Quizspiel Vergleichstest 2012

Letztes Jahr war die Quizspielwetterlage so flautig, dass wir nicht einmal einen Preis vergeben konnten. Dieses Jahr konnte nur besser werden – und es wurde besser. Ob reines Quiz oder lustiges Ratespiel: Es war für jeden etwas dabei!

Trivial Pursuit: Wetten & Gewinnen (Hasbro) hat die letztjährige Deadline knapp verpasst. Mit Trivial Pursuit verbinde ich ja eine Hassliebe – Das Grundspiel ist für mich der Archetyp alles was ich an Quizspielen nicht mag (Lange Spieldauer, Hoher Würfeleinfluss, Extreme Schwankungen in den Fragen). Die neue Teamedition hat dafür den Quizspielpreis abgeräumt und ist immer noch mein absolutes Lieblingsquizspiel am Markt (Leider scheint der Preis nichts genützt zu haben – neue Editionen für die Teamedition sind jedenfalls nicht in Sicht). Wie siehts mit Wetten & Gewinnen aus?

Nun, das Grundsystem ist dasselbe wie beim Grundspiel. Da bin ich aber begeistert… Aber: Auch Hasbro weiß, dass die Spieldauer eigentlich zu lang ist und hat in den letzten Jahren immer an Verkürzungsmöglichkeiten gearbeitet. Bei dieser Version geht es schon deswegen schneller, weil es keine Zwischenfelder mehr gibt: Jedes Feld bietet die Möglichkeit auf eine Ecke. Das ist schon mal sehr gut, denn vorher konnte man 100 Fragen beantworten – kam man nicht auf die Ecken, hats nix genutzt.

Vor allem aber kann man sich diesmal die Wissensecken auch kaufen. Dazu braucht man Geld und das kann man beim Namensgebenden Wetten gewinnen. Das Wetten funktioniert so: Der Spieler an der Reihe wählt eine Kategorie aus der Auslage (es stehen 4 zur Auswahl). Nach wie vor bestimmt zwar die Farbe des Feldes das Genre, aber die Fragen sind Grob nach Überschriften geordnet. Bevor die Frage verlesen wird, darf nun jeder wetten, ob die Frage auch beantwortet werden kann. Dann darf der Spieler sich an der  Frage versuchen und entsprechend der Tipps werden die Gewinner entlohnt. Eine nette Idee.

Aber leider in der Theorie besser als in der Praxis: Zum einen stört das Wetten den Spielfluss ungemein. Vor allem aber hat ja noch niemand einen Anhaltspunkt auf die Frage und damit sind die Wetten ein ziemlicher Schuss ins Blaue. Das Spektrum der Fragen ist wie beim Ur-TP nämlich recht weit gestreut und reicht von “Sehr schwer ohne Auswahlmöglichkeiten” bis zu “Ja oder Nein-Frage, bei der jeder aufstöhnt, weil sie so leicht ist.” Die Überschrift hilft dabei nur bedingt: So verbarg sich unter dem Titel “Herr der Ringe” 4 Fragen zu diversen HdR-Filmen (u,a, auch vom Zeichentrickfilm) eine Frage, die im Silmarillion beantwortet wird (in HdR meines Wissens nicht) und eine Frage zu den Organisatoren der Olympischen Spielen. Wer hier eine Frage zum Buch erwartete wird enttäuscht. Sicherlich sind solche Überraschungen auch mal witzig, aber wenn fast jede Überschrift eher irreführend ist, kann man sie auch weglassen. Ein weiteres Problem: Von allen ungeliebte Kategorien verstopfen bald die Auslage, die niemals aufgeräumt wird. Da hilft aber eine Hausregel, dass immer wenn eine Wissensecke gekauft wird, die Auslage wechselt (oder so).

Unterm Strich ist Wetten & Gewinnen zwar deutlich besser als das Original, aber auch deutlich schwächer als die Teamedition. Letztlich stellt sich bald ein Gefühl der Beliebigkeit ein: Wetten ist ein Schuß ins Blaue, Die Kategorien sind ein Schuss ins Blaue, Das Beantworten von Fragen ohne Auswahlmöglichkeit ist beim gebotenem Schwierigkeitsgrad auch oft ein Schuß ins Blaue – da wird irgendwann alles egal und man beendet das Spiel lieber. So erging es uns jedenfalls bei jedem Testversuch…

Finden Sie Minden – Miniausgabe (Günter Burckhardt bei Kosmos)

Ganz überraschend fand ich im Spielzeugladen meines Vertrauens eine Mini-Ausgabe von Finden Sie Minden. “Mini” heißt: Format der “Mini-Serie” von Kosmos mit einem unschlagbaren Preis von unter 5 Euro. “Da soll tatsächlich ein vollständiges Spiel drin sein?” dachte ich bei mir. Tatsächlich enthält die Ausgabe einen kleinen (Papier-)Spielplan, Spielertafeln und 99 neue Ortskarten und ist problemlos spielbar. Da das Spiel an sich schon älter ist, will ich auf das Spielprinzip nur rudimentär eingehen: Jeder wählt eine Ortskarte (erstes Recht hat der Hintenliegende, so dass die Punkteführenden immer die schwierigen bekommen) und muss schätzen wo der Ort liegt. Dabei bleibt die Genauigkeit dem Spieler überlassen, je genau desto größer das Risiko daneben zu liegen, aber auch die potentielle Punkteausbeute. Und Finden Sie Minden ist immer noch eines der besten Ratespiele auf dem Markt, imho auch einen Zacken schärfer als Europa. Weil es aber letztlich “nur” eine Neuauflage ist, kommt es nicht für den eigentlichen Preis in Frage – aber einen Spielbar- Sonderpreis für das wirklich aussergewöhnliche Preis/Leistungsverhältnis bekommt das Spiel hiermit schon an die Brust geheftet!

 

Rettet die Million (Ravensburger)

Wer das gleichnamige Quiz kennt, kennt auch den Kniff des Spieles: Die Spieler beginnen mit einer Million Euro – ganz physisch mit Geldscheinen (im Original. Hier liegt nur Spielgeld bei. Haha. Diesen Witz musste ich in der Rezension dieses Spieles machen sonst werde ich abgemahnt). Bei jeder Frage können die Geldscheine ganz beliebig auf die bis zu vier Antwortmöglichkeiten aufgeteilt werden. Das Problem: Das Geld auf den falschen Antworten ist futsch. Nur was am Ende der acht Runden noch übrig bleibt, darf man behalten. Dieser Kniff ist im Spiel gut umgesetzt: Das Geld wird auf Schiebern platziert, die das falsch platzierte Geld im Spielekarton verschwinden lassen. Das macht Laune und ist auch kein Selbstzweck: Man muss Fragen nicht genau wissen, man kann das Geld ja im Zweifelsfall aufteilen. Oder man riskiert was und bevorzugt einen Wackelkandidaten. Das klappt wunderbar und auch die Fragen sind anstänstig ausgewählt. Bei weiteren Partien nervte das Geldwechseln allerdings auch durchaus irgendwann. Vor allem aber nervt das hnatieren mit den großen Haufen bei Spielbeginn.

Allerdings bedingt der Spielmodus, dass immer einer einen kompletten Fragendurchlauf am Stück Quizmaster ist während alle anderen zusammen ein Team bilden. Erst wenn acht Fragen gespielt oder das Geld weg ist, wird der nächste zum Quizmaster und alle müssen mal ran – Erst dann gewinnt der reichste. Das dauert bei mehr als drei Leuten schon ein wenig. Und in Maximalbesetzung (immerhin 6) würde ich es gar nicht spielen wollen. Denn ständig das Geld zu verteilen kann sich ziehen und ist in der dritten Wiederholung nur bedingt spannend, wenn man gerade mehrere Fragen erwischt hat, mit denen man gar nichts anfangen kann. Überhaupt ist es sehr entscheident, welche Fragen man früh erwischt – die meisten kann man ohne Geldverlust durchscpielen, aber manchmal wird einen echt Sand ins Getriebe geworfen. In kleinen Runden ist das Spiel aber durchaus pfiffig und funktioniert auch wunderbar zu zweit, was bei Quizspielen ja eher selten ist (zwar funktionieren die meisten die zweit, haben aber starken “Abfragecharakter”). Bei mehr als drei Spielern muss man für meinen Geschmack etwas zu viel Zeit mitbringen und der Spielverlauf wird dann doch recht monoton – die Spieler beginnen dann auch schon mal zu schludern und ihr Geld zu verschleudern, weil das Spiel ihnen zu lange dauert- Kein gutes Zeichen in meinen Augen.

Forty Two (Piatnik)

Die Zahl 42 bezieht sich auf die nötige Anzahl von Siegpunkten, die erreicht werden muss. Wer an der Reihe ist, sucht sich aus, wie viele Punkte er anstreben will: 2, 4, 6, 8 oder gar 10. Je mehr, desto potetiell schwieriger wirds. Jede Aufgabe besteht aus der Aufgabe “Nenne x Dinge mit der Eigenschaft y!”, z.B. “5 Skispringer” oder “8 Speiseeissorten” oder so. Die Zeit schwankt zwischen 30 und 60 Sekunden und werden mit Timer abgearbeitet. Wem nur einen oder zwei Begriffe fehlen, dem kann auch geholfen werden und das wörtlich: Er kann Mitspieler bitten mit ein paar Begriffen (oder allen) auszuhelfen und dabei darf über die Punktebelohnung frei geschachert werden- sofern die Zeitr ausreicht.

