Quizspielvergleichstest 2016

Dies könnte der letzte Quizspielvergleichstest sein. Zumindest für eine gewisse Zeit. Es sieht im Moment sehr gut aus für eines meiner Wissensspiele veröffentlicht zu werden und wenn ich selbst in diesem kleinen Segment vertreten bin, möchte ich nicht unbedingt die Konkurrenz kleinreden bewerten. Fest steht noch nichts, aber wenn alles nach Plan läuft, fällt nächstes Jahr der Quizvergleichstest aus- Genießt dafür diesen hier umso mehr!

Mr Listers Quiz Shootout (Ohne Autorenangabe bei moses. Verlag)

Optisch macht Moses. wieder was der Verlag am besten kann: Originelle Hingucker! Auch sonst ist das Material für die kleine Schachtel durchaus ordentlich: Stifte, Blöcke und ein Radiergummi im Form eines Schnurrbartes machen Lust aufs Spiel. Und das ist gar nicht schlecht: Es gibt eine Frage mit 10 möglichen Antworten (z.B. die Top Ten der Deutschen bei einer Umfrage oder Chinesische Tierkreiszeichen). Jeder Spieler oder jedes Team gibt jetzt immer eine Antwort, bis nur noch einer steht. Der bekommt die Karte und wer Karten mit drei verschiedenen Drinks auf der Vorderseite bekommen hat, gewinnt. Eigentlich spannend.

Leider ist das Regelwerk nicht ausgereift: Es ist z.B. nicht klar, warum man vor der Antwortrunde Antworten aufschreiben soll – darf man nur Antworten vom Blatt geben? Eine solche Regel fehlt und passt auch nicht zu einigen Nebensätzen. Und dann gibt es Probleme beim “Shootout”, dass dann kommen soll, wenn mehrere Teams Fragen richtig beantwortet haben, es aber keine Antworten mehr gibt. Man kommt nämlich auch ins Finale, wenn man eine Antwort gibt, die auf der Fragekarte in gelb gedruckt ist (potentiell die schwierigeren Fälle). Das Problem ist nun: Bei nur drei Spielern, reicht es wenn der erste Spieler eine gelbe Antwort trifft und der andere eine beliebige – Schon kommt das Finale! Selbst zu viert ist das nicht viel besser. Im Finale gibt es dann eine einzelne Schätzfrage, die alles entscheidet. Daher muss man leider sagen: Mit weniger als 5 Spielern macht das Spiel keinen sinn. Und die Gelbe-Wort-Regel ist auch eher fragwürdig, denn das Finale würgt das eigentliche Spiel ab. Irgendwie holpert das Shootout ganz gewaltig – die gute Kernidee kommt kaum zum tragen, stattdessen geht es primär wieder einmal um das Beantworten einer Schätzfrage.

Kneipenquiz – Das Original(Marco Teubner und Heinrich Glumpler bei moses. Verlag)

Kleiner Insidertipp: Matthias hasst Quizspiele. Matthias liebt kooperative Spiele. Mich würde interessieren, was er zum Kneipenquiz sagt, denn das ist… ein kooperatives Quizspiel!

Ja, ganz recht, alle Mitspieler beantworten 5 Runden lang gemeinsam jeweils 5 Fragen und zwar schriftlich. Dabei sind die Fragen vom Schwierigkeitsgrad her sehr gelungen und ermöglichen durchaus Diskussionen und Überlegungen die über pures “Weißt Du es?” hinausgehen. Aber nur das reine Beantworten von Fragen wäre natürlich etwas langweilig und daher gibt es 5 “virtuelle” Gegner, die es zu schlagen gilt. Während man selbst für jede Frage einen Punkt bekommt, hängt die Punktausbeute dieser Gegner davon ab, ob man selbst die Fragen bestimmte Fragen richtig oder falsch beantwortet hat. Da man selbst bestimmen kann, welche Gegner an welche Fragen gekoppelt sind, kann man durchaus geschickt spielen, so dass hinten liegende Gegner eher die Fragen bekommen, bei denen man sich nicht so sicher ist. Natürlich ist das Ziel gegen diese Gegner zu gewinnen und da es drei Schwierigkeitsgrade gibt ist für eine gewisse Herausforderung gesorgt.

