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Verlagsvorstellung: Minion Games

Minion Games war einmal ein kleiner, amerikanischer Verlag, der hierzulande unbekannt war und ich wäre vor noch nicht allzu langer Zeit geneigt gewesen, zu sagen, dass das nicht so schlimm ist. Mittlerweile hat er sich aber doch ziemlich gemausert und einige interessante Spiele ins Programm genommen. Richtig aufmerksam wurde ich jetzt durch The Manhattan Project, dass in Essen dann doch leider nicht verfügbar war.

Bitte stelle Dich kurz vor!

http://www.JamesMathe.com
Ich heiße James Mathe und bin der Besitzer von Minion Games und ein paar verwandten Firmen. Minion Games hat das Ziel, Spiele mit neuen Ideen und interessanten Themen herauszubringen.

Bitte erzähle uns mehr über eure Spiele!

Die meisten unserer Spiele sind Hybridspiele. Das heißt, es sind Spiele, die Fans von Eurogames mögen werden, in die wir aber viel Thema und sogar direkte Konfrontationen zwischen den Spielern hineingemischt haben. Wir nennen dieses Genre Euro-Trash. Wir mögen Spiele mit seltsamen Mechanismen und merkwürdigen Themen. Unsere erste Welle von Spielen kam von unseren Freunden, welche die geholfen haben, unseren Verlag aufzubauen. Die zweite Welle diente dazu mal vorzufühlen, wie neue und interessante Ideen so ankommen würden und unsere aktuelle dritte Welle ist unser Versuch Spiele zu produzieren, die breite Zustimmung finden und dennoch Nischeninteressen erfüllen.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Das hängt davon ab, wie unsere 2011er Jahrgang an Spielen ankommt. Wir haben sieben neue Spiele in 2011 veröffentlicht – das hat Spaß gemacht, war aber auch eine Menge Arbeit. Wir machen jetzt eine Pause und warten ab, wie die Verkaufszahlen aussehen. Bevor wir das wissen machen wir keinen genauen Plan für 2012. Wenn die Verkäufe gut genug sind um ein weiteres Jahr zu finanzieren, haben wir ein paar interessante Spiele in der Mache: Ein sehr thematisches B-Moviemonster-Jagd-Spiel, ein Mini Euro-Sammelspiel für Wenigspieler, ein Fantasypiratenspiel mit Voodoomagie und nochmehr… Aber auf alle Fälle lassen wir die Dinge dieses Jahr ruhiger angehen, so dass wir die Sache auch noch irgendwo genießen können.
Einige eurer Spiele wurden über Kickstarter finanziert. Warum seid ihr diesen Weg gegangen und seid ihr Zufrieden mit dem Ergebnis?

Kickstarter ist gerade sehr in und wird es auch noch eine ganze Weile bleiben. Irgendwann wird es sicherlich überfüllt sein mit Projekten, die einfach schlecht sind -oder schlimmer noch, die ihre Versprechen nicht halten (können). Dadurch wird Kickstarter irgendwann wieder einbrechen, denke ich.
Im Moment ist es aber ein tolles Werkzeug um Werbung für ein Spiel zu machen und direkte Vorabverkäufe zu tätigen. Das ist ein großer Gewinn für einen kleinen Verlag oder einen kämpfenden Ein-Mann-Betrieb; Es gibt Kapital, mit dem man arbeiten kann und generiert Interesse für das Produkt.

Wir sind sehr zufrieden mit unseren Kickstarterprogrammen. Obwohl wir 5-10.000 $ geschafft haben, weiß ich nicht wie andere Verlage mehr als 40.000$ generieren. Da muss es eine externe Kraft geben…

Kann man euch Prototypen zuschicken? Wenn ja, welche Bedingungen gibt es dafür?

Wir haben immer Protos angenommen und werden das vermutlich immer tun. NILE Deluxor kam direkt von einem Boardgamegeekuser. Manhattan Project und Nitro Dice und Venture Forth haben wir auf den Protospiel.org Veranstaltungen entdeckt. Zukünftig werden wir vermutlich etwas wählerischer sein, was wir annehmen werden, wenn wir denn wissen, welche Spiele wir verkaufen können. Bitte schickt uns daher keine abstrakten Spiele, Wortspiele, Laufspiele, Partyspiele etc. Wir suchen nach interessanten Themen und neuen Mechanismen, die den Hardcore Eurospieler erfreuen. Das ist generell eine sehr guter Rat: Bevor ihr etwas schickt, guckt euch genau an, welche Spiele der Verlag überhaupt produziert!

Vielen Dank für das Interview!


Leider habe ich bislang keines der Spiele spielen können, aber ich habe PDFs der Materialien einiger Spiele bekommen und kann so ein paar Worte sagen.

Nile DeLuxor ist ein Sammelspiel, bei dem man in erster Linie versucht in verschiedenen Kategorien den Führenden zu überbieten und im richtigen Moment zu werten. Die Kritiken sind soweit alle gut und auch mein Eindruck von den Regeln ist positiv – es könnte ein sehr interessantes Familienspiel sein.

The Manhattan Project ist das Spiel, auf das ich am meisten gespannt bin. Da ist einmal natürlich das Thema – die Entwicklung einer Atombombe! – das zudem recht gut umgesetzt zu sein scheint. So gibt es zwei Methoden: mit angereichertem Uran oder mit dem teureren aber einfacher in Griff zu bekommenden Plutonium. Da freut sich der Naturwissenschaftler! ;-) Mechanisch ist es ein Worker Placementspiel, was eigentlich nicht so mein Lieblingsgenre ist. Aber der neue Kniff ist hier, dass man selbst entscheidet, wann man seine eingesetzten Leute verwenden will (statt einmal pro Runde), was genau den Punkt behebt, den ich bei WP-Spielen immer nicht so mag.

Auch Kingdom of Solomon ist ein Workerplacementspiel. Hier ist der Kniff, dass man statt den Standarddingen immer auch eine Bonusaktion wählen kann – die zwar stark ist, aber nur jeweils einem Spieler zur Verfügung steht, der dafür all seine noch verbleibenden Arbeiter einsetzen muss. Es scheint regeltechnischer einfacher zu sein als Mahattan Project und auch weniger thematisch, mehr “klassischer Euro”, wobei das Thema (Israelischer Tempelbau) natürlich ungewöhnlich ist.

Aufmerksame Leser mögen sich erinnern, dass Venture Forth das Spiel war, dass ich bei meinem Kickstarter-Artikel erwähnte. Leider hat es auf Anhieb nicht das Ziel erreicht, bei der erneuten Einstellung war ich dann nicht mehr dabei. Venture Forth ist sehr ungewöhnlich – es ist zwar ein Abenteuerspiel, hat aber nichts von Spielen wie Talisman, Rundebound & Co. Vielmehr muss ein Weg aus Karten absolviert werden, die Karten stehen für zwhalreiche Quests und Monster etc. Um diese zu besiegen braucht man Helden, die man rekrutiert. Ein Schwerpunkt scheint beim Handmanagement zu liegen, aber das ist schwer zu sagen, wenn man es (noch) nicht gespielt hat, ebenso fällt eine Einschätzung des Glücksfaktores schwer. Auf jeden Fall hat mich das Spiel (erneut) sehr neugierig gemacht – es ist ungewöhnlich und das ist auf jeden Fall für mich schon einmal ein Grund, sich mit dem Spiel zu befassen!

ciao

peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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