Last Exit Ba-roken

Das Beeple-Wochenende war klasse. Die Autofahrt dahin musste ich glücklicherweise nicht alleine stemmen, sondern hatte den Peer dabei, mit dem ich mich klasse unterhalten konnte. Auf dem Weg war dabei etwas für mich witziges passiert. Die Navi führte uns durch ein paar schöne Landstraßen und sagte dann in einem Kreisverkehr, dass wir die zweite Ausfahrt aus dem Kreisverkehr nehmen sollen. Die erste Ausfahrt konnten wir auch nicht nehmen. Die Straße war nur andeutungsweise zu sehen. Es war gleich hinter der Andeutung nur noch Wiese und ein paar schwere Steine versperrten die Option da durchzufahren.

Und Peer sagte trocken: Da hat einer 2 Siegpunkte für die Steine bekommen. Da musste ich ordentlich lachen. Nicht nur weil ich es witzig fand, sondern vor allem auch, weil ich dabei etwas lernte. Es führte mir vor, wie Siegpunkte bei vielen Spielern ankommen, die sie nicht mögen. Für mich war das ja eigentlich nie ein Problem.

Gefühlt ist das ja Mathematik. Die Spieler machen etwas und das wird quantifiziert. Und je nachdem wie gut sie das gemacht haben, wird das entsprechend bewertet und am Ende wird das zusammengezählt. So empfinde ich Siegpunkte. Und was viele als Siegpunktesalat abtun, ist für mich nur die leise Lösung verschiedene Strategien zu bewerten und vergleichbar zu machen. Denn genau das ist ja oft das Ziel. Verschiedene Herangehensweisen zu ermöglichen und damit das Spiel erlebbar zu machen und dennoch am Ende einen Sieger zu haben.

Der Ausbau einer Strecke in Russian Railroads nach Wladiwostok oder der Ausbau der Fabriken und das doppelte Ablaufen der selbigen ist halt ganz verschieden und schwer zu vergleichen, wenn nicht über Punkte. Und wenn ich vergleichen will, wie gut sich die Spieler bei Trajan in der Eroberung neuer Gebiete oder dem Ausbau der Stadt oder dem Handel mit anderen Völkern oder auch einfach nur dem Aufbau der politische Willensbekundung machen, dann brauche ich ein Vergleichsmittel für selbiges. Und dieses Mittel heißt Siegpunkte.

Aber es gibt wohl inzwischen zu viele Beweise, wo es sich längst davon wegbewegt hat. Wo Siegpunkte so abstrakt wirken, dass jeder nur denkt, es gibt für alles Siegpunkte, ohne zu begreifen, dass es nicht um das Bekommen geht, sondern um die Menge. Natürlich bekomme ich dafür 3 Punkte. Aber dort bekomme ich 4. Das ist also die bessere Aktion. Oder die 3 sind besser, weil ich per Engine nachher dafür noch mal 3 oben drauf bekomme, während es bei den 4 nur einer extra ist. Ich habe kein Problem mit Siegpunkten und ein Siegpunktesalat ist für mich kein KO-Kriterium für ein Spiel.

Aber mir wurden die Augen geöffnet, warum es anderen nicht gefällt. Für sie ist die Abstraktion zu groß. Für sie ist das schon mehr Schach als Thema. Sie wollen nicht eine Aktion machen, weil es 2 Punkte gibt, sondern sie wollen die Aktion machen und dafür 2 Punkte erhalten. Sie wollen nicht den bürokratischen Ansatz, weil das so in den Regeln steht, sie wollen das Erlebnis und dass sich natürlich daraus ergibt was man möchte. Sie wollen nicht den Weg belohnt bekommen. Sie wollen ein Ziel worauf sie hinarbeiten.

Beim Beschäftigen mit dieser Erkenntnis habe ich für mich erkannt, welche Spiele mich langweilen. Welche Spiele mir nur ein müdes Lächeln hervorholen und eigentlich gleich wieder verschwinden können. Und da geht es nicht um Punkte oder Ziele, um Abstraktheit oder Thema. Es geht um Konflikte.

Konflikte finde ich spannend. Bei Netrunner ist es spannend seinen Zug zu planen und zwischen den Optionen zu wählen. Als Konzern zu überlegen baue ich eine Falle auf oder lege ich da die wichtige Agenda hin. Als Runner ist es wichtig zu wissen traue ich mich rein, lasse ich mich spielen oder warte ich die Runde. Das sind innere Konflikte bei den Spielern. Aber auch bei Spielen wie Die Burgen von Burgund wo ich mich mit den Spielern um die Plättchen streite, wo ich schauen muss, welche Strategien die anderen fahren und wo ich sie sowohl stoppen kann, aber gleichzeitig meine Strategie auch voranbringen kann. Das sind Konflikte die ich toll finde.

Aber es gibt auch Konflikte die mich langweilen. Bei Warhammer prügeln wir auf uns ein. Wir haben unsere Armeen und ziehen voran. Wie bei einem MOBA (z.B. League of Legends) geht es nur darum: Die sind anders und wir sind im Krieg. Warum wir das sind oder was es für einen Grund für sowas gibt, ist mir unschlüssig. Auch etliche Superheldenfilme sind da schon angekommen, wo es gar nicht mehr um die Entwicklung der Charaktere geht, sondern nur um die nächste dämliche Bedrohung. Warum alle Mächte im Universum es immer auf die Erde abgesehen haben und warum sie außer Hass nichts hervorbringen, wird nicht erklärt. Dass sie es überhaupt schaffen, einen Fuß vor den anderen zu setzen, wenn sie nicht mal eine Begründung für ihren Hass haben, ist mir schleierhaft.

Wenn also ein Spiel rauskommt, welches sich als Arena präsentiert und in blutigster Manier die Leute aufeinander einprügeln, mag das von der strategischen Seite spannend sein, aber die Spiele machen mich nicht an. Ob das über Figuren, oder Karten oder Würfel oder beides passiert ist da gar nicht wichtig. Die ersten Spiele der Art waren noch schön. Das 500te ist es nicht mehr, weil es in dem Bereich sehr schnell nichts mehr (für mich) Spannendes gab. Onitama war eine gefühlte Ausnahme. Oder Tash Kalar. Aber brauche ich einen weiteren Magic-Klon? Brauche ich einen weiteren Dungeon-Crawler der vor allem das übliche Monster plattmachen bietet und keine spannenden Entscheidungen? Descent Second Editon war gut, weil es zwei Parteien vor eine Aufgabe stellte, die aber zu Konflikten führte. Descent First Editon ist ein wildes aufeinander einprügeln. Churchill ist so genial, weil es nicht einfach darum geht, aufeinander einzuprügeln, sondern weil die Spieler ihren eigenen Schuh durchgedrückt bekommen wollen. Friedvoll am Konferenztisch. Cuba Libre lebt davon, dass wir nicht einfach uns um Einheiten prügeln, sondern dass wir Koalitionen am Tisch eingehen und gleich wieder brechen. Das wir mal mit dem einen und mal mit dem anderen zusammenarbeiten während die sich nicht leiden können.