Die Aufmachung verdient eine besondere Erwähnung, denn die ist mal wieder topp – wandelnde Bierflaschen und ein Spielplan mit Erdnüssen und Glasflecken sorgen für Athmosphäre. Haare findet man höchstens in den Computergegnern, die sich immer gleich bewegen (die Schwierigkeitsgrade unterscheiden sich in erster Linie in den Bonuspunkten für das eigene Team) und so manches Mal steht das Ergebnis schon vor der letzten Frage fest. Aber man spielt ja auch auf Punkte 🙂

Dream Team (David Mair und Anthony Vadasz Jr bei Piatnik)

Bei Quizspielen kommt es sehr auf eine gute redaktionelle Betreuung an: Nicht nur soll die Graphik ansprechen (insbesondere eben auch Erwachsene, die sonst nicht spielen), sondern auch die Frageauswahl ist kritisch. Meistens ist die Kernidee eines Quizes eher sehr einfach gehalten, daher kommt es sehr auf das Drumherum an, um die optimal in Szene zu setzen. Ich würde sagen, dass dies beim eben erwähnten Kneipenquiz gelungen ist. Bei Dream Team leider eher weniger. Die Kernidee hier ist, dass sich für jede Frage die Spieler per Würfel in zwei Teams aufteilen, so dass es eben wechselnde Teams gibt und eben auch mal unterschiedlich große Teams. Das ist eigentlich eine ganz witzige Idee, zumal jeder mal mit den Cracks spielen dürfen und sich jeder auch mal an andere ranhängen kann, um dort von deren Wissen zu profitieren. Leider schafft es das Spiel nicht, diese nette Idee wirklich gut zu nutzen.

Das fängt damit an, dass es ziemlich fummelig ist. Da auch die Kategorie per Würfelwurf bestimmt wird, wird ständig gewürfelt – manchmal sogar mehrfach, wenn alle dasselbe würfeln (was in erster Linie bei kleinen Spielerzahlen ein Problem ist). Auch schlägt da der Glücksfaktor zu: Da es einen Unterschied macht, ob man zum Team des aktiven Antwortgebers gehört oder nicht (geben beide Teams dieselbe Antwort, bekommt nur das erste Team einen Punkt. Das zweite bekommt lediglich einen Chip, der einem Drittelpunkt entspricht), kann man schlicht das Pech haben, häufiger im falschen Team zu sitzen. Da die Punkte in der Regel sehr eng beieinanderliegen, ist das oft der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage. Das wäre nicht das ganz große Problem, aber die Frageauswahl ist in meinen Augen nicht ganz optimal: Um den Teamaspekt zu unterstreichen, müssten das Frageformat so sein, dass man auch innerhalb des Teams diskutieren kann – so wie beim Kneipenquiz geschehen. Das ist aber trotz Multiple Choice (mit nur 2 oder 3 Antwortmöglichkeiten) nur in einem eher geringen Teil der Fragen der Fall. Zu oft ist die Frage zu einfach oder -im anderen Extrem – eine reine Ratefrage (“Wieviel Blut fließt täglich durch die Nieren eines durchschnittlichen Erwachsenen?”. In beiden Fällen hat man nicht das Gefühl, dass man wirklich ein Team braucht. Hinzu kommt noch eine graphische Gestaltung, die an die 80er Jahre erinnert.

Das ganze soll jetzt nicht heißen, dass Dream Team Murks wäre. Das ist es nicht. Die Kernidee ist durchaus nett, hinzu kommt eine kurze Spieldauer. Wenn man alle Quizspiele der Quizspielvergleichstests zusammenpacken und in eine Reihenfolge bringen würde, wäre Dream Team vermutlich ziemlich genau in der Mitte. Damit ist es definitiv nicht schlecht. Aber spielen würde ich doch eher immer etwas anderes.

World Facts (Simon Haas bei Haas Games)

Vermutlich aber leider nicht World Facts

Das im Eigenverlag erschienene World Facts erinnert nicht nur vom Namen her an das ältere World Factgame: Es gibt Karten mit Ländern, Karten mit Städten und Karten mit Konzernen auf diesen Karten sind auf der Rückseite ein paar statistische Daten gegeben, z.B. Die Größe, Die Einwohnerzahl oder die Anzahl der Leute, die bei diesen Konzernen angestellt sind. Ziel ist es jetzt wie bei Anno Domini Karten in eine Reihe zu bringen, z.B. gezogene Städtekarten in eine Reihe nach der Einwohnerzahl zu ordnen.

