Wenn der Postman zweimal liefert

Ich bin ein positiver Mensch. Denke ich zumindest von mir. Viele haben mir über schon gesagt, dass sie mich als einen fröhlichen Menschen wahrnehmen und das freut mich immer, denn eigentlich will ich genau das sein. Und dennoch könnte ich oft genug mich über Sachen ärgern und bin froh, wenn ich das auf anderen Kanälen ablassen kann. Es muss nicht jeder meinen Unmut hören und oft genug ist es auch gar nicht nötig jeden mit diesen Gedanken zu nerven.

Manchmal könnte ich mich auch erschlagen mit welcher Masse an Themen ich mich täglich auseinandersetzen muss und was ich darüber hier schreiben könnte. Oft sind das aber wieder die negativen Dinge. Umso glücklicher bin ich, wenn ich die Muse habe darüber zu schlafen, so für eine Woche oder zwei und es dann in Ruhe nochmal innerlich Revue passieren zu lassen. Ich werde mich dann gerne nochmal nach draußen wagen, wenn sich das Thema gesetzt hat.

Solch ein Thema ist heute mal Amazon.

Ich war mal ein großer Freund von Amazon. Das war so um das Jahr 1999 oder so. Ich bin einfach und schnell an Bücher oder DVDs gekommen, oder so manch anderes Ding was ich mir schon immer mal holen wollte. Das schlug aber irgendwann um. Die Seite ist über die Jahre für mich immer dämlicher zu bedienen geworden und in vielen Punkten auch nicht mehr so deutlich wie ich es mir wünschte.

Der Umschwung kam als Amazon angefangen hat nicht mehr alles selber zu verkaufen, sondern als Handelsplattform zu funktionieren. Jeder Depp konnte auf einmal die Ware verkaufen und es war die Amazon-Seite über die das kam. Wenn man nicht aufmerksam war und das war Amazon wichtig, dass es nicht immer sofort offensichtlich ist, dann bestellte man nichts ahnend, um festzustellen, dass Versandkosten dazukamen, der Händler ein Raubritter aus China ist, oder jemand anders versucht einen abzuzocken. Amazon ist da sehr gut was die Kundenpflege angeht, aber der Stress ist mir zu blöd.

Der nächste Umschwung kam dann mit ihrem Prime. Man wird jedes Mal gegängelt doch endlich Prime-Kunde zu werden, was mich einfach nicht interessiert. Ich brauche kein Fire-TV, ich brauche keine Mega-Express-Lieferung am selben Tag und den ganzen anderen Schund will ich auch nicht. Zu wissen, dass man als Nicht-Prime-Kunde mit Absicht ein paar Tage warten muss, bevor sie manchmal Lust haben überhaupt die Sendung zu bearbeiten ist der Rest.

Ich habe in den letzten 2 Jahren eine Menge Bestellungen dort gemach die ich an einer Hand abzählen kann. Jüngst wieder für ein paar Schulbücher meiner Söhne. Aber von alleine gehe ich nicht mehr auf die Seite.

Für viele andere Menschen ist das aber anders. Sie kaufen gerne bei Amazon, weil es immer noch einfach und bequem ist. Manchmal auch bei einem der vielen anderen Händler, die online so rumlaufen. Ich möchte das nicht verurteilen. Oft genug verstehe ich, dass man nicht die Zeit hat, zu einem Händler zu gehen oder gar keinen in der Nähe hat. Ich möchte mich eigentlich wieder über eine Sache aufregen, die Amazon neuerdings macht. Und mit Neuerdings meine ich seit etwa einem Jahr. Nicht mit jedem Kunden und nicht mit jeder Bestellung, aber scheinbar in letzter Zeit häufiger.

Wenn man genau ein Spiel bestellt und nicht darauf achtet dies in einem Versandkarton zugeschickt zu bekommen, dann nimmt Amazon das Spiel in der Form, klebt den Aufkleber drauf und ab in die Post. Als wäre der Spielekarton die Verpackung. Oft ist da ja noch eine Folie drum rum, aber es gibt auch Spiele wo das nicht so ist, wie etwa der Escape-Room Box von Noris. Nun könnte man sagen, ist doch nur die Schachtel, aber ich sehe das anders. Und nicht nur ich.

Im Jahre 1999 gab es ein wichtiges Urteil für Spieleverlage. Zu dessen Geschichte ein paar Infos. Es ging darum, dass die Verpackungsverordnung vorsah, dass ein Grüner Punkt auf eine Verpackung gehört und dafür eine Abgabe geleistet werden muss. Den grünen Punkt, also das Logo, hat es umsonst. Das hätte vermutlich niemanden gestört. Auf einer Schachtel sind oft genug etliche Symbole und wenn ich bedenke, welche davon bei ausländischen Verlagen fehlen und da der Zoll in Essen rummarschiert und Ware einkassiert, da können einem schon die Ohren flackern. Nein es geht um die Abgabe.

Die Verpackungsverordnung sieht vor, dass nicht nur der Endkunde und die Gemeinden für die Entsorgung zuständig sind, sondern das möglichst viel Müll verhindert wird, indem die Kosten dafür auch beim Produzenten anfallen. Wenn Umkartons oder Plastiktüten gekauft werden, muss ein Teil der Kosten für die Entsorgung mitbezahlt werden. Vertreiber von Transport- und Umverpackungen müssen diese wieder zurücknehmen. Das ist der Grund warum Supermärkte auf einmal die ganzen Mülltonnen aufgestellt haben. Warum man die Pizzaschachtel gleich dort zurücklassen kann. Die müssen das zurücknehmen. Genauso wie den Flaschenpfand.

Und die Kosten sind nicht einfach irgendwie zu berechnen, sondern nach einem relativen einfachen Schema. Gewicht. Die Folie um eine Spieleschachtel ist schnell berechnet. Das wiegt sehr wenig. Die Spieleschachtel selber kann aber sehr schnell locker einige Kilo im Jahr zusammenbringen. Alleine Ravensburger bringt genug Spiele im Jahr heraus, dass sie einen Kostenfaktor berechnen müssten, der Spiele viel zu teuer machen würde.

Es wurde also eine Klage angestrebt. Um im Jahre 1999 haben die Verlage gewonnen: Eine Stülpkarton-Spieleverpackung ist kein Verpackungsmaterial im Sinne der Verpackungsvorschriften. Der Trick mit dem das unter anderem erreicht wurde sind Spiele, welche die Schachtel als Spielmaterial benutzten. Der zerstreute Pharao und Sphinx waren solche Spiele. Natürlich kann man auch einfach festhalten, dass Die Schachtel manchmal nicht nur Teil des Spiels ist, sondern vor allem immer auch Aufbewahrungselement ist. Und nie eine reine Transportverpackung ist.

Wie so viele Dinge, wenn man es nicht weiß, denkt man sich nichts dabei. So auch Amazon. Für die ist die Idee, dass das eine Transportverpackung ist, irgendwo aufgekommen. Da sollte man sich wehren, bevor da Dämme reißen. Arne hat neulich ein Great Western Trail gekauft mit einer großen hässlichen Delle in der Schachtel (bei einem anderen Online-Händler). Das hat er beanstandet. Sein gute Recht, denn es ist nun mal Teil des Objekts. Wer eine kaputte Kamera bekommt, würde sich auch beschweren und sei es nur ein hässlicher Kratzer über das ganze Gerät, welches den Gebrauch nicht einschränkt. Aber man möchte ein Einwandfreies Produkt. Den Stülpkarton als Transportverpackung zu sehen, darf daher keine Selbstverständlichkeit werden.

