spielbar.com

Je neuer je lieber

Passend zur alljährlichen Spieleumfrage: Im Spielboxforum hat mal wieder jemand gefragt: „Wenn ihr nur 10 Spiele besitzen dürftet, welche wären das?“ Ich selbst halte den Nährwert solcher Threads ja für gering, auch weil ich spätestens beim dritten Posting vergessen habe, welche Spiele der erste Poster genannt hat (Bei drei Spielen schaffe ich das vielleicht noch – aber bei 10?) , aber jeder wie er mag. Clever fand ich ein paar Antworten, die versuchen das System zu unterlaufen, etwa mit dem vollständigen Advanced Squad Leader oder mit Bridgette, das einen nebenbei noch mit einem Kartenspiel versorgt. Sowas hätte ich wohl auch genannt.

Was ich aber interessant fand, war die überproportionale Nennung aktueller Titel. Gut Agricola und Dominion mögen wenig überraschen, aber darüber hinaus gab es fast keine Liste die nicht noch eine andere Essener Neuheit des letzten Jahres beinhaltete oder gar noch neuere Spiele. Wenn ich meine Spielesammlung eindampfen müsste würde ich mich wohl auf bewährte Spiele konzentrieren, Spiele bei denen ich weiß, dass sie auch nach 50 Partien nichts von ihrem Reiz verloren haben, wie Wallenstein, Descent oder Formula De. Die neuen Spiele müssten sich erst noch bewähren, man müsste erst einmal sehen, ob der initiative Reiz tatsächlich anhält und ob man das Spiel auch noch aus dem Schrank holt, wenn es neuere Alternativen vorhanden sind.  Trotz einiger guter Spiele in letzter Zeit ist das bei längst nicht allen Neuheiten der Fall. Viele Spiele spielt man eben in erster Linie weil sie etwas neues bieten, nicht weil sie wirklich gut sind. Aber wem sag ich das? Jeder der mit dem Spielehobby anfängt stellt sich nach einem anfänglichem Sammlungswachstumsschub die Frage: Brauche ich das sechste Autorennspiel auch noch? Spiele ich das noch wenn ich mir das siebte und das achte dann auch zugelegt habe? Die Antwort auf die Frage mag allerdings vom Typ, Lagerkapazität und Geldbeutel abhängen…

Ich habe letzte Woche Wind River von Argentum gespielt. Das Spiel habe ich in Essen nach mäßigen Ersteindrücken erst einmal völlig ignoriert – Ein Fehler! Es hat mich so begeistert, dass ich es mir gleich gekauft und erneut gespielt habe. Der Grund? Die „Turn Angst“, die mir z.B. bei Bombay fehlt, ist hier in enormen Dosen vorhanden. Ständig hofft und bangt man mit seinen Indianern – Schaffe ich es noch? Kann ich riskieren eine weiteres Tipi zu bauen? Das Spiel ist spannend bis zum Schluß, hat einfache Regeln, die zudem thematisch durchaus Sinn machen (obgleich das Spiel eher abstrakt ist) und viele sehr unterschiedliche und z.T. auch extreme Strategien ermöglichen. Für mich eines der besten Spiele seit langem (zu viert noch einen Tick besser als zu dritt) und ich werde bald eine Rezi verfassen – der einzige Nachteil könnte ein Hang sein unentschieden zu enden, aber das muss ich noch durch weitere Partie bestätigen oder wiederlegen.

ciao
peer

Peer Sylvester

3 Kommentare