Star Plus

Star Plus

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Verlag: Korea Boardgames
Autor: Park Tae Woo
Spieleranzahl: 2-6
Alter: ab 7 Jahren
Spieldauer: ca. 20 Minuten

Damals, als ich noch Zivildienstleister war, habe ich viel Mau-Mau gespielt. Tatsächlich haben ich und ein Mit-Zivi praktisch nur Mau-Mau gespielt – so richtig mit Punkten und wer 100 Punkte mehr hatte als der andere musste am Wochenende arbeiten oder so. Aus dieser Erfahrung kann ich sagen: 15 Monate Mau-Mau reicht für ein ganzes Leben. Und was für Mau-Mau gilt, gilt natürlich auch für Uno, das einzige Spiel, das ich mich weigere für meine Tochter zu besorgen. Dabei liebt sie Uno! Was ich verstehen kann: Es ist einfach, man kann zumindest ein bisschen überlegen, welche Karte man spielt und vor allem kann man sich gegenseitig wunderbar ärgern. Und es spielt sich schnell und man kann sich dabei unterhalten und überhaupt gibt es durchaus einen Grund, warum es seit Jahrzehnten ein Bestseller ist. Aber ich spiele es dennoch nicht.

Star Plus ist nun keine Uno-Variante. Zum Glück, denn davon gibt es nun wirklich schon genug! Aber es wildert im selben Revier: Es ist einfach, man kann zumindest ein bisschen überlegen, welche Karte man spielt und vor allem kann man sich gegenseitig wunderbar ärgern. Und man kann sich dabei unterhalten und schnell spielt es sich auch. Dabei ist der Kernmechanismus anders: Zwar geht es auch darum Handkarten loszuwerden, aber es gibt keine Mitte, in der die gespielt werden – Stattdessen hat jeder seinen Ablagestapel (und jede Karte dort zählt am Ende einen Punkt). Und gespielt werden beliebig viele Karten, die aber in Summe einen Wert von 1-12 haben müssen – je nachdem welche Zahl gerade dran ist. Denn es wird hochgezählt: Der erste muss auf 1 kommen, der nächste auf 2. Wer nicht kann zieht zwei Karten nach und der nächste muss die ausgelassene Zahl bieten. Das sorgt schon einmal für ein bisschen Spannung, denn oft hofft man, die Mitspieler würden scheitern (oder nicht), damit man selbst legen kann. Dieser Mechanismus entspricht vom Anspruch her tatsächlich ziemlich genau dem Uno-Bedien-Mechanismus – auch was Glücksfaktor usw. betrifft.

Wo Star Plus aber alle Uno-Variationen hinter sich lässt, ist beim Ärgern: Das Problem bei Uno ist doch: Wer keine Spezialkarten hat, kann niemanden ärgern. Das ist nicht nur frustrierend, sondern auch langweilig. Man ist so nicht nur in Bezug auf die Siegschancen vom Nachziehglück abhängig, sondern auch was den Spielspaß betrifft (OK, es ist nicht das einzige Problem von Uno. Aber tun wir mal so als ob es nur das eine Problem gäbe).

Bei Star Plus gibt es zwar auch ein paar Spezialkarteneffekte, doch die sind eher nebensächlich. Das eigentliche Ärgern geschieht, wenn man seine Nummer mit einer Summe aus drei oder mehr Karten erreicht (danke einiger negativer Zahlen kann das auch bei kleinen Zahlen funktionieren) – denn ab jetzt muss jeder ebenfalls seine Zahlen mit mindestens drei Karten bilden und das ist fies, denn damit hat man i.A. nicht gerechnet. Kann einer das nicht, so zieht er vier Karten (statt zwei) und bricht den Fluch sozusagen. Das geschickte an diesem Mechanismus ist jetzt eben, dass man keine Spezialkarten zum ärgern braucht – jede Karte kann in Summe mit zwei anderen zum Fluch werden. Als Resultat ist man zwar immer noch von der Kartenhand abhängig, aber zumindest hat man nicht gleich das Gefühl, das beste zu verpassen; Jede Karte hat das Potential den anderen zu ärgern.

Natürlich dürften die meisten Leser dieser Seite das Urteil „Das bessere Uno“ nicht gerade als allzu positiv empfinden. Die sind aber auch nicht wirklich Zielgruppe von Star Plus. Die Zielgruppe da draußen sind all die Wenigspieler, die sich gegenseitig ärgern möchten, die sich beim Kartenspielen unterhalten und die Ausspielen wollen, wer am Wochenende zu Herrn K. muss. Oder auch meine Tochter, meine Nichte und deren Freundinnen. Und mit denen spiele ich Star Plus durchaus. Denn es ist tatsächlich das bessere Uno.

2 Gedanken zu „Star Plus“

  1. “das bessere x” kann durchaus ein positiver Kommentar sein. Ich bewerbe auch “Time’s up!” (Aka “ruf Mich..” äh “Sag’s mir!”) mit “das bessere Tabu”

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