstufe tiefer gegangen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":18825,"parent":66,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-18824","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18824","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18824"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18824\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18847,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/18824\/revisions\/18847"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/66"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18825"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18824"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}