Vom Sommerloch und Winterschlaf

Mein Sohn hatte als kleiner Junge eine schöne Kurzgeschichte über einen Bären, der mitten im Winterschlaf aufwacht und zum ersten Mal von Weihnachten hört. Das Fest verschläft er ja sonst. Schön erzählt und witzig. Und auch ein Beweis, dass man manchmal nur aufwachen muss, um zu merken was um einen rum passiert. Etwas, was kleine Kinder definitiv nicht sehr gut können, denn, seien wir ehrlich, das ist ganz schön viel verlangt von 4-jährigen.

Aufwachen ist auch das, was ich mir von Manchen wünsche. Da philosophieren andere über die Masse in Essen, und dass das ja keiner mehr schaffen kann. Ehrlich? Das Lied wurde schon vor 20 Jahren gesungen, als noch eine 2-stellige Zahl an Neuheiten raus kam. Fakt ist ja auch, dass es keiner schaffen muss. Ich frage mich, ob wir im Spielebereich einfach nur verwöhnt sind? Wer wollte, konnte einfach alles spielen. Es war kein Problem die 50 bis 100 Neuheiten zu überblicken, mit genug Freizeit. Und natürlich muss jeder ja alle 1200 Neuheiten gespielt haben, um ehrlich einen Eindruck zu haben. Mir fällt es schwer nicht ins Augenrollen zu verfallen.

  • Bücher: Ich muss überlegen, wann das letzte mal ein Buchrezensent sich beschwert hat, dass er nicht mehr alle Bücher lesen kann, die erscheinen. Dazu mal ein paar Zahlen, um das zu Vergleichen (Quelle).

    Zahl der Buch-Verlage in Deutschland 2012: 2209. Nur Deutsche Verlage!
    Zahl der erschienen Bücher, welche Neu waren: 81.919. Nur neue Titel!

    2012 war ein Schaltjahr und hatte daher 8748 Stunden. Ein Rezensent der den Überblick behalten will und alles Gelsen haben will, hätte also 6 Minuten pro Buch und dürfte weder schlafen noch essen noch sonst was.

  • Filme: Allein 2011 wurden 6573 Filme produziert. Und da sind nur die erfasst, die extra fürs Kino produziert werden. Wer also alles gesehen haben will, um da einen Vergleich zu haben, wird auch nicht viel Schlaf haben. (Quelle). Abgesehen davon, dass man echt viele Sprachen können muss, denn das erscheint ja nicht unbedingt alles auf Englisch, geschweige denn auf Deutsch.
  • Computerspiele: Wollen wir das Gebiet mal etwas einengen und sagen wir spielen nur auf Steam, dann kamen allein 2016 schon 4207 Spiele raus (Quelle). Da ich davon ausgehe, dass man da auch für die meisten etwas mehr Zeit investieren muss, reden wir also nur grob von der vierfachen Menge. Von Spielen auf anderen Plattformen sehen wir mal ab, denn Steam bedient sehr viele. Sonst würde das ja noch explodieren hier an Zahlen.

Gibt es also zu viele Brettspiele? Bringen die Verlage in Essen zu viel auf den Markt? Für mich lautet die Antwort einfach mal: Nein! Ich würde soweit gehen, dass wir nicht genug Blogs haben. Wir brauchen mehr Blogs die sich spezialisieren. Ich hatte schon bei der Podiumsdiskussion auf der Berlin-Con dieses Jahr gesagt, das es wichtiger wird, dass kuratierter berichtet wird. Wir sind nicht allein auf dieser Welt. Wenn einer weiß, dass ihn Partyspiele nicht interessieren, kann er das ausblenden. Wenn einer weiß, dass Erweiterungen ihm am Allerwertesten vorbei gehen, dann einfach ausblenden. Und wenn einer weiß, dass ihn vor allem die neusten Solospiele interessieren, dann soll er einen Blick auf genau diese Neuheiten werfen. Und er braucht einen Blog, der das bedient.

Alles weitere Jammern ist nur eine Möglichkeit, das Sommerloch zu füllen.

Der Blick über den Altersrand

Ich hasse den Ausdruck: „Die guten alten Spiele.“ Synes Ernst hatte das letztes Jahr gut in einer Radiosendung aufgebracht. Die Leute die sowas sagen meinen meistens Monopoly, Mensch ärger Dich nicht und andere Spiele die 50 oder 100 Jahre alt sind. Diese Spiele sind sehr oft nach heutigen Gesichtspunkten nicht mehr gut. Das bedeutet nicht das sie nicht auch eine Daseinsberechtigung hätten und sei es nur um Leute ans Spiel heranzubringen, weil keiner die Regeln lesen muss. Aber diese Spiele sind alt, aber nicht gut.

Gleichzeitig stelle ich mich hin und Erwähne #WorthyClassics und bin der Meinung das es viele gute alte Spiele gibt. Ich bin ein Fan von den guten alten Spielen. Nur halt nicht 50 Jahre alte sondern nur 10, 15, 20 Jahre alte. Und selbst vor 10 Jahren gab es Gurken. Aber halt auch geniale Spiele.

Gleichzeitig bin ich einer der den Cult of the New verteidigt. Nur durch viel neues, durch viel Iteration, durch viele Ideen kommen wir an dem Punkt an, wo wirkliche echte Innovationen entstehen. Diese kommen nicht über Nacht und nicht zufällig und schon gar nicht in einem Hinterzimmer. Manchmal vielleicht auch nicht augenfällig, sondern erst wenn jemand das geniale nimmt und nochmal genialer macht und es dadurch erst in der Masse landet. 10% Genie und 90% Handwerk.

Gleichzeitig gibt es eine Gruppe von Spielern die sich versuchen Standhaft gegen den Cult of the New zu stellen. Als wäre es verteufelt sich auf alles neue zu stürzen. Als wären alle die Zombies, die sich auf jeden neuen Strohhalm stürzen verblendet und würden die guten Spiele gar nicht wahrnehmen. Und hier geht es nicht um Early Adopter oder Perlentaucher. Es geht um eine Grundsatzfrage des Alters oder der Einstellung.

Für die Werbewirtschaft gibt es die Gruppe der 19- bis 49-jährigen. Diese ist werberelevant, weil Menschen die älter sind, nicht mehr mit der Werbung erreicht werden können. Diese Menschen wissen was sie wollen und denen geht der Rest vorbei. Über diese Grenze lässt sich vortrefflich streiten und es gibt ja auch Menschen, die sie erst bei 59 ziehen. Solche Gesellschaftlichen Bewegungen sind normal und da zieht sich der politische Begriff von Konservativ und Progressiv durch.

Und natürlich kann man neben persönlichen Empfindungen mit Zahlen jonglieren. Die Zahl der Neuerscheinungen jedes Jahr steigt. Die Zahl der Verkäufe steigen, gleichzeitig fragmentiert der Markt. Er fragmentiert in die Jungen und Alten. In die Spieler für Kommunikation und Strategiespiele. Er teilt sich in Leute, die es einfach und schnell, und die, denen 6 Stunden ein guter Aufwärmer ist. Und die Verlage versuchen möglichst viele dieser Gruppen zu erreichen um möglichst viel im Markt an den Mann zu bringen. Das führt wiederum zu noch mehr Spielen.

