{"id":1372,"date":"2010-04-05T10:25:20","date_gmt":"2010-04-05T08:25:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=1372"},"modified":"2010-09-22T21:15:53","modified_gmt":"2010-09-22T19:15:53","slug":"alcazar","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/alcazar\/","title":{"rendered":"Alcazar"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/reviews\/alcazar.jpg\" align=\"left\" hspace=\"10\"\/>Verlag: Kosmos<br \/>\nAutor: Wolfgang Kramer<br \/>\nSpieleranzahl: 2-5<br \/>\nAlter: ab 10 Jahre<br \/>\nSpieldauer: ca. 60-90 Minuten<\/p>\n<p>Es zeugt nicht gerade vom Selbstbewusstsein eines Rezensenten, wenn er eine Rezi mit der Warnung beginnt, dass andere Rezis zu ganz anderen Schl\u00fcssen kommen. Aber was soll&#8217;s! Es ist tats\u00e4chlich so: Viele <em>Alcazar<\/em>-Rezis fallen deutlich negativer aus als meine (Udo Bartsch lie\u00df sich sogar zu dem Satz hinrei\u00dfen: \u201e<em>Alcazar<\/em> nimmt im Regal gleich Platz f\u00fcr zwei gute Spiele weg.\u201c) Woran liegt\u2019s? An meinem Rezensionsexemplar? Nein, eher daran, dass es schon eine gewisse Anzahl an Partien braucht, um Gefallen an <em>Alcazar<\/em> finden zu k\u00f6nnen. Und daf\u00fcr gibt es gleich mehrere  Gr\u00fcnde:<\/p>\n<p>Es hilft z.B.  nicht gerade, wenn man wei\u00df, dass <em>Alcazar<\/em> eine Weiterentwicklung von <em>Big Boss<\/em> ist,  welches wiederrum von <em>Acquire<\/em> inspiriert ist. Das weckt n\u00e4mlich v\u00f6llig falsche Erwartungen: Bei <em>Big Boss<\/em> (und <em>Acquire<\/em>) ging es um Aktien, um das Zusammenwachsen von Hotelketten und um Geld. Bei <em>Alcazar<\/em> w\u00e4chst zwar auch was zusammen (n\u00e4mlich spanische Burgen. Ja, das Thema ist aufgesetzt), aber Dividenden gibt\u2019s keine. Aktien auch nicht. Die Burgen geh\u00f6ren niemandem. Vielmehr versucht man \u2013 \u00e4hnlich wie bei Torres \u2013 seine Spielsteine m\u00f6glichst hoch in einer Burg zu platzieren. Das geschieht meistens durch Bauma\u00dfnahmen. Um eine Burg zu gr\u00fcnden bedarf es einer Zahlenkarte (dieses Element erinnert noch an die <em>Big Boss<\/em>-Wurzeln). Auf das entsprechende Feld und auf die Nachbarfelder werden Grundsteine gelegt. Auf eines dieser Felder kann man nun eine Figur legen. Da f\u00fcr jedes Feld nur genau eine Karte existiert, wird man geschickterweise die Figur nicht auf das Feld legen, f\u00fcr das man die Karte gerade weggelegt hat, sondern m\u00f6glichst ein Feld w\u00e4hlen, deren Karte man auf der Hand h\u00e4lt. Mit der passenden Zahlenkarte kann man n\u00e4mlich auch ein Stockwerk hochbauen. Wie kommt man noch h\u00f6her? Zum einen gibt es Turmkarten, die das Bauen eines Stockwerkes erm\u00f6glichen. Die sind aber zum einen beschr\u00e4nkt (max. 5 Stockwerke), zum anderen teuer: Sie kosten 10 Gold und 10 Gold entsprechen am Ende einem Siegpunkt. Auch ein Stockwerk bringt f\u00fcr eine normale Figur nur einen Siegpunkt, das w\u00e4re also ein reines Nullsummenspiel. Der Einsatz lohnt sich nur f\u00fcr die Meister-Figur, die 2 Siegpunkte pro Stockwerk bringt. Der wahre Schl\u00fcssel zum Sieg sind die Br\u00fccken; diese verbinden zwei Schlossteile oder zwei Schl\u00f6sser, die genau den richtigen Abstand haben m\u00fcssen. Ihr Einsatz ben\u00f6tigt keine Karte und so konzentriert sich ein gro\u00dfer Teil des Spieles auf das richtige Platzieren von Steinen, so dass m\u00f6glichst viele Br\u00fccken gebaut werden k\u00f6nnen. Dieser Teil des Spieles ist ausgesprochen reizvoll \u2013 wenn man solch ein Gepuzzle denn mag.