Ein Tabletop, das spannende diplomatische Entscheidungen auf das sinnlose Angreifen reduziert, gibt mir nichts. Wer Spaß dran hat, bitte sehr. Ich nehme mir solange den nächsten Punktesalat zum Beispiel mit Handel im Mittelalter. Das finde ich schon spannender.

Revenge of the Return of the Blue Erziehungs-Erweiterung Part 7: The Card Game – oder auch Erweiterungen sind überflüssig

Ich liebe Erweiterungen!

Das kommt ganz natürlich. Viele Autoren fangen damit an Spiele zu entwickeln, indem sie ihnen bekannte Spiele ändern oder erweitern. Nicht jeder ist so verrückt wie mein Freund Jörg, der sich mal kurz 400 neue Gene für Ursuppe einfallen lässt, aber viele nehmen erstmal Monopoly und ändern daran etwas und empfinden das als einen erfüllenden ersten Schritt. Dass dies für etliche eine schöne Spielerei ist, zeigt sich schon im Kindesalter, wenn sich viele Kinder genau damit beschäftigen. Gerade, wenn sie merken, dass das Spiel cooler, witziger oder spannender ist, wenn sie da etwas ändern. Das ist aber noch per se keine Erweiterung. Aber ein erster Schritt.

Bei manchen starten dann die Erwartungen, dass sie auch ein Autor werden könnten. Dabei ist das wie so oft einfacher gesagt als getan.

Ich hatte in Weilburg meine Liebe zu Erweiterungen in einen kleinen Vortrag gepackt und dort unter anderem auch die Intention für Verlage angesprochen. Die wichtigste ist wohl eindeutig eine Marke, die man aufgebaut hat, zu pflegen. Wie gut und wertvoll das sein kann, sieht man bei Kosmos. Die nicht nur Catan seit über 20 Jahren pflegen, sondern auch Andor, Ubongo und neuerdings Exit. Da sind alles starke Marken im Markt. Und wenn man bedenkt, dass Hans im Glück heute nicht da wäre, wo es ist, wenn Carcassonne nicht etliche Gehälter bezahlen würde. Auch Lookout ist heute nur da angekommen, wo es ist, dank Agricola. Und Days of Wonder und Zug um Zug muss ich nicht weiter aufzählen.

Ein Dauerbrenner gibt dem Verlag finanzielle Freiheiten, auch Sachen zu machen die gewagt sind, zu experimentieren und mehr Zeit in Projekte fließen zu lassen. Aber zur Pflege gehören vor allem Erweiterungen. Ob das eigenständige, Spin-Offs oder reguläre Erweiterungen sind, ist da gar nicht wichtig. Hauptsache, die Marke wird gepflegt.

Die Kategorie More-of-the-Same bedient dabei die Leute, die gerne etwas Varianz in ihrem Spiel wollen. Die Kategorie Neue-Elemente bedient dabei Leute, die gerne neue Spiele wollen, aber weniger Regel lernen möchten. Alles hat seine Zielgruppe. Und die Sammler nehmen eh immer alles.

Und da höre ich bei einem Podcast rein und höre, wie sie sinngemäß sagen: „Erweiterungen braucht kein Mensch!“

Als meine Söhne sehr klein waren, gab es im Fernsehen eine Sendung mit dem Namen Blau und Schlau. Diese Sendung zeichnete sich dadurch aus, dass die Kinder mit einer Geschichte konfrontiert werden und ab und zu Fragen beantworten müssen. Da es beim Fernsehen ja keinen Rückkanal gibt, beantwortet der Typ im Fernsehen kurz danach die Frage. Das alles wäre nicht so spannend, wenn da nicht der pädagogische Ansatz wäre, der sich den meisten Erwachsenen leider entzieht: Die Sendung läuft fünf Mal die Woche, aber nur einmal die Woche gibt es eine neue Folge.

Genauer formuliert gibt es am Montag eine neue Folge und Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag wird diese wiederholt. Ein Prinzip, mit dem Kinder schon früh erzogen werden. Eltern müssen viele Sachen immer und immer wiederholen, damit Kinder sich das merken. Aber wenn die Kinder aktiv mitmachen, lernen sie es schneller. Das Prinzip haben die Macher von Blau und Schlau bei der Sesamstraße gelernt. Da gibt es einen berühmten Clip, wo James Earl Jones das Alphabet aufsagt und der Buchstabe eingeblendet wird. Am Anfang wiederholen es die Kinder. Nach einigen Malen sprechen sie mit und ein paar weitere Male später sagen sie es vor. Dieses Prinzip haben die Macher von Blau und Schlau aufgegriffen und als Konzept umgesetzt und so eine Lernsendung gemacht die wirklich toll ist. Wiederholen und machen.

Auch im Jugendalter bekommen wir das noch eingetrichtert, wenn wir lernen, wie wir Vorträge zu halten haben (Erst sagen, was wir sagen wollen – dann sagen, was wir sagen – dann zusammenfassen, was wir gesagt haben). Es lebe die Wiederholung. Auch in der Ernährung ist das nicht anders. Wenn kleine Babys ernährt werden und dann irgendwann mit dem ersten Brei anfangen, ist es gar kein Problem diesen Monatelang immer dasselbe zu geben. Abwechslung ist da gar nicht nötig. Der Geschmack und damit die Vielfalt kommen erst später. Dann sind sie groß. Und wer kennt es nicht, dass man viele Sachen erst als Erwachsener für sich entdeckt und auf einmal gerne isst.

Im Spielebereich ist das gar nicht so anders. Wer zum Ersten Mal mit Spielen in Berührung kommt dem reicht ein Spiel für eine ganze Weile. Catan zieht einen in seinen Bann und kann einen für Wochen und Monate beschäftigen. Dann kommt Seefahrer und dann irgendwann Städte und Ritter. Wer das eine Weile gespielt hat, ist dann auch offen für neue Spiele. Als Kind ist es toll 7 Mal die Woche Ravioli zu essen aber irgendwann ist das langweilig. Es bedarf dann einer Abwechslung. Und die erste Abwechslung ist Ravioli mit Gemüse- oder Käse- oder Spinatfüllung statt Fleisch oder einer anderen Soße. Ihr seht das Prinzip.

Als Erwachsener wollen wir nicht dasselbe essen, aber Variationen sind toll. Warum kann das bei Spielen nicht auch so angenommen werden? Sehen diese Menschen diesen Zusammenhang nicht? Cult of the New lautet das Schlagwort, für etliche, die noch nicht so weit sind oder schon so alt, dass sie sich weigern noch was zu lernen und als alte verbohrte Menschen gelten. Geneigte Leser dürfen sich selber einordnen. Aber der Begriff ist leider negativ belegt und das würde ich gerne geändert sehen wollen. Denn Vielfalt und Abwechslung finde ich sehr bereichernd. Aber auch mal wieder Ravioli.