Aber, und das ist das schöne für mich, es führt zu mehr spannenden Ideen. Autoren die versuchen zu schauen, was sich unter einem engen Korsett machen lässt. Zu wissen ich versuche diese Zielgruppe zu bedienen und habe dafür nur den engen Rahmen von folgenden Materialien, bringt oft die coolsten Ideen. Oder die Grundlagen für die nächste geniale Idee, welche Spiel des Jahres werden kann.

Wenn also Ben postuliert, spielt ruhig weniger verschiedene Spiele, dann sei ihm das gelassen. Ich sage spielt mehr verschiedene Spiele. Und spielt öfters. Und mehr. Und spielt. Seid neugierig. Einen Grundsatz, den eigentlich die Sesamstraße schon den Kindern vorlebt. Für mich ist Monopoly Stillstand und die Neuheitenliste Fortschritt. Doch die #WorthyClassics helfen einzuschätzen wo wir sind und was wir erreicht haben. Und nur durch Neuheiten erreichen wir die Spiele die wir in 10 oder 25 oder 100 Jahren wieder als gute alte Spiele wahrnehmen können.

Asoziale Außerirdische und ihre Sologruppen

Wann hat man alles richtig gemacht? Wenn alle über einen reden. Der Herr, der das im letzten Monat geschafft hatte, war Tom Felber. ich mag ihm da auch nicht unterstellen, dass er mit Absicht versucht hat die Leser zu provozieren, sondern das er einfach die Worte gewählt hat, die er am sinnvollsten fand. Ich kenne das bei mir auch, wo ich ein Artikel schreibe und im Nachhinein mich für ein paar Worte entschuldigen möchte, denn geminnt hatte ich es nicht, wie ich es geschrieben habe. Aber wenn es Wellen schlägt dann muss dafür gerade stehen und sich entschuldigen, oder erklären was man meinte. Alles kein Beinbruch.

Der Artikel ist seine Rezension zu NMBR9 von AbacusSpiele. Das Wort unsozial ist nicht nur bei mir hängen geblieben. Im Nachhinein verstehe ich was er meint. Es ging ihm nicht darum Solospiele zu verteufeln, sondern er fragt sich warum ich Solobeschäftigungen als Gruppenspiel verkaufe. Etwas was viele als Mulitplayer-Solitär benennen und in der Szene oft abwertend dargestellt wird. Das kann ich sehr gut verstehen.

In Oberhof stand ich mit der Frau von Rüdiger Dorn und Stefan Stadler vor dem großen Tisch mit den Verlagsspielen und Stefan fragte mich, welches das schlechteste Spiel von dieser Auswahl war. Ich kannte nicht alle konnte daher das nicht komplett beurteilen und während mein Auge vor einem Spiel hängen blieb das ich nicht so gut fand, nannte ich dieses. Vielleicht hätte ich nichts sagen sollen oder einfach sagen sollen, welches mir am besten gefällt, aber ich habe halt in der Minute mitgemacht. Mit dem Hinweis, dass ich natürlich nicht alle kenne. Es war Mystic Vale. Ein Spiel, dass sich mir gar nicht erschließt. Ein bisschen ist es wie bei Dominion. Jeder Spieler macht seinen Zug und interagiert mit den anderen gar nicht mehr.

Bei Dominion habe ich irgendwann für mich beschloßen, dass ich es nur noch zu zweit spiele, denn alles andere ist doch langweilig. Und was ich bei Dominion nie mochte, war das die meisten interaktiven Karten eher von negativer art waren. Es waren Angriffe. Diese also rauszunehmen, klingt eigentlich nach einer tollen Idee. Aber Mystic Vale macht dies und es erscheint mir noch beliebiger. Will ich sagen, dass Spiel ist schlecht? Nein. Es ist eigentlich nichts für mich. Denn es ist ein Solospielen in der Gruppe. Etwas das mich bei manchen Spielen weniger stört als bei anderen. NMBR9 spiele ich gerne. Da habe ich Freude mich in 10 Minuten mit anderen am Tisch zu messen.

Nun könnte man sagen, ich mag halt keine Deckbauer, aber ich finde etliche gut. Trains ist grandios und leider zu unrecht in Deutschland untergegangen. Ascension ist um so vieles besser als Dominion in meinen Augen. Und El Dorado ist ein echtes Wunderstück, das den Deckbauer auf dem Niveau platziert, wie ich es gerne hätte. Tom Felber zieht seine Linie woanders. NMBR9 ist außerhalb seines Zumutungscharakters. Akzeptiert.

Es bleibt das Wort unsozial. Wir spiele rühmen uns mit der Geselligkeit. Und auch wenn Gesellschaftsspiel als Begriff schon verstaubt klingt und etliche ein Lied davon singen können, wie vielen Mitspielern soziale Kompetenzen fehlen (ich verweise dazu auf den grandiosen Beitrag von Tom Felber in seiner Spielbox-Kolumne), so ist die Wahrheit einfach das wir Menschen halt alle verschieden sind. Manche brauchen nicht das Gesellige sondern die intellektuelle Herausforderung, sie wollen lieber über einem Fest von Odin brüten, was die Beste Strategie sein könnte. Ob sie dabei alleine sind und Solospiele, oder in Gruppen von bis zu 18 Spielern bei MegaCiv ist dabei nicht entscheidend. Andere wollen eine Geschichte erleben und könnten das vermutlich durch ein Buch oder einen Film auch, aber selber Entscheidungen zu treffen wie bei einem Solospielbuch wie Einsamer Wolf ist mit viel Lesen verbunden. Ein Spiel kann da andere Reize stimulieren. Andere wollen das soziale und suchen eine Runde Word Slam, damit sie einfach mit anderen Menschen zusammen sind. Keins davon ist ein besserer Spielertyp.

Schwierig wird es, wenn man mit Nichtspielern kollidiert. Da gibt es die, die beim Spielen an Computerspiele denken, dann die, die an Monopoly oder Kinderspiele denken, und schließlich die, die an Poker und Glücksspiele denken. Und dies manchmal interessiert, oft eher uninteressiert und manchmal auch ablehnen betrachten.

Wenn man in einer Gaststätte ist und Spielkarten raushaut um eine Runde Skull King oder Fünf Gurken zu spielen, dann kommt der Ober sagt, das Glücksspiel bei ihnen nicht gerne gesehen sind, dann steht man unsozial dar. Wenn bei einer Familienfeier ein Love Letter rausgeholt wird oder ein LuckyLachs, dann wird man von Verwandten als Spielkind abgetan und als unsozial abgestempelt, warum man sich nicht mit ihnen unterhält, statt diesen Kinderkram zu machen. Man fühlt sich wie ein Alien. Man bewegt sich in Fremden Welten, außerhalb seiner Komfortzone und muss damit leben wie unsozial die anderen einen halten. Mir geht es so mit den Biertrinkenden grölenden Horden die zum Männertag durch die Straßen ziehen, aber ich bin da die Minderheit. Das Wort unsozial kann vielschichtig gesehen werden. Ich würde es lieber gar nicht mehr sehen.

Hinwies: Dieser Artikel erschien im Rahmen des Beeple-Tehmenmonats: Fremde Welten. Weitere Artikel dazu findet man hier:

Meer und Meer was Anderes

Der Peer macht ja hier ganz viele verschiedene Artikel, wie Kommentare, Rezensionen, Verlagsvorstellungen, und ähnliches. Ich bin eigentlich damit zufrieden hier nur meine Kommentare rauszuhauen, aber dennoch habe ich heute auch mal Lust eine Besprechung abzuliefern, wobei vielleicht ist es Ehere eine Empfehlung, denn auf soviel Details gehe ich gar nicht ein. Und dabei traue ich mich auch etwas aus dem Brettspiel-Fahrwasser in den Rollenspielbereich.