Wir mögen Anno Domini sehr. Wir mögen auch das World Factgame, das fast genauso funktioniert (zumindest in einer Variante) sehr. Aber World Facts konnte nicht so recht zünden – Wieso? Das liegt weniger an der (gegenüber World Factgame) deutlich kleineren Kategorienanzahl, sondern an der Kartenauswahl. Es sind nämlich natürlich nicht alle Länder vertreten, sondern nur eine Auswahl. Es sind nicht alle Städte vertreten, sondern nur besonders große und wichtige. Und dasselbe gilt für Konzerne. Und ganz ehrlich: Das sorgt für Frust. Die Einwohnerzahlen sind etwa oft so dicht zusammen, dass man nur blind raten und hoffen kann – und zwar von der ersten Karte an. Die anderen genannten Spiele bieten dagegen etwas Progression: Man hat eigentlich immer ein paar klare Kandidaten und kann dann riskieren oder eben nicht. Wenn man die Größe  von Mikronesien und Spanien und Frankreich und Russland vergleicht, wird man erst bei Spanien und Frankreich Probleme bekommen – und kann dann riskieren oder nicht.  Das ist hier leider anders: Von der ersten Karte an tappert man im Dunkeln und da ist dann für Bluff nicht mehr viel Raum.Egal welche Kategorie oder welche Karten wir spielten: Wir landeten recht schnell im “Egal”-Modus. Und das ist kein gutes Zeichen.

Linkee (Ohne Autorenangabe bei Jumbo)

Linkee benutzt einen Mechanismus, den ich bisher nur von den Pub Quizzes (da sind sie wieder!) des Londoner in Bangkok her kenne: Vier Fragen werden nacheinander gestellt, ohne dass die Antworten gegeben werden. Alle vier Antworten sind Hinweise auf den gesuchten “Linkee”. Wer den zuerst entschlüsselt, bekommt die Karte, die einen Buchstaben zeigt. Wer mit seinen Karten den Spieletitel bilden kann, gewinnt. Letzteres ist zwar ein ganz passables Mittel um es spannend zu halten, aber potentiell frustrierend, wenn man immer nur dieselben Buchstaben bekommt (wobei Buchatben auch 2:1 getauscht werden können). Ansonsten ist das Spiel gut! Klar, nicht alle Karten sind super (z.B. war bei einer Karte nicht klar ob Küste, Meer oder ein speziellerer Ort gefragt war), aber das liegt in der Natur der Sache – die Mehrzahl der Karten sind aber schön knifflig, aber nicht unmöglich und darauf kommt es an. Was man aber wissen muss: Dies ist ein ziemlicher Hirnverzwirrbler! Dies ist kein lockeres Nebenbei-Quizspielchen! Hier muss man richtig um die Ecke denken! Wer das kann und mag, ist bei Linkee gut aufgehoben!

Die Schachtel ist zudem sehr kompakt – allerdings mache ich mir sorgen, dass die Karten doch nicht gerade unbegrenzt sind. Das ist aber auch verständlich, immerhin ist es ganz schön schwierig sich Fragen auszudenken, die einigermaßen interessant sind UND einen Hinweis auf irgendetwas geben, ohne zu offensichtlich zu sein. Allerdings kann man gerade aufgrund dieses Formats vermutlich auch mal eine Frage nach einiger Zeit doppelt spielen.

5 Seconds (Ohne Autorenangabe bei Megableu)

Mit diesem Spiel bewegen wir uns etwas im Grenzbereich zwischen “Wissensspiel” und “Partyspiel”. Immerhin beruht das Spiel darauf, dass man immer 3 Dinge innerhalb von 5 Sekunden (!) nennen muss. In der Regel sind das eher Kreativaufgaben wie “Rote Dinge”, aber es sind eben auch Sachen dabei wie “Französische Käsesorten” oder “Länder in Südamerika”, für die man zumindest rudimentäres Wissen vortäuschen muss. Das ist bereits gut genug für uns!

Eigentlich habe ich das Spiel bereits erklärt: Wer an der Reihe ist muss 3 Dinge/Länder/Leute/Irgendwas nach Vorgabe nennen und hat 5 Sekunden Zeit – Gestoppt von einem kongenialen Kugelbahntimer, der alleine schon fast das Geld des Spieles wert ist. Wers schafft kommt 1 Feld vor, wer nicht, der nicht. Dafür darf sich der Nächste an derselben Aufgabe versuchen, allerdings (und das ist eine wirklich gute Regel) nichts nennen, was der Vorgänger bereits genannt hat – Anhängen gilt nicht! Theoretisch darf man auch eine Karte ablehnen oder den Nachbarn antworten lassen, praktisch vergisst man diese Optionen immer. Das war auch schon das Spiel!

