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Spielen in Serbien: Verlagsvorstellung Bas-Celik

Diese Verlagsvorstellung ist etwas anders als die bisherigen. Den Verlag gibt es technisch gesehen nicht mehr und das Spiel dürfte für die meisten meiner Leser unspielbar sein. Dennoch hat dieser Artikel einen Sinn: Bas-Celik ist nämlich das erste spielerische Eigengewächs aus Serbien!

Bitte stelle Dich doch unseren Lesern vor!

Mein Name ist Nikola Vuckovic und ich wurde 1966 in Belgrad geboren. Damals war das noch Jugoslawien, heute ist es Serbien, ist auch egal, ich kenne zwar die historischen Gründe für den Kollaps, glaube aber wir könnten alle immer noch zusammenleben… Nunja, mein erster Kontakt mit Brettspielen war mit Monopoly, gedruckt in Deutschland, ein Geschenk meines Cousins. Das war auch mein erster Kontakt mit der Deutschen Sprache. Wir haben das Spiel oft gespielt, aber bald wurde es von Videospielen (genauer: Der Atari-Konsole) ersetzt. Später kamen Computerspiele, dann komplizierte Computerspiele und irgendwann wurde das alles langweilig. Mittlerweile waren die 90er Jahre und wir brauchten etwas um der Realität zu entfliehen und das ging am besten mit Fantasyrollenspielen. Die haben wir viel gespielt, aber auch andere Spiele wie Talisman, Rome etc. aber RPGs waren am besten geeignet. Mein Verlag, nun der entstand aus dem Wunsch heraus, mein Spiel herauszubringen, aber dazu komme ich noch…

Bitte erzähle uns doch etwas über Deine Spiele!

Da wir keine Brettspiele in unserem Land kaufen konnten – oder nur sehr wenige wie Monopoly, Risiko oder Cluedo – überlegte och mir, selbst ein Spiel zu machen. Es sollte ein einzigartiges Spiel sein, basierend auf der alten slavischen Mythologie. Da Serben Slawen sind , könnte man auch von serbischer Mythologie sprechen und ich forschte über unsere alten Zeremonien und mythologischen Kreaturen. I bat einen Freund um Hilfe und wir beide machten das erste serbische Brettspiel (Bas-Celik). Zuerst versuchte ich einen Produzenten zu finden, aber niemand konnte mir viel für das Copyright bieten. Also finanzierte ich alles selbst. Es war nicht einfach für einen einzelnen – Druck, Produktion, Marketing, Vertrieb – aber ich habs geschafft. Das Spiel wurde in Serbien so populär, dass ich für die meisen örtlichen Fernsehsender interviewed wurde. Nächstes Jahr poduzierte ich eine Version des Spieles für Kinder. Auch das verkaufte sich gut, aber die Arbeit für einen alleine wurde schlicht zu viel. Nach meinem dritten Spiel, einem Kartenspiel für zwei Personen, hörte ich auf. Ich versuchte noch Verlage im Ausland zu finden, aber ohne Erfolg. Ich glaube aber immer noch, dass Brettspiele, die auf slavischer Mythologie basieren für den Rest der Welt durchaus interessant sein können. Insbesondere aber natürlich auch für andere slavische Länder, denn dort gibt es keine Spiele mit vergleichbarer Thematik.

Meine Spiele sind noch in einigen Läden erhältlich oder direkt über meine Webseite. Allerdings sind sienatürlich in serbischer Sprache (ich habe alles auch einmal in englisch übersetzt, wenn also ein Verlag Interesse zeigt, kann ich ihm eine englische Version anbieten…)

Was hast Du für die Zukunft geplant?

Ich plane was ganz anderes zu machen: Eine Fernsehserie für Kinder, die auf meinem Spiel basiert! Ich habe bereits einen Fernsehspot und 2 Minuten eines animierten Pilotfilmes. Ich suche nach interessierten Fernsehsendern und Sponsoren.

Wie würdest Du die Brettspielszene in Serbien beschreiben?

Seit ich mein Spiel gemacht habe, habe ich festgestellt, dass viele Leute spielen (wenn auch immer dasselbe) und seit dem der Krieg vorbei ist, tun sie das auch durchaus öffentlich. Es gibt eine Menge Brettspielclubs in Serbien und es finden regelmäßig Turniere zwischen ihnen statt, aber auch internationale Wettbewerbe. Brettspiele haben hier klar eine Zukunft, egal was die Technik bringt.

Seit dem das Eis durch mich gebrochen wurde, sind mehrere Brettspielverlage entstanden. Einige machen Vielspielerspiele. Unser größtes Problem bislang war die Sprache; wir hatten keine serbischen Spiele. Das ändert sich jetzt, es gibt einen interessanten Spieleladen namens Turbolimach (in Nis), der serbische Versionen internationaler Brettspiele verkauft, was ihn sehr populär macht. Im Moment sind das zwar nur Kinderspiele, aber es ist ein Anfang…

Vielen Dank für das Interview!


Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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