Mit großen Ideen kommt eine große Verantwortung

Da ich aber nicht mit großen Ideen hier ankommen will, beschränke ich mich wieder auf kleine Ideen.

Es ist unbestritten, dass amerikanische Superhelden in Deutschland nicht funktionieren. Trotz des Erfolgs der Kinofilme um Batman und Spiderman und ganz anderen Helden, welche jedoch auch in Deutschland keine großen Einspielergebnisse erzielt haben, sind die Helden als Merchandise gerade mal in der Samstagfrüh-Cartoon Generation verkäuflich. Spiele um dieses Thema sind einfach nicht schick und animieren niemanden sich im Handel ein Spiel zu kaufen.

Warum also ein Spiel um solch ein Thema entwickeln? Weil es die Gehirngänge durchpustet sich mal mit einem außergewöhnlichen Thema zu beschäftigen und genau dieses Thema am Ende vielleicht doch wieder rausfällt? Es muss ja nicht beim ursprünglichen Thema bleiben. Für Dritte könnte es doch interessant sein, falls diese nicht nur für den heimischen Markt zu produzieren, sondern vielleicht auch für andere Märkte wie England, Italien oder die USA, wo die Superhelden durchaus ein Thema sind – eines, dass auch Interesse beim Kunden weckt und sich verkaufen lässt.

Nun ist es so, dass es etliche Superhelden gibt. So viele, dass es extra dafür Wikis gibt, um den Überblick in irgendeiner Form zu behalten. Aber ich beschränke mich mal auf die, die auch durch Kinofilme sehr bekannt sind – und dabei auch nur auf die beiden großen Anbieter Marvel (Disney) und DC Comics (Warner). Die Zahl der eigentlichen Superhelden nur von diesen beiden Anbietern liegt schon im Bereich der Hunderten. Noch weitere Anbieter, wie z.B. Dark Horse, dazu zu nehmen, würde nicht nur den Rahmen dieses Artikels sprengen, sondern auch mein Wissen um die Superhelden.

Idee #1 – Spider-Man (Kinderspiel)

Gerade Kinder finden Spider-Man klasse, was nicht nur alleine an den Samstagsfrüh-Cartoons festzumachen ist, sondern auch daran, dass der sympathische Einzelgänger als Schüler etwas ist, womit sie sich als junge Menschen am ehesten identifizieren können. Wobei er wohl auch der bekannteste Superheld von Marvel ist.

In diesem Kinderspiel helfen die Kinder den unschuldigen Menschen von New York indem sie zum nächsten Einsatzort hetzen und durch geschicktes Ausspielen von Handlungskarten die Bösewichte dingfest machen bevor die Polizei anrückt. Das Schwingen durch die Häuserschluchten von der Stadt wird dabei tatsächlich plastisch dargestellt mit einem Schwingmechanismus wie bei Nizza von Wolfgang Kramer (Schmidt, 1993). Dieser plastische Mechanismus ist immer noch etwas wundervolles und trifft in diesem Fall den Zweck des Spiels wunderbar.

Idee #2 – Avengers (Kooperatives Spiel)

An sich waren die Rächer nicht unbedingt die bekanntesten gewesen, sondern eher die X-Men, aber durch den neuen Kinofilm ist das natürlich jetzt anders. Die bekannten Figuren Thor, Captain America, Iron Man und Hulk zusammen mit dem ein oder anderen weiteren Helden bekämpfen irgendwelche großen Bedrohungen verschiedener Art. Das Team wird dabei von Nick Fury von S.H.I.E.L.D. geleitet. Einem kleinen Chef der mehr lenkt als eingreift.

In der Umsetzung übernimmt jeder Spieler einen der Helden. Zwei Stapel an Karten stellen auf der einen Seite Nick Furt dar, welcher Befehle verteilt und auf der anderen Seite agiert ein zufälliger Stapel mit Bedrohungen. Die Spieler müssen dabei immer wieder zusammen die Lösung bearbeiten und ihre Vorteile nutzen. Auf dem Spielfeld werden dabei die Bedrohungen kategorisiert als Lokal (nur New York), Groß (ganze USA), Zu Groß (Halbe Weltbevölkerung) und Galaktus (Weltkugelverspeisend). Ich weiß, dass Galaktus eher Fantastic Four ist, aber es bleibt Marvel.

