{"id":1023,"date":"2009-08-25T16:21:18","date_gmt":"2009-08-25T14:21:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/?page_id=1023"},"modified":"2010-09-23T17:48:43","modified_gmt":"2010-09-23T15:48:43","slug":"krakow-1325-ad","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/rezensionen\/krakow-1325-ad\/","title":{"rendered":"Krakow 1325 AD"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.spielbar.com\/wordpress\/wp-content\/reviews\/krakow.jpg\" align=\"left\" hspace=\"10\"\/>Verlag: Geode Games<br \/>\nAutor: Peter Struiff<br \/>\nSpieleranzahl: 4<br \/>\nAlter: ab 10 (besser 12) Jahre<br \/>\nSpieldauer: 45-120 Minuten (je nach eingestellter Spieldauer)<\/p>\n<p>Es gibt Spiele, die machen es einem wahrlich nicht leicht.<br \/>\nBei <em>Krakow 1325 AD<\/em> (oder f\u00fcr seine Freunde nur \u201e<em>Krakow<\/em>\u201c) f\u00e4ngt das schon beim Preis an: So um die 35\u20ac wollen investiert werden, f\u00fcr etwas, das von der Kurzbeschreibung her ein Kartenspiel zu sein scheint. Sicherlich, der Verlag ist ein Ein-Mann-Betrieb aus Holland und das Material ist auch wirklich sehr ordentlich (wenn auch beileibe nicht au\u00dferordentlich). Rein technisch geht der Preis voll in Ordnung. Aber trotzdem\u2026<br \/>\nUnd das war noch die kleinste H\u00fcrde. <\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Problem ist die Suche nach Mitspielern: Genau 4 sollten es schon sein, denn Krakow kennt keine anderen Spielerzahlen (Dieses Jahr erscheint eine 3-Spieler-Erweiterung. Sicherlich die erste Erweiterung in der Spielegeschichte f\u00fcr weniger Spieler). Und die m\u00fcssen einerseits Freude an ungew\u00f6hnlichen (Stich-)Spielen haben und andererseits einen langen Atem besitzen: Das Verstehen der Regeln st\u00fcrzt n\u00e4mlich selbst h\u00e4rter gesottene Vielspieler in Existenzkrisen. Dabei ist die Regel gar nicht so schlecht (wenn es auch irritiert, dass statt \u201eStichen\u201c immer von \u201eIntrigen\u201c die Rede ist), die Probleme sind zum Teil dem originellen Grundgedanken geschuldet: Es spielen n\u00e4mlich immer zwei Spieler im Team miteinander um Punkte. Aber jeder Spieler hat geheim noch eine Farbe und bekommt bei Spielende die Punkte dieser Farbe zus\u00e4tzlich zu den Teampunkten gutgeschrieben. Und dann gewinnt ein Einzelspieler. Und dieser Wertungsmechanismus ben\u00f6tigt nun einmal zwangsl\u00e4ufig eine Reihe von Wertungsebenen, damit er funktioniert: So gibt es drei M\u00f6glichkeiten mit einem Stich zu punkten: Die Farbe der erstgespielten Karte z\u00e4hlt einen Punkt f\u00fcr den Spieler, dem diese Farbe geh\u00f6rt \u2013 aber nat\u00fcrlich erst bei Spielende, die Farben sind ja geheim. Geht der Stich durch, d\u00fcrfen zudem Kl\u00f6tze in ein Gebiet eingesetzt werden und welches Team dort die Mehrheit hat bekommt ebenfalls 1-2 Punkte. Dieser Mechanismus punktet also nicht sofort, sondern erst nach vier Runden (einem \u201eJahr\u201c), was die M\u00f6glichkeit bietet, einen Stich der eigenen Farbe durchlaufen zu lassen und so dem gegnerischen Team zu schenken, wenn die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse sich eh nicht \u00e4ndern w\u00fcrden. Drittens erlauben bestimmte Kombinationen es auch noch, dass ein Spieler sofort einzeln punktet, was die Sache nicht einfacher macht. Und weil das Spiel mit diesen Wertungen vermutlich zu destruktiv w\u00e4re, gibt es noch eine zweite Farbenwertung: Denn die Farbe mit den meisten Stichen bekommt Extrapunkte und die Gegenfarbe (rot und gr\u00fcn sind Gegenfarben sowie blau und gelb) bekommt zwei Minuspunkte. Man muss also noch verhindern, dass die Gegenfarbe der eigenen Farbe besonders stark wird, was besonders dann gemein wird, wenn der Partner die hat.