Piatnik hat immer nette Ideen für Quizspiele und leider kann das fertige Produkt niemals das halten, was die Idee versprach. Ähnliches gilt auch hier: Diese Outburst-Variante spielt sich zwar flott und hat uns durchaus als Schnell mal nebenbei gespieltes Quiz durchaus überzeugt, aber es bleibt das Gefühl, man hätte mit etwas sauberer Entwicklungsarbeit noch mehr herausholen können. Auffälligstes Problem sind die Schwierigkeitskarten. Schnell haben wir gemerkt, dass 2er Karten nicht wirklich leichter waren als Karten, für die man 6 oder gar 8 Punkte bekommt. Die Zehner sind tatsächlich im Durchschnitt etwas schwieriger (ein bisschen ist ja auch Geschmackssache) aber die Unterschiede sind so gering, dass wir mittlerweile die Vierer und die Zweier im Kasten lassen – es lohnt sich schlicht nicht. Zumal der Unterschied zwischen 0 und 2 im Hinblick auf die 42 Punkte eh marginal ist.

Das nächste sind eine Reihe von missverständlichen und auch schlicht blöden Aufgaben. Da anders als bei Outburst niemals Begriffe vorgegeben werden ist es nicht immer ganz klar, was eigentlich gemeint ist – und vor allem ob eine Antwort richtig ist. Bestes Beispiel ist eine Frage nach Städten mit Kasinos. Klar gibt es eine Handvoll Städte mit berühmten Kasinos “Monte Carlo, Las Vegas, Monaco), aber Hamburg, Berlin und München haben doch sicherlich auch Kasinos, oder? Will das irgendjemand extra für das Spiel recherchieren? Das Spiel erlaubt zudem ganz klares bluffen: Wenn ich im Brustton der Überzeugung erkläre, dass “Simmerlinge” Süßwasserfische sind, könnte ich damit durchkommen. Ob das im Sinne des Erfinders ist?

Gut funktioniert dagegen das Helfen lassen, auch wenn man sich schnell auf eine Standardpunktzahl einigt, die man dann immer anbietet – richtig Zeit zum Schachern ist ja nicht.

Letztlich ist Forty Two aber ein angenehm kurzweiliges Spiel, wenn man sich auf die Diskussionen einlassen kann oder das ganze nicht so ernst nimmt und sich auch mal darauf einigen kann, eine Karte wegzulasen (meine Lieblingsfrage war glaub ich “Nenne 10 Bergstöcke in Österreich” oder so ähnlich). Die große Stärke ist nämlich die Spieldauer, die 30 Minuten in rateaffinen Runden nicht überschreitet. Und so wäre Forty Two letztes Jahr sogar ein klarer Kandidat für den Quizspielpreis gewesen, aber in diesem Jahr ist die Konkurrenz stark…


Wochenende in Berlin /Weekend in London (Grubbe Media)

Wer möchte nicht einmal ein Wochenende in Paris, London oder Madrid verbringen?  Leider ist das größte Hindernis die Sprache – Wer diese Städte per Spiel bereiesen möchte, sollte schon solide Grundkenntnisse mitbringen, denn alle Fragen werden in der Landessprache gestellt. Das ist kein Fehler, sondern Spielidee, denn diese Quizspiele sollen der Festigung der Sprache dienen und es sollen Muttersprachler mit Sprachlernern an den Spieltisch bringen – zum Beispiel auf einer Sprachreise.

Damit das auch gut klappt (und die Gastgeber die Spiele dann auch tatsächlich mitspielen), sind die Spiele wirklich sehr schön gestaltet: Man spielt auf dem Stadtplan der jeweiligen Stadt und versucht Bildkarten (Fotos von Sehenswürdigkeiten) zu sammeln. Die Fragen drehen sich rund um die jeweilige Stadt. So lernt man nicht nur die Sprache, sondern findet auch gleich heraus, wo man was sieht – und da man sich auf Verkehrsmitteln bewegt, auch gleich wie man dahinkommt – eine wirklich gelungene Idee! Dabei wird zwar gewürfelt, aber der Glückfaktor hält sich in Grenzen, da man sich doch recht frei auf dem Brett bewegen kann. Einzig gegen Ende kann sich Frust einstellen, wenn ein Spieler immer kostenpflichtige Verkehrsmittel nutzen und zur Finanzierung seine Bildkarten verscheuern muss. Auch kann man den Gegnern dessen Bildkarten wegnehmen. Dadurch kann sich das Spielende ziehen, wenn die Runde gezielt destruktiv spielt, aber normalerwese ist das Problem nicht so groß. Die Fragen sind allerdings z.T. für Touristen recht happig. Ich lebe in Berlin und kann daher (auch dank der vorgegeben Antworten) so manches beantworten, aber bei London hatte ich durchaus Probleme. Da haben die Einheimischen einen großen Vorteil-  was jetzt auch kein Drama ist, aber wissen muss man es.Unvorbereitet wird man zwar viel Lernen, aber wenig gewinnen (was die Spieldauer dann wieder weiter nach oben treibt – also immer schön den Reiseführer studieren!!!)

Aus Quizspielsicht insgesamt ein durchaus solides Produkt. Dabei ist vor allem das Konzept sehr konsequent umgesetzt. Der Sprachlevel muss aber schon hoch genug sein, damit man die Fragen auch verstehen kann. Ich bin nun kein Englischlehrer und spreche sehr gut englisch (spreche ich ja mit meiner Frau zu Hause), daher fällt es mir schwer eine genaue Einschätzung der benötigten Kenntnisse zu geben. Sagen wir mal so: Das spanische Spiel würde ich mir trotz rudimentärer Kenntnisse wirklich nicht zutrauen. Für Sprachenlerner aber eine nette Idee, auch gut für Sprachschulen oder -reisen geeignet und für diese Zielgruppe sehr zu empfehlen!

Das Wochenende in Berlin funktioniert naturgemäß etwas anders, bzw. hat eine etwas andere Zielgruppe: Hier können Deutschlernende mit Einheimischen spielen. Dafür gibt es immer zwei Fragesorten: Frage 1 fragt Deutschkenntnise ab (Nch Lernstufe B1), Frage 2 sind (wie bei den anderen Spielen) Fragen rund um die Stadt. Die Deutschlernenden können aus beiden Fragen auswählen (wobei die zweite Frage natürlich ebenfalls auch auf Deutsch ist), die mitspielenden Deutschen wählen immer die zweite Frage.

Da ich – wie erwähnt – mit einer Deutschlernenden verheiratet bin und diese wiederum mit vielen Amerikanern und Australiern befreundet ist, konnte ich auch diese Variante ausprobieren und sie funktioniert ganz hervorragend! Auch hier hatten diejenigen, die bereits flüssig deutsch sprechen keinerlei Probleme mit der ersten Stufe, aber für die meisten, war der Schweirgkeitsgrad sehr angemessen und eignet sich so auch durchaus für das Lernen für Sprachprüfungen u.ä. Meine Befürchtungen, nur Grammatikfragen wären zu langweilig wurden einmal dadurch zerstreut, dass sie ja wählen dürfen, vor allem aber sind die Fragen gar nicht so Grammatiklastig sondern es geht mehr um Umgangssprache – Fragen nach dem Weg, Fragen nach bestimmten Begriffen (Steigen Boxer in den Ring, das Quadrat oder das Dreeick z.B.) und so. Für das Spiel spricht, dass sich mindestens zwei unserer Bekannten das Spiel für Weihnachten besorgen wollen.  Das Konzept geht also auf und ist konsequent umgesetzt – und ist viel schöner aufgemacht und vor allem spielerischer als die New Amici-Reihe, die vor einigen Jahren auf dem Markt kam.

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(Anmerkung: Statt “Weekend in London” sind die anderen, nicht vorliegenden Spiele abgebildet. Spieltechnisch sind die identisch, es geht nur um andere Orte. Und Sprachen selbstverständlich. Außer den genannten und gezeigten Orten (respektive Spielen) gibt es noch Rom und New York zu besichtigen.)