Idee #3 – Batman (Kartenspiel)

Batman ist tatsächlich der erfolgreichste und auch der fast älteste Superheld von DC, Superman ist zwar ein paar Jahre älter und vielleicht auch durch die Filme in den 70er und 80er mal bekannter gewesen, aber Batman ist die größere Lizenz. Dabei ist der Gutewicht einer, der seine Eltern in einer dunklen Gasse verloren hat und Angst vor Fledermäusen hat. Also hat er logischerweise versucht sein Angst zu überwinden und sich in eine Fledermaus verwandelt, um gegen das Böse zu kämpfen, welches ihm seine Eltern genommen hat. Batman lebt vor allem von den ganzen skurrilen Gegnern, seien es Joker, Riddler, Clayface oder Pinguin. Und die meisten landen nicht einfach im Gefängnis, sondern gleich in einer Irrenanstalt. Wie sie allerdings immer wieder freikommen, ist schon fast verwunderlich und wird zum Glück selten erklärt. Zumindest die Todesstrafe bleibt einem hier erspart.

In diesem Kartenspiel übernehmen die Spieler konkurrierende Bösewichte und versuchen Siegpunkte zu sammeln, indem fiese Sachen gemacht werden. Die Spieler müssen sich dabei dem Batman erwehren. Jede Karte enthält einige Teile des Symbols vom Batsignal und wenn zu viele dabei sind, ist man geschnappt. Natürlich gibt es auch Karten in denen keine Siegpunkte gesammelt werden können, sondern die Schuld anderen zugeschoben werden kann. Wer geschnappt wurde, ist aber zum Glück nie lange weg sondern kann nach einer Aussetzrunde wieder böses tun oder die Aussetzrunde nutzen, um von der Irrenanstalt aus zu agieren.

Idee #4 – Green Lantern (Vielspielerspiel)

Die grüne Laterne galt gerade in Deutschland als vergleichsweise unbekannt bis zum Film letztes Jahr. Der ist aber auch eher als Flopp zu bezeichnen. Weltweit. Trotzdem ist er mein Lieblingscharakter, also bringe ich ihn unter. Die Grünen Laternen sind eine Gruppe von normalen Wesen, welche durch einen Ring übermächtige Kräfte erhalten und diesen Ring an einer Laterne aufladen müssen. Ihre Aufgabe ist es, das Universum zu beschützen, als eine Art Raumpolizei. Jeder hat dabei einen Sektor, welcher ordentlich groß genug ist und eigentlich schon mehr Arbeit macht, als einem lieb sein kann. Dabei ist das Beste an der Serie gerade die Verwandlung des Hauptcharakters Hal Jordan, der erste Mensch mit einem Ring, welcher schließlich zum größten Bösewicht geworden ist. Überhaupt gibt es eine große Rivalität zwischen den einzelnen Laternen, weil sie alle sehr individuell sind.

In diesem Spiel versuchen die Spieler bessere Beschützer des Universums zu sein als die anderen. Zu Beginn jeder Runde werden mehrere Bedrohungen ausgelegt. Der schwächste Spieler darf sich zuerst eine aussuchen und versuchen diese zu schaffen. Leichte Bedrohungen werden mit weniger Siegpunkten belohnt als starke. Sollte ein Spieler eine Bedrohung nicht abwenden können, kann einer der nächsten Spieler die Bedrohung übernehmen und zu Ende erfüllen. Er erhält dafür die Siegpunkte und muss nichts abgeben, obwohl es ja leichter geworden ist. Zusätzlich gibt es auch noch eine Marke für´s Besserkönnen. Das ist sehr un-europäisch in der Art der Belohnung, aber halt sehr amerikanisch, wie die Vorlage.

