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Verlagsvorstellung Le Joueur

Der französische Spielemarkt wird immer größer und so beginnen langsam immer mehr Verlage hierzulande unglückseligerweise durchs Raster zu schlüpfen. Glücklicherweise hatte ein Mitspieler mich gerade auf Le Joueur aufmerksam gemacht, der mit Cité und Déluges zwei interessante Vielspielerspiele im Programm hat und dessen Sandwich gerade bei Bruno Faidutti erwähnt wurde. In meinem Kampf gegen das Vergessen von potentiell guten Spielen, kann ich jetzt ein Interview anbieten!

Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Hallo alle!
Ich bin Guillaume Besançon aus Frankreich und ich bin ein Spieleautor und -verleger.

Ich bin auch ein begeisteter Rollenspieler und ich bringe ein Französisches Rollenspielmagazin heraus: Das Jeu de Rôle Magazine.

Bitte erzähle uns mehr über Eure Spiele!

Wir sind ein Verlag und ein Vertrieb und haben bislang 9 Spiele auf den Markt gebracht. Zwei davon sind meine eigenen Kreationen: Déluges und Cité .Man könnte sagen, Cité ist wie das Computerspiel Sim City, aber als Brettspiel und Déluges ist wie Civilization als Brettspiel. Beide Spiele haben einige Mechanismen gemein, sind aber sehr unterschiedlich. Es sind Managementspiele mit einer Menge Ressourcen und die Franzosen nenne sie “German Games”. In beiden Spielen entwickeln die Spieler ein Gebiet, in dem sie ein Monopol an einer Ressource haben, aber wer was neues bauen will, benötigt alle Ressourcen – daher müssen die Spieler miteinander handeln. Dadurch gibt es in den Spielen eine Menge Interaktion. Eine andere Gemeinsamkeit ist, dass alle immer gleichzeitig agieren; Man wartet niemals auf andere. Dadurch ist die Spieldauer kurz: 1 Stunde bei Cité und weniger als 2 Stunden für Déluges, aber nach dem Spiel hat man das Gefühl, man hätte ein Vierstundenspiel gespielt!

Cité Schachtel

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Wir haben noch andere Spiele wie Sandwich, ein Kochspiel, bei dem man versucht mit den Zutaten (auf Karten) Sandwichs für die Mitspieler zuzubereiten, welche dann dafür Punkte vergeben können.

Allerdings werden unsere Spiel im Moment noch nicht in Deutschland vertrieben, man findet sie nur in französsichen Onlineshops wie Ludocortex oder auf unserer Webseite. Wir werden dieses Jahr aber in Essen sein und suchen nach einem Deutschen Vertrieb!

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Wir wollen Cité weiter ausbauen. Cité ist ein einfaches Familienspiel, mit Regeln, die in einer Minute erklärt werden können, die aber eine Vielzahl von Möglichkeiten bieten. Wir wollen daraus das erste Sammel-Brettspiel machen. Wir arbeiten bereits an Erweiterungen, die in Essen erscheinen werden!

Da du vorhin von “German Games” sprachst: Was wäre ein “French Game” in Deinen Augen?

Die Französische Spieleszene explodiert förmlich und bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Vielleicht passen diese Charakteristiken ganz gut, wobei natürlich jede Verallgemeinerung per se falsch ist:

– Französische Spiele stellen das Thema mehr in den Mittelpunkt, während sich “German Games” mehr auf den Mechaniusmus konzentrieren.

– Französische Spiele sund eher leicht, schneller zu spielen, sehr flüssig Ohne Furcht und Adel, Cité oder 7 Wonders sind gute Beispiele.

– Den Leuten fallen immer mehr die guten Illustrationen in französischen Spielen auf. Wir haben das Glück, einen großen Pool von sehr guten Graphikern hier in Frankreich zu haben.

Hast Du abschließend noch einige Ratschläge für die erste Partie Cité?

Das Gefühl ein Spiel zu entdecken, wenn man es das erste Mal spielt ist unglaublich! Beim ersten Spiel ist alles neu: Material, Graphiken, Mechanismen. Hier einige Tipps das erste Spiel Cité zu genießen… oder das zweite zu gewinnen.

Ich beginne mit einer kurzen Regelerklärung für alle, die das Spiel nicht kennen. Ich habe verschiedene Gebäude in verschiedenen Größen, von 1 Quadrat bis zu 9 Quadraten. Ich beginne mit 7 freien Feldern. Jede Runde ernte ich meine Ressourcen, handle mit meinen Nachbarn und baue neue Gebäude mit meinen Ressourcen. Nach 7 Runden gewinnt der Spieler, der die meisten Quadrate bebaut hat.