Querdenker Kartenspiel (University Games)

Als ich hörte, dass es eine Neuauflage von Querdenker gab, dachte ich “Schön, ist dieses tolle Spiel, an das ich nur gute Erinnerungen habe, wieder im Handel!” Und als ich das Kartenspiel sah, dachte ich: “Noch schöner, jetzt ist das auch günstig und als Nicht-reine Neuauflage kann ich das mit in den Quizspielvergleichstest nehmen!” Dann sah ich aber, die Noten meiner damaligen Mitspieler – und schlimmer ! – meine eigene und wunderte mich, dass die so niedrig war (3 von 5). Nun, bereits in der ersten Probeparte fiel mir alles wieder ein… Das spricht erst einmal für das Querdenker Kartenspiel, denn es ist eine fast 1:1 Umsetzung des Brettspieles: Einer liest Hinweise vor, reihum darf jemand a) bestimmen welche Nummer vorgelesen wird und b) raten, um was es sich handelt. Punkte gibt es für den Rater gemäß unverbrauchten Hinweisen und für den Vorleser für verbrauchte Hinweise. Der einzige Unterschied ist, dass es kein Spielbrett gibt, Punkte also mitgeschrieben werden müssen und dass es weniger Karten gibt. Ansonsten: Mit 16€ eine preisgünstige und vor allem kompakte Angelegenheit, die nur von Mini-Minden getoppt wird. Doch bedeutet dass eben auch, dass all die alten Nachteile mitgenommen wurden: Zum einen die bekloppte Wertung, dass der Vorleser Punkte gemäß unverbrauchter Hinweise bekommt. Die bekommt er nämlich ohne Gegenleistung – er hat es ja nicht in der Hand, was er vorliest und wie schnell seine Mitmenschen raten. Wer Glück hat, bekommt einen schwierigen Begriff und/oder die anderen treffen die wertlosen Hinweise (“Ich bin ein Mann” oder “Setze eine Runde aus”), der nächste bekommt leichte Begriffe oder muss die besten Hinweise verraten (“Ich bin der Vater von Micky Mouse”). Der eine bekommt so vielleicht 15 Punkte geschenkt, der nächste 4. Das kann niemand durch gutes Raten ausgleichen.

Und auch als Rater ist man einigermaßen hilflos ausgeliefert, wer blöde Hinweise bekommt, bekommt auch erst einmal nix gebacken. Wer womöglich noch die Aussetzen-Nummer erwischt, wird sich ärgern – insbesondere wenn er die richtige Antwort kennt, nun aber nicht raten darf (man muss erst einen Hinweis nehmen).

Dabei ist Querdenker durchaus eine spaßige Angelegenheit, denn das Kombinieren der Hinweise macht Spaß. Allerdings bedarf es schon einer gewissen stoischen Gelassenheit, denn der Glücksfaktor ist gegenüber dem “Ratefaktor” hier dominierend. Und so würde ich meine damalige Wertung tatsächlich nicht ändern.

Voll ins Schwarze (Touko Tahkokallio / Huch & Friends)

Voll ins Schwarze will kein Quiz sein, sondern ein Ratespiel. Daher ist es kein Wunder, dass die meisten Fragen aus dem Stehgreif kaum zu beantworten sind: Wie lang ist eine Bowlingsbahn? Wieviel Prozent der Weltbevölkerung sind Hindus? In welchem Jahr gab Lucky Luke das Rauchen auf? Wer (wie ich) viel Quizs spielt oder einen Faible für Wissenshappen hat, kann vielleicht auch mal was beantworten, aber das nützt nicht unbedingt etwas: Die Antwort muss nämlich auch gegeben werden können. Die Spieler haben Handkarten mit Zahlen und kombinieren diese zur Antwort. Wer am dichtesten dran ist, gewinnt Punkte und verliert Handkarten. Wer die Antwort trifft gewinnt Punkte und verliert keine Handkarten. Wer aufs Raten verzichtet bekommt zwar keine Punkte aber Handkarten. Das ist durchaus originell und hat eine nette Bluffkomponente .

Allerdings leidet es etwas am Banalitätssyndrom: Wenn die Fragen durchweg komplett unbeantwortbar sind, dann sspielt man halt irgendwas. Zwar gibt es tatsächlich mehr Kartenstapel, als pro Spiel mitspielen, aber viele Fragen sind einfach zu offen. Insbesondere werden viele Prozentzahlen abgefragt, bei der man kaum einen Anhaltspunkt hat (und dabei z.T. sehr verklausuliert wie “Wie viel Prozent der Süßwasservorräte, die nicht im Eis an den Polen gefroren ist, liegen im Balkalsee?”). Auch hatten wir in einer Partie neben der Hindufrage von oben auch dieselbe Frage mit Muslims. Ratespiele leben aber eher von der Stimmung und da hätte man etwas mehr Pep geben können.

Materialsmäßig ist das Spiel eigentlich gut, ein Fehler in den Inlays soll bereits korrigiert worden sein (Das Spielbrett passt nicht zu den Öffnungen, in welche die Karten sollen), das Aufbaubild der Regel passt nicht zum Text (die Kartenstapel sind z.T. verkehrt herum) und vor allem hätte man die Antwortseite etwas unleserlicher machen sollen, so dass versehentliches Luschen seltener vorkommen kann (zumindest hätten die einstelligen Zahlen eine 0 davorgesetzt bekommen sollen, so dass man die Größenordung nicht so wahrnimmt).

Unterm Strich ist Voll ins Schwarze ein nettes Ratespiel mit witziger Grundidee. Allerdings ist das Bessere der Feind des Guten – der letzte Pfiff fehlt nämlich. Das Spiel ist zu monoton, dass Raten neigt zur Beliebigkeit. Da bieten andere Ratespiele wie Anno Domini, Fauna, Schätzen Sie mal oder das altehrwürdige Pi mal Daumen (bei dem auch Zahlen geraten wurden) deutlich mehr. Wer keines der genannten besitzt, liegt hier nicht völlig falsch, vor die Wahl gestellt, würde ich mich aber nicht für Voll ins Schwarze entscheiden.

 

Wie oben erwähnt geht der Der Sonderpreis für das aussergewöhnliche Preis/Leistungsverhältnis an Finden Sie Minden – Kompakt

Der Spielbar-Quizspielpreis 2012 geht an

Forty Two

Herzlichen Glückwunsch!

Begründung: Was zählt ist auf dem Platz. Und von den engeren Kandiaten macht Forty Two – trotz all seiner Fehler – einfach am meisten Spaß. Selten mussten wir so lange über den richtigen Preisträger diskutieren wie in diesem Jahr, aber unterm Strich gewinnt ein originelles Ratespiel, dass duch Klarheit und kurze Spieldauer unterhält.

Wir danken Hasbro, Ravensburger, Piatnik, Grubbe Media, Huch & Friends und University Games für die freundliche Bereitstellung der Rezensionsexemplare!

 Vergangene Quizspieltests: 2011, 2010, 2009, 2008 2007

 

 

Quizspielvergleichtest 2010

Nach zwei recht oppulenten Jahren, umfasst der diesjährige Test lediglich drei Spiele. Dafür sind keine Standard-Frage-beantworten-und-vorwärts-würfeln-Spiele á la Quiztaxi oder Spiel des Wissens dabei, die sowieso niemand braucht. Und auch wenn sie verstärkt erscheinen: Reine Fragesammlungen sind auch disqualifiziert. Es muss schon ein richtiges Quiz sein 🙂
Zum Einstimmen aber erst einmal die Preisträger der vergangenen Jahre:

2007 Bezzerwizzer
2008 Fauna
2009 Die Welt der…-Quizspielreihe

Und jetzt viel Spaß!

Andere Länder, andere Sitten
Autor: Marion Luger
Verlag: Piatnik
Für 2-6 Spieler ab 12 Jahren
Ein Quizspiel mit angegeben Autor ist schon was ungewöhnliches und hier ist auch das Thema ungewöhnlich: Es geht um, naja, um andere Länder und andere Sitten eben 🙂
Grundsätzlich liest einer eine Karte vor, auf der etwas ethnologisches steht, wie z.B. “Hier ist das Berühren des Kopfes eines Menschen ohne dessen Erlaubnis streng verpönt”. Nur, dass die Beschreibung auf den Karten sehr viel blumiger (positiv!) und länger (negativ!) ist, als hier dargestellt. Streng genommen liest es sich eher wie ein Auszug aus einem Reiseführer, aber OK. Es ist schon irgendwie stimmungsvoll. Ausserdem muss die Beschreibung ausführlich sein, denn der Vorleser darf sich aussuchen welche Länder er als Antwortalternativen anbietet (die richtige Antwort muss natürlich darunter sein). Dann raten die anderen welches der Länder das richtige ist und wer besonders schnell ist, bekommt noch einen Bonus.
Theoretisch stecken da eine Menge netter Ideen drin. Leider funktioniert das in der Praxis alles nicht so schön, wie es soll. Insbesondere eine Sache ist nicht ganz ausgereift: Eigentlich ist es eine nette Idee, dass der Vorleser die Alternativen festlegt, weil er so ein bisschen bluffen kann und ein bisschen überlegen kann, auf welche Länder die Beschreibung noch zutreffen können (er bekommt Punkte, wenn sich die Spieler mit der Antwort schwertun). Nimmt er die Rolle allerdings zu ernst, kann er in vielen Fällen, einfach alle Länder einer Region als Alternative anbieten. Selbst versierte Könner dürften nicht wissen in welchem Land nun genau die Massai leben. Und wenn Mikronesien die richtige Antwort ist, dürfte man darauf nur zufällig kommen, wenn die Alternativen Samoa, Fidschi, Neuseeland und Polynesien lauten. Ein weiterer Nachteil: Obwohl die Beschreibungen auf den Karten schon recht ausführlich sind, kann es durchaus zu doppelten Antworten kommen – wenn es um z.B. Madegras geht und als Alternative (zu Mexiko) die USA genannt werden, so ist das defacto richtig, denn Madegras wird ja in New Orleans ausgiebig gefeiert. Nichts ist bei einem Quizspiel aber ärgerlicher, als wenn Fragen nicht eindeutig beantwortbar sind – Da ist Streit vorprogrammiert. Aber auch wenn alle nett und kuschlig spielen und “nette” Alternativen anbieten ist Andere Länder… nicht frei von Problemen: Die Regelung, dass der erste mehr Punkte bekommt ist schlicht schlecht umgesetzt – denn er verliert keine Punkte, wenn er falsch antwortet. Wer also eh keine Ahnung hat, rät lieber blind, als länger nachzudenken. So bekommt er im günstigen Fall einen Bonus und nimmt selbst im schlechtesten Fall den anderen Punkte weg.  Diese Regel wurde bei uns schnell gekippt.
Das Hauptproblem ist aber tatsächlich das Thema. Ich interessiere mich sehr für andere Kulturen, bin weit gereist und habe auch längere Zeit in einem anderen Kulturkreis gelebt. Dennoch fand ich die Fragen z.T. extrem schwer. Vielleicht konnte ich ein Viertel der Fragen beantworten. Weniger versierte könnten da schnell frustriert werden (Könnten? Hey, Ich war schnell frustriert!). Zudem fehlt etwas die Abwechslung – es sind ja nur Fragen über andere Kulturen drin, also quasi nur ein Wissensbereich und der ist zudem eng abgesteckt.
Das ist auch das Fazit: Wer sich jetzt wirklich sehr für die Thematik begeistern kann, der mag mit dem Spiel seine Freude haben (zumindest wenn er Gleichgesinnt zum Mitspielen parat hat). Aber die technischen Fehler im Mechanismus und die zu einseitige Fragenausrichtung verhindern doch eine breitere Empfehlung