Es war einmal eine Idee…

Es sind wieder einige Wochen ins Land gezogen und erneut machen wir uns Gedanken zu verschiedenen Spieleideen zu einem Thema. Beim Überlegen sind mir viele Ideen in den Sinn gekommen, welche alle schon mal probiert wurden, aber oft kläglich gescheitert sind oder Ideen, welche nur für eine kleine Gruppe von Spielern verwendet wird.

Im letzteren Fall fallen mir Märchen ein. Während es wunderbare Märchenspiele gibt für Kinder oder für sehr kommunikative Leute wo aber nur erzählt wird, ist die Filmindustrie schon einen Schritt weiter und hat einfach mal Erwachsenenversionen von bekannten Märchen gemacht. Diese zeichnen sich meist durch explizite Darstellungen und entsprechende Sprache aus. Nun muss man natürlich nicht unbedingt in dieses Schema verfallen.

Außer dem ersten Spiel des Jahres Hase und Igel ist mir kein Märchen eingefallen, welches sich in Spielbarer Form mit genau einem Märchen beschäftigt hat. Ich habe mir daher von den über 200 bekannten Märchen nur der Gebrüder Grimm beispielhaft vier rausgesucht. Schauen wir uns mal an wie Märchenspiele noch aussehen könnten.

Idee #1 (Familienspiel): Hans im Glück

In diesem Märchen verscheuchte ein Bauer seine drei Söhne, weil seine Ziege ganz frech log. Die Söhne suchten alle ihr Glück in der Welt und der Hans hatte nach sieben Jahren Lehre ein Stück Gold, welches er Stück für Stück gegen etwas tauschte, was immer weniger Wert war, bis er am Ende zwei Steine hatte, welche er auch noch verlor.

In diesem Spiel müssen die Spieler über einen Zeitraum von sieben Runden Gegenstände tauschen. Dabei muss der Wert möglichst weniger werden. Etliche Gegenstände im Spiel die einen höheren Wert haben machen dieses Unterfangen schwerer. Zusätzlich zu der Not an die richtigen Gegenstände zu kommen müssen die Spieler auch noch sich gegenseitig behindern, auf das die Tauschhandel für einen günstiger als für die anderen ablaufen.

Idee #2 (Kartenspiel): Rapunzel

In diesem Märchen klaut ein Mann aus dem Garten einer Hexe Rapunzeln um den Hunger seiner Frau auf den Salat zu stillen. Als er erwischt wird muss er der Hexe das Kind versprechen. Diese sperrt es in einen Turm, welcher sehr Hoch ist, und nur dadurch erklommen werden kann, dass Rapunzel ihr ewig langes Haar aus dem Fenster oben wirft.

Die Spieler haben Turm und Haarkarten, welche sie verwenden können um den Aufstieg zu vereinfachen oder zu erschweren. Jeder Spieler hat seine eigene Rapunzel und muss sicherstellen bei möglichst vielen anderen Türmen hochzuklettern und möglichst viele davon abzuhalten bei einem selber hochzuklettern.

Idee #3 (Vielspielerspiel): Das tapfere Schneiderlein

Ein Schneider hatte durch Zufall mit einem Schlag sieben Fliegen getötet und ließ die Welt davon wissen indem er sich eine Sieben auf seine Hose näht. Da die Leute das aber falsch verstehen glauben sie, dass er sieben Männer mit einem Schlag getötet hat. Der König verlangt dann von ihm zwei Riesen zu töten, ein Einhorn zu fangen und noch ein schreckliches Wildschwein leben einzufangen und bietet im Gegenzug seine Tochter und die Krone als Belohnung.

Die Spieler müssen sich mühevoll durch schwere Prüfungen arbeiten. Zu Beginn jeder Runde liegen bis zu drei Prüfungen aus und die Spieler müssen sich an verschiedenen Punkten Werkzeug einsammeln, Listen erarbeiten und Königsaufträge bekommen. Am Ende jeder Runde werden die ausliegenden Prüfungen von den Spielern abgeschlossen die die nötigen Elemente zusammengesammelt haben. Dann werden neue ausgelegt. Wer zuerst drei Prüfungen besteht hat gewonnen.