Schwierig wird es mit den Erwartungen. Wer eine More-of-the-Same-Erweiterung erwartet und eine Neue-Elemente-Erweiterung bekommt oder umgekehrt der ist halt unzufrieden. Da müssen die Verlage deutlich kommunizieren in welche Richtung das geht, was die Leute da erwarten dürfen. Diese Kommunikation ist wichtig und sollte nicht vergessen werden. Klar sind Überraschungen toll, aber nur wenn es um eine Überraschung geht. Aber wer sich nicht erklärt der kann andere nur frustrieren. Und hier muss nicht nur einmal erklärt werden, sondern hier müssen wir Verlage (und dazu zähle ich mich auch) auch sowas immer und immer wieder wiederholen. Erziehen ist etwas 1000 Mal zu wiederholen.

Und wer da Erwartungen setzt und dann auf einmal anders agiert, der frustriert. Wer seinem Kind auf einmal ohne Erklärung oder Vorwarnung das Belohnungsschoki verweigert, das es sonst immer gab, der darf sich nicht wundern, wenn das zu Frust beim Kind führt, vor allem nicht wenn da mit Erwartungen gewedelt wurden. Wer Spiele von einem Partner bringt und dann nicht mehr, wer Spiele bringt, aber dann die Erweiterungen nicht mehr, wer eine Serie beginnt und die dann absetzt bevor die Geschichte zu Ende erzählt ist, der darf sich nicht über entspreche Verärgerungen wundern. Es gibt Erwartungen da draußen. Und wer sich denen entgegensetzen will, oder wer einfach was ändern will, der sollte das kommunizieren, nicht nur einmal oder ab und zu oder öftermals. Sondern dauernd! Denn sonst ist jede Entscheidung so überflüssig wie so manche Erweiterung.

Und ich liebe Erweiterungen!

Und wirklich wichtig, weil man es gar nicht oft genug sagen kann: Geht Wählen! Der Deutsche Spielepreis ist eröffnet. Stimmt für die fünf Spiele die eurer Meinung am besten sind. Ohne sie in eine Schublade packen zu müssen. Leider noch ohne eine Stimme für die Beste Erweiterung. https://www.dspvoting.de

Die fabelhafte Welt der Männer und warum es sich ändern muss

Letztes Jahr, wie eigentlich jedes Jahr, hatte die Jury nach der Bekanntgabe der Nominierten im November und der Gewinner im Juli einiges an Gegenwind erhalten. Die Wahl der Spiele ist unterirdisch. Wieso wird dieses Spiel beachtet und jenes nicht. Diese Diskussion ist so alt und langweilig, dass es gefühlt müßig ist aber gelichzeitig aufzeigt, wie die Außenwirkung der Arbeit immer noch nicht die ist, welche jeder für sich selber möchte. Da könnten wir Journalisten vielleicht auch etwas mehr Erklärung und Aufklärung durch die Nachrichten schieben. Wobei ich nicht mal wüsste, ob es die, die es erklärt bekommen müssten, überhaupt hören wollen. Unsere Zeit ist da sehr merkwürdig.

Sie ist auch sehr merkwürdig, wenn es um die Rechte einzelner oder ganzer Gruppen geht. So musste die Jury sich letztes Jahr auch vorwerfen lassen sie wäre zu männlich. Die aktuelle Jury setzt sich aus 9 Männern und 1 Frau zusammen. Dazu kommt die Kinderspieljury, welches nochmal 3 Frauen und 2 Männer sowie 2 Frauen und 1 Mann im Beirat sind. Aber die Kinderspieljury stimmt ja nicht über den großen roten Pöppel ab, der doch die größte Marktwirkung hat. Ein Blick auf die Entwicklung der Jury zeigt auch eher eine sehr geringe Menge an anderen Frauen die mal den Job hatten.

Warum ist das so? Wenn ich auf einem Spieletreff bin, dann sehe ich da locker 50% Frauen. Wenn ich in meine Spielerunden in Berlin schaue sehe ich locker 50% Frauen. Wenn ich mir aber ansehe wer alles über Spiele schreibt und podcastet und Videobeiträge macht, dann ist die Zahl der Frauen schon deutlich geringer. Und dennoch glaube ich, dass da noch mehr drin ist. Im Beeple-Netzwerk sind wir 4 Frauen und 15 Männer. Immer noch ein Ungleichgewicht.

Und dann war im März die Hippodice Endrunde. Ich war sehr froh wieder eingeladen worden zu sein. Als das Bild der Jury dann gepostet wurde, fragte mich eine aus meiner Spielerunde, warum da nur Männer drauf sind. Ich versuchte Erklärungen zu bringen, aber eigentlich wurmte mich das auch. Es saß. Und nur einen Tag später twittert mich ein Kollege an mit dem Wortlaut:

„Hippodice: Das Foto hat mich betroffen gemacht – alles Männer! Ganz ernsthaft, wenn es der Veranstalter 2019 nicht schafft, 3-4 Frauen in die Jury zu holen, werde ich passen. Es gibt in einigen Verlagen Frauen in Positionen, dazu muss man dann eventuell Bloggerinnen holen.“

Und dann wurde es mir nur noch bewusster. Es gibt tatsächlich einige Frauen aber diese sind oft in anderen Positionen. Bei den Bretterwissern hat es über 40 Folgen gebraucht, bis wir endlich eine Frau als Gast hatten, und die war dann aus dem Marketing. Viele Marketign Abteilungen haben viele Frauen. Und die Kinderspielredaktionen sind voll mit Frauen. Aber die Redaktionen für die Erwachsenenspiele sind doch wieder dann nur voll mit Männern. Interessiert es die Frauen nicht? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe so manche Partie schöner Kenner- und Expertenspiele mit Kolleginnen gespielt, welche sonst nur Kinderspiele betreuen. Sie haben auch ein Spielerleben neben ihrem Job.

Als kleiner 1-Mann Verlag kann ich da nur mich selber aufbieten, aber ich würde all die Verlage, die jedes Jahr eingeladen werden bei der Hippodice-Endrunde mitzumachen, einfach mal bitten eine Frau zu schicken. Der Hippodice könnte dies auch fordern. Ravensburger hatte das 2016 gemacht und das könnten noch mehr Verlage. Ein Kinderspiel ist auch jedes Jahr in der Endrunde dabei, so das da ein geschultes Auge auch nochmal einen anderen Blick drauf hat. Und schließlich eine Bloggerin noch dazuzuholen ist auch ein super Vorschlag. Der Guido war auch mal da, als er nur Blogger war. Und auch die Jury hatte viele Jahre einen hingeschickt. Alles was die Diskussion vor Ort ergänzen kann ist hilfreich.

Am 8. März war Weltfrauentag. Dieser Tag wird seit über 100 Jahren begangen um an die Rechte der Frauen zu appellieren. Man muss mal sehen was wir heutzutage alles als selbstverständlich hinnehmen, aber eigentlich von den Frauen sich erkämpft werden musste. Das Recht zu wählen etwa. Oder das Recht frei einen Beruf nach eigener Wahl auszuführen. Konkreter muss es wohl heißen, für die meisten ist es selbstverständlich. Für andere scheinbar nicht. Und es gibt immer noch Punkte, wo diese Benachteiligung gegenwärtig ist. Und der Kampf noch nicht vorbei. Sei es bei der Entlohnung ode einem Platz im neugegründeten Heimatministerium oder dem Platz in einer Jury wie der Spiel des Jahres oder dem Hippodice.

