Kurze Messevorschau mit der Wir sind das Volk-Erweiterung, Big Cityz, Cuckooo! und 3 Japan Brand Titeln

Essen rückt näher und es ist Zeit sich ein paar Neuheiten anzusehen. Insbesondere vielleicht die, die nicht woanders besprochen werden. Oder Neuheiten von mir. Oder beides.

Beginnen wir mit diesem hübschen Ding:

Wie man auf dem Bild entziffern kann, ist dies die Erweiterung zu Wir sind das Volk! Doch warum heißt sie 2+2?

Ich bin froh, dass Du fragst! 2+2 spielt auf die 2+4-Verträge an und gleichzeitig steht es für die Mitspieleranzahl. Spielte man Wir sind das Volk! noch zu zweit (einer West- einer Ostdeutschland), spielt man jetzt zu viert. Dabei spielen die USA und Westdeutschland gegen die UdSSR und Ostdeutschland. Das klingt nach einem Partnerspiel, aber das ist nicht ganz richtig: Zwar agieren die “Partnermächte” auf derselben Seite, gewinnen tut aber immer nur ein Einzelspieler!

Das funktioniert im Prinzip folgendermaßen: Neben der bekannten Deutschlandkarte kommen drei Bereiche dazu, um die nur die Supermächte kämpfen (Abrüstung, Weltraum, Globale Dominanz), die zudem selbst ein gewissen Budget haben, mit dem sie umgehen müssen. Dazu dienen 40 neue Karten, die überwiegend etwas globalere Ereignisse beziffern. Um zu gewinnen, muss eine Supermacht der anderen in den Bereichen insgesamt überlegen sein UND das jeweils assoziierte Deutschland muss seine Siegbedingungen erfüllen. Für die Deutschen gilt entsprechend: Nicht nur muss die Seite siegreich sein, der Partner darf nicht zu stark werden. Gelegentlich muss man seinen “Partner” also ein bisschen sabotieren.

Tatsächlich ist es so, dass ich bereits bei Erscheinen von Wir sind das Volk eine Partnervariante im Kopf hatte. Ich spiele verhältnismäßig selten zu zweit und wollte daher das Grundspiel auf vier Personen “aufrüsten”. Aber ein reines Partnerspiel wäre nicht nur nicht sehr thematisch, es wäre auch spielerisch nichts neues. Schon damals hatte ich die Idee, dass es nur einen Sieger gibt, so dass die Partner einer Seite, die sich siegessicher ist, gegenseitig behindern und so die andere Seite wieder kommen lassen. Das hat nun nicht so funktioniert, wie ich es mir ursprünglich dachte, aber mittlerweile haben wir ein System gefunden, dass dieses Dilemma wirklich  gut umsetzt und sich zudem sehr thematisch anfühlt.

Ebenfalls muss es thematisch natürlich die Gefahr eines Atomkrieges geben. Spielerisch haben “Alle verlieren”-Szenarios aber immer die systemimmanente Gefahr, dass ein Spieler, der nicht mehr gewinnen kann, auf “Alle verlieren” spielt, was sich blöd anfühlt (Archipelagos ist eines der wenigen Spiele, die dieses Problem vernünftig in Griff bekommen haben). Daher ändern sich die Siegbedingungen im Falle eines Atomkrieges, wobei der Auslöser selbst niemals gewinnen kann. Auch gibt es natürlich auch andere “Sofortsieg”-Szenarien, wie beim Grundspiel.

Zu viert ist die Dynamik natürlich eine andere als im Grundspiel, damit auch die Spieldauer in etwas dieselbe bleibt, gibt es einen neuen Mechanismus: Die Halbdekaden wurden durch Dritteldekaden ersetzt. Die letzte Karte, die in einer solchen Dritteldekade liegen bleibt, wird automatisch ausgeführt. Das macht das Spiel einen Tacken schneller und sorgt für schöne Überlegungen. Es macht auch das Handkartenspiel interessanter, denn die Gelegenheiten für Handkarten sind seltener. Das war eine Idee von Richard und daher kann ich fast unbeeinflusst sagen, dass dieser Mechanismus das Spiel noch einmal extrem verbessert!

