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Qin

Verlag: Pegasus/eggertspiele
Autor: Reiner Knizia
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 8 Jahre
Spieldauer: 20-30 Minuten

Knizia und Legespiel? Ganz klar! Das muss ein Euphrat & Tigris Light sein! Immerhin spielt es ja auch in Asien (wenn auch in Fernost) und das Thema ist sowieso egal und es gibt auch Plättchen, wo was rotes drauf ist! Gut, hier hat jeder eine Farbe, aber die Plättchenfarben sind – wie bei Euphrat & Tigris – nicht mit den Spielerfarben identisch. Gut, es geht nicht um Siegpunkte, sondern darum, seine Steine loszuwerden. Und zugegeben, das funktioniert auch ganz anders und hat keinen einzigen Mechanismus mit Euphrat & Tigris gemein und auch das Spielgefühl ist ein anderes. Aber es ist von Knizia! ein Legespiel!!! Das ist schon per Definition Euphrat & Tigris light! Komm, noch ein paar Ausrufezeichen mehr, wenn Du mir nicht glaubst!!!!

Jetzt aber genug der Albernheiten/Lächerlichmachung von potentiellen und/oder tatsächlichen Lesern! Qin ist nicht Euphrat & Tigris Light. Ich habe gelogen – Es ist ganz anders! Man legt Plättchen!! Und zwar angrenzend zueinander! Es ist also wie Domino. Haha! Witzigkeit kennt keine Grenzen!

Na gut, also ernsthaft: Man legt Plättchen, weil man große Gebiete bauen möchte. Zumindest aber gleichfarbige Gebiete, die aus mindestens zwei Quadraten bestehen, denn da darf ein eigener Stein rein. Ist das Gebiet größer als 4 Quadrate darf ein zweiter Stein folgen und das Gebiet ist sicher – ist es kleiner, kann es von angrenzenden, gleichfarbigen aber feindlich besetzten Gebieten übernommen werden. Und grenzt das Gebiet an eine Stadt an, darf dort auch ein Stein reinwandern. Der muss aber wieder raus, wenn jemand anderes mehr Nachbarn stellt. Und wie gesagt: Ziel ist es, alle Steine loszuwerden. Und nichts davon erinnert auch nur im entferntesten irgendwie an Euphrat & Tigris.

Das Spielgefühl schon gar nicht, denn während Euphrat & Tigris ein geniales Strategiespiel mit Tiefe ist, ist Qin eher ein typisches i-Device-Appspiel: Eingängige Regeln und schnell mal nebenbei gespielt, gerne auch mit Revanche. Nach den ersten Partien hätte ich dem Spiel dabei durchaus Spiel-des-Jahres-Qualitäten bescheinigt. Doch die Euphorie hielt nicht an: Mit zunehmender Spielerfahrung merkt man nämlich, dass zunehmende Spielerfahrung wenig hilft, wenn die Plättchen nicht mitspielen. Die Hälfte der Plättchen sind “Doppelplättchen”, also zwei Quadrate gleicher Farbe, und erlauben so das Platzieren eines eigenen Steines, egal ob das Plättchen an was gleichfarbiges angelegt wurde oder nicht. Und wer über größere Strecken keines dieser Plättchen zieht – und das kommt vor – hat normalerweise mit dem Spielsieg nichts zu tun. Und mehr noch: Zu viert spielt eigentlich immer jemand mit, der in jedem Zug ein solches Doppelplättchen legen kann. Da jeder auch weniger Steine loswerden muss als zu zweit oder zu dritt, ist dieser Führende nur mit vereinten Kräften aufzuhalten, wenn überhaupt. Zumal zu viert die Gebiete naturgemäß kleiner sind und es daher auch selten möglich ist, ein Gebiet auf 5 Felder aufzustocken. Ironischerweise gilt das gesagte insbesondere für die als “anspruchsvoller” deklarierte Löwenseite, da dort mit ausreichenden Doppelsteinen fast immer auch eine Stadt mit angeschlossen werden kann, der Glückspilz also oft sogar 2 Steine in einem Zug wegspielt. Je mehr mitspielen, desto mehr regiert so das Navhziehglück – zu zweit passiert ja deutlich weniger, man ist häufiger am Zug und kann so auch eine Durststrecke eher mal überstehen.

Diese Nachziehdominaz macht aus Qin kein schlechtes Spiel – ich spiele es nach wie vor gerne zu zweit oder zu dritt (nicht aber zu viert) als Einstieg oder Absacker. Aber die großen Versprechungen der ersten Partien konnten nicht leider nicht ganz eingelöst werden.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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3 Kommentare

  • […] Darüber hinaus gäbe es natürlich noch weitere Kandidaten. Aber Quixx und Divinare sind vermutlich schlicht zu klein, um nominiert zzu werden (dazu bedarf es schon eines Ausnahmespieles wie Hanabi). Augustus wäre auch eine Möglichkeit, aber da fehlen mir die ganz großen Begeisterungsstürme. Alle finden es nett und meinen es wäre auch SdJ-tauglich. Mag sein, aber eine Nominierung muss eben auch bei irgendwem wirklich sehr gut ankommen. Ähnliches gilt für Qin: Gute Familientauglichkeit aber leider kein anhaltender Spielspaß. […]