Spielbar sucht den Supersammler

Erst einmal eine organisatorische Ansage: Da Mittwochs jetzt ja das Brettspielradio läuft, werde ich die sporadischen Interviews immer Freitags posten (So bereits ja schon zweimal geschehen) . Die regulären Einträge kommen dann immer Sonntags oder Montags – Auf diese Weise sind Beiträge immer min. 2 Tage “oben”. Allerdings ist die Zeit vor Weihnachten -insbesondere der November – pickepackevoll mit Arbeit und Privatkram und wieviel reguläres ich liefern kann, bleibt abzuwarten. Am besten immer ein Auge auf Twitter haben!

Das Guiness Buch der Rekorde ist laut Wikipedia über die Frage entstanden, welches der schnellste jagbare Vogel Europas ist. Diese Frage wird in den aktuellen Werken nicht beantwortet (ich hatte einmal eine Ausgabe von 1968, da stand das aber auch nicht drin). Dafür eine Menge anderer Dinge und was Fragen nach Tieren, Sportrekorden oder Bauleistungen betrifft, ist das Werk auch recht zuverlässig. Schwieriger ist da die Frage nach Rekorden, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, die das Guiness World Records – Team quasi selbst entscheiden muss. Da sind sie auf das breite Publikum angewiesen. Dennoch dürfte es für die durchschnittlichen Leser eine Überraschung sein, dass laut Guiness Buch die größte Spielesammlung gerade einmal 1531 Spiele beträgt (Ich nehme an, damit sind unterschiedliche Spiele gemeint – und nicht eine komplette Palette ausrangierter Monopolys). Ich meine, ich kenne eine Menge Leute, die ein Vielfaches dieser Zahl besitzen – ich selbst war bis letztes Jahr auch knapp drüber, habe aber einiges abgestoßen. Das wirft natürlich zwei Fragen auf: Warum ist die Zahl im Guiness Buch so unglaublich verkehrt? Und : Wer hat denn jetzt die größte Sammlung?

Die erste Frage ist einfach zu beantworten: Weil sich keiner der Sammler mit mehr Spielen, die Mühe macht, die Zahl zu korrigieren. Das liegt auch daran, dass dies nicht ganz einfach ist. Wer einen Rekord anmelden will, muss genau das tun: Ihn anmelden. Wenn es etwas ist, dass nicht in der Öffentlichkeit passiert, muss man entweder Notare bezahlen, die als Zeugen dienen oder man muss Herren vom Guiness Buch einladen, die den Rekord prüfen. Beides ist langwierig und teuer – insbesondere wenn es darum geht, eine große Sammlung zu überprüfen. Das ist ja nicht an einem Nachmittag getan (und dann sind natürlich auch ein paar Fragen zu klären wie “Zählen nur verschiedene Spiele? Zählen unterschiedliche Auflagen? Zählen Kartenspiele? Zählen Escape Games? etc). Diese zeitlichen und monetären Kosten möchte kaum einer auf sich nehmen, nur um dann im Guiness Buch zu stehen – insbesondere wenn man weiß, dass man eigentlich gar nicht dahin gehört. Die meisten Sammler, die ich angesprochen oder angeschrieben habe, haben entweder gar nicht geantwortet oder wollten anonym bleiben (es gibt ein, zwei Ausnahmen, aber ich lasse einmal alle anonym). Sammlungen sind erst einmal Privatsache. Dann geht es den Sammlern eher um Vollständigkeit eines Sammlergebiets als um reine Masse. Und vor allem wusste so ziemlich jeder von jemanden, dessen Sammlung noch größer war. Warum also anmelden? Nur damit der Rekord etwas “richtiger” aussieht?

Die zweite Frage ist deutlich schwieger zu entscheiden. Wie gesagt, wollten sich die meisten Sammler nicht zu konkreten Zahlen äußern, aber ein paar Antworten habe ich doch bekommen. Ich selbst habe schon mit Leuten gespielt, deren Sammlungen zwischen 4000 und 5000 Titeln beträgt. Das ist auch so die Grenze, die eine normale Wohnung zu fassen vermag. Dann treten Lagerungsschwierigkeiten auf.

Ein User, den ich per BGG befragt habe und 7650 Spiele (plus 15.000 Miniaturen und zahlrreichen Zeitschriften) sein eigen nennt, hat 1000 bereits dem örtlichen Museum gespendet. Ich erinnere mich auch dunkel an einen alten Spielbox(?)-Artikel, bei dem einer der fleißigsten Sammler mit dem Spielearchiv verhandelte, weil er seine Sammlung abstoßen musste.

Die größte Sammlung, für die ich konkrete Zahlen aus erster Hand habe ist die von Sheila und James Davies, die mitlerweile über 13.000 Titel ihr eigen nennen. Aber auch sie sagen, sie wissen von größeren Sammlungen. Der verstorbene Sid Sackson nannte über 18.000 Spiele sein eigen, aber die Sammlung ist mittlerweile in Einzelteilen verkauft. Die Sammlung des ebenfalls verstorbenen Feridand de Cassan ist in dem Österreichischen Spielemuseum aufgegangen. Das waren über 27.000 Spiele, aber es lässt sich nicht so richtig zwischen Privatsammlung und Museum trennen.

Die größte Privatsammlung, von der ich weiß (also von der ich eine Zahl habe, aber keine direkte Bestätigung – woran auch die Messe schuld sein kann) beträgt 30.000 Spiele und wird von einem deutschen Sammler betrieben.

Ist das die Spitze des Eisberges? Ich weiß es nicht. Aber daher eine ungewöhnliche Bitte an hier etwaig mitlesende Sammler: Bitte teilt doch eure Sammlung in den Kommentaren, insbesondere neben der ungewöhnlichen Stückzahl auch Sammelgebiet und Sammelaufbewahrungsort. Gerne auch anonym! Ich finde solche Statistiken unglaublich interessant! Und nebenbei habe ich auch gerne einem Weltkonzern wie Guiness World Records etwas vorraus 🙂

ciao

peer

 

Peer Sylvester

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

3 Gedanken zu „Spielbar sucht den Supersammler“

  1. Naja, die Frage ist auch:

    Wie definiert man Privatsammlung?
    Viele Sammler haben sicher auch schon mal Spiele rezensiert, erhalten sie teilweise als Rezensionsexemplare. Sid Sackson war Spieleautor, hat aber sicher auch privat gespielt.

    Eine andere Frage:
    Wie zählt man eine Spielesammlung? Wie zählen Spielebücher?
    Habe ich zehn verschiedene Schachteln/Bücher mit je 200 “Spielmöglichkeiten”, kann ich den Eintrag dann schon toppen?

    Ich würde die Fragen mal an die Guiness-Redaktion stellen.

  2. Die Guinessreaktion zählt Schachteln.
    Allerdings muss ich noch einmal nachfragen, ob Erweiterungen als Spiel zählen oder nicht (mein Topp ist :Ja, alleine schon weil die Zähler sonst recherchieren müssen ob ein Spiel wie Carcassonne Irgendwas eine Erweiterung, ein Soinoff oder die Kartenspielvariante ist.)

  3. Hi Peer, interessante Frage. Wenn ich nur die Basisspiele zähle ohne jegliche Erweiterungen habe ich im Keller 1885 Spiele. Dann ca 500 Erweiterungen (in eigener Box oder auch nur Promokarten etc).
    Aber warum sollte man den Aufwand betreiben und die Guinnes Leute da bezahlen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.