Liebe und Hass sind beides Spieler

Der Uli Blennemann kann gut schimpfen und sich freuen. Er jubelt für seinen Eishockey-Verein und schimpft über die Fußballvereine, welche in seinen Augen die falschen sind. Und er schimpft über die SPIEL in Essen. Nicht weil er die Messe nicht mag, aber er mag diese Art von Messe wohl nicht. Wobei schimpfen ist verkehrt. Er mag wohl einfach nur seinen Unmut äußern. So erkläre ich es mir.

Ich habe schnell gelernt, dass es verschiedene Arten von Messen, Events und Conventions gibt. Auf der einen Seite sind die großen fast schon anonymen, für mich persönlich nur noch auf Meetings und Verkauf gestalteten, wie die SPIEL in Essen, die Spielwarenmesse in Nürnberg oder auch vergleichbare Veranstaltungen. Auf der anderen Seite sind die kleinen Veranstaltungen wo es vor allem ums Spielen geht. Da wären Ratingen, Willingen, Braunschweig oder Baesweiler genauso erwähnenswert wie die BGG.CON in Dallas oder Leiria in Portugal, wo ich dieses Wochenende bin.

Ich kannte am Anfang auch nur die SPIEL und ich habe sie genossen. Sie war allerdings schnell groß und Spielen war oft nicht mehr vernünftig möglich, aber ich mag sie. Ich mag es Alle zu treffen und gerade abends in Ruhe mit Freunden abzuhängen und was zu spielen oder einfach nur zu quatschen. Die SPIEL wird immer größer und das hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Der größte Nachteil für mich: Ich treffe viele nicht mehr. Man sieht sich nicht, verpasst sich oder übersieht sich. Nürnberg ist dagegen schon ruhig. Vielleicht zu ruhig.

Ich habe mit Oberhof vor ein paar Jahren eine andere Art von Con kennengelernt, die ich schon lange nicht mehr kannte. Man sitzt einfach nur zusammen und spielt von morgens bis abends. Und je mehr man von den Leuten kennt, desto schöner. Ich war im Januar auf einer kleinen Con mit nur 10 Teilnehmern, aber das waren grandiose 4 Tage, die wiederholt gehören. Leiria ist mit seinen 70 Teilnehmern auch überschaubar und vermutlich die größte Veranstaltung im Land, aber der Flair stimmt. Keine Arbeit und viel Freizeit. Kein Stand auf den man aufpassen muss, aber viele Tische an denen man auch testen kann und Arbeit rausholt, wenn es passt.

Es gibt auch andere Veranstaltungen. Die in Stuttgart oder die Modell-Hobby-Spiel in Leipzig fallen mir da ein. Ein großer Teil der Veranstaltung hat nicht mal was mit Spielen zu tun. Da geht es um andere Hobbies. Für die Veranstalter funktioniert die Messe nur auf Grund der Mischung. Für jeden Teil alleine würden nicht genug Besucher zusammenkommen, dass es sich lohnt überhaupt seine Zeit zu investieren, aber in der Summe sind dann die Veranstalter und die Messe zufrieden. Ob es auch die Aussteller sind, mag ich nicht so abschätzen. Beide leiden seit einer Weile gefühlt. Dass Kosmos zu der Veranstaltung vor der eigenen Haustür nicht da ist, sollte einen stutzig machen. Die Spielwiesn in München macht mir echt Spaß, aber auch diese wird jedes Jahr teurer und wenn eine ganze große Ecke mit Fressständen gefüllt sind, dann denkt man sich seinen Teil, ohne zu wissen was da genau los ist.

Und doch, ich liebe es all diese Seiten an Veranstaltungen zu sehen. Ich liebe es nur Spieler um einen zu haben, welche wie wild an Tischen spielen oder welche durch Gänge laufen und kaufen. Ich liebe es Fremde zu sehen, die Spiele kennenlernen wollen oder einen Partner für einen Kracher suchen. Die Abwechslung macht das Spielejahr rund für mich und ich brauche die Mischung, um mich auf etwas anderes wieder einzulassen. Und daher freue ich mich auf die nächste Con in Bochum genauso wie auf die SPIEL. Und vor allem, dass mir Uli von seinen Roosters erzählt und warum er nächstes Jahr nicht in Essen sein will.

Schaukel-Lola rennt… vorbei!

Als ich über einen spannenden Artikel in der Comicszene gestolpert bin habe ich angefangen zu überlegen was sinnvoller ist und in welche Richtung sich bestimmte Sachen bewegen. Es gab Zeiten da sind die Handys immer kleiner geworden. So klein, dass sie gefühlt in eine Streichholzschachtel gepasst hätten. Dann kam das Smartphone und seitdem sind die nur größer geworden. Und größer und größer. So groß das man zum Teil eine Schokoladentafel oder noch mehr in der Hand hat.

Der weise Mark Rosewater, seines Zeichens Head Designer für Magic the Gathering, kommt dann immer mit dem Vergleich des Pendels. Es schwingt mal in die eine Richtung und mal in die andere. Und die meisten Pendel sind ja nicht linier, so dass es etliche Richtungen gibt in die sie schwingen können. So gibt es Jahrgänge die nur so Überbrechen mit Kennerspielen und welche, wo sie rar gesät sind. Es gibt Jahre wo alle Würfelspiele machen und welche wo nur Erweiterungen zu beherrschten scheinen. Verlage versuchen oft gar nicht abzuschätzen wo der Trend hingeht, sie ignorieren ihn komplett und sind dann verwundert, wenn sie ihn setzen oder doch wieder nur mitlaufen. Manchmal hofft man natürlich den Trend gefunden zu haben, und hat sich dann vertan oder geht in der Masse unter.

So ist das auch im Vertrieb. Der Artikel schildert, dass die Comicszene im Umbruch ist, und das da was passiert. Just in Time Produktion kommt. Was bei Autos und manch anderem deutlich teurerem Kram schon lange gibt und sogar im Computerhardware Bereich mal modern war (Dell ist damit groß geworden, bevor es verkauft wurde), findet nun im Compicbereich Einzug.

Zu einem gewissen Grad macht es Sinn. Comics sind einfach und schnell herstellbar. Ein Heftchen drucken macht jede lokale Druckerei innerhalb von 24 Stunden in einigen 1000er Auflagen. Der Digitaldruck ist inzwischen so gut, dass es eigentlich gar keine Probleme mehr gibt, und sollte ein Fehler aufgetaucht sein, wird das alles auf den Recycle-Müll geworfen und neu gedruckt. Eine Lieferung innerhalb einer Woche klingt absolut nachvollziehbar. Es erscheint gerade zu als verkrustet das sowas 3 Monate Vorlauf braucht. Da gibt es vermutlich einiges an Overhead.

Im Brettspiel Bereich erlebe ich eher das gegenteilige. Kickstarter für Spiele welche erst ein Jahr später erscheinen sind heutzutage Normal. Vor noch einigen Jahren wussten wir bis zum Tag vor der Messe nicht was die Meisten Verlage in Essen zeigen. Da war noch Überraschung und Entdeckung angesagt. Heutzutage ist raus wer nicht vorher schon mindestens die Anleitung zur Verfügung stellt. Entdecken passiert zu Hause, Auf der Spiel Essen ist nur noch kaufen dran. Und bei den Crowdfunding-Aktionen wird das Geld ja sogar schon eingesammelt.