Ist das alles? Ja, das ist alles. Die Gebäudefunktionen stehen auf der Rückseite der Plättchen und ich empfehle sich mit denen vor dem Spiel vertraut zu machen.
Laufendes Spiel

Der erste Eindruck nach der Regellektüre ist allerdings falsch: Man vermutet vielleicht, dass es einen Könbigsweg gibt, eine ultimative Reihenfolge, in der die Gebäude gebaut werden müssen, und mit der man immer gewinnt. Das ist falsch. Man muss seine Strategie den anderen Spielern anpassen, sie so verändern, dass sie zu den anderen Nachbarschaften passt. In der ersten Runde sollte man sich mit den anderen Spielern verbünden, in dem man Kombinationen anbietet wie “Ich stelle mein Wirtshaus neben deine Guilde und dafür gibst du mir 2 Ressourcen jede Runde.” Kontrakte müssen während des Spieles respektiert werden.  Man muss sich während des ganzen Spieles vor Augen führen, welche Ressourcen man selbst immer bekommt und welche durch Handel und Produktion dazukommen müssen. Es gibt ein bisschen Moral im Spiel: Um zu gewinnen, muss man anderen helfen, zu gewinnen. Die Essenz des Spieles ist normalerweise nicht derjenige, der die besten Deals anbietet, sondern der am häufigsten handelt. Und ja, da ist noch mehr Moral im Spiel: Um zu gewinnen muss ich manchmal anderen helfen und auch tauschen, wenn der Tausch den anderen leicht bevorteilt.  Lege Gebäude aus, die an den Grenzen Ressourcen oder Effekte bieten und dein Gebiet wird schneller wachsen.

In der ersten Runde des ersten Spieles ist es noch schwierig den Wert von Dingen richtig einzuschätzen. Am besten überlegt man was man zusammen mit seinen Partner an einem Gebäude verdient und macht halbe/halbe. Wenn z.B. der rote und der gelbe Spieler dem blauen Spieler zur Mühle machen, wird der blaue nicht 5 dondern 20 Metalle pro Runde produzieren. Und wenn der seine eigene Mühle aufmacht, wird sich der Ertrag auf 40 Metalle steigern. Rot und Gelb sollten also 5 Metalle “Miete” pro Runde verlangen und das Versprechen einfordern, die Miete auf 10 Metalle zu erhöhen, wenn der blaue Spieler seine Mühle gebaut hat.

Im Handel spielt der psychologische Faktor eine große Rolle. Dennoch sollte man nicht zögern 2 oder 3 eigene Ressourcen für eine Ressource zu bieten, die einem hilft, ein extra Quadrat zu bebauen. Man sollte aber seine Ressourcen nicht verschleudern, weil das Risiko besteht, dass deren Wert sinkt.

Es gibt etwa 30 Kombinationsmöglichkeiten um die erste Runde zu beginnen und da kommen noch viele kleine Varianten hinzu. Ein Teil des Spielspaßes beruht auf dem Ausprobieren, also werde ich keine Tipps geben, was man in der ersten Runde machen sollte. Aber ich werde sagen, was man nicht machen sollte: Der Markt ist nur nützlich, wenn man viele Ressourcen produziert (mehr als 15 pro Runde). Die  Gepflasterte Straße produziert selbst keine Ressouren, also sollte man sie nicht in der ersten Runde bauen – außer man kann damit eine mächtige Kombination mit seinen Nachbarn aufbauen – aber man sollte sich schon früh überlegen, wo die hin soll.

Das Spielende ist ebenfalls wichtig. Den Tipp den ich hier geben kann, gilt eigentlich für jedes Spiel: Lass niemanden das Rennen bestimmen. Ein Spieler, der früh führt, kann schnell durch eine Zusammenarbeit der anderen wieder eingeholt werden.

Bist du ein Zauderer? Überrasche jeden in der 5. Runde in dem du einen Nachbarn anbietest deine Manufaktur an dessen Grenze zu bauen, wenn

– du dadurch die Ressourcen bekommst, die dir fehlen.
– er seine Manufaktur neben dir baut.
Alle zukünftige Gebäude die an beide Manufakturen angrenzen kosten 4 Quadrate weniger. Und wenn sie dann noch durch gepflasterte verstärkt werden…

Vielen Dank für das Interview!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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