Idee #4 (Kooperatives Spiel): Die Bremer Stadtmusikanten

Vier Tiere werden von ihren Besitzern verstoßen, welche sie nicht mehr brauchen. Die Tiere beschließen nach Bremen zu gehen und dort zu musizieren. Auf dem Weg treffen sie im Wald auf eine Hütte mit Räubern. Diese verjagen sie und machen es sich selber in der Hütte bequem.

Es muss eine Reise nach Bremen absolviert werden. Dabei müssen an verschiedenen Stellen verschiedene Aufgaben erfüllt werden, wie Räuber erschrecken, Banditen verjagen oder auch Händlern helfen. Die Spieler müssen dabei möglichst alle Bösewichter verjagen, sonst brauchen sie noch eine Runde länger. Da die Spieler nur eine begrenzte Zahl von Runden haben bevor sie Bremen erreichen können, weil sonst der Winter einbricht, besteht eine Art Zugzwang, die Aufgaben zu lösen und voran zu kommen. Darüber lässt sich auch die Schwierigkeit für die Spieler steuern.

Teamverstärkung

Bei Twitter habe ich es vor einigen Tagen schon mal kurz angedeutet: Wir haben im Hintergrund die Fäden gezogen und einen neuen Co-Autor für www.spielbar.com gewinnen können. Wir freuen uns, dass wir das Team mit Matthias Nagy verstärken können. Gleichzeitig wollen wir die Gelegenheit nutzen, einmal eine kleine Vorstellungsrunde zu starten, damit Sie – unsere geschätzten Leser – mal einen kleinen Einblick in das Team erhalten.

Und ich starte einfach mal freiweg: Mein Name ist Jürgen Karla. Ich habe dieses Webangebot im Jahr 2000 losgetreten. Damals noch händisch in html programmiert, wurde die Seite irgendwann auf ein Content Management System (names phpnuke) umgestellt. Als dies dann irgendwann gehackt wurde – phpnuke ist schon legendär, was die Sicherheitslücken angeht – wollte ich das Angebot eigentlich schon einstellen. In diesem Moment ist mir jedoch Peer zur Seite gesprungen und als Hauptautor für die Inhalte aktiv geworden. Dass ich die Seite einstellen wollte (mir schwebte damals ein Verkauf vor), lag nicht nur daran, dass dieses technische Problem auftrat, sondern insbesondere auch daran, dass ich beruflich sehr stark eingespannt war. Nach dem Studium hatte ich mich für die Betätigung in der Wissenschaft – die Lehre hängt mir dabei besonders am Herzen- entschieden. Und schwups, war die geliebte Freizeit aus den Tagen des Studiums verschwunden. Daran hat sich bis heute wenig geändert.
Zum Zeitpunkt des Hack habe ich alle bisherigen Inhalte an andere Seiten weitergeben. Die große Sammlung an Downloads zu Spielen ist z.B. zu attila-products.de gewandert. Die vielen Spielephotos wollte BGG nicht haben, daher gingen die zu flickr.com. Für spielbar.com habe ich dann ein neues System installiert, einen WordPress-Blog. Heute zeigt sich in der Retrospektive, dass dies die richtige Wahl war; WordPress ist das weltweit führende System für diesen Zweck geworden. Neben dieser Webseite betreibe ich noch das ein oder andere Angebot, z.B. news.spielbar.com oder spieleumfrage.de. Beide ebenfalls nicht ohne tatkräftige Unterstützung vieler spielebegeisterter Mitstreiter.
Hier auf spielbar.com bin ich hauptsächlich im Hintergrund aktiv. Ich kümmere mich darum, dass das System läuft, spiele ab und an mal mit technischem Schnickschnack rum und füttere den spielbar_com Twitterstream. Nun aber zu den beiden Autoren des Teams…