Es gibt immer wieder die Beschwerde das bei Brettspielen das typische Mittelalterthema oder irgendwelche Handelsspiele oder am besten „Handel im Mittelalter“-Spiele eigentlich richtig ausgelutscht sind. Dasselbe gilt inzwischen gefühlt auch für Zombiespiele oder Dungeoncrawler. Und gerade im Rollenspielbereich ist das nicht viel anders. Die Menge an typischen Fantasyspielen ist exorbitant hoch und oft wird dabei wirklich mehr Unterschied auf die Regeln gesetzt als auf die Hintergrundwelt, welche natürlich überall anders, aber dann doch irgendwie gleich ist. Und was nicht Fantasy ist, ist Space Opera.

Diese Verallgemeinerung an den Anfang zu stellen ist natürlich fies und ungerecht. Aber gerade dies finde ich wichtig. Denn ein gutes Modernes System unterstützt das beabsichtige Setting nicht, sondern das gewollte Spielgefühl. Es gibt Systeme, welche voller Regelwüsten sind und für jede Waffe eine eigene Regeltabelle haben. Es gibt welche, wo die Spieler beim Erstellen des Charakters sterben können und dabei noch eine Stufe aufsteigen. Es gibt aber auch welche deren Regelumfang eher im Winzigen Bereich sind und die Spieler einfach frei agieren. Zum Teil sogar ohne Spielleiter wie bei Fiasco.

Vampire im World of Darkness System hatte ein sehr leichtes System welches vor allem auf Storytelling setzt. Manche sehen das als die besser Rollenspielvariante an, aber an sich bedient es einfach nur eine andere Gruppe von Rollenspielern. So wie Eurospieler und AmeriTrasher auch einfach nur verschiedene Brettspielertypen sind. Nicht umsonst sind Das Schwarze Auge und Dungeons & Dragons auch immer noch groß.

7te See ist auf jeden Fall ein einfaches System, aber es ist vor allem eins das die Zielgruppe bedient. Der Ansatz dabei auf die Welt und das Erzählen zu setzen wird schonmal dadurch bestärkt, dass das erste Drittel des 320-Seiten dicken Buches mit viel Liebe die Welt und seine Länder vorstellt, bevor es auch nur ein Wort über Regeln verliert. Das muss einem schon gefallen. Dabei wird die Welt in vielen Facetten beleuchtet. Vielleicht nicht für Leute die lieber den großen Sandkasten mögen wo alles unbestimmt ist, aber diese Grenzen helfen vielen Spielern sich eher zurechtzufinden und auf diese Weise ihren Platz in der Welt zu suchen, der ihnen am genehmsten ist.

Die Welt ist dabei zwar auch Fantasy angehaucht aber auch nur in der Form, dass sie in Wahrheit ein gute bunte Mischung aus Mantel und Degen, Fantasy und Piraten ist. Und Piraten sind immer cool, nicht nur am 19. September. Es gibt die Noblen Adligen, die Magie beherrschen. Es gibt Musketiere, welche die Adligen beschützen und mit einer entsprechenden Tapferkeit und Brüderlichkeit für das Gute stehen. Es gibt aber auch Piraten, welche an den Herrschern nichts Gutes sehen können und in Robin Hood Manier die Tyrannei der Adligen und der Kirche bekämpfen. Das Ganze in einer Welt die Europa nicht unähnlich sieht und dabei an der zeitlichen Schwelle steht wo die meisten Königreiche zu Nationen anwachsen. Es gibt also viele kleinen Konflikte und Intrigen. Dazu noch ein paar Archäologen, welch in Indiana Jones Manier versuchen seltene Schätze zu finden. Und schließlich, wir sind immerhin ja doch in einem Mantel und Degen Setting, gibt es noch Liebesgeschichten, wie bei den Musketieren oder einem der vielen Zorro-Filme.

Das Setting ist also gefühlt einfach mal was anderes, und wer die guten alten Filme mag, der wird Freude an diesem für Rollenspiele gefühlt anderem Setting endlich mal was neues zu erleben, ohne dabei komplett überfordert zu werden und sich sofort heimisch zu fühlen, denn auch hier gibt es viele bekannte Elemente neue verpackt. Für mich eine Win-Win-Geschichte.

Aber auch ein Storylastiges Setting hat natürlich ein paar Regeln. Diese sind sehr überschaubar einfach. Es hat sogar einen spannenden Ansatz mit einem 20-Fragen-Spiel werden die wichtigsten Elemente für den Charakter abgefragt und so macht man sich über viele Ausprägungen Gedanken, bevor man auch nur einen Charakterwert festgesetzt hat. Und selbst danach gibt es nicht viel festzulegen. In erster Linie können aus vielen Optionen ein paar Auswählen. Und alle sind dabei gut, aber natürlich hilft es welche zu wählen, welche zu den Eingenen Gesetzen Zielen passen.

In der Ausführung ist das Spiel dann auch einfach. Man würfelt viele Würfel und für jede Summe von 10 kann man eine Aktion machen. Je mehr Würfel man hat, desto mehr Aktionen kann man vielleicht machen, aber bei entsprechenden Würfeln kann einer auch 2 10er würfeln und ein anderer 5 1er. Extrembeispiel, aber die Würfel sollen vor allem helfen Dramatik reinzubringen. Denn sie sind ziemlich frei einsetzbar. Ob für einen Angriff oder eine andere Aktion. Die Spieler können frei agieren, fühlen sich aber geleitet und so sind sie immer im Zwang sinnvoll zu agieren. Ein Luxus in einem Erzählspiel, wo manche Spieler dazu neigen abzuschweifen und es dadurch eher wie eine Beschäftigung und weniger wie ein Spiel rüber kommt.

Auch die Bezeichnung dieser Elemente mit Steigerungen, Chancen, Risiken, Konsequenzen fühlt sich auch nicht an wie ein typisches Rollenspiel. Und so wird deutlich, dass 7te See nicht nur verspricht anders sein zu wollen, sondern es auch ist. Es gibt Heldenpunkte, aber auch Gefahrenpunkte. Es gibt Wunden und Dramatische Wunden. Auch im Bereich der Erzählspiele bietet 7te See somit einen modernen Flair, ohne das es gleich alles über den häufen wirft.

Die erste Version von 7th Sea galt damals als echt einzigartig und der Kickstarter für die 2nd Edition war der mit Abstand erfolgreichste für ein Rollenspiel auf Kickstarter und brachte über 1 Millionen Euro ein. Selbst Numenera, welches ziemlich genial in seiner Handhabung und ebenfalls unfassbar einzigartig in seiner Hintergrundwelt auf die Plätze verdrängen musste. Wer auf der Suche nach einem guten neuen Rollenspiel ist, kann hier definitiv nichts falsch machen.

Ein Lob gilt hier dem Übersetzerteam, dass nicht nur den gesamten Flair komplett eingesammelt hat und eine sehr stimmige Übersetzung hingelegt hat, welche die typischen Fallen umschifft (pun intended), sondern auch dieses so schnell auf den Markt bringt. Da steckt auch ein Vertrauen in den Markt. Das Flair würde sich übrigens auch perfekt für ein Brettspiel empfehlen. Wer will vorlegen?

