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Die Gamification der Masse

Ich habe eine Theorie. Ich habe keine Ahnung, ob die vernünftig ist, oder nicht – aber als Blogger braucht man sich um sowas ja glücklicherweise nicht zu scheren. Also meine Theorie lautet: Apps sorgen dafür, dass Brett- und Kartenspiele für Wenigspieler besser werden.

Gut, in dieser Kürze kommt mein Gedanke vielleicht nicht so richtig rüber, also etwas ausführlicher:

Ich glaube ein gutes Spiel, ist ein Spiel, bei dem die Spieler eine Form der Spielkontrolle ausüben (oder zumindest das Gefühl haben, dies zu tun). Das gilt auch für gute Spieler für Wenigspieler. Egal ob Uno, Tabu oder Monopoly: All diese Spiele geben den Spielern das Gefühl, sie hätten ihr Schicksal bis zu einem gewissen Punkt im Griff. Der Unterschied zwischen „leichten“ oder „anspruchsvollen“ Spielen liegt vor allem darin, wie schwierig es ist, die Entscheidungen zu treffen und wie komplex deren Auswirkungen sind (hinzu kommt oft noch eine größere Regelhürde). Spiele ohne Einfluss sind entweder Kleinkinderspiele oder Glücksspiele (wie Bingo), die andere Zielgruppe haben, als „die Leute da draußen“.

Nun wird immer mehr gespielt – allerdings digital. Dank zahlreicher Apps, dank Tablets und Smartphones spielen immer mehr Menschen -auch Erwachsene, auch Nichtspieler- immer mehr.

Dem gemeinen Nichtspieler wird zwar immer gerne nachgesagt: „Der will nach einem harten Arbeitstag nicht mehr über Strategien brüten oder Entscheidungen treffen“, aber unabhängig dessen tut er genau das: Er spielt und trifft Entscheidungen und macht und tut – digital. Natürlich reicht die Spannweite von Angry Bird bis Quiz Duell bis Candy Crush und bis Zoomanager. Aber sie treffen Entscheidungen oder versuchen zumindest wieder und wieder besser zu werden. Mit anderen Worten: Sie spielen. In den meisten Fällen auch hier nicht unbedingt anspruchsvolle Strategiekost oder ultrarealistische Flugsimulationen mit hoher Einstiegshürde, aber sie spielen. Und sie spielen keine Spiele, wo sie keinen Einfluss haben.  Und gewöhnen sich daran, für ihr tun verantwortlich zu sein.

Das bedeutet aber, dass App-Spieler dieselben Erwartungen auch an andere, an analoge Spiele stellen: Die Einstieghshürde soll gering sein (=einfache Regeln) und sie müssen das Gefühl haben, Einfluss auf den Ausgang des Spieles zu haben. Ein Spiel, dass dies nicht leistet, fällt durch.

Das ist aber eine wichtige Erkenntnis: Wenn ein Spiel diese Wenigspieler erreichen will, muss es auch das Kriterium der Spielkontrolle erfüllen. Das gilt nun unbedingt und besonders für Spiele, die gerade die Nichtspieler ansprechen sollen: An Lizenzprodukte, an Spiele, die sich an eine App heranhängen wollen (wie bei Quiz duell oder Farmerama geschehen), an Fanware (wie Exploding Kittens). Ein Spiel dass dies beherziegt hat eine sehr viel größere Chance auf Erfolg als eines, dass den klassischen „Mach halt irgendein Würfelspiel draus“-Ansatz verfolgt. (Auch) Deshalb war der Lego-Serie kein Erfolg, während Carrera weitere Spiele ihrer Reihe plant. Gerade bei Spielen, die Leute aus Nichtspielerkreisen ansprechen sollen (z.B. mit Lizenzen) wird daher über kurz oder lang ein Umdenken hin zu originelleren, besseren Spielen stattfinden – und damit werden Brettspiele für Wenigspieler in meinen Augen besser.

So jedenfalls meine Theorie.

ciao

peer

Peer Sylvester

3 Kommentare

  • Ich fürchte, du überschätzt den typischen App-Spieler:
    Die erfolgreichsten Spiele-Apps fallen nämlich in die Kategorie „casual“, werden also nur mal kurz zwischendurch gespielt, wenn es ein paar Minuten Wartezeit zu überbrücken gilt.
    Also eigentlich genau das Gegenteil von einem gemütlichen Brettspielabend…

  • Aus meiner Sicht gibt es drei unterschiedliche Spielertypen:
    A) Spieler, die ausschließlich Brettspiele bevorzugen
    B) Spieler, die ausschließlich Computer-/ App-Spiele bevorzugen
    C) die sowohl als auch Spieler

    Ich glaube nicht, dass sich ein B) Spieler durch gute Computer-/App-Spiele zu einem C) Spieler entwickelt. Eher im Gegenteil! Je besser die Spiele in diesem Bereich werden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sich sich für Brettspiele interessiert. Schade!

  • Oh ich glaube NICHT, dass aus APP-Spielern ülötzlich Brettspieler werden. Ich glaube nur, dass die anspruchsvoller werden, wenn diese Nichtspieler doch mal ein Brettspiel in die Hand bekommen. (Anspruchsvoll nicht im Sinne der Komplexität, sondern nur im Sinne der Qualität)

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