{"id":16300,"date":"2017-02-11T14:25:11","date_gmt":"2017-02-11T12:25:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=16300"},"modified":"2017-06-18T14:27:55","modified_gmt":"2017-06-18T12:27:55","slug":"roborally-neuauflage-2017","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/roborally-neuauflage-2017\/","title":{"rendered":"RoboRally (Neuauflage 2017)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/reviews\/roborally2.jpg\" align=\"left\" hspace=\"10\" \/>Verlag: Hasbro<br \/>\nAutor: Richard Garfield<br \/>\nSpieleranzahl: 2-6<br \/>\nAlter: ab 12 Jahre<br \/>\nSpieldauer: Fast beliebig lange, je nach Szenario (offiziell: 20-120)<\/p>\n<p><em>Hier soll es verst\u00e4rkt um die Neuauflage gehen &#8211; ich setze Kenntnis des grunds\u00e4tzlichen Spielverlaufs voraus!<\/em><br \/>\nEs muss so um 1994 rum gewesen sein, als ich mein erstes <em>RoboRally<\/em> zum Geburtstag bekam. Ich hatte etwas M\u00fche, das durchsichtige Folienpapier zu entfernen, aber dann\u2026 dieses Spielgef\u00fchl! Das war wirklich etwas ganz besonderes!<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich war <em>RoboRally<\/em> in den 90er Jahren bei uns das meistgespielte Spiel (zumindest nach Anzahl gespielter Stunden). Nat\u00fcrlich hatte ich auch <em>Armed &amp; Dangerous<\/em> und nat\u00fcrlich hatte ich die Wizards of the Coast &#8211; Ausgabe mit den Zinnfiguren (aber nicht die mit &#8220;Hakenkreuz-Bot&#8221;)\u00a0 und nat\u00fcrlich wurde viel \u00fcber die Amigo-Ausgabe gel\u00e4stert, wo es nicht einmal virtuelle Roboter gab und das Geballer mit Laserstrahlen eine optionale Regel war. Leider habe ich mir (als Student) nicht die \u00fcberteuerten Zusatzbretter geleistet &#8211; mittlerweile sind die bei ebay ihr Gewicht in Faberg\u00e9 &#8211; Eiern wert und ich h\u00e4tte mich zur Ruhe setzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was machte den Reiz des Spieles aus? Es war die Mischung aus Kontrolle und Chaos, das selbstst\u00e4ndige Programmieren, das letztlich jeder f\u00fcr sich macht, gekoppelt mit hoher Interaktion durch die gegenseitigen Beeinflussungen. Die Schadenfreude, wenn sich jemand vertut oder man mit einem kleinen Schubser alle Pl\u00e4ne des Gegners durcheinanderwirbelt. Es f\u00fchlt sich gut an, wenn man bei <em>RoboRally<\/em> gewinnt, weil man das auf seine Strategie und seine \u00fcberlegenden Programmierf\u00e4higkeiten zur\u00fcckf\u00fchren kann. Und wer nicht gewinnt, hatte Pech mit den Karten. Durch viele Bretter und freie Belegung der Checkpoints war jedes Spiel anders und man konnte die Partien f\u00fcr beliebig lange Spieldauern gestalten. Vor allem aber war es wohl die Mischung aus Kontrolle und Chaos\u2026<\/p>\n<p>Aber <em>RoboRally<\/em> ist kein perfektes Spiel. Einige Leute hassten es, weil sie mit dem Programmieren partout nicht klar kamen. Die Spieldauer konnte selbst bei kleinen Brettern viel zu sehr ausufern. Waren die Checkpoints ungl\u00fccklich platziert, konnte der Sieger schon erstaunlich fr\u00fch feststehen und nur noch an der Kartenhand scheitern. Die Optionskarten waren bemerkenswert unausgewogen (insbesondere die aus <em>Armed &amp; Dangerous<\/em>). Vor allem aber gab es zahlreiche Regelunklarheiten &#8211; was durch zahlreiche offizielle Varianten und inoffizielle Hausregeln noch verst\u00e4rkt wurde. Spielte man mit \u201egemischten\u201c Runden, musste man sich bisweilen wie bei <em>Doppelkopf<\/em> erst einmal 10 Minuten auf ein Regelwerk einigen. <em>RoboRallys<\/em> Regelwerk war nicht <em>elegant<\/em>. Die sch\u00f6ne Kernidee des Programmierens wurde mit vielen kleinen Regeln verw\u00e4ssert, die Sonderf\u00e4lle vermeiden wollten und daf\u00fcr nicht selten neue schuf.