spielbar.com

Interview mit Adrenaline Brush

In der Essen-Neuheitenshow der Spielbox fiel mir ein Verlag namens Adrenaline Brush auf. Drei Spiele waren gelistet, darunter ein Spiel, dass ein Bergsteigerthema vermuten ließ (Komischerweise gibt es keine guten Bergsteigerspiele – Von Climb mal abgesehen). Leider waren schlichtweg keine Informationen über Verlag und Spiele im Netz zu finden. In Essen hab ich den Verlag dann aufgestöbert, mir die Spiele angesehen und ein Interview geführt. Das Ergbnis folgt im Anschluß:

F: Bitte stelle Dich und Deinen Verlag unseren Lesern vor:

A: Ich bin Nellie Maan und mein Verlag heißt Adrenaline Brush. Der Name ist wichtig, denn unsere Spiele setzen Adrenalin frei und die Graphik wird noch mit traditionellen Methoden erstellt (Brush bedeutet Pinsel) . Ich habe mich für diese Art von Graphik entschieden, weil ich etwas neues und einzigartiges ausprobieren wollte (Die Leute kaufen damit nicht nur ein Spiel, sondern auch ein Stück Kunst).

F: Erzähle uns doch bitte auch ein wenig über eure Spiele!

A: Alle Spiele bieten einen hohen Spielspaß, Raum für Strategie und Taktik und die Spieldauer kann den Bedürfnissen der Spieler angepasst werden. Es gibt keine Würfel und dadurch ist der Glücksfaktor nicht zu hoch. Alle Spieler wurden in England produziert und bieten gute Materialqualität.

Fondue ist ein tolles Familienspiel, dass Spieler aller Altersgruppen miteinander verbindet. Kinder spielen es wie verstecken und Erwachsene spielen es strategisch, in dem sie die Käsediebe, die Falltüren und die Spezialkarten nutzen, um ihre Gegner vom Käse fernzuhalten. Da die Spielfläche aus Plättchen zusammengesetzt wird, kann sie jede Form oder Größe bekommen. Wollen die Spieler z.B. ein längeres Spiel legen sie ein 8×8-Raster aus, wollen sie eine kleinere Spielfläche nehmen sie ein 6×6 – Raster.

Fondue

Summit ist ein Spiel für bis zu vier Spieler und es bietet eine Menge Taktik. Das Ziel ist es die eigenen Steine, oder Türme eigener Steine, in die Punktezone zu bringen und gleichzeitig die Spieler zu hindern dasselbe zu tun. Durch das Stapeln der Steine kann man sich schneller bewegen und bekommt auch mehr Punkte, ist aber auch leichter angreifbar.

Summit

Elixir ist ein sehr originelles Spiel und beinhaltet ein starkes Bluff und Gegenbluff-Element (Mit “Gegenbluff” meine ich, dass man so tut als würde man bluffen, in Wirklichkeit aber die Wahrheit sagt). Auch muss man sich mit anderen Spielern duellieren um deren Zutaten zu stehlen. Elixir war in Essen unser beliebtestes Spiel. Viele Besucher meinten, es gäbe nichts entsprechendes. Ich weiß nicht ob das stimmt… Ich wollte jedenfalls ein Brettspiel machen wo es viel Kommunikation zwischen den Spielern gibt!

Elixir

F: Auf euren Spielen sind keine Autorennamen angegeben. Wer sind die Leute hinter euren Spielen?

A: Es gibt nur zwei Autoren: Ken Davies und mich.

F: Was habt ihr für die Zukunft geplant?

A: Wir wollen mehr Brettspiele produzieren und unser Profil in Deutschland und dem Rest von Europa stärken. Wir sind sehr zufrieden mit dem Feedback der Messe und wir werden nächstes Jahr auf den Messen in Nürnberg und Essen sein. Wir hoffen auch darauf einen deutschen Vertrieb für unsere Spiele zu finden.

F: Erzähl uns doch noch kurz etwas über eure Anfänge!

A: Wir haben mit einem Prototyp angefangen und den mit einem großen Spektrum an verschiedenen Leuten ausprobiert. Insgesamt dauerte es 18 Monate von der Idee bis zum fertigen Produkt. Wir haben dann gleich noch zwei Spiele gemacht :-)  Wir haben uns entschieden die Spiele zu veröffentlichen, weil wir das Feedback bekommen haben, dass unsere Spiele neuartig und originell sind. Wir waren vom Feedback in Essen übrigens sehr begeistert – Immerhin war es das erste Mal, dass so viele Europäer die Spiele ausprobiert haben.