Das ganze hängt vor allem mit dem Vorlauf zusammen. Noch können Spiele nicht über Nacht produziert werden. Und die paar wenigen Verlage die ihre Spiele als Print on Demand anbieten wie Hollandspiele sind sehr teuer. Die Auflage muss vorher stimmen und da muss viel Buzz gemacht werden. Oft wird dann in China produziert, vor allem wenn Miniaturen im Spiel sind, und der Seeweg mit den Containerschiffen braucht auch minimum 4 Wochen, manchmal auch länger. Ein Just in Time Hochglanz-Produktionsverfahren für Brettspiele ist derzeit noch nicht drin. Vielleicht in Zukunft. Denn die Druckereien wissen um die Begehrlichkeiten der Verlage. Mehr Spiele und immer kleinere Auflagen pro Spiel machen das zu etwas notwendigen. Dann schwingt das Pendel vielleicht wieder in die andere Richtung. Spiele werden innerhalb einer Woche lieferbar werden und es werden noch mehr Speile auf den Markt drängen. Das wird nicht nächstes Jahr passieren, aber wo der Markt in 10 bis 20 Jahren steht mag ich nicht vorhersagen.

Ein anderes Pendel ist auch diese Woche umgeschwungen und dabei mitten ins Gesicht vieler Kollegen. Die Spielwarenmesse Nürnberg hatte vor ein paar Jahren eine Offensive gestartet mehr Werbung rund um ihre Messe hinzubekommen. Blogger wurden aktiv angeschrieben und eingeladen. Auf der Messe, wo die Gänge zum Teil leer schienen wuselten nicht nur Einkäufer und Produzenten, Händler und Vertreibe rum. Sondern auch immer mehr Presse.

Nun hat die Messe wohl einen neuen Chef und wenn ich eins über neue Chefs gelernt habe, dann das der Letzte immer doof war, vor allem alle seine Ideen. Also werden etliche Blogger nicht mehr akkreditiert. Kollegen haben Absagen erhalten, weil sie nicht Professional genug wären. Eine Aktion von Beeple wurde untersagt. Als wäre nur “echte” Presse, was alte Medien ist und (vermutliche) Reichweite erzeugt. Ich kann verstehen, wenn nicht jeder Hinz und Kunz sich akkreditieren kann, und die Linie muss irgendwo gezogen werden. Und vermutlich ist es egal wo sie gezogen wird, sie wird irgendwen rein und irgendwen rausfallen lassen und damit Unmut nach sich ziehen. Ich bin da in der glücklich Lage diese nicht ziehen zu müssen und daher meckern zu dürfen.

Wenn die einzig logische Antwort auf Kaffee oder Tee, Ja ist.

Die Vermutlich dämlichste Frage, die man einen Autor stellen kann, ist die, ob er von der Mechanik oder dem Thema zuerst entwickelt. Die Antwort sollte in dem meisten Fällen einfach nur Ja lauten. Natürlich gibt es Spiele, wo dem Autor die Idee für eine geniale Mechanik gekommen ist und diese dann zu einem Spiel ausgebaut wurde, und es gibt auch Spiele wo der Autor eine tolle Idee umsetzen möchte und dafür dann eine passende Mechanik sucht. Und manchmal nimmt man zwei Sachen die vielleicht nicht auf Anhieb passen und stellt fest, dass man sie passend bekommt. Und solche Mash-Ups können wie ein Thinking outside the Box echte Glanzperlen produzieren. Es ist alles drin und die sehr guten Autoren arbeiten auch mit all diesen Methoden.

Ich erzähle heute mal am Rande von einem Spiel welches ich gerade betreue. Bei mir war es im konkreten so, dass die Thematik feststand und der Autor dann einige passenden Mechaniken genommen hat, welche das Thema genauso glänzen lassen sollten wie er sich das vorstellte. Und das funktionierte sehr gut. Nun war es aber so, dass die Thematik geändert werden musste, denn der Verlag wollte es nicht rausbringen. Auch das kann passieren und ist oft widrigen Umständen geschuldet, auf die wir nicht alle Einfluss haben. Also wurde ein neuer Verlag gesucht und es landete bei mir.

Also hatte ich das Spiel in der Hand und blickte auf die Mechaniken. Für mich gab es eine Kernmechanik. Also überlegte ich mir Themen, die zu dieser Mechanik passten. Es gab aber natürlich noch ein paar mehr Mechanismen in dem Spiel, welche mit all den Vorschlägen, die ich machte nicht zusammenpassten. Themen lassen sich halt nicht immer beliebig austauschen. Wenn das auseinanderdriftet merkt das der Spieler. Ich erzähle dann immer gerne von einem Spiel, wo die Leute Hochhäuser bauen und dann mit denen ziehen und auf andere Hochhäuser draufspringen. Da sperrt sich was in der inneren Logik. Auch die Erweiterung schon gebauter Türme in Asara oder bei Kanban nicht miteinander, sondern gegeneinander zu arbeiten, wo doch Kanban für das fest zusammenarbeiten an sich steht, war für mich so eine Sache.

Es gibt natürlich etliche Spiele wo das Thema austauschbar ist. Und oft wird das berühmte Handel im Mittelalter ran gezogen, weil es gar kein Thema haben muss. Dummerweise verkauft sich nicht alles Themenfrei so gut wie Qwirkle, Qwixx oder Noch Mal!. Aber wenn das Thema der Mechanik entgegensteht, können die Spieler oft die Perle nicht erkennen. Das merke ich bei Indian Summer. Ein, wie ich finde, gutes Spiel. Aber es ist ein Rennspiel und die Spieler sehen es nicht. Sie lassen sich von der schönen Natur verzaubern die am Wegesrand liegt und versuchen sich ablenken zu lassen von all den schönen Optionen die zusätzlichen Marker ihnen geben. Nun könnte man sagen diese Dialektik von Präsentation und Mechanik ist Absicht und stellt einen zusätzlichen Reiz da, doch vermutlich werden viele diese Genialität des Spiels nicht erkennen. Leider.

Auch beim Entwickeln gibt es oft den Gedanken, ein Spiel von einem Mechanismus anzugehen. Irgendwann entwickelt sich das Spiel davon weg und die Hauptmechanik, von der es ausging, muss gehen, und der Rest wird dann ein besseres Spiel. Gil Hova berichte dazu, dass er eine Mechanik hat die ihn sehr reizt und das er schon vier Spiele gemacht hatte, welche alle auf der Idee beruhen, aber keine hat diese mehr. Sie ist jedes Mal rausgeflogen um das Spiel besser zu machen. Mal schauen wie viele Spiele es noch werden. Denn die Mechanik scheint ihn nicht loszulassen und wenn sie nur als Katalysator für neue Speile dient erfüllt sie auch ihren Zweck.

