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Verlagsvorstellung Dyadgames

Zwischendurch stolpere ich immer mal wieder über Verlage, die nicht im Rampenlicht stehen, weil ihr bislang einziges Spiel ein Kartenspiel ist. Ob man etwas verpasst, wenn man Kamakura nicht kennt, erfahrt ihr im Anschluss an das Interview. Was Dyadgames in der Zukunft vorhat, erfahrt ihr im Interview.

Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Wir sind drei Leute, die gerne Dinge erschaffen! Wir sind sind Orie Rush (Graphiker, Entwickler, Autor), Lee McIntosh (Designer, Internet, Autor) und Alex Montgomery (Internet, Video, Regeln). Erst bestand Dyadgames nur aus Alex und Lee, die Shurikin Showdown entwickelt haben. Ich kam erst später dazu, nachdem ich den anderen gegenüber mein Konzept für ein Kartenspiel (Kamakura) erwähnt habe. Wir sind alte Freunde, insofern lief die Zusammenarbeit sehr glatt und problemlos ab.

Bitte erzähle uns mehr über Kamakura!

Kamakura ist das Ergebnis einer langen Autofahrt und meinem unerklärbaren Drang ein Kartenspiel über das feudale Japan zu machen. Nach der Autofahrt hatte ich Spiel, dass ich gerne spielte, dass aber niemand meiner Mitfahrer spielen wollte.  Ich stellte mir vor, dass ich daran gut einige Zeitlang arbeiten konnen würde und legte es beiseite. Nach etwa einem Jahr zeigte ich das Spiel Alex, der sofort interessiert war, es spielte und begeistert war! Damals beschlossen wir, dass es bei Dyadgames erscheinen sollte und durch Kickstarter finanziert werden sollte, ein Projekt, dass für uns wie gemacht schien.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Wir haben einige Updates online gestellt, denn Kamakura enthielt zahlreiche Druckfehler. Das ist aber unbefriedigend und wir würden gerne eine Neuauflage machen mit verbesserten Regeln, erweitertem Deck und besserer Kartenqualität. Auch arbeiten wir an einem Kamakura App, dessen Realisierung  benötigt weniger Kapital und wird sicherlich vor der Neuauflage fertig werden.

Erzählst Du uns noch kurz etwas über Shurikin Showdown?

Shurikin Showdown war eine Idee von Alex und Lee, die sie hatten, als sie entschieden, dass sie ein Flash-Spiel machen wollen. Sie haben einen Monat durchgehend an der Entwicklung und der Programmierung gearbeitet, bis es soweit fertig war und nun hat Alex es weiter bearbeitet, verbessert und erweitert, so dass es für das App aufbereitet ist.

Wie kann man in Deutschland das Spiel beziehen?

Kamakura kann für 7$ plus 12$ für das Porto nach Deutschland bestellt werden, in dem man den Betrag per Paypal an potentstudios @gmail.com sendet.

Vielen Dank für das Interview!

Kamakura ist ein kleines Kartenspiel für 3-4 Spieler. Mit einer zweiten Packung dürfen bis zu 8 Spieler ran, was vermutlich etwas viel ist. Sechs Leute sind aber (denke ich) noch gut möglich.

Das Spielprinzip ist denkbar einfach: Jeder hat dieselben 4 Landschaftstypen verdeckt vor sich liegen. Wer an der Reihe ist, greift eine (verdeckte) Landschaft eines Mitspielers an. Das tut man mit einer Kombination aus Kriegerkarte und Waffenkarte. Kann oder will der Gegner keine höhere Kombination auslegen, legt man die angegriffene Karte auf seinen Wertungsstapel. Ansonsten ist der Angriff abgewehrt. Der Siegreiche behält seinen Krieger, alle anderen Karten werden abgelegt. Es gewinnt wer mindestens 17 Siegpunkt sein eigen nennt, wobei die noch gehaltenen, eigenen Territorien mitzählen (das sind bei Begin schon mal 10 Siegpunkte, wobei man normalerweise ein paar davon verliert).

Interessant ist das Ganze, da alle drei Kriegertypen ihre Besonderheiten haben und da muss man sich ggf. übelegen, ob man eine gute Kombination zur Verteidigung opfert oder nicht. Da die Landschaften unterschiedlich viele Siegpunkte wert sind, wird man bei der Überlegung auch den angegriffenen Typ berücksichtigen. Wer aber alles in die Verteidigung steckt, kann nicht mehr angreifen und die anderen wissen natürlich, dass die entsprechende Karte wohl lukrativ ist.

Allerdings gibt es die Regel, dass man Karten nur Nachziehen darf, wenn man nicht angreifen kann. Das ist eine zweischneidige Sache. Einerseits macht es die Entscheidung, ob man verteidigen soll, noch kniffliger. Andererseits erhöht sie den Glücksfaktor. Aber Kamakura ist sowieso ein eher lockeres Spiel. Es ist schnell erklärt und ebenso schnell gespielt. Ein launisches Prügelspiel mit Tabletalk ohne Tiefgang. Insbesondere können mehrere Partien in Folge mit Gesamzwertung gespielt werden, was sicherlich auch sinnvoll ist, da es hier noch mehr darauf ankommt, wen man so angreift.

Für den gebotenen Preis ist Kamakura sicherlich eine solide Investition. Kein Jahrhundertspiel, aber durchaus launisch zum wegspielen.

ciao

peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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