Logo -Das große Spiel der Marken
Kein Autor angegeben
Verlag: Jumbo
Für 2-6 Spieler ab 12 Jahren
Die Schachtel gibt gleich Rätsel auf: Heißt es jetzt “Logo – Das große Spiel der Marken” oder “Das große Logo-Spiel der Marken”? Na gut, es gibt wichtigeres (ersteres ist übrigens richtig). Es geht entsprechend auch um Marken. Wer jetzt denkt “Das ist ja genauso eingeschränkt wie bei Andere Länder, andere Sitten!” liegt falsch, denn es geht nicht nur um Bifi und Haribo, sondern auch um Fernsehsender, Autos, Internetdienste, Autos, Modemarken, Autos und vieles mehr. Dabei rangieren die Fragen von Fragen über Werbesprüche oder den Logos selber (lustig) über Produktlinien (Wie viele Bifisorten gibt es?) bis hin zu allgemeinen Fragen (Seit wann gibt es die Firma XYZ”?). Dabei liest -wie üblich – immer ein Spieler vor. Kann der Zugspieler die Frage beantworten, bekommt er die nächste vorgelesen – insgesamt gibt es 4 Fragen pro Karte. Bei einer falsch beantworteten Frage darf der nächste Spieler (oder im Teamspiel das jeweils andere Team) sein Glück versuchen. Beantworten alle Spieler eine Frage falsch (es gibt in der Regel keine Alternativen) oder alle 4 Fragen wurden richtig beantwortet, liest der nächste Spieler vor.
Das Weiterreichen der Fragen sorgt für Interaktivität und Spannung: “Kann der Mitspieler die Frage beantworten? Ich weiß es!” und mindert das “Die anderen bekommen nur die leichten Fragen” – Phänomen. Wenn allerdings alle gleich an der ersten Frage scheitern, kommen die anderen Fragen der Karte gar nicht zum Zuge, was etwas schade ist. Die Fragen der Karte beziehen sich übrigens (bis auf ein paar “Allgemeinwissen”-Karten) immer auf ein Produkt oder einen Überbegriff wie “Königliche Marken”.

Auch der Punktemechanismus ist interessant: Die vier Fragen sind jeweils Farbkodiert und wer richtig rät kommt zum nächsten Feld der passenden Farbe. Das ist mal ein großer, mal ein kleiner Schritt – Glücksabhängig, aber nicht auf eine nervige Weise.
Überhaupt bin ich mit Logo sehr zufrieden: Keine spektakulären Ideen – auch das Thema ist jetzt nichts bahnbrechend neues (Kennt noch jemand “Slogan”?) aber alles grundsolide umgesetzt, alles funktioniert wie es soll und das Spiel ist auch, nicht zuletzt durchs Thema, unterhaltend und interessant. Das Material wirkt etwas bieder und die Quizfragen lesen sich zum Teil so, als stammen sie aus den PR-Abteilungen der beteiligten Firmen (Kleiner Tipp: Bei Schätzfragen ist immer die Antwort richtig, bei der die Firma im bestmöglichen Licht steht) und variieren schon in ihrem Schwierigkeitsgrad (über ICQ weiß der Durchschnittsbürger nun einmal weniger als über Smarties), aber das alles stört nicht. Das einzige unausgereifte sind die Fragen, die sich direkt aufs Logo der Marke beziehen – das steht nämlich oft gut sichtbar auf der Rückseite der Karte oder gar auf der Schachtel. Das ist ein etwas unnötiger Fehler, der aber das Spiel nicht schlechter macht.
Empfehlung!

Trivial Pursuit Team
Keine Autorenangabe
Verlag: Hasbro
Für 2 Teams ab 16 Jahren
Trivial Pursuit gehört für mich zum Inbegriff des schlechten Quizspieles. Wer aber meine Rezi gelesen hat weiß, dass Hasbro tatsächlich alle Kritikpunkte in ihrer Teamedition beseitigt hat: Keine ausufernde Spieldauer mehr, da in jeder Partie dieselbe Anzahl von Fragen beantwortet wird. Kein nerviges Würfeln (Bei TP besonders ärgerlich, da man ja nur auf bestimmten Feldern zu Siegpunkten kommt) mehr, dafür eine ausgeklügelte Wertung. Viel Abwechslung durch 6 unterschiedliche Fragetypen. Taktik durch das Aussuchen der Wissenskategorie (Nehmen wir jetzt diese, damit das andere Team uns die Antwort nicht klaut oder lieber jene, bei der wir uns besser auskennen?). Niedige Einstiegshürde durch innovatives Konzept mit vorgefertigten Sätzen. Alles toll! (Die genauen Regeln finden sich in der verlinkten Rezi, weshalb ich hier nicht noch einmal darauf eingehen will).
Einzige Kritikpunkte: Das Material reicht nur für genau 12 Partien. Das ist für die normale Familienrunde ausreichend, für echte Quizspielfreunde aber zu knapp. Zudem finden sich Fragen aus der “Deutschland-Edition” auch in der thematisch nicht festgelegten Version wieder (die sich komischerweise nicht auf der Hasbro-Homepage findet). Das ist gerade aufgrund der eh geringen Fragenanzahl schon recht ärgerlich. Sicherlich, durch die verschiedenen Fragenmodi ist der redaktionelle Aufwand sicherlich deutlich höher als bei herkömlichen Quizpielen, aber dennoch kann man vom Branchenriesen Hasbro doch mehr erwarten.
Aber das ist eine Lappalie. Trivial Pursuit Team ist für mich (und auch der Rest der Jury) tatsächlich das beste Quizspiel der letzten Jahre. Man merkt, dass hier speziell auf die Bedürfnisse der Zielgruppe hingearbeitet wurde. Ich hoffe, dass die Reihe in Zukunft mit Ausbausets unterfüttert wird und ich hoffe, dass andere Verlage sich am Konzept eine Scheibe abschneiden und selbst mal etwas innovativere Produkte auf den Markt werfen (insgesamt sind alle drei hier vorgestellten Quizspiele was das betrifft gute Vorbilder.

Und somit ist es keine Überraschung:

Der Spielbar-Quizspielpreis 2010 geht an

Trivial Pursuit Team

Herzlichen Glückwunsch!

Wir danken Jumbo und Piatnik für die Rezensionsexemplare!

Der große Quizspielvergleichstest 2009

Der große Quizspielvergleichtest wäre in diesem Jahr mangelns interessanter Quizspiele fast zu einem kleinen Quizvergleichtestchen verkommen, doch hat die Essener Messe noch neues Quizspielfutter nachgespült… Hier ist er also:

Der große Quizspielvergleichstest 2009!