Zehntausend BGG-Nutzer können sich nicht irren

Wenn mich etwas derzeit nervt, dann ist es das Wort Hype. Sonja hatte das auf ihrem Blog schon sehr gut zerlegt, aber zeigt auch, dass viele das Wort anders verwenden, als es gedacht war. Was mir daran besonders aufstößt ist die Tatsache, dass scheinbar manche so cool sein wollen, dass sie genau das nicht mögen, was alle anderen mögen. Der Massengeschmack ist falsch und jeder, der wie die anderen denkt, ist ein Fanboy. Noch so ein Wort, das oft abschätzig verwendet wird. Das ist hier natürlich eine sehr vereinfacht gehaltene Gemeinheit, wo sich keiner drin wiederfinden wird. Das ist auch ok.

Als vor 22 Jahren Catan das Licht der Welt erblickte war es auch etwas, was wir heutzutage wohl als Hype bezeichnen würden. Als vor etwas über 6 Jahren 7 Wonders richtig abräumte, wäre der Begriff Hype bestimmt auch korrekt gewesen. Und was Pandemic Legacy vor über einem Jahr abzog, hätte neben diesem Wort bestimmt auch mit einem Ausbruch und einem Vergleich mit den Viren, welche im Spiel vorkommen, verglichen werden können. Hat vielleicht der eine oder andere seine Viren im Spiel nach anderen Spielen benannt?

Das sind alles Phänomene mit denen ich gut leben kann. Da draußen gibt es etliche, die sich immun zeigen sowohl für die Hypes als auch für die Meinung der Leute, die es hypen. Sie schauen sich jedes Spiel selber an und bilden sich ihre Meinung. Ob diese allerdings völlig offen ist, ist schwer zu sagen. Auch ich bin manchmal überrascht, was mir gefällt und was nicht, obwohl ich viel oder wenig von einem Spiel höre. Wir alle versuchen dabei unvoreingenommen zu sein. Ob es gelingt, kann ich nicht sagen.

Im unknowns-Forum ist im Bereich Hype ein Nebendiskussionsobjekt aufgetreten. Die BGG-Rankings. Wer wissen möchte, wie das Ranking System auf BGG funktioniert findet hier eine sehr schöne ausführliche Darstellung (wenn auch in englisch). Kurz gesagt, das System ist nicht perfekt, aber es ist scheinbar das bisher beste. Und dennoch wird weiter über einen Hype gesprochen, wenn gerade die Menge der neueren Spiele angesprochen wird die sich in den Topp 100 rumtreiben. Das kann nur noch mit Hype beschrieben werden. Anders ist es nicht möglich. Da werden Spiele wie Rising Sun bewertet, wo das Spiel nicht nur noch gar nicht erschienen ist, es gibt auch noch gar keine Regeln.

Für mich ist das aber so gar nicht überraschend. Da gibt es einfach zu viele Faktoren. Werfen wir also mal einen Blick auf zwei Tatsachen und wie ich sie mir erkläre. Ob ich recht habe? Keine Ahnung, aber eine Erklärung würde es liefern.

Wertungen für Spiele die noch nicht erschienen sind

In dem Jahr nach Agricola brachte Lookout das grandiose Le Havre raus. In Essen standen alle stundenlang in einer der beiden Schlangen zum Stand, um ein Exemplar des Spiels zu ergattern. Die benachbarten Stände waren davon nicht so angetan. War das ein blindes Vertrauen in den Hype um das nächste große Ding von Uwe Rosenberg? Vermutlich nicht, denn Merkator schaffte nicht dasselbe. Tatsache war eher, dass Uwe Rosenberg ein gründlicher Tester ist. Er hat das Spiel von verdammt vielen Leuten testen lassen und dies in großer Menge auch in der Anleitung dokumentiert. Über Mund-zu-Mund bekamen das immer mehr mit. Das Spiel wurde von den Leuten geliebt. Und so wollten es viele haben als es rauskam.

Auch ein Jamey Stegmaier hat sich Fans aufgebaut. Mit harter Arbeit und viel Kommunikation. Viele Leuten durften sich Scythe anschauen und Spielen bevor es erschien. Es musste ja getestet werden, damit es auch gut wird. Dass diese Spieler dem Spiel dann auch gute Noten geben, ist nicht so verwunderlich, wenn ihnen gefallen hat, was sie gespielt haben. Und das Spiel ist in den Top 10 auf BGG trotz der großen Fehler die beim Kickstarter gemacht wurden, mit einem idiotischen Stretchgoal-System, das das ganze auch hätte implodieren lassen können. Dass Rising Sun getestet wurde, dürfte als sicher gelten. Und das nicht nur von den Leuten in-House.

Viele Spiele der letzten Jahre in den Topp 100

Ist das wirklich ein Wunder, dass gerade moderne Spiele in den oberen Plätzen sind? 67 der Top 100-Spiele sind aus dem Jahr 2010 oder neuer. Das sind zwei Drittel. 33 der Top 50-Spiele sind aus dem Jahr 2012 oder neuer. Auch das sind zwei Drittel. Die Zahlen sprechen da eine spannende Sprache. Aber werfen wir mal einen Blick auf den Markt abseits von BGG.

In den letzten Jahren haben Brettspiele weltweit einen Boom erfahren. Die Messen wachsen und sowohl die Gen Con als auch die Spiel in Essen, als auch die UK Games Expo, die Origins, das Festival des Jeux in Cannes, die Play in Modena, die Comic und Games in Lucca und so viele andere berichten von immer größeren Zahlen. Immer mehr Leute beschäftigen sich mit dem Hobby. Warum das passiert kann nur geraten werden, aber der Will Wheaton mit seiner Tabletop-Show hat bestimmt auch seinen Teil dazu beigetragen. Brettspielen ist etwas geworden, wofür man sich nicht mehr schämen muss. Berühmte Leute aus Film und Fernsehen spielen auch. Das ganze machte deutlich sichtbar Spaß. Viele Spieler sind aus ihren Löchern gekrochen. Andere wurden angesteckt und entdeckten ein Hobby, welches ihnen auch Spaß machte.

Und über die Neuen können wir auf jeden Fall reden. Denn es gibt sehr viele Leute, die haben erst in den letzten fünf Jahren angefangen zu spielen. Die kennen die meisten Spiele vor ihrer Zeit nicht. Die modernen Klassiker wie Catan, Carcassonne, Zug um Zug oder auch Dominion sind ihnen bekannt, aber viele andere Spiele aus der alten Zeit nicht. Sie wissen nicht, was es da alles für tolle Spiele schon vor 10, 20 oder 30 Jahren gab. Da gab es aber auch weniger Spiele und einige sind nicht gut gealtert.

Und so sind die Spiele besser geworden. Mit mehr Spielen ist zwar auch mehr Schund, aber natürlich sind auch immer bessere Spiele auf dem Markt gekommen. Und mit mehr Menschen die Spielen, sind auch immer mehr Anmeldungen auf BGG erfolgt und somit immer mehr Spieler, die ihre Spiele bewerten. Und abgesehen von ein paar Pappenheimer, welche alles mit 1 Punkt bewerten, sorgt das System von BGG dafür, dass oft bewertete Spiele weiter nach oben schwappen, denn ihre Noten sind aussagekräftiger.