In der Summe muss dann nämlich wieder doch beides Stimmen. Es muss Thema und Mechanik zusammenpassen und als Stimmiges Gesamtbild ein Erlebnis bieten. Natürlich fanden der Autor und ich ein Thema. Eins welches beide Hauptmechanismen sehr gut unterbrachte und welches sich in das Spiel unserer Meinung gut einfügte. Ob das Ergebnis dann rund ist, werden wir nächstes Jahr in Essen sehen.

Heather Chandler underlined many words in her copy of Moby Dick

Ich erinnere mich in den letzten Jahren den Jürgen mitgezwungen zu haben, etwas nach der Messe zu schreiben. Inzwischen greift der aber einfach zum Mikro und spricht was ein. Stattdessen bin ich derjenige der gezwungen wird, weil ich noch nichts geliefert habe. Ich sitze also schon seit ein paar Tagen vor einer leeren Schreibprogrammseite und überlege was ich tippen soll.

Es ist ja nicht so, dass es nichts zu tun gibt. Man drängt das Problem nach hinten und kümmert sich um die vielen anderen Dinge, die man die ganze Zeit eh machen muss und die man nicht vernachlässigen möchte. Und dann fällt mir auf, das es vor allem daran liegt das gefühlt alles schon gesagt wurde. Peer hatte es sehr gut erschlagen und Jürgen hat die Lücken gefüllt. Die Messe ist gegessen. Oder nicht?

Und dann dachte ich mir, es gibt ja noch die Sichtweise, eines Menschen der auf der Messe gearbeitet hat. Mit einem eigenen Stand. Aber die ist auch langweilig. Es war voll. Es wurde viel gekauft und man war froh, dass man den Stand nicht verlassen musste. Natürlich hätte man gerne mehr Platz gehabt um mehr Demos geben zu können, aber das Geld dafür hat man auch nicht.

Aber die Deadlines hatten wir noch nicht. Vor 2 Jahren hatten wir alle geschimpft, dass Essen so früh ist. Viele viele Jahre war Essen immer am dritten Wochenende im Oktober. Zumindest erinnere ich mich immer so. Wenn man nachsieht wird man feststellen, dass es auch etliche gab, welche am zweiten Wochenende waren. Vor zwei Jahren war es aber gefühlt das erste Wochenende. In dem Jahr hatte der Oktober fünf Wochenenden und es war in Wahrheit das zweite, aber es war halt ganz am Anfang des Monats. Das erzeugte Stress bei allen Verlagen und die Deadlines waren ein Graus. Aber es klappte.

Dieses Jahr war Essen sehr spät. So spät, dass es wirklich an den Letzen Tagen des Monats lief. Statt also entspannt zu sein, kam die Anstrengung in Form des auf die leichte Schulter Nehmens. Ich habe persönlich ein Problem mit so einem späten Termin, wenn ich ein zeitkritisches Produkt auf den Markt bringe, dass dann schon früher raus muss und nicht auf der Messe als Neuheit gezeigt werden kann. Aber auch andere werden da übersehen und die Deadlines nützen alles nichts.

Wir Verleger sind da wie die Autoren. Und auch die Buchautoren. Gib mir mehr Zeit und ich fülle die zusätzliche Zeit. Es wird nicht fertiger, sondern nur bearbeiteter. Deadlines sind ein wichtiges Instrument, aber sie nützen nichts, wenn die Frage nach der Dead-Deadline und der Dead-Dead-Deadline schon logischerweise kommen. Und es ist echt ein Problem, wenn die Puffer nicht eingebaut werden, um Katastrophen wie gesunkene Container mit einzuplanen.

Für mich war die Messe in der Richtung zum größten Teil entspannt. Und je mehr ich mich weg bewege davon für eine Messe zu planen, sondern mich darauf konzentriere es einfach fertig zu planen, desto entspannter bin ich. Und dennoch mache ich gerade solch Zeitkritischen Projekte jedes Jahr, wo ich den Kribbel der Deadlines wieder spüre. Und die Freude, wenn das alles klappt oder den Frust, wenn was schiefgeht. Ich fühle mich lebendig. So lebendig wie in der Masse in Halle 3 festzustecken oder seinen Stand nicht verlassen zu können, weil die Schlange davor einen nicht rauslassen kann, selbst wenn sie es möchte. Und dieses Gefühl hatte ich auch dieses Jahr. Und auch wenn sich immer alles ändert, so bleibt das Gefühl diese Änderungen als positiv zu empfinden und die Freude das genießen zu können.

Ich freue mich auf die Spiel 18. Egal welche Probleme da kommen. Egal welche Deadlines verpasst werden. Egal welche Trends übersehen wurden. Egal welche Menschen ich verpasst habe, weil wir in der Masse uns nicht getroffen haben. Egal welche anderen verrückten Ideen mir in der Phase des Lebens beglücken. Dieses Essen wird nicht das beste oder coolste gewesen sein. Aber es wird auch nicht das schlechteste gewesen sein. Man muss es als Erlebnis verarbeiten und auf dieses Erlebnis freue ich mich auch nächstes Jahr wieder. Und auf das Feedback anderer die das ganze kritischer betrachten können, wie der Peer.

Da sein oder nicht da sein – Das ist leider eine Frage des Geldes

Alle paar Wochen darf ich hier in die Tasten hauen und etwas an die werten Lesen auf spielbar.com schreiben. Heute ist der verlängerte Tag vom Wochenende, denn mit Messevorbereitungen und dem Anbinden von Pandemic Legacy Season 2 an selbigen Zeitplan ist meine Zeit deutlich knapper gestreut als mir lieb ist. Dennoch will ich am fünften Tag des Wochenendes noch ein paar Worte zum Besten geben.

Wenn man derzeit über eines redet, dann über die Spiel in Essen. Die ganze Spiele-Welt dreht sich um diese Veranstaltung und um die Spiele, die dort vorgestellt werden. Die Ganze Spiele-Welt? Nein. Es gibt auch Leute im Spielebereich die nicht in Essen sind, aus den unterschiedlichsten Gründen. Vielleicht ist das auch gut so, denn die Veranstaltung ist so schon kaum überblickbar und wenn ich den Berichten über die GenCon trauen darf, ist es einfach unmöglich auch nur ansatzweise alles zu sehen, was einen interessiert. Muss man aber auch nicht.

Ich bin ein großer Fan von Heavy Cardboard. In ihrer Vorschau zu Essen zusammen mit Punching Cardboard haben sie den Begriff etwas weiter gefasst und alle Spiele mit reingenommen die in dem Zeitraum erscheinen. Und da war einiges dabei, was gar nicht in Essen dabei ist. Es zeigt deutlich, dass die Zahl der Verlage größer wird, die nach Essen kommt, aber im selben Maße auch Verlage entstehen, die nicht nach Essen kommen. Der Markt wächst und gedeiht.

