{"id":1278,"date":"2010-01-20T21:56:45","date_gmt":"2010-01-20T19:56:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=1278"},"modified":"2010-09-23T18:04:40","modified_gmt":"2010-09-23T16:04:40","slug":"tore-der-welt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/tore-der-welt\/","title":{"rendered":"Tore der Welt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/reviews\/torederwelt.jpg\" align=\"left\" hspace=\"10\"\/>Verlag: Kosmos<br \/>\nAutor: Michael Rieneck \/ Stefan Stadler<br \/>\nSpieleranzahl: 2-4<br \/>\nAlter: ab 12 Jahre<br \/>\nSpieldauer: 90-120 Minuten<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich mag Rebecca Gabl\u00e9 ja sehr viel lieber als Ken Follett, das ist aber nat\u00fcrlich Geschmackssache und interessiert hier niemanden. Vor allem weil die gute Gabl\u00e9 noch keine \u201eVerspielung\u201c ihrer B\u00fccher erleben durfte (mit Ausnahme von <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Siedler-Catan-Rebecca-Gabl%C3%A9\/dp\/343103019X\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1263992352&#038;sr=8-1\">diesem hier<\/a> nat\u00fcrlich), w\u00e4hrend sich Follett jetzt schon \u00fcber das zweite Spiel zum Buch freuen durfte. Aber das macht nix, denn \u201eDie Tore der Welt\u201c ist in erster Linie ein Mittelalterspiel und h\u00e4tte genauso gut die Romanhandlung eines Gabl\u00e9s-Titels abdecken k\u00f6nnen.<br \/>\nSoweit die Einleitung, bei der ich versucht habe den Satz \u201eDas Mittelalter war sehr beschwerlich\u201c in seinen Inkarnationen zu vermeiden, denn 3 von 5 Rezis beginnen ihre Spielebesprechung bereits so.<br \/>\nNun, der Punkt aber ist: Das Mittelalter WAR beschwerlich. Und im Spiel wird das soweit umgesetzt, als dass ein Gutteil der 6 Aktionen pro Spielabschnitt daf\u00fcr draufgehen, sich die bei Abschnittsende f\u00e4lligen Abgaben an Korn, \u201eFr\u00f6mmigkeit\u201c und Geld zu beschaffen. Das Problem dabei ist: Zwar gibt es jeweils eine Aktion um Fr\u00f6mmigkeit und Korn zu beschaffen, aber keine direkte M\u00f6glichkeit um Geld zu bekommen. Und auch Fr\u00f6mmigkeit und Korn gibt es nur einfach, ben\u00f6tigt werden aber zwei St\u00fcck (Man darf aber immerhin eine Aktion doppelt durchf\u00fchren). Das Elend liegt also klar auf der Hand: Von allem ist zu wenig da. Damit das \u00fcberhaupt funktioniert, gibt es jede Runde (von denen es sechs gibt pro Spielabschnitt) Einkommen und das kann durchaus eines der ben\u00f6tigten G\u00fcter sein \u2013 aber nur der Startspieler hat es in der Hand, welches Gut er bekommt. Der wechselt zwar st\u00e4ndig, aber weitestgehend gilt es flexibel zu bleiben.<br \/>\nIst das Einkommen kassiert, darf jeder eine Aktion durchf\u00fchren. Da stehen 12 zur Auswahl, aber jede kann nur einmal durchgef\u00fchrt werden. Au\u00dferdem muss man mit jeder Aktion eine weitere wirkungslos abwerfen. Wer sich hier verplant, steht am Ende ohne sinnvolle Zugm\u00f6glichkeit da und schafft vermutlich die Abgaben nicht. Bei allem Gerangel um die Abgaben darf man nicht vergessen sich auf das eigentlich Spielziel zu konzentrieren: Auf Siegpunkte. Zu deren Erwerb stehen noch eine Menge anderer Wege bereit (siehe unten) und wer sich zu sehr auf das Nebens\u00e4chliche (Abgaben) konzentriert, verliert das Haupts\u00e4chliche (die Siegpunktaktionen) aus den Augen und wird nicht gewinnen k\u00f6nnen.<br \/>\nEs stehen einem bei Tore der Welt viele Wege offen, ans Ziel zu gelangen; welcher erfolgreich ist, \u00e4ndert sich aber st\u00e4ndig. Zum einen ist das Einkommen ja kaum kontrollierbar, zum anderen findet jede Runde noch ein Ereignis statt und die Ereignisse haben es in sich: Wird nur eine Karte unwirksam ist das schon \u00e4rgerlich. Werden aber ganze Bereiche auf dem Spielplan gesperrt oder Bauwerke fertig gestellt oder es m\u00fcssen G\u00fcter abgegeben werden, so kann man schon mal in die Tischkante bei\u00dfen. Langfristige Strategien sind so kaum m\u00f6glich \u2013 man lebt mehr von der Hand in dem Mund, versucht m\u00f6glichst flexibel zu bleiben und sich bietende Gelegenheiten zu nutzen. Das klappt mit wachsender Erfahrung sicherlich besser, aber wenn\u00b4s schlecht l\u00e4uft, l\u00e4uft\u00b4s schlecht.