{"id":18001,"date":"2018-12-28T12:00:29","date_gmt":"2018-12-28T10:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=18001"},"modified":"2025-10-20T15:26:28","modified_gmt":"2025-10-20T13:26:28","slug":"mini-wwii","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/mini-wwii\/","title":{"rendered":"Mini WWII"},"content":{"rendered":"<p>Verlag: Formosa Force Games<br \/>\nAutor: Wei-Cheng Cheng<br \/>\nSpieleranzahl: 2-4<br \/>\nAlter: ab 10 Jahren<br \/>\nDauer: 90 Minuten<\/p>\n<p>Ich bin nicht mit Kriegsspielen gro\u00df geworden. Als sich mein Interesse an Brettspielen jenseits des Familienspiels zu festigen begann, hatte ich im Geschichtsunterricht bereits genug Kriege durchgenommen, um eine tiefsitzende Aversion gegen die Thematik entwickelt zu haben. Es half auch nicht, dass Kriegsspieler in meinem Umfeld immer ein gewisses Geschm\u00e4ckle an sich hatten, das mich auf Abstand gehen lie\u00df.<\/p>\n<p>20 Jahre sp\u00e4ter ist aus der Aversion gegen dieses Spielthema eine tiefsitzende Gleichg\u00fcltigkeit geworden. Beim Anblick eines stereotypen Kriegsspiels l\u00f6st diese reflexartig Desinteresse und Langeweile aus. Seitdem ich intensiv Brettspiele spiele und verfolge, hat es lediglich ein Spiel aus diesem diffusen Genre in meine Sammlung geschafft: Memoir 44. Puristen und Gatekeeper m\u00f6gen hier schon Einw\u00e4nde vorbereiten, aber f\u00fcr mich gelingt diesem Spiel Unterhaltung und Spielreiz aus einer heiklen Thematik zu ziehen. Die Geschwindigkeit, Spielbarkeit und griffige Spannungskurve in jedem Szenario machen es zu einem Glanzst\u00fcck des modernen Spieldesigns. Auch wenn mich die ungelenken Versuche Historizit\u00e4t heraufzubeschw\u00f6ren vor allem daran erinnern, weshalb mich diese Spielgattung nie wirklich gereizt hat. Der Versuch Geschichte mit dem Nachspielen von Milit\u00e4rlogistik aufleben lassen zu wollen, ist bestenfalls kurzsichtig. In vielen F\u00e4llen schrammt sie sogar an fahrl\u00e4ssiger Naivit\u00e4t vorbei, was Ursachen wie auch Auswirkungen dieser Konflikte angeht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18008\" aria-describedby=\"caption-attachment-18008\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18008 size-medium\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-700x525.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-370x278.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-270x203.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-667x500.jpg 667w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-740x555.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand-80x60.jpg 80w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-Kartenhand.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18008\" class=\"wp-caption-text\">Ein absolut nicht gestelltes Bild der Handkarten<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was ich damit sagen will: ich mag Kriegsspiele nicht und ich habe keine hohe Meinung von ihnen.<\/p>\n<p>Daher ist es umso \u00fcberraschender, dass mich Mini WWII nicht nur packt, sondern auch begeistern kann. Mehr noch, dem Spiel gelingt es hier und da etwas \u00fcber Krieg zu vermitteln, was Memoir 44 durch sein einfaches Einheiten Verschieben nie erreichen konnte.<\/p>\n<p>Wie so oft in diesen Spielen, schl\u00fcpft man hier in die Rolle eines Kommandanten bzw. obersten Stabchefs einer Streitmacht des 2. Weltkriegs. Konkret stehen sich hier vier Nationen gegen\u00fcber. Auf der Seite der Achsenm\u00e4chte sind das Japan und Deutschland, w\u00e4hrend die Alliierten in Form der Sowjetunion und Gro\u00dfbritannien teilnehmen. Im Laufe des Spiels treten die USA und China als Verb\u00fcndete dem Geschehen auf Seiten der Alliierten bei.