Die Frage stellt sich für mich auch als Verlagsmensch. Man wird zu vielen Veranstaltungen eingeladen, zu denen man doch auch kommen soll. Die GenCon lädt nicht ein, die hat genug Leute, die freiwillig kommen. Aber sämtliche anderen Veranstalter fragen bei einem an. Man soll nach Birmingham und Cannes kommen. Das sind die größten Messen der Branche in UK und in Frankreich. Auch Lucca und Modena in Italien fragen an. Die Veranstaltungen, die Wien hatte, haben auch angefragt und dann sind sie jetzt leider weg. Aber auch die kleinen Veranstaltungen in Deutschland fragen nach. Sei es Ratingen, Bremen, Bielefeld, Darmstadt, Rostock, Braunschweig, sogar die Berlin-Con und viele viele mehr. Sogar Nürnberg will mich oder die Frankfurter Kreativmesse und da sehe ich mich nicht mal als Zielgruppe.

Natürlich sollte man auf allen Spielemessen sein, denn auf jeder sind Spieler, denen man seine Spiele näherbringen kann. Je mehr Präsenz man zeigt, desto mehr wird man wahrgenommen. Leider ist das auch immer mit einem entsprechend hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden. Dabei mag der Stand noch günstig sein, aber wenn da noch einer helfen soll mit dem Erklären, wenn da noch die Anreise dazukommt und die Übernachtungen, dann sprengt das sehr schnell den Rahmen, den jeder sich leisten kann. Und dennoch ist jede einzelne dieser Veranstaltungen wichtig. Jede einzelne ist eine Hilfe, das Spielen wieder weiter in das Zentrum der Freizeitgestaltung für viele zu rücken.

Und nun kommt der Nostheide Verlag und macht auch noch mit einer Veranstaltung mit. Die Spiel Doch! in Duisburg will mich auch als Aussteller gewinnen.

Ich hatte eigentlich vor, einen langen Rant zu schreiben, was dabei alles falsch gemacht wird. Vor allem in der bisherigen Kommunikation der Veranstaltung. Aber wem ist damit geholfen? Weder dem Nostheide-Verlag noch den Spielern. Ich habe einfach mal die ganzen Argumente in eine Schublade gepackt und kann sie dann rausholen, falls die Messe im März ein Reinfall wird, mit den Worten, ich habe es vorher gewusst. Und falls sie ein großer Erfolg wird, dann freue ich mich, dass es noch mehr Anziehungspunkte gibt und habe mich nicht peinlich gemacht.

Natürlich sollte ich auch da hin, aber das sprengt den Rahmen, den ich als 1-Mann-Verlag leisten kann, leider deutlich. Eigentlich tut dies auch Essen, aber ein Aushängeschild muss ich mir dann doch gönnen. Zu wichtig sind die ganzen Kontakte dort. Es ist Business und nicht nur Vergnügen. Aber als Selbständiger ist das so verschwommen, das ich da oft nicht unterscheiden kann, nicht muss und auch nicht möchte.

Wenn der Postman zweimal liefert

Ich bin ein positiver Mensch. Denke ich zumindest von mir. Viele haben mir über schon gesagt, dass sie mich als einen fröhlichen Menschen wahrnehmen und das freut mich immer, denn eigentlich will ich genau das sein. Und dennoch könnte ich oft genug mich über Sachen ärgern und bin froh, wenn ich das auf anderen Kanälen ablassen kann. Es muss nicht jeder meinen Unmut hören und oft genug ist es auch gar nicht nötig jeden mit diesen Gedanken zu nerven.

Manchmal könnte ich mich auch erschlagen mit welcher Masse an Themen ich mich täglich auseinandersetzen muss und was ich darüber hier schreiben könnte. Oft sind das aber wieder die negativen Dinge. Umso glücklicher bin ich, wenn ich die Muse habe darüber zu schlafen, so für eine Woche oder zwei und es dann in Ruhe nochmal innerlich Revue passieren zu lassen. Ich werde mich dann gerne nochmal nach draußen wagen, wenn sich das Thema gesetzt hat.

Solch ein Thema ist heute mal Amazon.

Ich war mal ein großer Freund von Amazon. Das war so um das Jahr 1999 oder so. Ich bin einfach und schnell an Bücher oder DVDs gekommen, oder so manch anderes Ding was ich mir schon immer mal holen wollte. Das schlug aber irgendwann um. Die Seite ist über die Jahre für mich immer dämlicher zu bedienen geworden und in vielen Punkten auch nicht mehr so deutlich wie ich es mir wünschte.

Der Umschwung kam als Amazon angefangen hat nicht mehr alles selber zu verkaufen, sondern als Handelsplattform zu funktionieren. Jeder Depp konnte auf einmal die Ware verkaufen und es war die Amazon-Seite über die das kam. Wenn man nicht aufmerksam war und das war Amazon wichtig, dass es nicht immer sofort offensichtlich ist, dann bestellte man nichts ahnend, um festzustellen, dass Versandkosten dazukamen, der Händler ein Raubritter aus China ist, oder jemand anders versucht einen abzuzocken. Amazon ist da sehr gut was die Kundenpflege angeht, aber der Stress ist mir zu blöd.

Der nächste Umschwung kam dann mit ihrem Prime. Man wird jedes Mal gegängelt doch endlich Prime-Kunde zu werden, was mich einfach nicht interessiert. Ich brauche kein Fire-TV, ich brauche keine Mega-Express-Lieferung am selben Tag und den ganzen anderen Schund will ich auch nicht. Zu wissen, dass man als Nicht-Prime-Kunde mit Absicht ein paar Tage warten muss, bevor sie manchmal Lust haben überhaupt die Sendung zu bearbeiten ist der Rest.

Ich habe in den letzten 2 Jahren eine Menge Bestellungen dort gemach die ich an einer Hand abzählen kann. Jüngst wieder für ein paar Schulbücher meiner Söhne. Aber von alleine gehe ich nicht mehr auf die Seite.

Für viele andere Menschen ist das aber anders. Sie kaufen gerne bei Amazon, weil es immer noch einfach und bequem ist. Manchmal auch bei einem der vielen anderen Händler, die online so rumlaufen. Ich möchte das nicht verurteilen. Oft genug verstehe ich, dass man nicht die Zeit hat, zu einem Händler zu gehen oder gar keinen in der Nähe hat. Ich möchte mich eigentlich wieder über eine Sache aufregen, die Amazon neuerdings macht. Und mit Neuerdings meine ich seit etwa einem Jahr. Nicht mit jedem Kunden und nicht mit jeder Bestellung, aber scheinbar in letzter Zeit häufiger.

Wenn man genau ein Spiel bestellt und nicht darauf achtet dies in einem Versandkarton zugeschickt zu bekommen, dann nimmt Amazon das Spiel in der Form, klebt den Aufkleber drauf und ab in die Post. Als wäre der Spielekarton die Verpackung. Oft ist da ja noch eine Folie drum rum, aber es gibt auch Spiele wo das nicht so ist, wie etwa der Escape-Room Box von Noris. Nun könnte man sagen, ist doch nur die Schachtel, aber ich sehe das anders. Und nicht nur ich.

