{"id":18411,"date":"2019-04-29T11:11:22","date_gmt":"2019-04-29T09:11:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=18411"},"modified":"2019-04-29T00:18:59","modified_gmt":"2019-04-28T22:18:59","slug":"treasure-island","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/treasure-island\/","title":{"rendered":"Treasure Island"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verlag<\/strong>: Matagot \/ Pegasus Spiele<br \/>\n<strong>Autor<\/strong>: Marc Paquien<br \/>\n<strong>Spieleranzahl<\/strong>: 2-5<br \/>\n<strong>Alter<\/strong>: ab 10 Jahren<br \/>\n<strong>Dauer<\/strong>: 45 Minuten<\/p>\n<p>Treasure Island ist viele Dinge. Zum einen ist es eine bunte Schatzkise voll Spielzeug. Es ist ein weiteres Ausstellungsst\u00fcck f\u00fcr die farbenfrohen Zeichenk\u00fcnste von Vincent Dutrait. Dem interessierten Spieler ist es aber vor allem eines: ein \u00e4u\u00dferst gelungenes Deduktionsspiel.<\/p>\n<p>Das Erstlingswerk von Marc Paquien (bei Yamatai arbeitete er noch mit Bruno Cathala zusammen) schafft es wiederholt einen robusten Spannungsbogen aufzubauen. Bis zu vier Piraten begeben sich auf der Insel auf die Schatzsuche und zu Beginn scheint der Erfolg noch hoffnungslos. Der auf der Insel vergrabene Schatz scheint unauffindbar zu sein. Aber schon nach wenigen Z\u00fcgen findet man genug Hinweise, um den vermutlichen Aufenthaltsort von Long John Silvers mit Gold gef\u00fcllter Truhe, immer weiter einengen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Vergangenheit wurde schon oft versucht, die deduktive Arbeit am Spieltisch hochdramatisch zu inszenieren. Sei es mit dem Familienklassiker Scotland Yard, der bei Rotwein und Kerzenlicht zu genie\u00dfenden Akte Whitechapel oder auch mit dem Hau-Drauf-Kracher Fury of Dracula. Oft war ihr Spannungsbogen jedoch sehr fehleranf\u00e4llig. Ein ungl\u00fccklicher Zufall reichte aus, um den Fl\u00fcchtenden praktisch unauffindbar zu machen und so dem ganzen Spiel fr\u00fchzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen.<\/p>\n<p>Dieses Problem umgeht Treasure Island geschickt, in dem es eine Jagd auf einen Fliehenden gar nicht erst gibt. Die Piraten suchen lediglich einen kleinen, ihnen unbekannten Fleck auf der gro\u00dfen Insel. Aber das ist nicht der ausschlaggebende Unterschied. Auf den ersten Blick scheint sich bei dem Spiel ein einzelner Long John Silver gegen bis zu vier Schatzj\u00e4ger behaupten zu m\u00fcssen. In Wirklichkeit aber ist Long John Silver mehr gewissenhafter Hinweisgeber als umtriebiger Gegenspieler. Die Tipps f\u00fcr die Piraten sind vom Design pr\u00e4zise durchgetaktet. Long John w\u00e4hlt zum jeweiligen Zeitpunkt nur eine seiner drei zuf\u00e4llig gezogenen Handkarten aus, um den Informationsgewinn der Schatzsuchenden so gering wie m\u00f6glich zu halten. Der Entscheidungsspielraum ist dadurch aber sehr eng gehalten.<\/p>\n<p>Zwar darf man viel mit dem mitgelieferten Zirkel, Filzstift und Lineal hantieren, um die Informationen auf dem Spielpran einzutragen, aber die Spielfreiheit ist im Vergleich zu den Piraten deutlich eingeschr\u00e4nkt. Es gilt nur kurz zu knobeln, um dann zwischen maximal 3 Optionen jene zu w\u00e4hlen, die m\u00f6glichst wenig preisgibt. Dabei verfolgt man weniger selbst den Spielsieg, als ihn den anderen Spielern zu erschweren.