Die fabelhafte Welt der Männer und warum es sich ändern muss

Letztes Jahr, wie eigentlich jedes Jahr, hatte die Jury nach der Bekanntgabe der Nominierten im November und der Gewinner im Juli einiges an Gegenwind erhalten. Die Wahl der Spiele ist unterirdisch. Wieso wird dieses Spiel beachtet und jenes nicht. Diese Diskussion ist so alt und langweilig, dass es gefühlt müßig ist aber gelichzeitig aufzeigt, wie die Außenwirkung der Arbeit immer noch nicht die ist, welche jeder für sich selber möchte. Da könnten wir Journalisten vielleicht auch etwas mehr Erklärung und Aufklärung durch die Nachrichten schieben. Wobei ich nicht mal wüsste, ob es die, die es erklärt bekommen müssten, überhaupt hören wollen. Unsere Zeit ist da sehr merkwürdig.

Sie ist auch sehr merkwürdig, wenn es um die Rechte einzelner oder ganzer Gruppen geht. So musste die Jury sich letztes Jahr auch vorwerfen lassen sie wäre zu männlich. Die aktuelle Jury setzt sich aus 9 Männern und 1 Frau zusammen. Dazu kommt die Kinderspieljury, welches nochmal 3 Frauen und 2 Männer sowie 2 Frauen und 1 Mann im Beirat sind. Aber die Kinderspieljury stimmt ja nicht über den großen roten Pöppel ab, der doch die größte Marktwirkung hat. Ein Blick auf die Entwicklung der Jury zeigt auch eher eine sehr geringe Menge an anderen Frauen die mal den Job hatten.

Warum ist das so? Wenn ich auf einem Spieletreff bin, dann sehe ich da locker 50% Frauen. Wenn ich in meine Spielerunden in Berlin schaue sehe ich locker 50% Frauen. Wenn ich mir aber ansehe wer alles über Spiele schreibt und podcastet und Videobeiträge macht, dann ist die Zahl der Frauen schon deutlich geringer. Und dennoch glaube ich, dass da noch mehr drin ist. Im Beeple-Netzwerk sind wir 4 Frauen und 15 Männer. Immer noch ein Ungleichgewicht.

Und dann war im März die Hippodice Endrunde. Ich war sehr froh wieder eingeladen worden zu sein. Als das Bild der Jury dann gepostet wurde, fragte mich eine aus meiner Spielerunde, warum da nur Männer drauf sind. Ich versuchte Erklärungen zu bringen, aber eigentlich wurmte mich das auch. Es saß. Und nur einen Tag später twittert mich ein Kollege an mit dem Wortlaut:

„Hippodice: Das Foto hat mich betroffen gemacht – alles Männer! Ganz ernsthaft, wenn es der Veranstalter 2019 nicht schafft, 3-4 Frauen in die Jury zu holen, werde ich passen. Es gibt in einigen Verlagen Frauen in Positionen, dazu muss man dann eventuell Bloggerinnen holen.“

Und dann wurde es mir nur noch bewusster. Es gibt tatsächlich einige Frauen aber diese sind oft in anderen Positionen. Bei den Bretterwissern hat es über 40 Folgen gebraucht, bis wir endlich eine Frau als Gast hatten, und die war dann aus dem Marketing. Viele Marketign Abteilungen haben viele Frauen. Und die Kinderspielredaktionen sind voll mit Frauen. Aber die Redaktionen für die Erwachsenenspiele sind doch wieder dann nur voll mit Männern. Interessiert es die Frauen nicht? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe so manche Partie schöner Kenner- und Expertenspiele mit Kolleginnen gespielt, welche sonst nur Kinderspiele betreuen. Sie haben auch ein Spielerleben neben ihrem Job.

Als kleiner 1-Mann Verlag kann ich da nur mich selber aufbieten, aber ich würde all die Verlage, die jedes Jahr eingeladen werden bei der Hippodice-Endrunde mitzumachen, einfach mal bitten eine Frau zu schicken. Der Hippodice könnte dies auch fordern. Ravensburger hatte das 2016 gemacht und das könnten noch mehr Verlage. Ein Kinderspiel ist auch jedes Jahr in der Endrunde dabei, so das da ein geschultes Auge auch nochmal einen anderen Blick drauf hat. Und schließlich eine Bloggerin noch dazuzuholen ist auch ein super Vorschlag. Der Guido war auch mal da, als er nur Blogger war. Und auch die Jury hatte viele Jahre einen hingeschickt. Alles was die Diskussion vor Ort ergänzen kann ist hilfreich.

Am 8. März war Weltfrauentag. Dieser Tag wird seit über 100 Jahren begangen um an die Rechte der Frauen zu appellieren. Man muss mal sehen was wir heutzutage alles als selbstverständlich hinnehmen, aber eigentlich von den Frauen sich erkämpft werden musste. Das Recht zu wählen etwa. Oder das Recht frei einen Beruf nach eigener Wahl auszuführen. Konkreter muss es wohl heißen, für die meisten ist es selbstverständlich. Für andere scheinbar nicht. Und es gibt immer noch Punkte, wo diese Benachteiligung gegenwärtig ist. Und der Kampf noch nicht vorbei. Sei es bei der Entlohnung ode einem Platz im neugegründeten Heimatministerium oder dem Platz in einer Jury wie der Spiel des Jahres oder dem Hippodice.