<br \/>\nDas soll nicht hei\u00dfen, dass die Tore der Welt keinen Spa\u00df machen w\u00fcrden \u2013 im Gegenteil! Man wird bestens unterhalten und es ist spannend. Aber: Man spielt halt auch etwas vor sich hin, ohne echte Chance etwas langfristig aufbauen zu k\u00f6nnen. Und der Frustfaktor ist auch nicht gerade gering. Unterm Strich sicherlich kein absolutes Highlight, aber ein sehr ordentliches Spiel, dass vom Anspruch her dem Buchvorg\u00e4nger S\u00e4ulen der Erde entspricht (wobei mir die Tore besser gefallen, weil sie imho mehr M\u00f6glichkeiten bieten).<\/p>\n<p>Es folgt noch eine kleine Strategiediskussion, die f\u00fcr Leute, die nur am Kern der Rezi Interesse haben, nicht von Belang ist. Insbesondere geht es auch um die Frage, ob einer der Wege bevorteilt ist.<br \/>\nAuch wenn langfristige Strategien nicht m\u00f6glich sind, so sind doch Spezialisierungen und unterschiedliche Spielstile m\u00f6glich. Neben dem Kampf um die Abgaben bietet das Spiel folgende M\u00f6glichkeiten:<br \/>\nBauen, Spenden, Pestopfern helfen, Wolle\/Tuchhandel, H\u00e4user bauen.<br \/>\nAlle diese Aktionen brauchen 2 Karten, um Ertrag zu bringen, mit Ausnahme des Spenden. Dennoch wurde diese Option selten gew\u00e4hlt. Warum? Vermutlich ist das ein psychologischer Effekt: Man wei\u00df nicht 100% ob es Ertrag bringt (wobei die Chancen sehr hoch sind, es sei denn es sind tats\u00e4chlich alle Geb\u00e4ude im Spiel) und vor allem wei\u00df man nicht, wann man den Ertrag bekommt. Oft ben\u00f6tigt man aber eine gewisse Planungssicherheit, gerade was die Abgabeng\u00fcter betrifft. Daher wird das Spenden (zumindest bei uns) eher selten durchgef\u00fchrt, obgleich es mit nur einer Aktion einen z.T. recht hohen Gewinn verspricht.<br \/>\nBauen ist nat\u00fcrlich die wichtigste Aktion: Sie kostet \u2013 Baumaterial vorausgesetzt \u2013 eine Karte (sonst noch eine Karte zum Beschaffen des Baumaterials) und bringt mit 3 Siegpunkten pro Baumaterial den h\u00f6chsten Siegpunktertrag. Dennoch ist diese Aktion den anderen nicht \u00fcberlegen: Zum einen gibt es sonst nichts, zum anderen sind die Baupl\u00e4tze ja begrenzt. Wer bauen kann, sollte das aber unbedingt tun \u2013 alle anderen Wege Siegpunkte zu gewinnen sind langsamer. In Partien mit wenig Geb\u00e4uden werden daher auch insgesamt recht wenig Siegpunkte erzielt.<br \/>\nWolle\/Tuchhandel scheint mir etwas schw\u00e4cher als die anderen Optionen zu sein, denn sie kostet zwei Karten und bringt nur Geld. Allerdings davon recht viel, so dass man mit fr\u00fchem Tuch und niedrigen Steuern sehr flexibel bleibt. Geldbeschaffung ist oft ein Problem und da ist der Tuchhandel der effektivste Ausweg. Dennoch bevorzuge ich die kombinierten Wege.<br \/>\nBei Hausbau bin ich mir unsicher. Auch er ist partiell etwas uneffektiv, da man zwei Karten braucht um Ertrag zu schaffen. Daf\u00fcr kann die Doppelkarte nat\u00fcrlich den Ertrag verdoppeln und man hat beim Bau freie Auswahl was man bekommen m\u00f6chte. H\u00e4user k\u00f6nnen so eine Strategie wunderbar erg\u00e4nzen. Au\u00dferdem versprechen sie gelegentliche Siegpunkte \u00fcber die Gunstleiste. Daf\u00fcr wiederrum k\u00f6nnen sie durch Ereignisse verloren gehen und das kann schmerzen. Wer aber sinnvoll den medizinischen Weg gehen will, kommt um H\u00e4user kaum herum (ich baue meistens eines mit Geld und eines mit Medizin, aber das ist Geschmackssache).<br \/>\nMedizin ist sehr viel st\u00e4rker, als man am Anfang denkt. Das Helfen der Pestopfer bringt Siegpunkte UND noch ein Extragut und medizinisches Wissen bringt zudem mit etwas Gl\u00fcck noch Bonussiegpunkte \u00fcber die Gunstleiste. Dieser Weg wird oft untersch\u00e4tzt, er birgt aber eine gro\u00dfe Gefahr: Das Ereignis \u201eDie Pest ist besiegt\u201c schlie\u00dft diese T\u00fcr fast vollst\u00e4ndig zu und wer sich zu sehr darauf konzentriert hat, hat viel Ressourcen verschleudert.<br \/>\nAuch wenn ich mir hier und da unsicher bin, w\u00fcrde ich erst einmal vermuten, dass alle Wege gleichberechtigt sind \u2013 eine gute designerische Leistung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Kosmos Autor: Michael Rieneck \/ Stefan Stadler Spieleranzahl: 2-4 Alter: ab 12 Jahre Spieldauer: 90-120 Minuten Ich pers\u00f6nlich mag Rebecca Gabl\u00e9 ja sehr viel lieber als Ken Follett, das ist aber nat\u00fcrlich Geschmackssache und interessiert hier niemanden. 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