Von Dolly zu Orphan Black

Nun werden also nicht nur Spiele kopiert sondern auch Blogs über Spiele. Zumindest könnte das der Eindruck sein. Für mich begann es als Wolfgang Friebe am Donnerstag Abend postet, das seine Seite geklont werde. Ein Blick auf die Seite mit der er das rausgefunden hat am Freitag früh, zeigt mir, das auch meine Seite geklont wurde. Sehr bald folgten einige weitere, unter anderem die von Jury-Mitglied Martin Klein und meinem Bretterwissen-Kollegen Arne Spillner. Udo Bartsch scheint bisher verschont geblieben zu sein, aber die Frage ist natürlich nur bis wann. (Links zu den Fälschung hier mit Absicht nicht gesetzt.)

Das Spiele kopiert werden ist nicht sehr ungewöhnlich. Oft geht es dabei nur um eine Mechanik und dessen Neuinterpretation. Die Remix-Kultur ist unter den Brettspielautoren nichts seltenes und zum Teil wird damit auch geehrt, wenn etwa Friedemann Friese sich als Idee nimmt, die besten Spiele auf BGG zu vermischen und dann das ganze unter dem Namen Fremde Federn rauszubringen. Oder unter dem griffigen Englischen Titel: Copycat. Aber all diese Methoden sind nicht vollwertige Spiele. Wer komplette Spiele nachmacht oder fälscht, sitzt meist in China, wo das Urheberrecht komplett unbekannt ist, oder hat belegbare Fälle in Russland oder Argentinien.

Nun ist es bei geklonten Blogs natürlich so, dass nicht immer zu erkennen ist von wo diese kommen. Mit der richtigen Methode kann die IP von der der Klone zugreift ermittelt werden und in den meisten Fällen ist dies tatsächlich in Asien angesiedelt. Ob dort wirklich Asiaten damit beschäftigt sind, oder doch nur Deutsche die dort leben oder Deutsche die nur über asiatische Server arbeiten? Das sind fragen die ich nicht beantworten kann. Es kränkt aber mehr als das einen ehrt, wenn einer den Blog klont.

Aber was ist hier der Hintergrund? Echte Spiele zu fälschen gibt einem die Möglichkeit Geld zu verdienen, was sonst ein anderer bekommen hätte. Manchmal auch die Verfügbarkeit erst herzustellen, weil nicht jedes Spiel in jedem Winkel der welt verfügbar ist. Richard Geiß und Martin Thiele haben sogar ein ausführliches Buch über nachgemachte Spiele in der DDR geschrieben.

Und bei den Blogs? Selber zu Ruhm kommen mit den gefälschten Seiten ist unter Kennern schwer. Verfügbarkeit wohl auch kein Thema. Der Normale Mensch kann aber meist keinen Unterschied erkennen. Der vermutete Hintergrund ist wohl das aufschalten von Affiliate-Bannern um diese automatisiert von Computern zu bearbeiten und dann über diese Methode Geld zu verdienen. der größte Schaden entsteht also Anbietern solcher Banner wie Google, Amazon und Co. Aber den Schreibern entsteht auch ein Schaden. Seiten die alle scheinbar den selben Inhalt haben, werden von Google als Doppelte Seiten erkannt und dann deutlich schlechter bewertet, so dass die Seite schwerer zu finden ist. Das Original und die Fälschung. Ein Tool um das bei Google zu melden gibt es aber zum Glück.

Nun sind Brettspiele nicht das einzige Hobby, das mit solchen Klonen leben muss. Andere Blogs rund ums Kochen, Reisen, Tech und alles andere Möglich sind schon eine Weile davon betroffen. Letztes Jahr August ging es da richtig hoch her, wo die erste große Welle aufkam. Wir werden auch nicht die letzten sein die damit zu kämpfen haben. Am Ende bleibt nichts anderes als Arbeit übrig, um da technisch wie bei einem Katz-und-Maus-Spiel dagegen zu arbeiten. Nur das die andere Seite für ihre Mühen vielleicht mal Geld am Ende des Tunnels sieht. Wir nicht.

Matthias Nagy

Autor: Matthias Nagy

Spieler für alles rund um Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Rollenspiele - und Vater. Lebt in Berlin-Friedenau.

2 Gedanken zu „Von Dolly zu Orphan Black“

  1. Das ist wirklich keine tolle Sache. Wie du schon schreibst, waren andere Bereiche schon eher betroffen. In einer ersten Welle hat es vor allem WordPress-Seiten erwischt. Nun scheint es eine klare Tendenz zu Blogspot zu geben. Die Seiten werden wohl zufällig ausgewählt, mit dem Ziel, Geld durch Werbung zu generieren. Auf einigen geklonten Spiele-Seiten sind bereits Affili-Banner platziert.
    Als kleiner Blogger wird man das kaum in den Griff kriegen. Aktuell dauert die Reaktionszeit der Geschädigten noch zu lang, um die Klon-Blogs loszuwerden. Und so lange lohnt sich das “Geschäft” mit Klonen eben noch.

  2. Tut sich ja doch was, zumindest sind die beiden Plagiatseiten meines Blogs zurzeit nicht zu erreichen. Auf einer erscheint Bad Gateway, auf der anderen Seite hat offensichtlich der Provider die Seite abgeschaltet. Mal sehen, ob das auch so bleibt …

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