<\/p>\n<p>Richard Garfield hat sich nun nach 20 Jahren entschlossen alles zu vereinfachen, zu verbessern, zu verschlanken und ein neues <em>RoboRally<\/em> ist erschienen. Ein besseres, ein eleganteres <em>Roborally<\/em>?<\/p>\n<p><strong>Was hat sich alles ge\u00e4ndert?<\/strong> Kurzzusammenfassung: Spieler haben eigene Kartendecks, Schaden und Priorit\u00e4t wird neu bestimmt, Optionen werden jetzt gekauft, Start und Reboot ist neu, es gibt eine Sanduhr und nat\u00fcrlich neue Karten und Material. Mit anderen Worten: Der Kern (Programmieren, Setzen und ballern) ist gleich, alles andere ist neu.<\/p>\n<p><strong>Wie wirken sich die \u00c4nderungen aus?<\/strong> Das bespreche ich mal sch\u00f6n der Reihe nach:<\/p>\n<p>Jedem Spieler sein eigenes Deck an Bewegungskarten zu geben ist zweifelsfrei die wichtigste und beste \u00c4nderung der Neuauflage: Statt dass jeder Karten von einem gemeinsamen Deck zieht, hat jetzt jeder sein eigenes Kartendeck. Offensichtlicher Vorteil: Die Chance auf eine komplett unbrauchbare Hand ist deutlich gesunken. Weniger offensichtlicher Vorteil: Die Spieldauer wird deutlich verk\u00fcrzt, weil nicht immer zwischendurch gemischt und gegeben werden muss &#8211; vor allem muss man nicht mehr darauf achten, wer wie viele Karten bekommt, denn auch der Schaden ist v\u00f6llig anders geregelt. Statt wie bisher weniger Karten zu bekommen, bekommt man jetzt erst einmal eine Schadenskarte ins Deck. Die blockiert auf lange Sicht nat\u00fcrlich die Hand (so wie bei <em>Colt Express<\/em>). Loswerden kann man die, indem man die Karte normal programmiert &#8211; die Grundschadenskarte (mit anderen Waffensystemen kommen andere Schadenstypen ins Spiel) sorgt f\u00fcr eine Zufallsbewegung und kommt dann aus dem Deck heraus. Das ist einfach und elegant &#8211; deutlich eleganter als im Original. Mit diesem Schadenssystem gibt es jetzt auch keinen <em>Powerdown<\/em> mehr, der nicht selten frustrierte (er musste rechtzeitig angesagt werden und man konnte wieder Schaden fangen, was nicht selten f\u00fcr mehrere komplett inaktive Runden in Folge sorgte). Noch ein Vorteil ist dass, es jetzt neue Bewegungskarten gibt: <em>Power Up<\/em> (Man bekommt einen Energiew\u00fcrfel) und eine Wiederholungskarte, welche den letzten Befehl wiederholt. Auch Optionskarten erm\u00f6glichen so interessanteres Handmanagement und das Programmieren via Karte, die ins Deck kommt, ist eleganter und intuitiver. Diese \u00c4nderungen <em>machen RoboRally<\/em> deutlich besser und <em>tighter<\/em>, wie wir RoboRallyier sagen. Ich w\u00fcrde nur noch mit eigenen Decks spielen wollen! Insbesondere das Schadenssystem ist besser als ich bef\u00fcrchtet hatte &#8211; da die Decks klein sind, tun die Schadenskarten tats\u00e4chlich genauso weh wie die Treffer beim Urspiel, erm\u00f6glichen aber taktischeres Schadensmanagment, da man eben selbst entscheiden kann ob und wie viele Schadenskarten man entsorgen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Doch es gibt auch eine Kehrseite: Da jeder ein eigenes Deck hat, gibt es keine Priorit\u00e4tszahlen mehr und das bedeutet, das Priorit\u00e4tssystem musste ersetzt werden und das neue ist weder allzu intuitiv noch besonders clever: Die Spielerreihenfolge richtet sich danach, wie weit sie von einem bestimmten Feld (Der \u201eAntenne\u201c) entfernt sind. Das wirkt erstens willk\u00fcrlich, zweitens ist es nervig abzuz\u00e4hlen und drittens braucht man einen Tiebreaker, der noch weniger eleganter ist. Zudem entf\u00e4llt die taktische M\u00f6glichkeit eine Karte mit besonders hoher (oder niedriger) Priorit\u00e4t zu spielen, um vor (oder nach) dem Gegner dranzu sein. Es w\u00e4re ein einfaches gewesen Zahlen auf den Karten so zu verteilen, dass die Decks ausgeglichen w\u00e4ren, insofern ist diese \u00c4nderung f\u00fcr mich eine verpasste Chance. Sie macht das Spiel nicht grunds\u00e4tzlich schlechter, aber eben auch nicht gerade besser.