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7 Wonders

Verlag: Repos Production
Autor: Antoine Bauza
Spieleranzahl: 3-7
Alter: ab 12 Jahre
Spieldauer: 30 Minuten (gefühlte 10 davon Wertung)

Lieber Leser,

ich nehme mal stark an, dass Du schon viel von 7 Wonders gehört hast. Ich meine, es war ja kaum zu übersehen, dass es in zahlreichen Abstimmungen sehr weit oben war und ständig im Spielbox-Forum diskutiert wurde. Ich nehme sogar an, dass Du grob weißt, wie es funktioniert (Jeder nimmt sich seine Kartenhand, sucht sich eine Karte davon aus, gibt den Rest weiter. Alle führen ihre Karte gleichzeitig aus und können sich ggf. dafür Rohstoffe von beiden Nachbarn kaufen, was Geld kostet. Das wird 6x wiederholt, dann vergleicht jeder seine militärische Stärke mit den beiden Nebenmännern und verteilt Siegpunkte an Sieger und Verliererpunkte an Verlierer. Das macht man insgesamt dreimal und wertet dann alles was man irgendwie irgendwann ausgelegt hat). Der einzige Grund warum du diese Rezi liest, ist also herauszufinden, was zur Hölle denn dieser Peer Sylvester über 7 Wonders denkt.

Gut dann will ich mal anfangen.

Als erstes freut es mich, dass dieses Jahr in Essen so viele Spiele erschienen sind, die man mit 6 oder 7 Spielern spielen kann. 7 Wonders ist dabei nicht unbedingt das Beste (überrascht?) aber es hat den unheimlichen Vorteil, dass es eben recht flott geht: Kartenhand anschauen, Karte nehmen – Zack! – Karte ausspielen – Zack! – Nächste Karte auswählen – Zack! – So geht es Schlag auf Schlag. Man spielt es mal weg und die Entscheidungen sind oft genug knifflig genug, um herausfordernd zu sein. Es ist dabei so flott, dass es ergonomischer ist, gleich zwei Partien in Folge zu spielen, wenn Neulinge dabei sind, sonst hat man vermutlich länger die Kartenfunktionen erklärt als gespielt.

Also notieren wir: Peer schätzt 7 Wonders als nettes Popkornspiel für Zwischendurch.
Notieren müssen wir aber auch: „Zwischendurch mal ganz gerne“ ist bereits die höchste Gefühlregung, die 7 Wonders bei Peer auslöst.

Das hat mehrere Gründe: Es fängt damit an, dass man praktisch ausschließlich von der Hand in den Mund lebt. Besonders bei größerer Runde, die ja eigentlich die Stärke von 7 Wonders sein sollte, sieht man eine nicht gewählte Karte nie wieder. Das macht langfristige Planungen unmöglich: Spekuliere ich z.B. auf grüne Karten und bekomme 3 davon auf einmal zugeteilt, kann ich nur eine davon nehmen und der Rest ist unwiederbringlich futsch. In kleiner Runde, kann man da etwas mehr gegensteuern, denn da sieht man jede Hand ja zweimal (zu dritt). So oder so reduzieren sich die Entscheidungen auf: „Diese Karte oder die andere Karte? Oder doch das Wunder?“ Nett, aber nichts was mich jetzt in Jubelstürme ausbrechen lässt.
In größerer Runde gibt es noch ein Problem: Wer Pech hat – weil er z.B. mehrere Rohstoffkarten auf einmal bekommt (s.o.), kommt an bestimmte Rohstoffe einfach nicht mehr ran. Wenn er diese nicht bekommt und die Nachbarn auch nicht, kann man sich von bestimmten Karten (und ggf. vom eigenen Wunder) verabschieden. Das spielt vielleicht nicht so ins Gewicht, aber die Punktestände am Ende liegen nicht selten extrem knapp beieinander (ich hatte schon eine Siebenerrunde mit den Punktständen 53, 52, 51, 50, 49, 38 und 17) und so wird letztlich der Sieger übers Glück entschieden – siehe oben. Das ist an sich nichts Schlimmes, da man ja gefühlt Entscheidungen trifft, aber letztlich ists mir ein Tick zu kompliziert, als dass es mich nicht stören würde. Zumal die Abrechnung am Ende auch nervt; Ich verstehe ja, dass man verschiedene Schwerpunkte erlauben muss, aber Endwertungsmarathons sind mir von jeher ein Gräuel und hier muss ich nicht nur bis zu 7 verschiedene Kategorien addieren, sondern ggf. auch noch subtrahieren. Der Sieger ist dann oft genauso überrascht, wie alle anderen. Das liegt allerdings auch an der schlicht etwas unübersichtlichen Auslage, die spätestens im dritten Zeitalter den Blick zum Nachbarn enorm erschwert. Was heißt hier eigentlich „Blick zum Nachbarn“? Ich hab schon zahllose Partien erlebt, wo Mitspieler (inklusive mir) positive Karten in der eigenen Auslage schlicht vergessen haben und hier oder da den einen oder anderen Bonus nicht in Anspruch genommen haben.

Soweit meine Rechtfertigung dafür, dass ich 7 Wonders nicht für das neue Siedler von Dominion halte. Es ist ein ordentliches Spiel, es macht was es kann, keine Frage. Ich habs bislang häufiger und in mehr Runden gespielt als jede andere Essenneuheit, was zweifelsohne auch an Spieldauer und am Mitspielerinteresse lag. Ich finde es gut. Ich finde es aber nicht außerordentlich gut.
Tut mir Leid.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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