Wir könnten also dem Hype die Schuld geben oder der Masse an Spielern, die noch gar nicht wusste, was die alten Spiele alles können. Mir könnte es nicht egaler sein, denn viel wichtiger finde ich, dass es mehr geworden sind. Und mehr Spieler sind immer was Gutes. Es ist auch eine gute Gelegenheit all diesen Spielern die guten Klassiker aus den alten Jahren zu zeigen und ihnen die Möglichkeit zu geben, diese auch kennenzulernen. Sie müssen dabei nicht mal so alt sein wie die Spiele die Rob Daviau für Restoration Games aus der Gruft holt. Es reicht schon, wenn sie älter als 7 Jahre sind. Lasst uns die #WorthyClassics rausholen und den Spielern beibringen.

Alles Neu macht der Februar

Im Preussen vor dem ersten Weltkrieg, was ja über 100 Jahre her ist, war es Pflicht in der zweiten Klasse das Lied Alles Neu macht der Mai zu singen. Welch sinnloses Wissen dachte ich mir in dem Moment als ich das las, und natürlich war mir bewusst, dass mein Kopf voll von sinnlosem Wissen ist. Eine Gewisse Freude darüber, Sachen zu wissen, die im normalen Alltag keinen Wert haben, ist teil einer Schrulligkeit. Und es war eine Weile lang cool. So wie Fliegen.

Aber in unserem Hobby macht der Februar vieles neu. Die Nürnberger Spielwarenmesse schwemmt noch einmal einen großen Teil neuer Spiele auf den Markt. Und auch wenn viele davon erst im März, April, Juli, oder gar September oder Oktober erscheinen so werden doch sehr viele jetzt angekündigt. Ein Teil davon hängt mit dem Weihnachtsgeschäft zusammen. Das ganze Jahr wird darauf hingearbeitet. In Meetings werden Marketingaktionen durchgeplant und Spots und Anzeigen geplant. Und wenn Weihnachten durch ist, zusammen mit der Umtauschzeit im Januar, dann kommt wieder Februar, die nächste Spielwarenmesse und damit alles neues.

Ein spannender Kreislauf, der viele Jahre schon gilt und gerade bei Spielwaren, abgetrennt von der Brettspielen, auch fast schon unumstößlich erscheint.

Und dieses Jahr wirkt da nicht viel anderes, bis auf den Umstand, dass ich schon lange nicht mehr so viele Neuauflagen gesehen habe. Ich hatte schon mit Arne in unserer Bretterwisser-Nürnberg-Folge darüber philosophiert, dass es echt viele Neuauflagen gibt. Spiele die es schonmal gab und die nun nochmal auf den Markt kommen. Spiele die nicht wirklich neu sind, aber für einen großen Teil unserer spieler vermutlich schon. Alle paar Jahre kommt Basari als Zombie der nicht tot zu bekommen ist wieder raus. Dieses Jahr sind es einige Dutzend Spiele, wie Leinen-Los, Metro, Citadels, Notre Dame, und viele andere. Und ein echter Trend zeichnet sich ja dadurch aus, dass er unbemerkt und ungewollt kommt. Jeder glaubt den nächsten heißen Shit gefunden zu haben und in der Masse wird es das auf einmal. Great Minds think alike. Oder auf Klug-Deutsch: Zwei Doofe – Ein Gedanke.

Ich bin mir sicher, dass es so viele Neuauflagen gibt, hängt nicht damit zusammen dass die Autoren und Verlage keine Ideen mehr haben, oder die neuen nur so schlecht sind. Ganz viele arbeiten bestimmt mit Hochdruck an neuen Spielen und es sind ja auch etliche vorgestellt worden. Ich vermute es hängt eher ein bisschen mit dem bewussten bewahren zusammen. Gute Spiele leben deutlich länger und solche Klassiker, die auch heute noch gut sind, gibt es nicht alle Tage. Manche werden leicht verbessert, manche nur mit neuen Illustrationen und besserem Material ausgestattet. Es ist wie eine Retrowelle. Auf der Spitze dieser Welle ist Mister Legacy himself Rob Daviau, welcher einen Verlag mitbegründet hat um Spiele aus der richtig alten Zeit, also vor 30, 40, 50 Jahren auszugraben und verbessert wieder auf den Markt zu werfen. Und Spieler alten Schlages freuen sich auch auf diese.

Die Diskussion könnte jetzt dahin gehen zu fragen wie sinnvoll es ist zurückzublicken statt nach vorne. Alles wird besser, da ist das alte Zeug doch uninteressant. Oder?

Ein Blick in unsere heutige Politik zeigt aber auch, wie wichtig Geschichte ist. Wer da nicht aufpasst ist verdammt diese zu wiederholen und was wir derzeit sehen erinnert vielleicht nicht an das alte Preussen, aber dennoch an eine Zeit die wir hinter uns gelassen haben sollten. Ohne jetzt zu politisch zu werden, sollte klar sein, warum es wichtig ist, aus der Geschichte zu lernen und das um zu verstehen, warum manche Sachen derzeit gut oder nicht gut sind und es nicht schaden kann zu wissen was damals gut war, und was daran gut war und was es nicht war und auch heute nicht ist.

Und das ist etwas was ich bei vielen Kollegen vermisse: Einen weiteren Blick, als nur die letzten 5 Jahre unserer Brettspielgeschichte. Auch wenn echt viel passiert ist in den letzten 5 Jahren, inklusive einer Steigerung an Verlagen, Neuauflagen und neuen Spielern, so gibt es eine Zeit vor 2010, eine Zeit vor Catan und auch eine Zeit vor der Spiel des Jahres Jury. Das kann nicht immer über Nacht aufgeholt werden, aber ich freue mich über jeden der die Augen offen hält und einen Blick für die vielen alten Spiele hat und verstehe, warum viele davon verschwunden sind, und warum die anderen Klassiker geworden sind.

Und nächstes Jahr im Februar gibt es wieder einen neuen Haufen Spiele, der versucht in der einen Gruppe zu landen und nicht in der großen Anderen.

Besser Scheitern durch schönere Vorsätze

Neues Jahr – Neues Glück! Nürnberg steht vor der Tür und damit die Reste des Jahres. Wobei Rest des Jahres zu schreiben klingt sehr verwirrend wenn wir gerade erst Januar haben. Aber in Wahrheit rede ich ja vom Spielejahrgang und dabei mit einem Blick auf die Jury Spiel des Jahres, welche Ihre Deadline auf Ende März hat. Und was bis Ende März im Markt sein möchte wird spätestens in Nürnberg vorgestellt. Was nach Ende März kommt ist gefühlt schon der nächste Jahrgang oder lebt in einer Zwischenwelt wie letztes Jahr Roll for the Galaxy, welches im Mai erschien und daher für die Jury erst dieses Jahr interessant ist, aber für Essen schon als altes Eisen galt.

Mit dem Ablauf des Jahrgangs könnte man also schon jetzt auf den Spielejahrgang zurückblicken und sich überlegen was es da so alles tolles gab. Und viele haben das ja auch gerade erst getan. Dabei hatte ich selber noch gar keine Zeit die meisten Neuheiten zu spielen. Die Spiele sind zu zahlreich und ein Auswahl-Prozess fällt schwer. Ein Filtern im Vorhinein wird immer wichtiger und was durch den Filter fällt hätte es manchmal vielleicht gar nicht sollen. Als Spiel die Aufmerksamkeit zu bekommen die man möchte wird täglich schwerer. Und auch wenn Asmodee der neue Riese im Business ist, so haben sie auch einen Bauchladen voll Spiele, welche nicht alle die gleiche Aufmerksamkeit bekommen können. Eine Vermischung mit Neuheiten für nächstes Essen, welche schon jetzt vorgestellt werden lassen das Filtern noch schwerer werden.