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund f\u00fcr die Pririt\u00e4tenregel ist die zus\u00e4tzliche Kaufphase: Statt \u00fcber irgendwelche Felder auf dem Brett (wie bei der alten Ausgabe) stehen jede Runde (!) Optionskarten zum Verkauf an. Gekauft wird in derselben Reihenfolge wie gesetzt und bezahlt wird mit Energiew\u00fcrfeln. Das funktioniert gut und sorgt f\u00fcr ordentlich Optionskarten &#8211; was dem Spiel guttut. Wie oben beschrieben lebt das Spiel auch von der Schadensfreude und Optionskarten sorgen f\u00fcr mehr Schadensfreude.\u00a0 Nicht umsonst gab es im Urspiel viele Varianten und Hausregeln, um mehr Optionskarten ins Spiel zu bringen und die sind jetzt alle hinf\u00e4llig. Viele Karten sind aus dem Ur-<em>RoboRally<\/em> bekannt &#8211; was neu ist, dass einige mit dem Zahlen von Energiew\u00fcrfeln verbunden sind (elegant). Daf\u00fcr gibt es keine Bomben oder Explosionen. Die alten Optionskarten k\u00f6nnen so aber nicht genutzt werden, weil sie ja keine Kosten haben. Ich hoffe da auf eine Erweiterung\u2026 Was aber vers\u00e4umt wurde ist eine etwas ausf\u00fchrlichere Erkl\u00e4rung in der Spielregel. Dort werden die Karten vorgestellt, aber nicht weiter erl\u00e4utert. Da sind Regelfragen wieder vorprogrammiert (sic).<\/p>\n<p>Dann gibt es noch drei kleinere Regeln, die das Spiel verschlanken sollen: Als erstes die Sanduhr: Wie bei <em>Galaxy Trucker<\/em> dreht der erste Spieler, der programmiert hat, die Sanduhr um, alle anderen m\u00fcssen in der Zeit fertig werden. Diese Idee gab es schon als Hausregel und so sollte sie auch behandelt werden: Ja, sie beschleunigt das Spiel und macht Langdenkern Beine. Nein, nicht jeder ist \u00fcber sie begeistert. Ich pers\u00f6nlich brauche sie nicht (und das sage ich obwohl ich normalerweise mit am schnellsten bin) &#8211; und sie kollidiert mit einigen Optionskarten; Wenn ich meine Hand austauschen darf und jemand dreht dann die Sanduhr um, n\u00fctzt mit das wenig. Zudem macht sie das Spiel f\u00fcr Anf\u00e4nger noch ein bisschen schwerer. Aber wie gesagt: Ob mit oder ohne kann ja jeder selbst entscheiden (da sind wir dann wieder bei <em>Doppelkopf<\/em>).<\/p>\n<p>Dann der \u201eReboot\u201c was der Euphemismus f\u00fcr \u201eTod\u201c ist: Prinzipiell stirbt man nicht mehr den Lasertod, weil das neue Schadensystem ja beliebig viele Schadenspunkte erlaubt (man verliert nur immer mehr Spielkontrolle). Praktisch stirbt man eigentlich nur noch durch das Verlassen der Spielfl\u00e4che. Und dann startet man auf dem Rebootfeld, nicht auf irgendwelchen Checkpoints. Das ist clever, denn es entzerrt gewaltig, ist weniger frustrierend und man muss sich nicht merken wer wo war bzw. Marken verteilen. Es gibt keine virtuellen Roboter mehr, stattdessen starten ggf. alle Beteiligten quasi nebeneinander, was ebenfalls gut funktioniert (zumal eh weniger Spieler gleichzeitig sterben d\u00fcrften). Beim Start hat jeder seinen eigenen Startblock. Keine elegante Regel, aber auch keine schlechte. Kann man so machen. \u00dcbrigens bleiben Schadenskarten beim Reboot im Deck (und es kommen noch zwei dazu), daher funktioniert die &#8220;Reparieren durch Selbstmord&#8221;-Methode nicht mehr. Potentiell etwas frustrierender f\u00fcr Anf\u00e4nger, aber spielerisch auf jeden Fall sinnvoll, zwingt es einen eben doch Schadenskarten auch mal zu programmieren.