F: Vielen Dank für das Interview!

Als erstes fällt bei den drei Spielen auf, dass das jeweilige Thema immer absolut aufgesetzt ist – Die Spiele sind eigentlich abstrakt, dass Thema beschränkt sich auf die Graphik und die Bezeichnungen. Nicht schlimm, aber wissen sollte mans :-)

Materialmäßig sind die Spiele für einen Kleinverlag auf ordentlichem Niveau. Bei Summit und Elixir sind die Spielbretter aus (sehr großen) Puzzleteilen zusammengesetzt – Sicherlich eine gute Idee, den recht hohen Kosten für einen faltbaren Plan zu umgehen!

Graphisch stechen die Spiele sicherlich tatsächlich hervor, allerdings ist der Stil doch sehr Geschmackssache. ich finde ihn etwas hausbacken. Besonders Summit wirkt auf mich als wäre es den 80er Jahren entsprungen. Die Schachtelgraphik von Fondue gefällt mir jedoch gut.

Die Spiele kommen allesamt mit guten lesbaren deutschen Regeln daher – Nur bei Fondue hat sich eine Ungenauigkeit eingeschlichen, die ich aber mit Nellie klären konnte: Die Spieler dürfen am Ende ihres Zuges nur einen Dieb bewegen, aber sie können sich aussuchen welchen.

Kommen wir zum spielerischen:

Fondue ist sicherlich so ein bisschen das Flagschiff der Adrenaline Brush – Spiele, jedenfalls wurde dafür auf der Messe die meiste Werbung gemacht. Es erinnert spielerisch an Das verrückte Labyrinth: Auch hier müssen die Spieler sich durch ein Labyrinth bewegen und Gegenstände einsammeln. Der Bewegungsmechanism ist sogar derselbe. Allerdings wird bei Fondue nicht geschoben, sondern lediglich gedreht. Auch sind bei Spielbeginn alle Labyrinthplättchen verdeckt und so muss das Labyrinth erst entdeckt werden. Zudem gibt es ein paar Käsediebe, die von jedem Spieler bewegt werden und die als Störfiguren eingesetzt werden. Die Unterschiede überwiegen also deutlich, dennoch bleibt die Assoziation mit dem Kobbert-Klassiker. Insgesamt aber ein schönes Familienspiel mit höherem Ärgerfaktor. Nicht übermäßig originell, aber gute, solide Arbeit!

Summit ist nun wirklich ein 80er Jahre -Spiel…Jedenfalls kommt mir das so vor! Graphik und Spielmechanismus wären vor 20 Jahren top gewesen, heute naja. Mittels Karte bewegt man seine Holzsteine über das Brett. Man kann Türme bilden, die sich schneller beweg können und man kann den Gegner schlagen. Dabei sind Türme ein beliebtes Ziel, denn dann gehen ja gleich mehrere gegnerische Steine zurück zum Start. Das Spiel sich nicht schlecht, aber ich fühle mich in Zeiten von Tri-Colore oder Winkeladvokat zurückversetzt. Wer solche Spiele mag, kann sich Summit aber bedenkenlos ansehen.

Elixir hat einen sehr originellen Zugmechanismus: Man kann eine Karte verdeckt spielen und sie so für eine andere Karte ausgeben. So kann man sich trotz schlechter Karten dahin bewegen wo man hin will. Die anderen können die Karte natürlich anzweifeln. Je nach dem ob zu Recht oder zu Unrecht angezweifelt wurde bekommt der Anzweifler oder der Angezweifelte eine Strafe. Leider konnte ich Elixir noch nicht ausprobieren – Ein erster Eindruckt folgt wenn ich das nachgeholt habe. Der Mechanismus ist aber sehr vielversprechend!

ciao

peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

Letzte Artikel von Peer Sylvester (Alle anzeigen)

3 Kommentare

  • >Leider waren schlichtweg keine Informationen über Verlag und Spiele im Netz zu finden.
    In unserer Messevorschau hättest du sowohl Bilder als auch eine kleine Spielbeschreibung gefunden peer :-)

    Aber eigentlich wollte ich dir hier erstmal Alles gute zum Geburtstag wünschen :-). Feier schön.

    Gruß
    Andreas