<\/p>\n<p>Die erste erfrischende Eigenheit von Mini WWII ist das Spiel in Teams. Gewonnen und verloren wird gemeinsam. Das mag auf den ersten Blick wie ein rein kosmetisches Detail wirken, aber es hat deutliche Auswirkungen auf das Spielgef\u00fchl. W\u00e4hrend des Spiels stand ich nicht allein auf weiter Flur, sondern konnte auf einen Mitstreiter bauen. Dieser konnte zwar nicht wirklich auf meinen Spielzug Einflu\u00df nehmen, aber zu wissen, dass jemand am Tisch mit mir mitfiebert, macht einen deutlichen Unterschied. Es ist bedauerlich, dass das Teamkonzept in den meisten Spielen lediglich auf zwei Weisen genutzt wird: als Spannungsmoment ob und wann die Allianz gebrochen wird oder als Zwang Ressourcen und Handlungen zusammenzulegen. Aber sobald man bei einem Spiel jemanden hat, der im gleichen Boot sitzt, wirkt das Spiel gleich viel einladender. Man spielt gleich etwas risikofreudiger. Man jubelt und leidet gemeinsam.<\/p>\n<p>Das Regelwerk von Mini WWII \u00fcberzeugt aber auch dadurch, welchen Aspekten des 2. Weltkriegs hier Aufmerksamkeit geschenkt wird. So muss man sich hier nicht um die Zusammensetzung einzelner Milit\u00e4rtruppen k\u00fcmmern oder ihre Position auf einem Schlachtfeld penibel festhalten. Es gibt auch keine W\u00fcrfel mit deren Unvorhersehbarkeit der Kriegsnebel simuliert werden soll. Stattdessen geht es darum Versorgungslinien aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Hier k\u00e4mpft man nicht um einen Landstrich in der Uckermark, befreit keine besetzten D\u00f6rfer in der Bretagne und nimmt keinen St\u00fctzpunkt an irgendeiner K\u00fcste ein. An Stelle einer topographischen Karte historischer Kriegsgebiete, schaut man auf eine \u00fcbersichtliche, wenn auch ungewohnte Karte, in der einzelne Nationen symbolisch als Spielfelder abgebildet sind. Diese dienen als Siegpunkte sowie Bindeglieder meiner Versorgungskette. Mit jeder Expansion r\u00fccke ich dem Spielsieg n\u00e4her und er\u00f6ffne mir gleichzeitig neue Optionen. Wenn ich als Deutschland Polen kontrolliere, kann ich in die baltischen Staaten einmarschieren oder die Ukraine erobern. Von dort kann ich Rum\u00e4nien oder den Kaukasus besetzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18005\" aria-describedby=\"caption-attachment-18005\" style=\"width: 363px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-18005\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235056-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235056-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235056-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235056-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235056-700x394.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235056-370x208.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235056-270x152.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235056-889x500.jpg 889w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235056-740x416.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 363px) 100vw, 363px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18005\" class=\"wp-caption-text\">Startaufstellung Ost-Front<\/figcaption><\/figure>\n<p>Solange meine Versorgungskette steht, kann ich expandieren. Ist sie aber unterbrochen, sitzen meine Truppen auf dem Trockenen. Dann kann ich sie weder nutzen noch bewegen. Diese Regel ist so einleuchtend wie elegant. Mit jeder Expansion biete ich dem gegnerischen Team auch mehr Angriffsfl\u00e4che. Je weiter ich mich in Europa bzw. dem Pazifik ausbreite, umso zerbrechlicher ist meine Pr\u00e4senz auf dem Spielbrett. Damit bleibt jede meiner Entscheidungen spannend, und jedes neu eroberte Land zwingt mich in meinen \u00dcberlegungen weitere Faktoren einzubeziehen.