<\/p>\n<p>So, was die Regeln betrifft \u00fcberwiegt das Gute: <em>RoboRally<\/em> ist tats\u00e4chlich einfacher und schneller und eleganter geworden und mehr auf den Punkt. Es bleibt allerdings hier und da der Eindruck, dass der Weg nicht immer konsequent bis zum Ende beschritten wurde, um das Spiel noch mehr zu entschlacken (z.B. die Priorit\u00e4t oder bei den Drehregeln auf Flie\u00dfb\u00e4ndern, die immer noch f\u00fcr Verwirrung sorgen).<\/p>\n<p>Kommen wir zum Material. Da f\u00e4llt mir das Wort \u201eInkonsequent\u201c ein: Schicke Roboter (Bemaltes Plastik, \u00e4hnlich der Amigo-Ausgabe) und dreidimensionale Checkpoints stehen wirklich sehr d\u00fcnnen Markern und Karten entgegen. Besonders die Spielerdecks h\u00e4tten aus besserem Material sein <strong><em>m\u00fcssen<\/em> <\/strong>&#8211; die werden st\u00e4ndig gemischt und bearbeitet und das merkt man den Karten auch schnell an. Zudem sind sie f\u00fcr meinen Geschmack zu klein (wobei das Geschmackssache ist). Ist die Schachtelgraphik noch ganz ordentlich, ist die Graphik im Spiel spartanisch und die Bilder der Optionskarten weniger atmosph\u00e4risch als im Urspiel. Nichts was abschreckt, aber eben auch nichts was irgendwie im Zeitalter von Fantasyflight-Materialschlachten irgendjemanden zum Spielen animieren w\u00fcrde, der nicht sowieso schon animiert ist.<\/p>\n<p>Bei den Spielpl\u00e4nen gilt \u201eWeniger ist mehr\u201c: Wizards of the Coast hat es ganz gerne mal \u00fcbertrieben mit Bordelementen: Karten wie \u201eMaelstrom\u201c oder \u201eLazer Maze\u201c konnten die Spieldauer einer Partie bequem verdoppeln. Bei den neuen Pl\u00e4nen gibt es generell sehr wenig W\u00e4nde (ergo: Viel Platz zum Ballern), kaum fest installierte Laser und insgesamt eine etwas spartanischere Ausstattung. Nur vier der zw\u00f6lf (!) Karten sind etwas komplexer, aber auch das ist v\u00f6llig in Ordnung! Zum einen wird das Spiel so auch schneller und zweitens sind die Karten auch zum Urspiel kompatibel. Eine Reihe von Streckenvorschl\u00e4gen findet sich in der Regel, komplett mit Einsch\u00e4tzung der Komplexit\u00e4t und der Spieldauer &#8211; sehr sch\u00f6n! Auch wenn ich vor 20 Jahren vielleicht von den Karten entt\u00e4uscht gewesen w\u00e4re (damals galt ja \u201eMehr ist besser\u201c), sehe ich heute doch die Vorteile auch eine Partie in einer zivilisierten Zeit spielen zu k\u00f6nnen ohne zwischendurch Checkpoints abzubauen&#8230;<\/p>\n<p>Alles in allem w\u00fcrde ich sagen gewinnt \u201eVorteil\u201c gegen \u201eNachteil\u201c etwa 4:2. Macht daraus, was ihr wollt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B01N1M4E3C\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;tag=spielbar-21&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;linkCode=as2&amp;creativeASIN=B01N1M4E3C&amp;linkId=958d098abc1d11e3b3f015f228049110\">Amazon-Partnerlink f\u00fcr RoboRally<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Hasbro Autor: Richard Garfield Spieleranzahl: 2-6 Alter: ab 12 Jahre Spieldauer: Fast beliebig lange, je nach Szenario (offiziell: 20-120) Hier soll es verst\u00e4rkt um die Neuauflage gehen &#8211; ich setze Kenntnis des grunds\u00e4tzlichen Spielverlaufs voraus! Es muss so um 1994 rum gewesen sein, als ich mein erstes RoboRally zum Geburtstag bekam. 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