Sultaniya

Verlag: Bombyx (Vertrieb Asmodee)
Autoren: Charles Chevallier und Xavier Collette
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 8 Jahre
Spieldauer: 45 Minuten

Ich glaube, ich werde alt.

Früher hatte ich keine Probleme mit den Regeln von Spielen wie Wooden Ships & Iron Men oder Republic of Rome (*). Heutzutage brauche ich mehrere Anläufe, um Sultaniya richtig zu spielen.
Doch wie jeder andere auch, gebe ich die Schuld nicht diesem mysteriösen „älter werden“, sondern der Anleitung. Die von Sultaniya macht einem das allerdings auch recht einfach. Dieses Plättchen z.B. deklariert sie als „golden“:

Lasst euch von dem Fehlen von goldenen Elementen nicht irritieren – Das Plättchen zeigt ein Dach. Und Dachplättchen sind golden. Das wird von der Spielregel so definiert. Warum auch immer.

Überhaupt wirkt die Regel in weiten Teilen so, als hätte der Regelschreiber das Spiel nie gespielt, sondern nur kurz erklärt bekommen. In etwa so:
„Also, jeder baut an seiner eigenen Auslage herum. In seinem Zug kann ein Spieler bauen. Die Plättchen sind nach Stockwerken sortiert (Es gibt 4, inkl. der goldenen Dächer) und ein Spieler kann Plättchen von einem Stapel in die Auslage legen – dort dürfen aber nur 3 liegen! – und nimmt dann eines und baut das ein. Es muss angrenzen, darf nicht völlig in der Luft hängen und alle Bauelemente müssen weitergeführt werden. Zeigt es einen Saphir, so darf er diesen nehmen.
Alternativ kann er auch einen der vier Dschinns mit Saphiren bezahlen und dann bauen. Zwei helfen bei der Plättchenauswahl, einer erlaubt es, den Palast umzubauen und einer einen Doppelzug. Oh, oder Spieler macht gar nix und nimmt sich zwei Saphire.“
Anschließend redete der Erklärer den Rest des Abends über die gar nicht so komplizierte Wertung (Im Prinzip wertet jeder Spieler unterschiedliche Graphikelemente der Plättchen in seinem Palast. Hinzu kommen noch zwei Zusatzaufträge, die sich – mit 2 Ausnahmen – auf dieselben Graphikelemente beziehen).
Und so baute der arme Regelschreiber dann seine Regel auf, ohne zu wissen, dass der Teufel im Detail und nicht in der Wertung steckt. So klingt „alle Bauelemente müssen weitergeführt werden“ harmlos, aber ein Anfänger kann gar nicht wissen, was das bedeutet, welche Elemente weitergeführt werden müssen und welche Teile überhaupt zusammenpassen. Das erstmalige Errichten der Stockwerke steckt daher voller Überraschungen der „Oh, das hätte ich gar nicht bauen dürfen“–Sorte.
Auch merkte er nicht, dass die Regel überhaupt keine Aussage darüber macht, was passiert, wenn ein Spieler keines der Plättchen anlegen kann. Erst ein Besuch bei Boardgamegeek gibt darüber Auskunft, dass die Option „2 Saphire nehmen“ auch noch nach dem Plättchen aufdecken gewählt werden kann (ob dann alternativ auch ein Dschinn bezahlt werden kann, bleibt der Phantasie des Spielers überlassen). Das waren übrigens nur zwei Beispiele wo es hakt.

Eigentlich habe ich jetzt schon viel zu viel über die Regel und bemerkenswert wenig über das Spiel geschrieben. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es bemerkenswert wenig über das Spiel zu sagen gibt; Jeder bastelt an seiner Auslage. Die Baueinschränkungen sind dergestalt, dass es nur selten wirklich eine echte Wahl gibt, was man den baut: Man baut von den verfügbaren Plättchen genau das ein,  das eingebaut werden kann und dabei aktuell die meisten Punkte gibt. Einzig und allein der zeitgemäße Einsatz der Dschinns sorgt für ein bisschen Finesse, aber da es eigentlich immer sinnvoll ist, die für den Einsatz für die Dächer aufzusparen ist das doch arg wenig. Die Partien verlaufen dadurch sehr ähnlich – ich habe daher keine signifikante Steigerung meiner Sultaniya-Fähigkeiten bei steigender Testpartienanzahl feststellen können. Entscheidend sind Dinge jenseits meiner Kontrolle: Wie viele Elemente werte ich alleine (und habe keine Konkurrenz), um wie viele Plättchen muss ich mich mit anderen streiten und sitze ich vor oder hinter diesen anderen? Gerade zu dritt sollte man auf eine ausgewogene „Auftragsverteilung“ achten, sonst steht der Sieger vorher fest. Tut man das aber, dann hauen die Spezialaufträge rein und da ist es ein schon mitunter spielentscheidender Unterschied ob ich Dinge werte, für die ich sowieso Punkte bekomme oder eben nicht.

Sultaniya ist im Prinzip ein Legespiel, dass dann gut wäre, wenn es keine anderen Legespiele gäbe. Es gibt sie aber. Und diese anderen bieten z.T. doch deutlich mehr und deutlich interessanteres…

 

 

P.S. Das mag jetzt wirklich das Alter sein, aber ich habe noch keine Partie erlebt, wo nicht mindestens zweimal nachgefragt wurde, wie viele Saphire jetzt welcher Dschinn kostet und was der rote Dschinn jetzt nochmal macht. Die Dschinns sehen toll aus. Eine Übersicht über deren Fähigkeiten/Kosten wäre aber noch toller gewesen.

 

(*) Ich hatte aber schon immer Probleme mit den Regeln von Fantasy Flight Games. Manche Dinge sind eben zeitlos.

Ein Gedanke zu „Sultaniya“

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