<br \/>\nUms Geld geht\u2019s bei <em>Alcazar<\/em> allerdings auch und hier kommt es zu ungewollten Assoziationen zu den Vorg\u00e4ngern: F\u00fcr jede Bauma\u00dfnahme gibt es Geld und zwar so viel wie die Burg wert ist. Die Burg ist so viel Geld wert, aus wie vielen Teilen sie besteht, maximal aber 50 Gold. Das bedeutet: Am Anfang ist das Geld knapp und es kommt wenig Geld dazu, da die Burgen noch klein sind. Hier muss der Einsatz des Geldes wirklich wohlbedacht sein. Ab dem Mittelspiel bekommt man aber st\u00e4ndig recht viel Geld. Man schwimmt f\u00f6rmlich in Geld. Sicherlich, f\u00fcr jeweils 10 Geld bekommt man einen Siegpunkt (und so lohnt sich u.U. ein sinnloses Anbauen mehr als kunstvolle T\u00fcrme, die nur dazu dienen, eine einzelne Br\u00fccke zu errichten), aber irgendwie wirkt die Inflation merkw\u00fcrdig und etwas ungewollt.<br \/>\nInsbesondere d\u00fcrfen Burgen, welche die Maximalgr\u00f6\u00dfe erreicht haben, nicht mehr Verschmelzen, was in den ersten Partien st\u00f6rt (und auch mal vergessen wird), mit mehr Spielerfahrung aber durchaus Sinn ergibt. Warum nun ungewollte Assoziationen? Weil Spielanleitung und Vorg\u00e4nger suggerieren, es spiele irgendeine Rolle, wer wen \u00fcbernimmt. Ganze Abs\u00e4tze sind diesem Punkt in der Regel gewidmet, dabei ist es v\u00f6llig wuppe: Da die Burg niemandem geh\u00f6rt, geht es einzig allein um die Frage, welcher Marker den neuen Wert der Burg anzeigt. Nichts k\u00f6nnte unwichtiger sein. Das Zusammenwachsen der Burgen hat lediglich eine Wertsteigerung der Burg zur Folge, nicht ganz unwichtig, aber der Stellenwert liegt doch mehrere Zehnerpotenzen unter dem einer Hotelkettenfusion bei <em>Acquire<\/em>. <\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: Viele Regelst\u00fcmpfe erinnern noch an <em>Big Boss\/Acquire<\/em>. Dadurch  erwartet jeder etwas Entsprechendes. Aber spielerisch haben die Spiele eigentlich nichts mehr gemein, <em>Alcazar<\/em> ist ein Denkspiel (wie Torres), kein Wirtschaftsspiel. Hier h\u00e4tte ein radikalerer Schnitt erfolgen m\u00fcssen, so dass keine falschen Erwartungen geweckt werden, die dann nicht erf\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Verst\u00e4rkt wird dieser Punkt noch dadurch, dass <em>Alcazar<\/em> nicht gerade intuitiv ist: W\u00e4hrend der ersten Partie hat man noch keinen Plan, wie man \u00fcberhaupt an das Spiel herangeht. Wer sich sonst nicht zu behelfen wei\u00df, greift eben auf die Erfahrung  mit den \u201eUrspielen\u201c zur\u00fcck\u2026 und geht baden. Die Inflation bei Spielende tut ein \u00dcbriges. Resultat: Schlechter Ersteindruck \u2013 weg damit, Spiel verkauft!  <\/p>\n<p>Was ein Fehler w\u00e4re, denn <em>Alcazar<\/em> entpuppt sich bei n\u00e4herer Betrachtung als sch\u00f6nes Familiengr\u00fcbelspiel. Und \u201esch\u00f6n\u201c ist w\u00f6rtlich zu nehmen: Das Material ist 1a. G\u00e4be es den Sonderpreis \u201eSch\u00f6nes Spiel\u201c noch, k\u00f6nnte sich <em>Alcazar<\/em> ernsthafte Hoffnungen machen!<br \/>\nAlso: Das Spiel ist gut. Aber man darf nichts \u00fcber die Vorgeschichte wissen. Man darf sich nicht von vielen uneleganten Regeln abschrecken lassen, die in Verbindung mit dem v\u00f6llig unpassendem Thema den Eindruck eines sehr mechanischen Spiel aufkommen lassen, bei dem es geh\u00f6rig unter dem Motor klappert. Die Qualit\u00e4ten des Spieles sind also versteckt, aber sie sind zweifellos vorhanden.<br \/>\nWeswegen ich es hier empfehle. Wenn auch mit Einschr\u00e4nkungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Kosmos Autor: Wolfgang Kramer Spieleranzahl: 2-5 Alter: ab 10 Jahre Spieldauer: ca. 60-90 Minuten Es zeugt nicht gerade vom Selbstbewusstsein eines Rezensenten, wenn er eine Rezi mit der Warnung beginnt, dass andere Rezis zu ganz anderen Schl\u00fcssen kommen. Aber was soll&#8217;s! 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