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Hase und Igel – Die Nazi Erweiterung

Etwas verspätet eine kleine Geschichte: Brett Gilbert (Autor von Elysium und Divinare) twitterte, dass er gerade auf der Rückseite des Gibson Games – Spiel „Hase & Igel“ (Hare & Tortoise im Original) eine etwas merkwürde Referenz zu Göring gefunden hatte:
(Foto von Brett Gilbert)

(Etwa: Die Deutschen vergaben das Spiel des Jahres an dieses Spiel. Das ist sehr beeindruckend, denn die Deutschen mögen ihre Brettspiele wie wir unser Huhn Masala und die haben keinen britischen Erfinder ausgezeichnet, seit Hermann Göring RJ Mitchells Supermarine Spitfire ausgezeichnet haben)

Eine etwas merkwürdige Wahl, da Göring mit einzubauen – eigentlich geht es in England mittlerweile ganz gut über die Deutschen zu schreiben, ohne die Nazis erwähnen zu müssen. Und hier passen sie nicht nur nicht hin, irgendwie wird dadurch auch der Preis, mit denen sie sich schmücken wollen, abgewertet.

Ich war jetzt nicht wirklich beleidigt, eher irritiert. Aber ein bisschen ärgert mich sowas schon, also dachte ich, ich nutze mal das Kontaktformular auf der Webseite, um mich in typisch deutscher Manier zu beschweren. Naja, OK, ich glaube meine Email war recht zivil, aber ich habe doch meiner Verwunderung über die Passage ausdruck verliehen. Ich war in erster Linie sehr gespannt, was passieren würde…

Tatsächlich bekam ich ein paar Tage später eine Email zurück und die Sachbearbeiterin hielt die Angelegenheit für wichtig genug, um den Präsidenten von Gibson Games, Michael Gibson (Ja, Gibson Games ist immer noch ein Familienunternehmen) damit zu behelligen und der schrieb mir dann auch persönlich zurück. Das war mehr als ich erwartet hatte und das finde ich auch durchaus lobenswert. Ich hatte erwartet, die Email würde einfach ignoriert oder ich werde mit einem Standardentschuldigungsschreiben und einem Produktkatalog abgekanzelt. Nein, die haben mich durchaus ernst genommen.

Als erstes entschuldigte sich Her Gibson falls ich mich beleidigt fühlen würde (Jaja, nicht für die Aussage selbst).

Er hätte ja lieber einen englischen Preis zitiert, aber es gab leider keinen. OK, das hat wenig mit der Referenz zu tun. Ich habe mich ja auch nicht darüber beschwert, dass sie sich mit dem Spiel des Jahres schmücken würden…

Aber natürlich war die Referenz lustig gemeint, außerdem bezog sich der Kommentar nur auf die Begeisterung Görings über die Spitfire, nicht auf dessen Ansichten als Nazi. Ja, nee, is klar. Aber das ist auch egal, denn die Referenz war ja lustig. Haha. Allerdings vermutet er, dass die „jüngere Generation“ den Humor vielleicht nicht sofort versteht. Deswegen könnte er sich vorstellen, dass der Textbaustein für spätere Auflagen geändert wird.

Das wäre natürlich gut. Hase & Igel kommt ohne veraltete Naziwitze aus. Ich gebe aber zu: Ich ärgere mich schon ein bisschen, dass er nicht versteht, dass er die Verantwortung auf den Kunden abschiebt: Wenn der den Humor nicht versteht, ist das dessen Pech. Nun, ich verstehe den Witz, finde ihn aber nicht witzig. Nun bin ich kein Brite, aber zumindest die Briten die ich kenne, sind nicht viel weniger durch die Passage irritiert. Was vielleicht genug über die PR-Abteilung von Gibson Games aussagt.

ciao

peer

Peer Sylvester

3 Kommentare

  • Habe ich’s doch gewusst: Das ganze Spiel ist eine einzige Nazimetapher um die kopflos-blöd und schwer beleidigten deutschen Hasen und die britischen Igel/Schildkröten, die sowieso schon immer da sind. Von wegen Platz an der Sonne und so.
    Und wir sind auch noch so treu deutsch-doof, denen einen Preis zu verpassen, und schreiben 40 Jahre später sogar noch eine Beschwerdemail, weil wir einen Witz nicht verstanden haben.
    Und Korinthenkacker noch dazu: Das entscheidende Wort „britischen“ fehlt in deiner Übersetzung.