Zuerst eine Neuheit vom Anfang des Jahres: Schlicht und ergreifend Europa heißt das neue Spiel von Günter Burkhardt (erschienen bei Kosmos), dass mit “Venedig ist ja klar, aber wo liegt Nesselbar?” die gute alter Tradition von Spieleuntertiteln, bei denen sich einem die Fußnägel krümmen, wiederbelebt. Aber gut, interessanter ist das Spiel selbst!
Europa ist dabei quasi die Fortsetzung von Finden Sie Minden! auf Europa-Ebene, verfeinert mit einigen Details aus Globalissimo. Das bedeutet im Klartext: Eine Karte wird aufgedeckt. Die nennt nun einen Ort (z.B. eben Venedig) oder eine Sehenswürdigkeit oder ein Gebiet oder so. Alle Spieler markieren nun auf ihrem Tableau wo sie dieses Ziel in Europa vermuten. Dabei dürfen ihre Angaben so genau sein, wie sie wollen: Vom groben “Ost oder West?” über “Nordost, Nordwest, Südost oder Südwest?” bis zum genauen Planquadrat ist viel Spielraum für gesundes Wissen/Raten/Zocken (es sei denn, der Ort liegt nun genau auf der Grenze zwischen Ost und West, dann kann man eigentlich alles raten…) . Wer einen Fehler hat bekommt keine Punkte, ansonsten mehr Punkte, wenn man sich mehr getraut hat. Das ist ein tolles und bewährtes (Finden Sie Minden!) System, das spannend ist, Spaß macht und schwächere Geographen mitzieht, denn die werden eher auf die sicheren Punkte gehen. Die Graphik ist angemessen, die Orte sind gut gewählt und so gäbe es eigentlich wenig zu meckern… Aber leider ist doch jede Menge imho überflüssiges Tüddelüt mit dabei, der als Ballast wirkt: Das ein Spieler bei einem anderen Spieler immer noch korrigieren kann, soll die Spielbalance erhöhen, ist in der Praxis aber schlicht fummelig und wirkt überflüssig. Auch kamen die Barrieren aus Globalissimo dazu und zwar in einem so kurzen Abstand voneinander, dass ständig jemand an einer Hürde hängt und auf eine Karte hofft, die er beantworten kann. Das Feld zusammenhalten zu wollen ist zwar gut und schön, aber hier wurde die Gleichmacherei klar übertrieben. Ohne die Barrieren ist die Partie aber (zumindest in unseren Quiztestrunden) zu kurz. Als Mittelweg empfehle ich jede zweite Barriere aufzustellen. Und zu schlechter Letzt kommt noch eine absolut überflüssige Endwertung dazu, bei dem es um gewonnene Karten geht. Karten gewinnt man, wenn man die Frage, die man sich ausgesucht hat, mit mindestens x Punkten beantwortet hat. Das man Punkte für Fragenkarten bekommt ist gut und richtig – dadurch erhöht sich das Zockelement und da in umgekehrter Reihenfolge des Spielstandes ausgesucht wird, hilft es dem letzten – aber Farbmehrheiten und -sets zu werten ist unsinnig, denn welche Karte man nun bekommt ist doch arg zufällig, zumal die einzelnen Farben unterschiedlich oft im Stapel liegen.
Fazit: Solide Fortsetzung von Finden Sie Minden, mit einem tollen System für Geographiefreunde, bei dem leider etwas zu viel Gepäck mit in die Regeln gelegt wurde.
Europa

Schmidt Spiele wagt sich in die Quizspielgewässer mit der deutschen Ausgabe von “Lyric”, die “Let´s Music!” heißt, was m.E. schlechtes englisch ist. Nun gut, “Lasst uns Musizieren!” hätte vermutlich falsche Erwartungen geschürt, aber ich schweife ab…

Lets Music hat keinen Autor, aber dafür ein Quizspieltechnisch noch relativ jungfräuliches Themengebiet: Musik! Eine willkommende Abwechslung vom Geographie/Geschichte – Einerlei und tatsächlich sind die Quizspielfragen wirklich interessant und decken einen großen Bereich (moderner) Musik ab. Dabei reicht die Spanne von Rock bis zu Schlagermusik und sind vom Schwierigkeitsgrad her (trotz fehlender Alternative á la Wer wird Millionär) genau richtig gewählt. Da wäre ich fast geneigt dem Spiel zu verzeihen, dass wiedermal auf einem Rundkurs gewürfelt wird und so das Würfelglück eine nicht unwesentliche Rolle zukommt. Aber nur fast. Denn das Spiel enthält eine unglaublich große Menge handwerklicher Fehler, die leider alle guten Ansätze in den Schatten stellen:
– Beginnen wir mal harmlos: Wer eine Frage nicht beantworten kann, muss zurück zum letzten Notenschlüssel. Dies sind in den meisten Fällen 0-1 Felder, so dass diese Regel gar nicht furchtbar ins Gewicht fällt.

– Das Material ist generell in Ordnung, aber die Karten sind arg dünn.

– Das Spiel enthält nicht nur einen Quizspielteil, sondern auch “Partyspiel”-Aufgaben wie Pantomime und so und dieser Teil ist unglaublich schlecht ausgearbeitet. Eine Aufgabe sieht z.B. vor ein Zusammenhängendes Textstück eines bestimmten Liedes zu zitieren – da der Text aber nicht angegeben ist, kann man sonstwas behaupten, eine Möglichkeiten der Überprüfung gibt es nicht. Ähnliches gilt für die Nennung von Liedertiteln mit bestimmten Begriffen – es gibt bestimmt ein Lied das “Schneeweiße Weihnacht” heißt, aber kennen tue ich es nicht. Nennen kann ich den Titel trotzdem. Ähnliches gilt für die meisten Kategorien. Bei den Pantomime und Zeichenaufgaben kommt erschwerend hinzu, dass nicht klar ist, ob ein englischer oder deutscher Titel gefragt ist, was den Schwierigkeitsgrad enorm erhöht.

– Größter Schwachpunkt ist aber das Endspiel. Das ist nämlich sauschwer (Es gilt innerhalb kürzester Zeit 6 Titel zu vorgefertigten Begriffen zu finden) und so ergab sich in unseren Testspielen in etwa folgende Zeitverteilung: 20 Minuten Weg zum Ziel. 20 Minuten Endspiel. Da nach spätestens 30 Minuten jeder am Zielpunkt angekommen sein dürfte entscheidet allein das Endspiel über Sieg oder Sibirien und man fragt sich, warum man den Rest überhaupt gespielt hat. Zumal man bei Nicht-Schaffen auch noch zurückgehen muss, was wiederrum den Glücksfaktor erhöht. Hier hätte man noch deutlich Hand anlegen müssen.

Unterm Strich kann Lets Music die Erwartungen nicht im Geringsten erfüllen. Gute Ansätze hat das Spiel ja, aber es fehlt (vermutlich aus Lizenzgründen) am Finetuning.
Let´s Music

Als die Jury About Time- Das Zeitspiel (Arkaden-Verlag für den Zeit-Shop) zum ersten Mal sah, waren alle begeistert – Das Material ist wirklich topp: Schönes, aber funktionelles Design, sehr solide Schachtel und vor allem ein innovativer und schmucker Kasten für die Fragekarten. Dieser Kasten ist auch ein Herzstück des Spieles, denn neben der oberen Öffnung gibt es 6 Magnetverschlüsse in ebenso vielen Farben. Dahinter verbergen sich aber keine Fragen, sondern Hinweise und zwar auf ein Jahr, das es zu raten gilt. Hauptmotor ist allerdings einmal mehr ein Würfel, mit der über den Parcour gewürfelt wird – zum Glück spielt der nur eine untergeordnete Rolle, denn in erster Linie bestimmt das Feld aus welchem Themenbereich der Hinweis stammt. Allerdings bestimmen die Felder auch, um wieviele Punktechips gespielt wird. Und es gibt Felder, bei denen die Spieler Chips verlieren – Brrr! Zum Glück halten sich diese Pechfelder in Grenzen. Also würfeln und Hinweis aufdecken – und dann? Dann schreibt jeder das Jahr auf, das er hinter dem Hinweis vermutet. Wer am dichtesten dran ist, gewinnt die Chips. Bei Gleichstand (auch wenn das richtige Jahr getroffen wurde!) bekommt niemand die Chips – nächstes Mal gehts also um mehr Punktechips. Wenig überraschend, dass der Spieler mit den meisten Chips gewinnt.

Von den “Du verlierst die Hälfte deiner Chips!”-Feldern einmal ab: Spielerisch hat sich bei About Time schnell Ernüchterung breit gemacht. Immer nur eine Jahreszahl zu raten wird doch recht schnell ziemlich langweilid und repititiv. Vor allem wenn die Hinweise kaum dazu geeignet sind, die Zeit einigermaßen einzuordnen. Und wenn man tatsächlich was weiß (z.B. wann der Ostblock die Olympischen Spiele boykottierte), dann ist man garantiert nicht der einzige und bekommt trotz Wissen keine Punkte – Das frustriert! Spielerisch fällt About Time so recht schnell flach – da hätte man ob des Materialaufwandes mehr erwartet. Nun wurde durchaus noch etwas Hand angelegt, um mehr Abwechslung und Spielspaß zu schaffen: So gibt es noch Aktionskarten, mit denen man zusätzliche Hinweise bekommen kann. Die werden allerdings per Reinrufen ausgelöst, was irgenwie immer ein blöder Mechanismus ist (Na, wer hat jetzt schneller gerufen?). Zudem sind zwei der drei Sorten echt hilfreich, die dritte aber dient nur dazu jemand anderen herauszufordern, was für denjenigen zusätzlich frustrierend und ratetechnisch auch nicht hilfreich ist. So sind die Aktionskarten eine kleine Verbesserung, sorgen aber gleichzeitg für weiteren Unmut. Und die große Innovation der deutschen Ausgabe sind die Titelseiten der Zeit, die eingeordnet werden müssen. Eine wirklich pfiffige Idee, die in der Praxis aber komplett durchgefallen ist. Wenn eine Zeitungsseite auf die Größe einer Fragekarte verkleinert wird, ist die Schriftgröße für Leute mit schlechten Augen schlicht nicht mehr zu bewältigen. Und wer die Karte über Kopf lesen will hat ebenfalls schlechte Chancen. Nach drei vergeblichen Versuchen diese Probleme irgendwie auszugleichen (nacheinander lesen funktioniert auch nicht, weil die mit den guten Augen tatsächlich den ganzen Text lesen können) haben wir die “tollen” Zeit-Karten immer gleich abgelegt und die nächste reguläre Karte bearbeitet.

