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Bisikle / Carabande / Pitch Car

Name: Bisikle
Verlag: Cepia
Autor: Tonton Z
Spieleranzahl: 1-4
Alter: ab 5 Jahre
Spieldauer: 30 Minuten

 

 

 

 
Name: Carabande / Pitch Car
Verlag: Goldsieber / Ferti
Autor: Jean du Poel
Spieleranzahl: 2-8
Alter: ab 6 Jahre
Spieldauer: 30 Minuten

 

Spieleautoren hassen Vergleiche in Rezensionen. Und aus gutem Grund: 90% aller Vergleiche sind so unsinnig wie die Prozentzahlen in dieser Rezi. Spiel A ist wie Spiel B? Ich glaube nicht, Jim!
Doch in etwa 7,25% aller Fälle sind Vergleiche tatsächlich gerechtfertigt. Dann nämlich, wenn man sich ernsthaft fragt: Brauche ich Bisikle wenn ich Carabande (bzw. Pitch Car, ich benutze die beiden Begriffe mal synonym) bereits besitze? Und diese Frage ist gerechtfertigt. Wer Carabande nicht kennt: Es simuliert ein Autorennspiel, in dem eine Holzscheibe über einen Parcours geschnipst wird. Bei Bisikle wird ein Fahrradrennspiel simuliert, in dem eine Spezialkugel (der „Z-Ball“) über einen Parcours geschnipst wird. Man sieht: Der Vergleich kommt nicht von ungefähr. Ich gehe mal die einzelnen Punkte durch:

Die Daten: Carabande ist für bis zu acht Spieler ausgelegt, Bisikle erst einmal nur bis zu vier, wobei weitere Fahrer hinzugekauft werden können. Die Spieldauer ist bei beiden in der Praxis identisch. Der empfohlene Kaufpreis ist bei Bisikle mit 19,90 deutlich niedriger, aber man muss das Spiel erst einmal zu diesem Preis finden. Generell muss man beide Spiele überhaupt irgendwo finden, was in Deutschland nicht ganz einfach ist.

Das Material und der Aufbau: Carabande besteht aus Holz und ist flott aufgebaut: Alles passt problemlos ineinander und im Prinzip ist alles selbsterklärend. Ohne Erweiterungen ist man allerdings auf Kurven und Geraden beschränkt. Pitch Car kann mittlerweile fast beliebig ausgebaut werden.
Bisikle besteht aus Plastik und auch hier greift alles ineinander. Man hat bereits im Grundspiel mehr Möglichkeiten des Aufbaus: So liegen Schikanen bei und man kann den Track anheben und so Höhen und Tiefen aufbauen (wenn man denn rausfindet wie das geht – es ist nicht schwer, aber die Anleitung ist nicht gerade hilfreich). Wer drauflos baut, stellt bald fest, dass alles nur dann richtig passen will, wenn man die Kurven auf 90° beschränkt – andere Winkel ergeben keinen geschlossen Kurs. Auch dauert die Aufbauphase länger als bei Carabande, da man mehr experimentieren muss, bis alles passt. Dafür merkt man, dass der Autor eigentlich eher Erfinder von Spielzeug ist: Viele Kleinigkeiten wie Flaggen oder Bandenwerbung oder (bei der Erweiterung) Teilchen zum Feststellen der Autos gegen versehentliches Wegrollen machen einem das Leben schöner.

Das Spiel: Beide Spiele sind regeltechisch praktisch identisch: Wer dran ist schnippst sein Gefährt über die Strecke. Schießt man über das Ziel hinaus oder jemand anderen ab, ist der Schnippser ungültig und man verliert seinen Zug. Die einzigen Unterschiede sind, dass bei Carabande die Scheibe verkehrt herum zu liegen kommen kann (was aussetzen bedeutet) und dass die Fahrräder bei Bisikle selbst nicht rollen, sondern höchsten Umkippen – man ersetzt bei seinem Zug sein Rad gegen den Z-Ball.
In der Praxis ergibt sich aber ein klarer Unterschied: Carabande ist deutlich leichter zu beherrschen als Bisikle. Der Grund: Bei Carabande schnippst man eine Scheibe. Das ist nun sehr einfach. Jeder kann das. Es ist auch nichts, wo man im Laufe seines Carabande-Lebens noch viele Finessen erwerben kann (und ich weiß wovon ich spreche: Wir haben 5 Jahre lang Carabande bei jedem Spieleabend als „Opener“ gespielt) – man lernt vielleicht die Schnippstärke anzupassen und die Winkel besser einzuschätzen, aber das wars dann auch.
Der Z-Ball dagegen ist nicht umsonst eine Spezialanfertigung: Da kleine Kugeln in der großen enthalten sind, kann man dank der guten, alten Trägheit der Masse einige Tricks erlernen und vor allem die Kugel auch anschneiden. Dadurch sind wirklich atemberaubende Tricks möglich – wenn man es denn kann. Am Anfang ist vor allem eines möglich: Die Kugel aus der Bahn zu werfen. Ja, Bisikle benötigt deutlich mehr Praxis als Carabande. Dafür zahlt sich diese Praxis auch irgendwann mal aus – die Frage ist also: Will man ein Schnipps-Spiel erlernen?

Ein klares Votum ist schwierig: Carabande ist schneller gespielt, einfacher zu beherrschen und lockt mit bis zu 8 Spielern. Bisikle ist günstiger, erlaubt mehr Flexibilität beim Streckenbau und trickreicheren Schüsse. Bisikle ist mehr das „Profiprodukt“, Carabande die „Familienversion“. Beide sind aber Spiele mit enormen Mitmacheffekt: Wer ein aufgebautes Spiel sieht will und kann sofort einsteigen. Wer also keines hat, sollte eines davon kaufen – wobei Carabande ja ausverkauft ist, man also zu Pitch Car greifen würde.
Lohnt sich das eine aber, wenn man das andere besitzt? Eher nicht. Wer Bisikle hat, braucht Carabande/Pitch Car nicht, lieber sollte man in mehr Fahrer investieren. Wer Carabande hat, braucht Bisikle nur, wenn er sich schon immer gewünscht hat, er könne wirkliche Kunstschüsse erlernen. Das trifft aber nur auf 22,86% aller Carabandebesitzer zu.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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