Im Jahre 1999 gab es ein wichtiges Urteil für Spieleverlage. Zu dessen Geschichte ein paar Infos. Es ging darum, dass die Verpackungsverordnung vorsah, dass ein Grüner Punkt auf eine Verpackung gehört und dafür eine Abgabe geleistet werden muss. Den grünen Punkt, also das Logo, hat es umsonst. Das hätte vermutlich niemanden gestört. Auf einer Schachtel sind oft genug etliche Symbole und wenn ich bedenke, welche davon bei ausländischen Verlagen fehlen und da der Zoll in Essen rummarschiert und Ware einkassiert, da können einem schon die Ohren flackern. Nein es geht um die Abgabe.

Die Verpackungsverordnung sieht vor, dass nicht nur der Endkunde und die Gemeinden für die Entsorgung zuständig sind, sondern das möglichst viel Müll verhindert wird, indem die Kosten dafür auch beim Produzenten anfallen. Wenn Umkartons oder Plastiktüten gekauft werden, muss ein Teil der Kosten für die Entsorgung mitbezahlt werden. Vertreiber von Transport- und Umverpackungen müssen diese wieder zurücknehmen. Das ist der Grund warum Supermärkte auf einmal die ganzen Mülltonnen aufgestellt haben. Warum man die Pizzaschachtel gleich dort zurücklassen kann. Die müssen das zurücknehmen. Genauso wie den Flaschenpfand.

Und die Kosten sind nicht einfach irgendwie zu berechnen, sondern nach einem relativen einfachen Schema. Gewicht. Die Folie um eine Spieleschachtel ist schnell berechnet. Das wiegt sehr wenig. Die Spieleschachtel selber kann aber sehr schnell locker einige Kilo im Jahr zusammenbringen. Alleine Ravensburger bringt genug Spiele im Jahr heraus, dass sie einen Kostenfaktor berechnen müssten, der Spiele viel zu teuer machen würde.

Es wurde also eine Klage angestrebt. Um im Jahre 1999 haben die Verlage gewonnen: Eine Stülpkarton-Spieleverpackung ist kein Verpackungsmaterial im Sinne der Verpackungsvorschriften. Der Trick mit dem das unter anderem erreicht wurde sind Spiele, welche die Schachtel als Spielmaterial benutzten. Der zerstreute Pharao und Sphinx waren solche Spiele. Natürlich kann man auch einfach festhalten, dass Die Schachtel manchmal nicht nur Teil des Spiels ist, sondern vor allem immer auch Aufbewahrungselement ist. Und nie eine reine Transportverpackung ist.

Wie so viele Dinge, wenn man es nicht weiß, denkt man sich nichts dabei. So auch Amazon. Für die ist die Idee, dass das eine Transportverpackung ist, irgendwo aufgekommen. Da sollte man sich wehren, bevor da Dämme reißen. Arne hat neulich ein Great Western Trail gekauft mit einer großen hässlichen Delle in der Schachtel (bei einem anderen Online-Händler). Das hat er beanstandet. Sein gute Recht, denn es ist nun mal Teil des Objekts. Wer eine kaputte Kamera bekommt, würde sich auch beschweren und sei es nur ein hässlicher Kratzer über das ganze Gerät, welches den Gebrauch nicht einschränkt. Aber man möchte ein Einwandfreies Produkt. Den Stülpkarton als Transportverpackung zu sehen, darf daher keine Selbstverständlichkeit werden.

Vom Sommerloch und Winterschlaf

Mein Sohn hatte als kleiner Junge eine schöne Kurzgeschichte über einen Bären, der mitten im Winterschlaf aufwacht und zum ersten Mal von Weihnachten hört. Das Fest verschläft er ja sonst. Schön erzählt und witzig. Und auch ein Beweis, dass man manchmal nur aufwachen muss, um zu merken was um einen rum passiert. Etwas, was kleine Kinder definitiv nicht sehr gut können, denn, seien wir ehrlich, das ist ganz schön viel verlangt von 4-jährigen.

Aufwachen ist auch das, was ich mir von Manchen wünsche. Da philosophieren andere über die Masse in Essen, und dass das ja keiner mehr schaffen kann. Ehrlich? Das Lied wurde schon vor 20 Jahren gesungen, als noch eine 2-stellige Zahl an Neuheiten raus kam. Fakt ist ja auch, dass es keiner schaffen muss. Ich frage mich, ob wir im Spielebereich einfach nur verwöhnt sind? Wer wollte, konnte einfach alles spielen. Es war kein Problem die 50 bis 100 Neuheiten zu überblicken, mit genug Freizeit. Und natürlich muss jeder ja alle 1200 Neuheiten gespielt haben, um ehrlich einen Eindruck zu haben. Mir fällt es schwer nicht ins Augenrollen zu verfallen.

  • Bücher: Ich muss überlegen, wann das letzte mal ein Buchrezensent sich beschwert hat, dass er nicht mehr alle Bücher lesen kann, die erscheinen. Dazu mal ein paar Zahlen, um das zu Vergleichen (Quelle).

    Zahl der Buch-Verlage in Deutschland 2012: 2209. Nur Deutsche Verlage!
    Zahl der erschienen Bücher, welche Neu waren: 81.919. Nur neue Titel!

    2012 war ein Schaltjahr und hatte daher 8748 Stunden. Ein Rezensent der den Überblick behalten will und alles Gelsen haben will, hätte also 6 Minuten pro Buch und dürfte weder schlafen noch essen noch sonst was.

  • Filme: Allein 2011 wurden 6573 Filme produziert. Und da sind nur die erfasst, die extra fürs Kino produziert werden. Wer also alles gesehen haben will, um da einen Vergleich zu haben, wird auch nicht viel Schlaf haben. (Quelle). Abgesehen davon, dass man echt viele Sprachen können muss, denn das erscheint ja nicht unbedingt alles auf Englisch, geschweige denn auf Deutsch.
  • Computerspiele: Wollen wir das Gebiet mal etwas einengen und sagen wir spielen nur auf Steam, dann kamen allein 2016 schon 4207 Spiele raus (Quelle). Da ich davon ausgehe, dass man da auch für die meisten etwas mehr Zeit investieren muss, reden wir also nur grob von der vierfachen Menge. Von Spielen auf anderen Plattformen sehen wir mal ab, denn Steam bedient sehr viele. Sonst würde das ja noch explodieren hier an Zahlen.

Gibt es also zu viele Brettspiele? Bringen die Verlage in Essen zu viel auf den Markt? Für mich lautet die Antwort einfach mal: Nein! Ich würde soweit gehen, dass wir nicht genug Blogs haben. Wir brauchen mehr Blogs die sich spezialisieren. Ich hatte schon bei der Podiumsdiskussion auf der Berlin-Con dieses Jahr gesagt, das es wichtiger wird, dass kuratierter berichtet wird. Wir sind nicht allein auf dieser Welt. Wenn einer weiß, dass ihn Partyspiele nicht interessieren, kann er das ausblenden. Wenn einer weiß, dass Erweiterungen ihm am Allerwertesten vorbei gehen, dann einfach ausblenden. Und wenn einer weiß, dass ihn vor allem die neusten Solospiele interessieren, dann soll er einen Blick auf genau diese Neuheiten werfen. Und er braucht einen Blog, der das bedient.

Alles weitere Jammern ist nur eine Möglichkeit, das Sommerloch zu füllen.