Filtern wird immer wichtiger.

Und so sitze ich hier. Ich bin neugierig auf Spiele welche erst in 2 Monaten kommen, oder in 4 oder gar in 9 oder 12. Gleichzeitig habe ich Spiele hier die erst vor 4 Monaten rauskamen, oder vor 2 oder auch 10. Und ich möchte sie alle Spielen und davon erzählen.

Dazwischen gab es Sylvester und Neujahr. Und auch ich habe mal wieder eine Neujahrsvorsätze aufgestellt.

  1. Ich will jeden Monat vier neue Spiele mindestens einmal spielen. Damit sind nicht Neuheiten gemeint, sondern Spiele die für mich neu sind, auch wenn sie vor 3 Jahren rauskamen. Eigentlich wollte ich jede Woche eins wählen, aber ich weiß genau, dass das gar nicht so einfach ist, weil ich oft unterwegs bin. Mich auf 4 im Monat festzulegen gibt mir ein paar Freiheiten.
  2. Ich will jeden Monat vier alte Spiele spielen. Also Spiele die für mich nicht neu sind, aber deren erste Partie mindestens mehr als einen Monat her ist. Für Januar 2017 müssen das Spiele sein, deren erste Partie für mich im November 2016 oder vorher waren. Auf diese Weise will ich verhindern Neuheiten auch zu schnell wieder abzulegen.
  3. Ich will wieder mehr Zeit zum schreiben finden. Bei den Bretterwissern habe ich seit letzten Sommer nicht mehr geschrieben, zum größten Teil aus fehlender Zeit auf Grund anderer Projekte, aber irgendwie vermisse ich es, daher wird es geändert und ich möchte auch wenigstens einen Artikel pro Monat auf diesem Blog und auf dem Bretterwisser-Blog schreiben.

Das reicht schon an Vorsätzen um an mindestens einen zu scheitern. Drückt mir die Daumen das es nicht schon im Januar passiert.

Phantastische Ausnahmen und wo sie zu Marken werden

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende und die Frage die für mich hängen bleibt ist eigentlich eine so einfache wie schwere: Wie treu muss ein Verlag sich als Marke bleiben.

Stephen Buonocore, Eigentümer von Stonghold Games hatte in einem seiner vielen vielen spannenden Interviews erzählt, dass er Stronghold Games als Marke nicht in eine Ecke drängen möchte. Er hat Familienspiele, Eurogames, Kartenspiele, Würfelspiele und inzwischen sogar ein Wargame in seinem Programm. Er hat nur einen Ansatz: Das Spiel soll gut sein.

Das widerspricht im ersten Moment dem was Verlage seit Jahren den Autoren sagen: Schaut das ihr das Spiel beim richtigen Verlag vorstellt. Ein schweres Ameritrash Spiel bei Amigo im Programm? Schwer vorzustellen. Jeder Verlag hat sein Profil und das möchte bedient werden. Wer daraus ausbricht, wie es Hans im Glück vor ein paar Jahren getan hatte, als es mit Ranking ein Spiel auf den Markt brachte, welches der typischen Klientel gar nicht gefiel, da wurde deutlich wie sehr der Verlag mit Kenner und Expertenspielen in Verbindung gesetzt wird.

Und gerade Hans im Glück hat dieses Jahr aber den Kinderspiel des Jahres Pöppel gewonnen. Es war nicht ihr erstes Kinderspiel, sondern ihr drittes. Aber das erste war ein großer Flop und das zweite in der Carcassonne-Linie, wo es keinen Überrascht hat. Dennoch hat der Verlag aber etwas gemacht was da rein passt. Es ist der Marke treu geblieben seine Spiele zu pflegen. Stone Age ist deutlich ein Longseller. Die Linie auszubauen ist wichtig und ein Kinderspiel ist da ein logischer Schritt.

Auch Haba ist ausgebrochen. Haba stand schon immer für Kinderspiele und der Gewinn selbiger Preise war schon oft genug ausschlaggebend für diese Sicht. Der Start mit einer Familienspielreihe war schon lange geplant, aber es hat immer etwas gefehlt um es wahr zu machen. Nun ist es wahr und mit einem nominierten Spiel für den roten Pöppel gleich im ersten Jahr kann man sehr glücklich sein.

Aber was bedeutet das? Ist ab sofort wieder jeder Verlag freiwild? Sollen wieder alle Ideen jedem vorgestellt werden? Definitiv nicht. Der alte Spruch, Die Ausnahme bestätigt die Regel bleibt auch hier oben. Das nächste Kinderspiel das Hans im Glück anfassen wird, wird vielleicht Russian Railraods sein, aber auch das werden sie nicht dieses Jahr angehen, sondern später, wenn die Marke sich noch mehr gefestigt hat. Und da werden sie sicher vorgehen wie bei den letzten zwei Kinderspielen. Sie suchen sich einen Autor, der das im Auftrag für sie erstellt.

Amigo wird vielleicht ein deutlich komplexeres Spiel rausbringen als etwas was auf die rote Liste passt, aber es wird die Ausnahme bleiben. Und es wird nicht passiert sein, weil ein Autor es ihnen vorgeschlagen hat, sondern weil die Entscheidung gefallen ist eine Ausnahme zu machen um das Angebot rund zu halten. Auch Haba hat nur einen kleinen Schritt weiter gedacht und sich mit einfachen Familienspielen auf den Markt getraut. Ein Kennerspiel sollte da keiner in den nächsten Jahren erwarten.

Portal Games besinnt sich auch zurück auf die Marke die es sein möchte. Nach dem Versuch ein sehr einfaches Familien/Kinderspiel zu machen sind sie davon wieder weg. Die Konzentration liegt auf der Marke die sie sein wollen. Tolle thematische Spiele, sehr gerne auch mit einem SciFi-Thema. Ein 51st State, ein Neuroschima Hex, ein Cry Havoc und auch ein Alien Artifacts passen in diese Kategorie.

Die Marke ist das was einen Verlag nach außen präsentiert. Die Marke ist auch das was einen Autoren nach außen präsentiert. Der Knizia der letzten 10 Jahre ist nicht der Knizia der 10 Jahre davor. Und ein Stefan Feld ist ein Alea/Hall Games-Stefan Feld. Und was ist mit Stronghold Games? Stronghold Games ist vor allem Stephen. Er ist die Marke und da wird er sich selber sehr treu bleiben.

Helter Schelte – Die Nacht der langen Medien-Kultur

Peer will, dass ich auch über Essen schreibe. Und ich mache das gerne. Vor allem weil ich auch will, dass Jürgen zu Essen was schreibt. Aber so einfach mache ich das eigentlich nicht für meine Leser, daher werde ich hier mal etwas ausholen und erstmal über einen Umweg dazu kommen.

Fangen wir also mit der aktuellen Situation an: Die Wahl in Amerika! Man kann sie von vielen Seiten betrachten, aber eins wird deutlich. Das irgendwie keiner den Sieg deutlich vorhergesagt hatte. Zumindest niemand in den Medien. Um so erschütterter sind sie jetzt und ringen um Erklärungen. Der Mensch auf der Strasse kann wieder sagen, ich wusste es vorher, und natürlich gibt es das auch in den Medien. Denn Das Ergebnis ist nun langweilig. Egal wer gewinnt, das Schauspiel ist langweilig und wirkliche Änderungen wird es nicht geben.