<\/p>\n<p>Man merkt, dass viele Facetten des Spiels beachtet wurden. Das Design ist pr\u00e4zise und durchdacht. Der Vorrat an Einheiten ist f\u00fcr jeden Spieler begrenzt und auch anders gewichtet. Ab Mitte des Spiels konnte ich nicht anders als abzuw\u00e4gen wie und wo ich noch pr\u00e4sent sein konnte. Zugegeben, die einzelnen Regeln aus denen das Spiel besteht sind nicht bahnbrechend innovativ. Mini WWII erfindet das Rad nicht neu. Aber es ist so souver\u00e4n und gekonnt zusammengesetzt, dass ich nicht anders kann als begeistert zu sein. Es ist so als h\u00e4tte jemand bei Lidl die gew\u00f6hnlichsten Zutaten eingekauft, und daraus ein geschmacklich \u00fcberragendes Gericht zubereitet, dass Michelin-Sterne verdient h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Mein Entscheidungsraum in diesem Spiel ist sehr exakt und genau gezogen. Es gibt vier einfache Aktionen aus denen ich w\u00e4hlen kann, sowie eine f\u00fcnfte, wenn ich die richtigen Karten auf der Hand habe. Dennoch habe ich mich zu keinem Zeitpunkt in ein Korsett gezw\u00e4ngt gef\u00fchlt. Die Zahl der m\u00f6glichen Aktionen in jeder Runde ist \u00fcberschaubar. Aber durch die dynamische und vielseitige Spielsituation hatte ich in jeder Runde interessante Entscheidungen zu f\u00e4llen. Die Karten in meiner Hand geben mir ausreichend Kombinationsm\u00f6glichkeiten und Variationen, um mir das Gef\u00fchl zu geben sowohl flexibel zu sein als auch immer das Ruder in der Hand zu halten.<\/p>\n<p>Es geht immer vorw\u00e4rts. In jeder Runde liefert mir das Spiel klare Ziele, die ich verfolgen kann. Die Mittel daf\u00fcr habe ich in der Hand und jede meiner Entscheidungen zwingt meine Gegenspieler zu einer Reaktion. Davon lebt ein wirklich gutes Spiel: es bildet sich aus den Entscheidungen der Spieler heraus. Alles was ich tue, hat eine sp\u00fcrbare Auswirkung auf die Spielsituation. Alles das wird erst durch gro\u00dfartiges Spieldesign erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Vor allem f\u00e4llt mir auf, dass Niederlagen und R\u00fcckschl\u00e4ge sich dadurch immer \u00fcberwindbar anf\u00fchlen. Eine Region zu erobern, ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig Aufwand. Dieser kleine Schub an Selbstsicherheit, hatte zur Folge, dass wir selten Gefahr liefen uns in einen verbissenen Schlagabtausch zu verzetteln, der dem eigentlichen Spielziel zuwider l\u00e4uft (siehe Inis). Zu viele Spiele setzen wichtige Entscheidungen mit solchen mit hohem Risiko gleich. Aber damit dr\u00e4ngt man Spieler nur in die Defensive oder scheucht sie gleich ganz davon.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18004\" aria-describedby=\"caption-attachment-18004\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-18004\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235112-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235112-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235112-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235112-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235112-700x394.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235112-370x208.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235112-270x152.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235112-889x500.jpg 889w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181227_235112-740x416.jpg 740w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18004\" class=\"wp-caption-text\">Im S\u00fcden des Spielbretts bahnt sich was an<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es hilft dem sozialen Aspekt des Spielerlebnis ungemein, dass ich hier nicht alleine, sondern als Teil eines Teams antrete. W\u00e4hrend ein schwerer Verlust einen in anderen Spielen dazu verdammt ein gefundenes Fressen f\u00fcr seine Konkurrenten zu werden, wird hier lediglich der Teampartner auf den Plan gerufen. Ein kompetitives Spiel wie dieses wird deutlich anders empfunden und erlebt, wenn man auf einen Verb\u00fcndeten am Tisch z\u00e4hlen kann.