<br \/>\nW\u00e4re dieses Wertungsgeflecht schon schwierig genug zu durchschauen, hat der Autor mit den Karten noch eins draufgesetzt: Die zeigen nicht nur ihre Farbe und ihren Grundwert, sondern auch wo wie viele Steine eingesetzt werden k\u00f6nnen, sollte der Stich gewonnen werden. Und der Grundwert bezieht sich nur auf das erste Spielen der Karte; Jede Karte zeigt dar\u00fcberhinaus noch 8 (!) andere Werte: Je nachdem ob eine Karte vom Teampartner oder vom Gegner kam und welche Farbe die erste Karte hat (Bedienen ist nicht Pflicht) z\u00e4hlen die ausgespielte Karte zwischen -9 und +5 Punkten. Dem aber noch nicht genug: Damit die hohen Werte nicht zu m\u00e4chtig werden k\u00f6nnen diese von bestimmten Gegenkarten geblockt werden. Das ist leider etwas ungeschickt in der Kartenmitte angegeben, oberhalb vom bedeutungslosen Flavor-Text, was die Ausspiel-Intuition nicht gerade erh\u00f6ht. Und als w\u00e4re das nicht genug, haben jeweils 2 Karten pro Farbe auch noch eine ganz eigene Sonderf\u00e4higkeit. Ich will nicht l\u00fcgen: In meinen ersten Partien haben wir die einfach weggelassen, um das Spiel kennen zu lernen \u2013 Etwas was ich jeden <em>Krakow<\/em>-Anf\u00e4nger ans Herz legen w\u00fcrde.<br \/>\nDenn wenn das Spiel und vor allem das Zusammenwirken aller Stellschrauben verstanden wurden, dann erst kann man anfangen, die letzte H\u00fcrde zu nehmen und die vielf\u00e4ltigen M\u00f6glichkeiten zu nutzen die es bietet. Stochert man in den ersten Runden im Nebel und konzentriert sich noch darauf alle eigenen Stiche zu gewinnen und die des Gegners zu blocken, versteht man erst in weiteren Runden (und Partien) wie geschickt alles verwoben ist und wie viele M\u00f6glichkeiten es gibt, dem Kartengl\u00fcck \u2013 das hier nat\u00fcrlich durchaus mitmischt \u2013 ein Schnippchen zu schlagen.<br \/>\nDenn auch hier macht es <em>Krakow<\/em> einem nicht leicht: W\u00e4re es ein langweiliges, schlechtes Spiel, w\u00e4re die Sache einfach und das Spiel die M\u00fche einfach nicht wert. Aber Krakow ist kein schlechtes Spiel, im Gegenteil. Es ist ein ausgesprochen cleveres Spiel mit einem ganz eigenen Reiz. Bei jedem Stich muss man sich \u00fcberlegen, ob es sich lohnt f\u00fcrs Team zu spielen oder dagegen. Es bietet viel Raum f\u00fcr taktische Finessen, aber auch f\u00fcrs bluffen. Sicherlich, die eine oder andere Runde kann auch mal komplett an einem vorbeilaufen (z.B. wenn der Gegner die eigene Gegenfarbe ist und daher kein Interesse an Stichgewinnen hat, man selbst aber das Gros der eigenen Farbe h\u00e4lt), aber \u00fcber eine normale Partie (zwei Jahre, das sind 8 Runden plus zwei Wertungen plus die Endwertung) sollte sich das in der Regel relativ gut rausmitteln.<br \/>\nInsgesamt ist <em>Krakow<\/em> das ideale Spiel f\u00fcr Gruppen, die oft zusammenspielen und ein bisschen Einarbeit nicht scheuen (wobei \u201eein bisschen\u201c ein gewisses Understatement enth\u00e4lt) \u2013 sie werden ihre Freude an diesem absolut originellen Spiel (Was ist das eigentlich? Ein Mehrheiten-Karten-Partner-und-irgendwie-doch-nicht-Spiel?) haben, zumindest wenn sie sich nicht an dem etwas mechanischem Unterbaut st\u00f6ren. Diesen Runden lege ich Krakow ans Herz und gebe den Einsteigertipp gleich zwei Jahre zu spielen (nach einem Jahr wird man eher das Gef\u00fchl haben, gespielt zu werden) und die Sonderf\u00e4higkeiten (aber nicht das Blocken der hohen Karten) erst einmal wegzulassen und erst einzuf\u00fchren, wenn man das Spiel gut beherrscht.<br \/>\nIch bin jedenfalls froh, dass ich es habe und vor allem, das ich mich gezwungen habe, die H\u00fcrden zu meistern. Manchmal ist eine Rezensionsverpflichtung eben doch zu was n\u00fctze. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verlag: Geode Games Autor: Peter Struiff Spieleranzahl: 4 Alter: ab 10 (besser 12) Jahre Spieldauer: 45-120 Minuten (je nach eingestellter Spieldauer) Es gibt Spiele, die machen es einem wahrlich nicht leicht. 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