Dabei ist das eigentlich nicht so verwunderlich. Jeder lebt in seiner eigenen Blase. Wer alle Trump-Supporter aus seiner Facebook-Timeline wirft, der darf sich nicht wundern, wenn er nur die coolen Nachrichten zu Hillary bekommt. Auf der anderen Seite verstehe ich jeden, der die sexstischen, rassistischen und sonstwie gearteten Kommentare nicht sehen mag. Mein Umgang mit der AfD ist nicht anders.

Aber die Medien machen das schon länger. Die meisten im Fernsehen und im Radio leben in ihrer eigenen Welt. Wer sich FOX-News zum ersten Mal ansieht, fragt sich schon, was da abgeht. Und hier in Deutschland ist mir das Privatfernsehen in weiten Teilen auch nur ein heftiges Kopfschütteln wert, wenn ich mal meine Lebenszeit darauf verschwenden möchte. Aber die, die das Programm machen, die leben dieses Leben als Produzenten, Regisseure und die etlichen anderen Rollen die es da gibt. Wer einen Hammer hat sieht jedes Problem als Nagel. Für diese Menschen gibt es nur Hammer und Nägel in ihrer Weltsicht, und alles passt nur in dieses Schema.

Besonders deutlich geworden ist das erneut bei der Medienberichterstattung zur Spiel in Essen dieses Jahr, die zum Teil an Unbrauchbarkeit kaum zu überbieten war. Die Leute aus dem Fernsehen oder Radio müssen bestimmt an die 100 bis 300 Themen im Jahr im Programm erschlagen, sie können nicht von allem eine Ahnung haben. Und da sie selber können kaum was zu dem Thema beitragen können, aber wissen wie Programm gemacht wird, müssen sie nun andere zu Wort kommen lassen. Ein guter Moderator würde also Fragen stellen und den Experten zu Wort kommen lassen. Abe bei Spielen sehe ich, dass sie sich dennoch befleißigt fühlen, ihre eigene Meinung zu diesem Thema kund zu tun und sich damit für jeden in der Branche zu disqualifizieren. Aber der normale Medienkonsument kann das nicht unterscheiden. Würden sie ruhig bleiben und einfach nur wertfrei moderieren wäre das Problem nicht so ein Problem.

Der WDR hatte im Fernsehen einen Beitrag gebracht der unterirdisch war. Da wird der Deutsche Spielepreisträger als Spiel des Jahres genannt, weil der Laie mit dem Mikro den Unterschied nicht versteht, nicht kennt und es ihn auch nicht interessiert. Da wird fürstlich auf der Webseite gesagt, dass man sich einig ist dass es Klassiker auch tun würden, weil man sich so die Zeit spart und nicht mit den Neuheiten beschäftigen will, schnell produzierter Quatsch, denn die Zeit hat man im persönlichen Leben nicht. Und der Vergleich den Peer dazu gebracht hat, fand ich erschreckend gut: Als würden sie zur Buchmesse sagen, dass es Goethe auch tut. Die ganze Branche als unwichtig abtun Deluxe.

Aber Bücher sind ja noch Kulturgut, denn dafür muss man gebildet sein. Und Spiele sind was für Kinder. Eine Ecke aus der es sogar Computerspiele raus geschafft haben. Ich versteh Snyes Ernst wenn er sich gleich zu Beginn der Sendung WDR Arena darüber aufregt, dass die guten alten Spiele eigentlich nicht gut sind. Wer es nicht gelesen hat, hier der Lesebefehl: http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesellschaft/Der-Spieler-Das-gute-alte-Brettspiel-ist-tot1

Wenn wir also das Problem haben Spiele als Kultur in manchen Bereichen wahr genommen zu bekommen, dann vermutlich, weil diejenigen die darüber entscheiden, was im Fernsehen, im Radio, in der Zeitung und woanders ist, sich einfach dafür nicht interessieren. In ihrer Blase gibt es das nicht. und solange das so bleibt wird es nie besser werden.

Hoch lebe das Internet, Die Möglichkeit seine eigenen Blogs zu machen und seinem Hobby und seiner Nische den Raum zu geben, zeigt, dass da noch einiges gibt und jeder seine Freunde und gleichgesinnten findet. Und die Menge an Blogs allein im Deutschsprachigen Raum ist ja schon weit über 100. Als ich die Liste gerade dem Udo Bartsch zugeschickt hate, war er auch schockiert. Und ich bin mir sicher, dass ich nicht alle kenne. Wer also sicher gehen will, auch von mir für zukünftige Bloggertreffen wahrgenommen zu werden, sollte mir bitte mal schreiben.

Das das Internet hilfreich ist zeigen Will Wheaton Tabletop Show, die steigenden Zuschauerzahlen in Essen und auf der GenCon und der UK Games Expo und Cannes und noch viele mehr. Wir haben uns unsere eigene Blase aufgebaut. Und das ist auch wichtig, damit wir uns wohl fühlen können und damit wir mit unserem Hobby weitermachen. Und unsere Blase wächst und hat eigene kleine Blasen. Da sind die Cosim-Spieler, die Expertenspieler, die Familienspieler, die Partyspieler, und noch viele weitere.

Und vielleicht wird mal eine ganze Generation an Fernsehmachern und Radioprogrammgestaltern und Zeitungsredakteuren aus dieser Blase nachwachsen. Dann wird es da auch wieder Spiele in den Medien geben. Falls es diese Medien dann noch gibt.

Und meine Blase? Die ist auch schon wieder eine andere als die von manch anderem Spieler. Ich nehme Essen schon lange nicht mehr als Spielerparadies war, obwohl es genau das dennoch für mich ist. Zum Spielen komme ich in der Zeit wenig bis kaum. Selbst die Menschen die ich gerne treffe schaffe ich nicht mehr alle zu treffen. Essen ist für mich so vieles aber nichts davon richtig. Es gibt eine lange Liste na spannenden Spielen die es nur dort gibt, wo ich sicherstellen muss diese zu bekommen, wenn ich sie mal spielen will, aber ich verpasse davon immer wieder rund 90%. Ich will mit etlichen Leuten mich treffen und mit ihnen reden, aber wenn ich mich nicht direkt mit ihnen verabrede und es in meinen Kalender sicherstelle, die 15 Minuten zu haben, verpasst man sich. Und Essen ist dennoch das Klassentreffen auf das ich mich wieder freue.

Und dennoch: Es ist die Veranstaltung die ich mit viel Elan betrete und mit genauso veil Elan wieder verlasse, und mich wundere warum ich eigentlich nach sechs Tagen so KO bin, wobei das ja eigentlich nicht wirklich verwunderlich ist, oder? Denn statt mich zu ärgern, was ich alles nicht geschafft habe, freue ich mich über alles das, was ich geschafft habe. Denn ich habe etliche Leute getroffen. Ich habe an den verwunderlichsten Stellen gute Meetings gehabt. Und ich habe die meiste, nein eigentlich die ganze Zeit ein tolles Grinsen im Gesicht gehabt. Und viel Spielen habe ich nun zum Glück in München nachgeholt.

Daher hier nun mein Essenbericht: Es war geil.