<\/p>\n<p>Dennoch merke ich an vielen Stellen, dass bei Mini WWII real-historische Begebenheiten ein Echo finden sollen. Es werden hier aber nicht plumpe Ereigniskarten eingesetzt, welche wie bei Twilight Struggle einzelne Momente herunterbeten. Noch gibt es Sonderregeln, deren einzige Legitimation darin besteht, dass sowas tats\u00e4chlich mal passiert ist. Stattdessen werden Vor- und Nachteile einzelner historischer Entwicklungen so in das Spiel eingegliedert, dass sie als Teil des Spielens selbst schl\u00fcssig und plausibel sind.<\/p>\n<p>So l\u00e4sst sich im Laufe des Spiels Raketentechnologie entwickeln (von V1 zu V2 bis hin zur Atombombe). Diese haben jedoch nicht die Zerst\u00f6rung von mehr Einheiten zu Folge wie es in einem banaleren Design der Fall w\u00e4re. Stattdessen reduzieren sie die Handkarten des angegriffenen Gegners. Effektiv wird so seine Handlungsfreiheit eingeschr\u00e4nkt und seine Pl\u00e4ne bereits in ihren fr\u00fchen Anf\u00e4ngen gest\u00f6rt. Aber so eine Aktion muss erst mit Hilfe der Forschungsaktion \u00fcber mehrere Runden vorbereitet werden, und zieht ebenfalls Kosten (in Form von Karten) nach sich. In dem eine bestimmte Aktion ihre Wirkung innerhalb der Spielregeln aus\u00fcbt, l\u00f6st das beim Spieler eine Reaktion aus, die thematische Begrifflichkeiten und Illustrationen nicht ganz schaffen.<\/p>\n<p>Dadurch, dass es deutlich mehr Aufwand kostet einen solchen Angriff zu starten, f\u00fchlt sich die Auswirkungen auf einen anderen Spieler angemessen an. Jemand musste sein ganzes Spiel darauf ausrichten sich diese F\u00e4higkeit zu erarbeiten, statt einfach nur Kartengl\u00fcck zu besitzen. Das f\u00fchlt sich irgendwie fairer an.<\/p>\n<p>Der klugen und wohl \u00fcberlegten Designentscheidungen gibt es hier viele. Aber am Ende bilden diese lediglich das Fundament des Spielerlebnis. Es sind die taktischen und strategischen Entscheidungen der Spieler und die Interaktion die daraus entsteht, welche den eigentlichen Spannungsbogen bilden.<\/p>\n<p>Ein Punkt, die mir erst klar wurde als ich \u00fcber das Gespielte nachdachte und das Spielgef\u00fchl reflektierte, unterstrich f\u00fcr mich warum es sich bei Mini WWII um etwas besonderes handelt. Abseits der aufregenden Spielz\u00fcge, der taktischen Tiefe oder dem eleganten Design hat mich das Spiel auch ein eine bestimmte Gedankenwelt versetzt. Da Einheiten nicht irgendwie beziffert werden und auch die Unterschiede zwischen Berg, Wald und Wiese keine Bewandtnis f\u00fcr das Spiel hat, hat man schnell den Vorstellungsraum verlassen in dem bewaffnete Menschen andere bewaffnete Menschen massenhaft dezimieren.<\/p>\n<p>Als Spieler haben Truppenverluste keine Relevanz f\u00fcr meine Entscheidungen. Es z\u00e4hlt allein ob ein strategisch wichtiger Ort eingenommen werden muss oder nicht. Es interessiert mich lediglich, ob die eigene Versorgungslinie (lange genug) steht, um den Feind in seinen Vorhaben zu behindern. Ich sorge mich allein um meine wichtigste Ressource: meine Handkarten. Mit ihnen kann ich weitere Angriffe aus\u00fcben oder neue Truppen schaffen. Es interessiert mich allein wie effektiv ich mein Ziel erreichen kann, aber nicht was f\u00fcr Kosten es nach sich ziehen w\u00fcrde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18003\" aria-describedby=\"caption-attachment-18003\" style=\"width: 