Unterm Strich ist About Time – Das Zeit Spiel sicherlich kein schlechtes Spiel, aber das Raten von Jahreszahlen gab es schon deutlich interessanter und abwechslungsreicher (man denke nur an Anno Domini). Der einzige Pluspunkt ist, dass es sich wirklich recht gut in Teams spielt und so auch für größere Gruppen eignet.

Gleiche Grundidee bei komplett anderer Ausführung bietet die Schätzen Sie mal! – Reihe von Reinhard Staupe (erschienen bei Huch). Letztes Jahr ist mir die durch die Lappen (respektive den Test) gerutscht, dieses Jahr gibt mir eine neue Edition – Reich und Schön – die Chance die Besprechung nachzuholen.

Jedenfalls gilt es auch hier eine Zahl zu erraten. Bislang waren dies immer Jahreszahlen, bei der neuen Edition sind auch eine Menge anderer Daten dabei: Preise, Größen, Prozente etc und dadurch wird die Angelegenheit noch etwas abwechslungsreicher. Das raten einer Zahl alleine ist aber eben nicht wirklich abendfüllend und daher hat sich der Autor einen schönen Kniff einfallen lassen: Statt der Zahl kann man ein beliebig großes Intervall angeben. Liegt die gesuchte Zahl außerhalb des Intervalls geht man auf alle Fälle leer aus. Liegt man richtig bekommen aber nur diejenigen Punkte, die das kleinste Intervall angegeben haben! Dadurch kommt eine gehörige Portion Zock ins Spiel: Ich glaube das Ereignis war in der 60er Jahren. Ich könnte jetzt zur Sicherheit 1950-1970 eingeben, dann liege ich sicherlich richtig. Aber wenn die anderen ebenso denken, es wäre in den 60ern und ein kleineres Intervall wählen, gehe ich leer aus. Also wähle ich ein kleineres Intervall. Aber wie klein? 1960-1969? Oder noch kleiner?  Ein schönes Dilemma! Und eines das sich zudem sofort erschließt – eine kleinere Einstiegshürde ist kaum mehr möglich.Und lustig ists dann auch noch wenn ein Hasadeurt mit 0-2009 als Angabe gewinnt, weil sich die anderen verzpckt haben.

Aber: Abendfüllend ist das immer noch nicht. Schätzen Sie mal ist ein waschechtes Zwischendurchspiel für alle Spielerzahlen und Gelegenheiten (heute gerade beim brunchen gespielt – zu zweit!). Für etwas längere (und lustigere ) Runden greife ich aber immer noch lieber zu Anno Domini. Das oben stehende Zeitspiel könnte man übrigens auch nach Schätzen-Sie-Mal-Regeln spielen, was den Spielspaß sicherlich erhöhen würde…

Dänemark ist ja nun nicht gerade ein Spieleentwicklerland, aber Quizspiele scheinen es unseren nördlichen Nachbarn angetan zu haben: Nach Jasper Bülows Bezzerwizzer von 2007 kommt 2009 Bet your Brain von Gitte Engel (iToy). Lag die Kernidee bei Bezzerwizzer auf der Kategoriewahl, so ist es diesmal das Wetten auf die Mitspieler: Wer an der Reihe ist bestimmt per Spinner die Kategorie und die Mitspieler setzen nun geheim bis zu drei Chips gegen oder für den Kandidaten – also ob er die Frage beantworten kann oder nicht. Der Kandidat selbst muss auch setzen und wettet natürlich auf sich selbst. Das ist eine wirklich nette Idee, nur wird dem aufmerksamen Leser zu Recht aufgefallen sein, dass gesetzt wird BEVOR die Frage gestellt wurde. Das macht insofern Sinn, als dass es Manipulationen ausschließt und als dass es Spezialfragen gibt, bei der dann plötzlich alle agieren müssen. Aber dafür ist das Wetten nicht viel mehr als ein willkürlicher Schuss ins Blaue. Die Kategorien sind zu weit, als dass ich tatsächlich einen begründeten Tipp abgeben würde. Zudem muss man hinten liegend einfach immer alles riskieren und eigentlich auch gegen den vorneliegenden Spieler wetten, um Aufholchancen zu haben. Vollständig überzeugen konnte dieses Element jedenfalls nicht.

Und es gibt noch mehr was stört: Die Graphik könnte besser sein, das Spiel ist zu lang – der Sieger steht oft schon weit vor Spielende fest und eigentlich ist Bet your Brains nur in Teams richtig zu spielen, da sonst die meisten Fragen des “Kreativität”-Bereiches nicht spielbar sind. Und damit das Wettelement zumindest ein bisschen Sinn macht, müssen es schon drei Teams und damit mindestens 6 Leute sein.

Doch die Große Stärke von Bet your Brains ist die Vielseitigkeit. So gibt es schon eine ganze Reihe von verschiedenen Fragen: Mal mit Auswahlmöglichkeit, mal ohne. Mal müssen alle Teams antworten, mal (meistens) nur eines. Mal müssen gleich mehrere Dinge zugeordnet werden (z.B. mehrere Namen deren Bedeutung), mal müssen so viele Dinge wie möglich zu einer Kategorie (wie Beatles-Platten) gefunden werden. Und hinzu kommen noch eine Reihe Kreativaufgaben, wie z.B. Begriffe zu einem Oberbegriff malen (manchmal ist auch konkret ein bestimmter Begriff gefragt, der gezeichnet werden muss). Dadurch funktioniert zwar das Wettelement erst recht nicht so richtig, aber dafür ist eine Partie Bet your Brains unheimlich abwechslungsreich. Und es stört so auch nicht, dass die Fragen in ihrem Schwierigkeitsgrad doch z.T. extrem variieren (Der dritte Grund warum das Wetten ein Schuß ins Blaue ist). So steht unterm Strich eine dicke Empfehlung!

Huch & Friends haben mittlerweile so etwas wie eine Haus-Quizspielreihe aufgebaut.  Dieses Jahr ist mit Die Welt der Bücher ein weiterer Vertreter der Reihe erschienen. Wieder ist die Ausstattung des Spieles 1a! Zwar nicht so oppulent wie das letztjährige Die Welt der guten Küche (bei der es einen echten Villeroy & Boch-Teller gab), aber dennoch dem Thema angemessen mit liebevoll gestalteten Büchern als Spielsteinen und gedeckten Farben. Der Mechanismus ist wie gehabt: Es werden zu einer Frage mehrere Antwortmöglichkeiten angeboten, von denen mehrere richtig sein können. Die Spieler können nun auf so viele Antworten tippen, wie sie wollen und bekommen für jede richtige Antwort einen Punkt – ist aber nur eine Antwort falsch, verlieren die Spieler alle gewonnenen Punkte! Ein sehr netter Mechanismus und das Spiel bietet denselben Spaß wie die anderen Spiele der Reihe. Ich hab allerdings das Gefühl, dass die Fragen diesmal generell mehr richtige Antworten bieten und dass auch der Ratefaktor gestärkt wurde – zumindest gefühlt sind mehr Fragen dabei, deren Antwort eher geschätzt als gewusst wird. Das passt zum Mechanismus und ist eine positive Entwicklung.

Insgesamt fehlt ein Spiel vom Kaliber eines Bezzerwizzer oder eines Fauna, dafür streiten sich mehr Kandidaten um den Titel als je zuvor: Bet your brains ist das abwechslungsreichste der Kandidaten und eigentlich der Toppfavorit der Jury. Aber das eigentliche Kernelement, das Wetten, funktioniert leider nicht so wie es soll, jedenfalls war das unser Eindruck. Europa bietet das beste Grundsystem, leidet aber etwas an unnötigem Regelballast. Schätzen Sie Mal! bietet eine knackige Grundidee, ist aber eher ein kleiner Zwischendurchhappen, als ein Hauptgang (es will auch nicht mehr sein, aber hier gehts ja um den Spielbar-Quizspielpreis!).

Wir haben uns daher nach langen -wirklich langen! – Diskussionen auf eine Überraschung geeinigt:

Der Spielbar-Quizspiel-Preis geht dieses Jahr an….

