Verlagsvorstellung: Ace of Brains

Nach einer kleinen Pause letzte Woche gibt es diesmal wieder was neues aus Polen: Ace of Brains hat ein erstes Spiel herausgebracht und Kopf Mirek Talik hat sich meinen Fragen gestellt. Viel Spaß! Einen Ersteindruck des Erstlingswerkes gibts (wie fast immer) im Anschluss.

Bitte stelle doch kurz Deinen Verlag vor!

Ace of Brains Publishing House wurde 2009 gegründet. Alles begann ganz unschuldig aus Begeisterung. Nämlich aus der Begeisterung für Brettspiele heraus- Wir trafen uns im Keller des Danziger Kulturzentrums um Brettspiele zu spielen. Einige davon haben wir selbst erfunden und wollten sie anderen Leuten zeigen. Und es waren gute Spiele. Die anderen mochten sie. Wir entschieden uns die Spiele zu veröffentlichen – und so begann alles.

Bitte erzähle uns ein bisschen über euer erstes Spiel, Alchemicus!

Alchemicus wurde als Familienspiel mit nur wenig destruktiven Elementen entwickelt. Man muss ein wenig planen, darf aber die anderen Spieler nicht aus den Augen verlieren. Viele Anfänger konzentrieren sich zu sehr auf ihre eigene Produktionskette und verlieren so das Spiel. Wir glauben dass diese Art des Spieles sehr lehrreich für Kinder sein könnte. Allerdings ist es kein KInderspiel. Der jüngste Spueler der Testrunden, der eine Partie gewinnen konnte war 12 (sein Gegner war Anwalt, also wohl recht schlau :-)  Also, einer von beiden. Ob Vater oder Sohn, weiß ich nicht mehr. Hahaha :-) ) Weil es nicht so viele destruktive Elemente gibt, bleibt die Athmosphäre friedlich und so muss ein Familienspiel ja auch sein.  Erfahrenere Spieler nutzen dagegen oft den Geist der Transmutation um die Pläne der anderen Spieler zu sabotieren. Der Schlüssel zum Sieg ist es die richtigen Gebäude zu bauen und genügend Güter zirkulieren zu lassen. Einige sehr erfahrene Spieler wünschen sich mehr Einfluss auf ihre Gegner. Eine interessante Idee. Wir wollen den Character des Spieles nicht verändern, aber vielleicht ergänzen wir das Spiel um eine Vielspielervariante. Hier der Link zu einer Umfrage:

http://www.boardgamegeek.com/thread/490934/survey-to-keep-it-as-family-game-or-develope-for-p

Im vierten Post ist die Umfrage.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Wir arbeiten an vier neuen Spielen.
– Wirtschaftsspiel für Fortgeschrittene (Bitte denkt nicht es wird etwas wie “Cash Flow” ;-) )

– Ein monumentales Geschichtsspiel, vergleichbar mit Twilight Struggle über den Kollaps des Kommunismuses in Polen. Vielleicht bekommen wir dafür sogar eine Förderung vom Staat! :-)

– Ein Strategiespiel für eine breite Zielgruppe die Erforschung und Kontrolle von Ländern mag.

– Ein einfaches, kleines Kinderspiel.

Prinzipiell sind alle Spiele soweit fertig, zumindest was die Regeln betrifft. An einigen arbeiten auch schon unsere Graphiker. Wir haben für die nächsten zwei Jahre also einiges an Material :-)

Jeder von uns hat noch einen Beruf. Brettspiele sind noch unser Hobby, aber ich kann mir vorstellen, dass es bald unser wichtigster zeitvertreib wird.

Jedenfalls hoffe ich das! :-)

Dann vielen Dank für das Interview und viel Glück für die Zukunft!

Spiellust bietet einen ersten Eindruck. Meiner ist wie folgt:

Material: Nicht Spitze aber polnishcer Kleinverlagsstandard. Die Graphiken sind nicht schlecht, die Schriftzüge aber etwas unübersichtlich. Die Spielfiguren sind riesig und quiasi das Highlight der Ausstattung. Insgesamt solide.

Solide ist auch das Spiel selbst: Praktisch findet alles auf einem großen Rondell statt. Bis zu 3 Felder können umsonst gesetzt werden, bis zu 5 mit Bezahlung von einem Siegpunkt. Das Feld, auf das man landet, bestimmt die Aktion. Im Wesentlichen geht es darum Karten aus der Hand abzulegen. Dadurch werden Gebäude gebaut. Mit den Gebäuden können Rohstoffe gewonnen, weiterverarbeitet und schließlich verkauft werden. Also gilt es Produktionsketten aufzubauen. Bezahlt werden die Gebäude wie bei San Juan mit Handkarten. Eine Besonderheit ist der oben bereits angesprochene Geist der Transmutation. Er blockiert immer einen Kartentyp. Welcher das ist bestimmt der Spieler, der das entsprechende Feld betritt. Dieser Spieler kann die anderen also ärgern, hat aber selbst keinen Vorteil.

Was gut funktioniert ist der Rondell- und der Bezahlmechanismus. Man muss schon sehr effizient spielen, um gut zu spielen. Nachteilig ist die lange Startphase: Am Anfang kann man nichts machen außer Gebäude zu bauen und dafür gibt es nur ein Feld auf dem Rondell. Das Spiel komtm so etwas schwer in die Gänge. Hat ein Spieler dann ein gut funktionierendes Werk errichtet ist das Spiel dann fast wieder zu Ende. Gegensteuern können die Spieler mit dem Geist, doch den kann der Führende wieder zurücksetzen. Mehr als eine Verzögerung ist also nicht drin. Was ich als Nachteil empfinde ist, dass es nur zwei Produktionswege gibt, die zudem am Ende zusammenlaufen. Wirklich eine andere Strategie zu fahren ist also praktisch nicht möglich. Und dann ists eine reine Rhytmusfrage. Auch ist das Spiel recht interaktionsarm, nur der Geist sorgt für Bewegung unter den Spielern. Doch das scheint ja gewollt zu sein und ist sicherlich auch ein Stückweit Geschmackssache.  Insgesamt ist Alchemicus sicherlich kein schlechtes Erstlingswerk. Der ganz große Wurf ist es allerdings auch nicht, zumindest nicht nach den Basisregeln. Die Fortgeschrittenen Regeln versprechen aber eventuell eine Verbesserung – ich werds mir mal ansehen!

ciao

peer

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.