369px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-18003\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo-150x106.jpg 150w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo-768x543.jpg 768w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo-700x495.jpg 700w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo-370x262.jpg 370w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo-270x191.jpg 270w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo-707x500.jpg 707w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo-740x523.jpg 740w, https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Mini-WWII-promo.jpg 895w\" sizes=\"auto, (max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18003\" class=\"wp-caption-text\">Promokarten zum Spiel<\/figcaption><\/figure>\n<p>Damit gelingt diesem kleinen, unscheinbaren Spiel etwas, dass viele Geschichtslehrer nur mit viel M\u00fche und Talent vermitteln konnten. Auf plastische und fast verst\u00f6rende Art wird einem vor Augen gef\u00fchrt wie zutiefst entmenschlicht der Blick in den obersten Reihen des Milit\u00e4rs war. Krieg war halt ein Spiel. Es wurde nicht in andere Nationen einmarschiert, weil es ideologische Gr\u00fcnde gab, sondern aus plumper Pragmatik.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ein Spiel wie Les Poilus (The Grizzled) versucht das Pathos und Elend des einfachen Soldaten heraufzubeschw\u00f6ren, wird hier auf trockene und effektive Art gezeigt, dass die instant gratification wenn man bekommt was man will, einen \u00fcber moralisch fragw\u00fcrdige Mittel hinwegschauen l\u00e4sst (siehe <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/amazon-verdi-streik-101.html\">Amazon<\/a>). Im Spiel wird deutlich, dass je gr\u00f6\u00dfer die Distanz zwischen Entscheidung und tats\u00e4chlichen Kosten am Ende ist, umso eitler die Beweggr\u00fcnde und leichtsinniger die Taktik werden kann (siehe <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=T8XeDvKqI4E\">Brexit<\/a>).<\/p>\n<p>Egal ob dieser Kommentar \u00fcber hierarchische Entscheidungen gewollt war oder nicht, wer sich die M\u00fche macht kurz innezuhalten und \u00fcber das Gespielte nachzudenken wird unweigerlich merken m\u00fcssen, dass der von ungez\u00e4hmter Siegeslust getriebene Spieltrieb eine ern\u00fcchternd einleuchtende Erkl\u00e4rung f\u00fcr viel zu viele Entscheidungen auf hoher Ebene liefert. Mit Mini WWII kann man herausfinden wie sich sowas anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Mini WWII aber nicht deshalb empfehlen, weil es die Spieler in eine Position bringt die europ\u00e4ische Geschichte aus einer unerwarteten Perspektive zu sehen. Ich will es allen voran deshalb empfehlen, weil es spielerisch herausfordernd ist und einen robusten, jedoch nicht vorhersehbaren, Spannungsbogen aufzubauen wei\u00df. Ich will es empfehlen weil es ein Paradebeispiel f\u00fcr kompetentes und gut \u00fcberlegtes Spieldesign ist.<br \/>\nDieses Spiel wurde nicht f\u00fcr mich gemacht, aber es ist grandios und ein Muss f\u00fcr jeden, der wissen will was ein Brettspiel ganz ohne Gimmicks leisten kann.<\/p>\n<p>Georgios<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Formosa Force Games Autor: Wei-Cheng Cheng Spieleranzahl: 2-4 Alter: ab 10 Jahren Dauer: 90 Minuten Ich bin nicht mit Kriegsspielen gro\u00df geworden. Als sich mein Interesse an Brettspielen jenseits des Familienspiels zu festigen begann, hatte ich im Geschichtsunterricht bereits genug Kriege durchgenommen, um eine tiefsitzende Aversion gegen die Thematik entwickelt zu haben. 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