<\/p>\n<p>Dabei muss man das nicht als Nachteil sehen. Die Annahme, dass nur das Ringen und die Hoffnung auf den Sieg am Spielen Spa\u00df macht, ist veraltet. Gerade mit der wachsenden Beliebtheit des Hobbies wird diese \u00dcberzeugung immer wieder in Frage gestellt. Denn wer mit unerfahrenen Spielern spielt, wird feststellen, dass man sich auch am Spielspa\u00df der anderen erfreuen kann. Wer auch Spa\u00df daran haben kann den Erfolg von anderen zu feiern, der wird mit der Rolle als Long John Silver keine Probleme haben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist man als Long John auch nicht v\u00f6llig ohne Freiheiten. Ein wohl platziertes Stirnrunzeln, langes Starren auf die Spielkarte oder auch etwas \u00fcberdramatisierte Schwierigkeiten eine Entscheidung zu f\u00e4llen, kann die Gruppe auch jenseits der reinen Spielmechanik ein wenig auf Trab halten. Ein klein wenig subtile Schauspielkunst l\u00e4dt das Spiel auch \u00fcber dem Spielbrett auf unterhaltsame Weise auf.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt gilt wie bei jedem guten Deduktionsspiel, dass man schnell anf\u00e4ngt \u00fcber die offensichtlichen Informationen hinauszuschauen, um sich vielleicht so einen Vorteil zu erhaschen. Schlie\u00dflich gewinnt ja nur der Pirat, der den Schatz als erster birgt. Wei\u00df Jim Hawkins etwa, dass die Truhe nicht im Nordosten sein kann und meidet die Region deshalb? Hat Charlotte du Berry in Erfahrung gebracht, dass einer der Hinweise vielleicht unwahr ist und ihn deswegen ignoriert?<\/p>\n<p>Dass das Spiel gelungen ist, l\u00e4sst sich unschwer daran erkennen, dass die Piraten schon nach wenigen Z\u00fcgen intensiv knobeln und gr\u00fcbeln, wo der Schatz nur sein k\u00f6nnte. Die Aufgabe ist weder trivial, noch un\u00fcberwindbar. Mit steter Geschwindigkeit n\u00e4hert man sich Schritt f\u00fcr Schritt der Aufl\u00f6sung und die R\u00fcckkehr Long John Silvers baut sich drohend am Horizont auf. (Auch wenn seine Erfolgschancen denkbar gering sind.)<\/p>\n<p>Rein theoretisch kann er nat\u00fcrlich versuchen sich mit der geballten Hirnst\u00e4rke der Piraten anzulegen. Daf\u00fcr jedoch braucht es Bluffs und Doppelbluffs auf allerh\u00f6chstem Niveau. Es m\u00fcsste genau Buch dar\u00fcber gef\u00fchrt werden welcher Pirat, welche Information besitzt und man m\u00fcsste sie alle gegeneinander ausspielen. Aber selbst dann ist man dem Kartengl\u00fcck ausgeliefert, wie auch Gegenspielern, die nicht pl\u00f6tzlich einen unvorhergesehenen Haken schlagen und ganz woanders anfangen zu graben.<\/p>\n<p>Das ist nicht unm\u00f6glich. Aber es ist sehr schwer zu schaffen und um ein Vielfaches anspruchsvoller als das Spiel sich f\u00fcr den Rest des Tisches zeigt. Ob das dann noch Kenner-Niveau ist, wie es die Spielepackung ausweist, oder vielleicht schon Experte ist schwer zu sagen. Sicher ist zumindest, dass mit Ausnahme der Rolle des Long John Silvers, dieses Spiel auch durchaus eine spielfreudige Familie zu begeistern wei\u00df. Das Material ist haptisch, die Optik ansprechend und das Knobeln und findige Deuten der Hinweise macht einen gro\u00dfen Spa\u00df. Dies alles in einer Spieldauer, die mindestens ein Folgespiel am gleichen Abend erlaubt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Matagot \/ Pegasus Spiele Autor: Marc Paquien Spieleranzahl: 2-5 Alter: ab 10 Jahren Dauer: 45 Minuten Treasure Island ist viele Dinge. Zum einen ist es eine bunte Schatzkise voll Spielzeug. Es ist ein weiteres Ausstellungsst\u00fcck f\u00fcr die farbenfrohen Zeichenk\u00fcnste von Vincent Dutrait. 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