Würde ich 5 Seconds zu einem Quizspielabend mitnehmen? Sicher nicht. Hat 5 Seconds dennoch seine Berechtigung? Sicher Ja! Es ist das einzige der hier vorgestellten Spiele, dass meine Tochter (8 Jahre) sinnvoll mitspielen kann – und sie liebt es! Es sind genügend Fragen für Kinder im Deck. Genau genommen sind der überwiegende Teil der Karten für Kinder geeignet. Da stören die anderen Karten eher. Und es ist ein bisschen eine verpasste Chance, dass die Fragen nicht in “einfach” und “schwer” unterteilt wurden, um die Zielgruppe besser anzupassen. Auch könnte man anmerken, dass der Zieleinlauf der Spielerreihenfolge oft verdächtig ähnelt. Aber letztlich will 5 Seconds nur mal kurz unterhalten. Und das tut es.

Wikipedia (Ohne Autorennennung bei Spin Master)

Nach diesem Ausflug lieber wieder schnell zurück in sicherere Quizgefilden! Wikipedia ist ein reines Quiz. So rein, dass man förmlich spürt, dass eine Redaktion hier ein Quiz am Reißbrett entworfen hat. Doch das ist gar nichts despektieliches – Das Spiel ist wirklich sauber gearbeitet!

Jede Karte hat ein bestimmtes Thema. Zu dem Thema stellt der Vorleser allen anderen eine offene Quizfrage, eine Multiple-Choice-Frage und eine Schätzfrage. Für jede richtige Antwort gibt es einen Punkt, für die Schätzfrage nur für den, der am dichtesten lag. Dann schreiben alle 5 Dinge zu einer passenden Aufgabe auf, z.B. Hotelketten. CDU-Vorsitzende, Bayrische Spezialitäten o.ä. Der Clou: Auch der Vorleser schreibt fünf Begriffe auf und man bekommt Punkte, wenn man mit dessen Liste übereinstimmt! Auch der Vorleser bekommt einen Punkt, wenn eines seiner Dinge von mindestens einem Mitspieler erraten wurde, sollte also auch versuchen, nicht allzu abstrus (oder falsch) zu werden. Damit dem auch garantiert etwas einfällt, bietet die Quizkarte 5 Vorschläge, an die er sich aber nicht halten muss, glaubt er, bessere Begriffe zu kennen.

Wie oben erwähnt: Das Spiel ist sehr sauber gearbeitet – es ist nicht wirklich originell und versierte Quizspieler haben das alles schon gesehen. Aber es funktioniert gut , ist auf den Punkt und die verschiedenen Fragetypen sorgen für Abwechselung und lassen das ganze nicht so langweilig werden. Auch ist der Schwierigkeitsgrad zwar anspruchsvoll, aber nicht übermäßig schwer. Natürlich hängt auch alles ein bisschen von der Kategorie ab, aber bei uns konnte Wikipedia als solides, reines Quiz sehr gut punkten! Ein Witz ist allerdings das empfohlene Alter: Wie bei 5 Seconds soll es bei 8 Jahren liegen und auch wenn die Regeln sicherlich von einem Achtjährigen beherrscht werden dürften, bezweifle ich, dass die allzu viele Fragen über die CDU oder Thüringer Lokalpolitik beantworten können…

Und der Spielbar Quizspielpreis geht dieses Jahr an….

Linkee

Drei Spiele konnten dieses Jahr besonders überzeugen: Linkee, Das Kneipenquiz und Wikipedia. Alle drei werden dauerhaft in meine Sammlung aufgenommen.Aber nur eines kann gewinnen!

Wikipedia ist ein sehr gutes Quizspiel pur. Das Kneipenquiz besticht durch die Zusammenarbeit. Aber Linkee ist nicht nur gut, sondern auch originell. Es spielt sich anders als die anderen Quizs und sticht damit das entscheidende Stück heraus. Und es schafft das Kunststück nicht nur originell zu sein, sondern gleichzeitig auch die einfachste Regel zu bieten. Wer einmal verstanden hat, was es mit dem gemeinsamen Link auf sich hat, kann eigentlich schon losspielen. Toll!

Wir bedanken uns beim moses. Verlag, Megableau, Spinmaster und Piatnik für die Rezensionsexemplare.

Peer Sylvester

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

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