Ich drücke jedenfalls alle Daumen, dass bis Essen nichts unvorhersehbares passiert 🙂

Sicherlich etwas weniger spektakulär ist die Veröffentlichung von Big Cityz bei moses. Hier werden immer Karten mit Städten gezogen – etwa Timbuktu oder Wolfsburg – und dann muss man eine von vier Ja/Nein-Fragen beantworten: Mehr als eine Million Einwohner? Liegt die Stadt am Meer? Sowas halt. Dabei gibt es mehr Punkte, wenn man potentiell mehr rsikiert. Die Regeln sind wirklich simpel, aber Geographiefreunde kommen m.E. auf ihre Kosten! Das Spiel ist schnell gespielt (30-40 Minuten) und schnell erklärt und ich konnte gewissermaßen meine “Quizspielexpertise” ausspielen 😉

Soweit von mir.

Ich erlaube mir aber noch einen Hinweis auf ein Spiel von József Dorsonczky (Mind Fitness Games), das in Essen vorgestellt wird: Cuckooo! (Full Disclaimer: Ich habe die Regeln übersetzt). Cuckooo! ist ein Kartenspiel und eine Mischung aus Black Jack und Mau-Mau. Das klingt komisch und tatsächlich kenne ich kein Spiel, dass sich auch nur ansatzweise ähnlich spielt. Das alleine ist schon aller Ehren wert, aber das Spiel ist auch sehr spannend! Prinzipiell muss man versuchen genau 21 Punkte zu erreichen, aber die Art wie das geschieht ist höchst originell: Man spielt eine Art Mau-Mau, wobei man die Karten auch (zweimal) in seinen Punktestapel legen kann. Ansonsten muss man bedienen oder -wenn man das nicht kann – alle Karten ablegen und die Runde für sich beenden, wobei in diesem Fall noch Punkte dazukommen. Manchmal will man die und manchmal nicht. So balanciert man die ganze Zeit herum: Gehe ich schnell raus und treffe die 21 nicht ganz? Kann ich überhaupt schnell rausgehen? Oder bleibe ich im Spiel und hoffe die 21 genau zu treffen, mit der Gefahr, dass ich überschieße, weil ich nicht bedienen kann und der Bonus mich grillt? Wirklich sehr cool! Ich habs zu dritt und zu fünft gespielt und es funktioniert in beiden Besetzungen sehr gut, auch wenn mir persönlich die Dreiervariante etwas besser gefällt. Empfehlung!

Von Japan Brand habe ich bislang von drei Spielen die Regeln gelesen. Ich gebe eine ganz kurze Beschreibung ab: Shinobijust ist eine Art Kartenversion von Heimlich & Co: Man legt Karten an andere Karten und die anderen Karten geben an, wer Punkte bekommt und wie viele. Nur sind die Identitäten geheim. Oh und man punktet auch, wenn der linke Nachbar besonders wenig Punkte bekommt. Klingt verwirrend, aber auch interessant.

Perfect Hotel ist ein Sammelspiel, bei dem man Kartensets sammelt und auslegt und für jede Sorte wird ein Mehrheitengewinner bestimmt. Für mich liegt in der Einfachheit der Reiz. Außerdem verwendet es einen Mechanismus, den ich auch mal verwenden wollte (Abgelegte Karten werden sortiert und mann zieht entweder eine Zufallskarte oder nimmt alle Karten einer Sorte).

Tagiron ist ein reines Deduktionsspiel, bei dem man mit Fragekarten versucht die Hand des Gegners zu entschlüsseln. Interessant die Mehrpersonenvariante, bei der man versucht die Karten in der Tischmitte zu entschlüsseln, man aber nur die Handkarten der Gegner abfragen kann. Klingt sehr “Gehirnschmelzend”.

ciao

peer