Hallo! Hallo?… Ist das Ding an? (Das war laut Wikipedia übrigens der älteste Blogwitz überhaupt.). Also, ich bin Peer und vermutlich habt ihr schon mal von mir gehört. Oder gelesen. Jedefalls begann ich meine Spielekarriere recht früh, weil mein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Zwar wurde ich das wohl eher nicht (ich habe in meinem ganzen Leben genau zwei Partien gegen ihn gewinnen können), aber immerhin war mein Berufswunsch in der dritten Klasse “professioneller Schachspieler”, wie gerade auf dem Dachboden aufgetauchte Dokumente beweisen (Diese Anekdote wollte ich schon immer mal in meinem Blog erzählen). Später wollte ich dann Ölmagnat werden, habe aber keinen Praktikumsplatz bekommen. Also wurde ich Lehrer für Mathematik und Chemie. Vorher aber dachte ich bereits recht lange über eine Spielekolumne nach, so wie es Kolumnen in Zeitungen gibt, nur eben über Spiele. Sowas gabs damals noch gar nicht. In der Prä-Blog-Ära sah ich da aber nicht viel Möglichkeiten, insofern nutzte ich die Chance sofort, die mir Jürgen bot, als er ein neues Konzept für spielbar.com suchte. Die Seite kannte ich da schon, schrieb sogar Spieleberichte in die damalige Tagebuch-Funktion (die sind vermutlich weg, hab mich nie getraut zu fragen). Mittlerweile habe ich gerade mein Fünfjähriges gefeiert und nach so einer halben Dekade ist es an der Zeit etwas kürzer zu treten und auch den jungen wilden etwas Raum zu lassen zu experimentieren und sich selbst auszuleben oder so.

Tja, und ich bin der Matthias. Auch wenn die Vorstellung der beiden Kollegen mich wie den Jungspund aussehen lassen, der noch grün hinter den Ohren ist, fühle ich mich doch nicht mehr jung sondern schon steinig, was auf der einen Seite an meinen lieben Kindern liegt, welche mir graue Haare verursachen und auf der anderen Seite an meiner Spielegruppe, welche fast ausschließlich aus Freunden besteht, die alle jünger sind als ich. Und ganz oft darf ja der Jüngste beginnen. Ich spiele seit ich als Captain Future- Fan von meinen Eltern das Captain Future-Brettspiel haben wollte, welches im Buchclub-Katalog abgebildet war. Wer konnte schon damals ahnen, dass das Spiel auch noch gut ist. Fest drinnen bin ich aber erst seit 1996, seit mit Siedler und El Grande und Euphrat und Tigris und all den Highlights Spielen einfach Hipp war und ich jede Menge Freunde zum Spielen gefunden habe – und auch das Geld da war um diese zu kaufen, wenn man schon mal arbeitet. Beruflich bin ich sogar ein bisschen in der Branche. Ich habe auf verschiedenen Ebenen die letzten 18 Jahre mit Sammelkartenspielen zu tun. Ich kenne Magic seit dem ersten Set, war sogar Playtester von 1999 bis 2004, habe mich dann bei Upper Deck sechs Jahre lang um das Yu-Gi-Oh! TCG  gekümmert und für die Spieler Turniere mit bis zu 1000 Teilnehmern veranstaltet. Momentan bin ich selbstständig und berate unter anderem eine amerikanische Firma im Bereich der TCGs und Brettspiele, schreibe seit über zwei Jahren meinen eigenen Blog, unterstütze seit letztem Jahr TricTrac mit Artikeln im Bereich der mobilen Spiele und verstärke nun auch noch hier das Team. Auch wenn mein Output für spielbar.com geringer sein wird, als ich auf anderen Seiten schreibe, wird es vielleicht trotzdem den ein oder anderen zum Nachdenken anregen.

Soweit zur Vorstellung des alten/neuen Teams. Und morgen folgt schon Matthias` erster Artikel für spielbar.com. Seid gespannt!

Welpenschutz?

Es sind noch genug Montage vor Essen, als dass ich mal gegen den Strom schwimmen und ein ganz anderes Thema anschneiden kann:

Anfänger!