…Trommelwirbel…

Huch & Friends für das Konzept der Welt der… – Reihe!

Herzlichen Glückwunsch!

Begründung der Jury: Mit der Welt-der…-Reihe hat Huch eine qualitativ sehr hochwertige Quizspielreihe mit vielen Themengebieten geschaffen. Dabei ist besonders lobend das Prinzip der mehreren Antwortmöglichkeiten hervorzuheben, dass sich wohltuend vom Würfeleinerlei anderer “Konzeptquizs” abhebt. Die Quizspiele dieser Reihe sind zudem echte Quizspiele die auch Quizspielpuristen ansprechen. Sie schafft damit den Spagat zwischen “Quiz für Quizfans” und “Quiz für die breite Masse, die sich nicht bloßstellen will”. Dieses Konzept in Verbindung mit den Regeln und der guten Ausstattung ist somit auch dazu geeignet das Quizspiel an sich wieder zu fördern… 🙂


„Der große Quizspielvergleichstest 2009“ weiterlesen

Der große Quizspielvergleichstest

Theoretisch heißt dieses Dingens hier “Montag-Blog”. Am Montag ist der 24.11, also genau 1 Monat vor Weihnachten. Genau der richtige Zeitpunkt für den großen Quizspielvergleichstest!

Entstanden ist er ja schon im letzten Jahr, aber dieses Jahr ist er sehr viel größer, ab dieses Jahr soll er wirklich etabliert werden und damit das klappt, wird im Zuge dieses Vergleichstest auch der Spielbar-Quizspielpreis vergeben.

Ohne weitere Worte jetzt direkt zum Vergleichstest!

P.S.: Sollten dieses Jahr noch tolle Quizspiele erscheinen, so berücksichtige ich sie (vielleicht) nächstes Jahr.

Das Spielbar-Quizspecial

Letztes Jahr habe ich nach Weihnachten ein kleines Quizspecial geschrieben. Da hatte ich in der Einleitung auch meiner Abneigung von Trivial-Pursuit-ähnlichen Würfelorgien kund getan. Das soll hier nicht wiederholt werden.
Aus Verlagssicht sind Quizspiele immer ein gewisses Risiko: Zum einen benötigt man ja Unmengen an Fragekarten. Das ist nicht nur mit einem enormen redaktionären Aufwand verbunden, sondern auch mit Kosten in der Produktion. Gute, stabile Karten sind ein viel größerer Kostenfaktor als man als Verbraucher gemeinhin so denkt (die Karten beim König von Siam machten zusammen mit der Schachtel einen Gutteil der Produktionskosten aus – Bei Friedrich wars wohl noch extremer, auch weil die Karten da eine noch viel höhere Qualität haben mussten). Daher sind Quizspiele oft sehr viel teurer als andere Spiele in vergleichbaren Schachtelgrößen.
Zum anderen gibt es ja das (in meinen Augen) unsägliche Trivial Pursuit. Das ist nunmal das Quizspiel Nr. 1 und dank einiger geschätzer Millionen Ausgaben immer noch das Quiizspiel Nr. 1 auf den meisten Wunschzetteln. Wenn die Käufer auf ein anderen Quizspiel aufmerksam werden sollen, muss sich der Verlag schon was einfallen lassen. Ein Weg sind Lizenzen. So ist vor kurzem ein (ziemlich schlechtes und einfallsloses) Spiel zum Fernsehquiz “Quiztaxi” erschienen.

Aber auch andere Verlage bemühen hin und wieder ihr Glück und kämpfen um die Aufmerksamkeit potentieller Käufer. Da ich aus einer sehr Quizspielbegeisterten Familie entstamme, habe ich es auf mich genommen, drei Kandidaten einmal auf den Telefonjoker zu fühlen!

Die Kontrahenten sind die Essen-Neuheiten Schotts Sammelsurium und Bezzwizzer sowie die letztjährige Essen-Neuheit Personology, das mittlerweile bereits bei Karstadt verramscht wird.
Hier die technischen Daten unserer Streiter:

Name: Schotts Sammelsurium
Autor: Auf der Schachtel steht Ben Schott, doch ich denke dies ist ein Produkt der Kosmos-Redaktion
Verlag: Kosmos
Für 2-6 Spieler ab 12 Jahren
Der Kosmosverlag setzt auf die Zugfähigkeit des gleichnamigen Bestsellers.

Name: Bezzerwizzer
Autor: Jasper Bülow
Verlag: Mattel
Für 2-4 Spieler (oder Teams) ab 12 Jahren
In Dänemark ist Bezzerwizzer angeblich ein Riesenerfolg – kann die Begeisterung “überzwappen”?

Name: Personology
Kein Autor angegeben
Verlag: Amigo
Für 2-4 Spieler ab 8 Jahren
Wie auch Hasbro mit Scene it setzt Amigo auf die DVD – doch anscheinend erfolglos. Ist das Spiel wirklich schlecht oder wars Pech,dass es beim Käufer nicht landen konnte?

Beginnen möchte ich mit dem Streiter für den Kosmosverlag: Schotts Sammelsurium. Es ist das kürzeste und einfachste der drei Spiele und das einzige mit einer Mitspieleranzahl jenseits der 4. Soweit gute Vorraussetzungen, oder?
Schaunmermal…
Erst einmal: Ein richtiges Quiz im engsten Sinne ist Schotts Sammelsurium nicht. Die Fragen sind nämlich kaum beantwortbar, beziehen sie sich doch auf “nutzloses Wissen” aus dem Buch. Daher sind grundsätzlich drei Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Beantwortet werden die Fragen immer gleichzeitig von allen Mitspielern, dienicht gerade die Frage vorlesen und alle die richtig getippt haben dürfen ein Feld vor. Das wars auch schon an Regeln – wie gesagt: Einfach, präzise, auf den Punkt- kein unnötiger Glücksfaktor, kein Schnickschnack – Buch äh Spiel aufmachen und losspielen. Damit hat Schott bei uns gleich punkten können, zumal auch die Ausstattung voll in Ordnung geht. Und Ratespiele sind ja nicht schlecht: Man denke an Anno Domini, Ausgerehnet Buxtehude, Pi mal Daumen
Doch bald schon macht sich Ernüchterung breit: Wissen ist kaum möglich, aber auch begründetes schätzen oder gar logisches Erschließen der Antwort ging nur bedingt: Von etwas 60 Fragen wusste ich 4, drei weitere konnte ich begündet raten. Alle anderen ist wirklich blindes Rumgerate und irgendwann in der zweiten Partie fing ein Mitspieler mit blindem Ziehen der Antwortbuchstaben an – Von da an ging es nur bergab. Schlecht ist das alles nicht, nur eben auch nicht gut. Statt Unterhaltung findet man Beschäftigung, die Karten werden weggearbeitet und Stimmung kommt keine auf. Leider konnte der Charme des Buches nicht auf das Spiel übertragen werden – zwar sind einige Fragen wirklich witzig, doch das Gros sind eher Statistiken oder Bonmots, die kopfnickend hingenommen werden.
Ein Beispiel gefällig (aus dem Kopf, bei den Minuten können sich daher kleine Fehler einschleichen)?
Wie viele Stunden Freizeit haben die Deutschen:
a) 5 Stunden 23 Minuten
b) 4 Stunden 33 Minuten
c) 3 Stunden 43 Minuten ?
Witzig? Kaum. Kann man das Wissen? Kaum. Bestenfalls wählt man nach dem Motto “Die Deutschen habe ja viel Freizeit” den höchsten Wert – hier geht die Rechnung dann auch mal auf, aber ebenso häufig liegt man damit falsch.
Fazit: Wie schon Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod aus demselbe Verlag ist auch Schott ein eher belangloses Anhängsel des Buches, wobei die Fragen naturgemäß bei Schott etwas interessanter sind. Es ist als Quizspiel nicht zu gebrauchen und als Ratespiel muss es sich mit viel witzigeren und besseren Konkurrenten messen lassen, bei dem einfach mehr Stimmung aufkommt. Einziges Highlight ist die einfache Abwicklung der Wertung, die ich mir für andere, ansonsten bessere, Quizspiele wünschen würde.