Nun es wurde schon viel gesagt und viel geschrieben darüber wie man mit Spielern umgeht, die ein Spiel zum ersten Mal spielen, während man selbst bereits Strategieartikel im Internet veröffentlicht. Daher nur kurz mein Senf (übrigens eines von nur 4 deutschen Worten, das auf nf endet) dazu: Es kommt auf die Person an, aber im allgemeinen finde ich es hilfreich wenn man bei der Erklärung den einen oder anderen Tipp einstreut, auf was man so achten sollte und wo Fallstricke liegen könnten. Und auf grobe Patzer sollte man den Gegner auch hinweisen (z.B. wenn er als Grieche bei Civilization in der zweiten Runde ein Boot bauen will oder so).

Was weniger wird über die Situation geschrieben, wie man reagiert, wenn jemand sein erstes Spiel vorstellt. Ist das ein tolles Spiel, bei dem vielleicht ein paar Kleinigkeiten nicht richtig funktionieren ist das gar kein Problem. Was aber wenn das Spiel mehr oder minder mist ist? Oder eine MÄDN/Monopoly-Variante?

Einerseits gehört es zu den wichtigsten Aufgaben einer Testgruppe ehrlich zu sein und Schwachpunkte aufzuzeigen (das allerdings möglichst konstruktiv). Nett grinsen und sagen “Jaja, alles toll!” hilft niemanden und rächt sich spätestens wenn das Spiel an den Mann gebracht werden soll.

Andererseits finde ich es schon frustrierend, wenn an einem Spiel, von dem ich überzeugt bin, herumgemäkelt wird (auch wenn ich die genannten Punkte i.A. nach einer Denkpause durchaus akzeptiere und verbessere). Ob es konstruktiv ist, wenn ein Spiel eines Neuautoren abgeschossen wird darf auch wieder bezweifelt werden: Die Gefahr einer totalen Abblockung ist doch recht groß.

Nun könnte man argumentieren, dass es niemanden schadet, wenn alle Testspieler nett nicken und aufmunterende Worte murmeln und dann zum Tagesgeschäft übergehen. Und das stimmt in vielen Fällen sogar. Andererseits sollte man sich dann fragen, warum man überhaupt an einem Testspiel teilgenommen hat, wenn man danach nicht vorhat, zu sagen, was man denkt.

Ich denke der schwierig zu bestreitetende Mittelweg ist konstruktive Ehrlichkeit. Man sollte ehrlich genug sein, um zu sagen, dass das Spiel so wie es ist, am Markt wohl vorbeigeht und Gründe aufzeigen. Man kann darauf hinweisen, dass man zwar empfehlen würde, bestimmte Kritikpunkte zu ändern, das aber natürlich nur eine Meinung darstellt. Und man sollte den Jungautoren durchaus ermutigen. Vor allem aber sollte man ihn dazu bringen sich Gedanken darüber zu machen, was (und wen) er mit dem Spiel erreichen will und ob das ein realistisches Ziel ist.

Völlig falsch dagegen ist es, die Kritik zu ignorieren und den Autoren überschwenglich das Blaue vom Himmel zu loben (wenn man denkt das Spiel ist mist oder hat zumindest gravierende Schwchpunkte), um ihn zu motivieren. Motivation ist gut, aber Lügen ist kontraproduktiv: Der Autor bekommt eine falsche Einschätzung seines Werkes und spätere Kritik wird schlechter angenommen (was wohl auch der Grund dafür ist, dass Autoren mit Spielen, die nur mit Sexpartnern getestet wurden oft so ablehnend gegenüber Kritik sind – andererseits sind alle Autoren ablehnend gegenüber Kritik 🙂 ).

Unterm Strich hängt natürlich auch viel davon ab, was der Autor will: Möchte er ein Spiel für sich und seine Freunde sind andere Maßstäbe anzulegen, als wenn er es einem Verlag anbieten will. Und wieder andere, wenn er einen eigenen Verlag aufmachen möchte. Das sollte nicht nur der Autor bedenken, sondern auch seine Testspieler.

ciao

Peer (der übriegens noch hofft, von seinen Rundfahrt-Testspielern zu hören – auch wenn es vernichtende Kritik ist)