Zum Beispiel für Personology von Amigo (Wieso müssen diese drei Spiele Namen haben, bei denen man sich ständig vertippt?) , dass sich nicht nur vom Medium her an Scene it orientiert: Auch bei Personology wird beim richtigen Beantworten einer Frage gewürfelt und es gibt Aktionsfelder, bei denen man den Platz mit der Figut hinter einen tauschen darf. Besonders toll sind die Aktionskarten, die man mit dem richtigen Beantworten einer Frage bekommen kann (und so immerhin eine Belohnung darstellen). Darunter ist eine Karte, mit der man die Figur mit dem vor einem tauschen kann. Spielen mehrere Spieler hintereinander so eine Karte auf den vormals Führenden wird der ohne Verschulden nach hinten durchgereicht. Ist ein tolles Gefühl: Am meisten gewusst und dennoch letzter… Aber der ist dann selbst schuld, hat er doch nur Karten gezogen, mit dener er noch einmal würfeln darf…
Mit anderen Worten: Die Regeln sind für die Leute gemacht, die Spaß an einem Quizspiel haben, bei dem die eigene Leistung nichts mit der Beantwortung der Fragen zu tun hat.
Doch das alles läßt sich bei Bedarf mit Hausregeln überbrücken – Wie sind die Fragen denn so? Wie der Name des Spieles andeutet drehen sich alle Fragen um Berühmte Personen. Die richtige Person zu erraten ist das Ziel und es gibt vier Kategorien:
Beim Foto wird ein anfänglich digital verzerrtes Foto laufend entzerrt, bei Karikatur entsteht eine Karikatur auf dem Bildschirm, bei der Frage wird -nunja – eine Frage gestellt und bei Zitat muss ein Zitat erkannt werden. Da letzteres in den meisten Fällen sehr, sehr schwer ist, werden im Laufe der Zeit unten Buchstaben des Namens eingeblendet – Ganz so wie beim Galgenraten. Auch wer keine Ahnung hat, kann hier noch durch gutes Raten auf die richtige Lösung kommen.
Der Zeitfaktor ist bei allen Fragen entscheidend: Wird die Frage in den ersten 5 Sekunden beantwortet (eigentlich nur bei den letztgenannten beiden Kategorien zu schaffen) gibt es die doppelte Punktzahl. In den letzten 5 Sekunden dürfen auch die Mitspieler mitraten. Beides sind gute Regeln, die für Interaktion sorgen und das Medium auch gut nutzen. Sowieso sind die Kategorien gut gewählt und wer gerne VIPs rät liegt mit Personology sicherlich nicht ganz falsch (Zumindest wenn er einen weg findet das Spielbrett und die Aktionskarten zu ignorieren).
Aber: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los ein ungeliebtes Kind von Amigo vor mir zu haben: Nicht nur dass das Spiel bereits 6 Monate nach Erscheinen für ein Zehntel des Urpreises verramscht wurde, nein, auch die redaktionelle Bearbeitung ist so dilletantisch, dass man fast Absicht vermuten muss:
Die Regeln habe ich schon angesprochen. Aber auch das Aussehen: Die Schachtel gehört sicherlich zu den häßlichsten Designs in meiner Spielesammlung. Auch in der Schachtel siehts nicht besser aus: Brett und Karten -allesamt nicht sonderlich schön. Selbst Graphik auf der DVD gehört eher in den Bereich “PC-Spiel in den späten 80er Jahren”. Und so gut die Fragen und Aufgaben dort auch sind: Es haben sich schon einige Merkwürdigkeiten eingeschlichen. So kommt ein Zitat zweimal vor: Einmal bei “Zitat” und einmal bei der Kategorie “Frage” in der Form “Wer sagte : (…)?” Wohl dem der die zweite Frage hatte, wenn das Zitat bereits in derselben Runde abgefragt wurde. Schlußendlich bleibt die Frage warum man sich hier auf maximal 4 Spieler beschränkt hat – mit zusätzlichen Pöppeln kann Personology problemlos auch mit viel mehr Leuten gespielt werden. Gerade angesichts der Party-Spiel ähnlichen Athmosphäre wäre das sehr sinnvoll gewesen.
Fazit: Vom Spielspaß her kann Personology locker mit der Scene it – Reihe mithalten. Vielleicht hat es sogar den Vorteil gegenüber der Hasbro-Reihe, dass die Berühmtheiten aus allen Bereichen stammen und daher mehr Allgemein- als Fachwissen gefragt ist (Bei Scene it gibt es ja Themen wie “Fussball-Weltmeisterschaften” oder “Kino”). Gerade für Familien sicherlich die bessere Wahl. Auch dürfte die Hauptzielgruppe – vermutlich 16-25jährige – auch nicht so an dem Glücks- und Ärgerfaktor stören. Leider schoß sich Amigo mit der Aufmachung und der Umsetzung selbst ins Bein – In der Kaufhausauslage musste Personology gegen das deutlich ansprechendere Scene it verlieren!

Das dritte im Bunde ist dann ein klassisches Quiz: Bezzerwizzer setzt auf die Quizspielfreunde als direkte Zielgruppe. Schachtel und Inhalt sehen sehr gediegen aus – Hier wird der Eindruck vermittelt, etwas sehr edles gekauft zu haben. Das ist bei einem Preis von knapp 50€ sicherlich auch notwendig. Der Preis wird aber auch durch eine enorme Fragenauswahl gerechtfertigt – Mit diesem Spiel ist man einige Zeit beschäftigt!
Und taugen die Regeln was? Wie funktioniert das Spiel?
Wie gesagt, es ist in erster Linie ein klassisches Quizspiel: Einer ist dran und muss eine Frage aus einem Wissensgebiet beantworten. Alternative Antworten gibt es nicht, also Wissen oder Nicht-Wissen ist hier die Frage! Für das richtige Beantworten gibt es Punkte – kein Gewürfel, keine Aktionskarten, kein Überflüssiges Randomisieren der Wertung. Dafür aber ein sehr schöner Mechanismus zum Bestimmen der Punkte: Vor jeder Runde zieht jeder 4 Kategorie-Steine, die anzeigen aus welcher Kategorie eine zu beantwortende Frage stammt. Jeder kann nun selbst entscheiden, welche Kategorie im 4 Punkte, welche 3, welche 2 und welche nur 1 Punkt im Falle einer richtigen Antwort bringt. Das ist clever und macht Spaß und jeder kann seine Stärken selbst einschätzen. Hinzu kommt noch, dass jeder einen Zwap-Stein besitzt, mit dem er einmal in jeder Runde einen eigenen Stein mit dem eines Mitspielers tauschen kann – so könnte ich z.B. die ungeliebte Frage aus dem Bereich Architektur vermeiden und mir stattdessen eine Frage aus dem Bereich Naturwissenschaften holen. Das ist natürlich auch ein schöner Ärgerfaktor: Jetzt muss mein Bruder eine Architekturfrage für 3 Punkte beantworten! Tja, selber Schuld, hätte er mal seinen Zwap-Stein nicht so früh eingesetzt! Dieses Element funktioniert gut und sorgt für den gewissen Pfiff. Zur weiteren Interaktion gibt es noch einen Bezzerwizzer-Stein. Der war bei uns aber nicht unumstritten: Setzt man ihn ein UND ein Mitspieler beantwortet seine Frage falsch, kann ich versuchen, die Frage richtig zu beantworten. Man muss also wetten, dass der andere die Frage nicht weiß, man selbst aber schon. Knifflige Sache! Außerdem ist in den Regeln nicht klar geregelt ob mehrere Bezzerwizzersteine gleichzeitig gespielt werden können und wer im Zweifelsfall den Vorschub erhält. Ein ärgerlicher Punkt, der sicherlich beim Kunden für unnötige Verwirrung sorgen wird! Überhaupt sind die Regeln nicht wirklich gut aufbereitet – für ein Spiel dieser Preisklasse, dass zudem als Quizspiel eine niedrige Einstiegshürde haben sollte eine ärgerliche Sache! Mangelnde Erfahrung der Redaktion mit Brettspielen?

Fazit: Ein sehr ordentliches reines Quizspiel mit ein paar unverbrauchten Ideen und schönem Material – leider nur bis maximal 4 Spieler (wobei Teams mehrerer Spieler in der Regel explizit empfohlen werden) und mit einem hohen Preis als Einstiegshürde.

Und unterm Strich?
Mein Lieblings-Quiz ist und bleibt Wer wird Millionär?, denn alle (bis auf den Vorleser) beantworten dieselbe Frage und es gibt keinen Glücksfaktor und das “Quizspielformat” ist gut umgesetzt. Wer wirklich einen reinen Wissenswettstreit durchführen möchte, ist hier immer noch am besten bedient.
Doch Bezzwizzer ist eine gelungene Alternative, die mit der Kategorienwahl und dem Zwap-Stein zudem eine gesunde Dosis Frische in den Quizspielbereich bringt. Der hohe Preis ist gerechtfertigt, denn der Fragenvorrat hält garantiert lange vor. Ich kann das Mattel-Spiel nur jedem Quizspielfreund empfehlen!

Personology ist eher leichtere Kost für etwas jüngere oder für Leute, die gerne in heiterer Runde raten. Ein durchaus brauchbares Geschenk, aber kein Überflieger. Für Freunde von Scene it und vergleichbaren Spielen durchaus empfehlenswert.

Schotts Sammelsurium kann ich nicht wirklich guten Gewissens empfehlen. Es ist nicht wirklich schlecht, aber es gibt einfach sehr viele deutlich bessere Ratespiele auf dem Markt.

Das Quiz was mit im Jahr 2007 aber am meisten Spaß gemacht hat ist “Buzz – Das Musikquiz” -ein Playstation 2 – Spiel mit vielen witzigen und originellen Ideen. Aber auch bei den Brettspielen kommt der Quizspielmarkt in Bewegung – eine gute Sache. Wer weiß, vielleicht sehen wir hier nächstes Jahr das nächste Quizspielspecial…

ciao
peer