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Verlagsvorstellung: Wolf Fang

Nach einer Reihe von Verlagen aus den USA und England gibt es heute mal etwas aus dem spielerischen Neuland: Wolf Fang ist ein kleiner Verlag aus Polen. Bereits drei Spiele hat er im Programm, die ich weiter unten vorstellen möchte. Doch zuerst ein Interview mit dem Kopf von Wolf Fang Marcin Podsiadlo!

F: Stelle dich doch bitte unseren Lesern vor!

A: Ich heiße Marcin Podsiadlo und mir gehört der polnische Verlag Wolf Fang. Wolf Fang gibt es seit 2003 und am Anfang haben wir Rollenspiele vertrieben. Anfang 2004 haben wir unser Projekt Crystalicum ins Leben gerufen. Bei diesem Projekt wollen wir eine Vielzahl von Produkten herausbringen, die zusammen großes Universum bilden. Daraus sind ein Rollenspiel, ein Sammelkartenspiel und ein Buch über das Crystalicum Universum entstanden (einige davon in Kooperation mit firm Imperium). Anfang 2007 wollte ich Wolf Fang in einen Brettspielverlag umformen, der auch Projekte anderer Verlage umsetzt. Die Pläne haben sich etwas verändert und verzögert, aber im Dezember 2007 haben wir zwei Spiele veröffentlicht: Tain und Mustang. Im März 2008 haben wir unser neuestes Spiel veröffentlicht: Kazaam.

F: Erzähle uns doch bitte etwas über die Spieleszene in Polen!

A: Der polnische Markt ist jung, aber ich denke er entwickelt sich gerade sehr rasch. Dank Verlage wie Lacerta, Rebel, Albi Polska oder Galakta können wir polnische Editionen ausländischer Spiele in Polen bekommen. Außerdem sind da natürlich auch noch polnische Eigenverlage wie der große Verlag Granna oder die eher kleinen Verlage Kuźnia Gier, Pole Position, Wydawnictwo Kadaceuz. Kaufen kann man die Spiele in jeder größeren polnischen Stadt (in Fachgeschäften oder Empik Commercial Network) oder über Internetshops (z.B. Rebel.pl). Das einzige was wir noch tun müssen ist die polnische Bevölkerung davonzu überzeugen, dass Brettspiele spielen gute Unterhaltung ist. Man finded in Polen alle Arten von Spielern. Einige mögen Partyspiele, andere Eurogames oder Familienspiele usw. Aber die meisten Leute suchen nach “Spiele für Anfänger” (wie Siedler von Catan oder Zug um Zug), was wohl ein Zeichen dafür ist, dass die meisten Leute noch nie zuvor Brettspiele gespielt haben.

 

F: Euer erstes Spiel war Crystalicum  – Kannst Du uns etwas mehr über das Spiel erzählen?

 

A: Wie gesagt, war Crystalicum nicht nur ein Spiel sondern ein ganzes Universum, dass wir vom Wolf Fang Team uns ausgedacht haben. Das Universum Crystalicum hat seine eigene Geschichte, Kultur usw. Alle Crystalicum-Produkte sind im Moment von Verlagsseite ausverkauft, aber man findet sie noch in einigen Spieleläden oder Internethändlern in Polen.

Im Sammelkartenspiel kontrollieren die Spieler jeweils eine der Crystalicum-Völker und versuchen mit Hilfe von Charakteren, Gebäuden, Schiffen und Aktionen politischen Einfluss auf das gesamte Universum zu gewinnen. Dabei kämpfen die Spieler auf drei Fronten: Botschaften/Politik, Weltraum/Weltraumerforschung und Heimatwelt/Militär. Der Spieler der zuerst eine bestimmte Anzahl an Siegpunkten erreicht, gewinnt.

Im Rollenspiel spielen die Spieler Helden, die den Wekltraum auf fliegenden Schiffen bereisen und die Welten des Crytalcium-Universums besuchen. Das Regelwerk ist so gestaltet, dass die Spieler die vollständige Kontrolle über ihre Charaktere haben.

F: Kannst Du uns noch was über eure anderen Spiele  erzählen?

 

A: Im Moment haben wir drei verschiedene Spiele im Programm. Zwei sind Familienspiele (Kazaam und Mustang) und das dritte (Tain) ist ein Bluffspiel.

 

Tain ist ein taktisches Bluffspiel, in der die Spieler die Rolle eines keltischen Clanführres im alten Irland schlüpfen. Seine Aufgabe ist es, den eigenen Clan durch Viehdiebstahl zur Blüte zu führen. Nur durch cleveres Einsetzen der Clanmitglieder, dem richtigen Erraten der gegnerischen Züge und dem Überlisten des Gegners kann dies gelingen.

 

In Kazaam! versuchen die Spieler als Alchemisten ihren ersten Homunculus zu erschaffen. Er hat die Möglichkeit ein wirklich einzigartiges Wesen aus verschiedenen Teilen  diverser Fantasywesen zu erschaffen und  er zahl für diese Teile mit magischen Zutaten. Jeder Körperteil hat eine eigene Fähigkeit, die den Spieler helfen ihr Ziel zu erreichen. Es ist ein Legespiel mit ein paar ungewöhnlichen Kniffen.

 

Mustang ist ein dynamisches Kartenspiel für 2-5 Spieler, die in die Rolle von Cowboys im wilden Westen schlüpfen. Mit der Hilfe von Karten fangen die Spieler Mustangs um eine Pferdezucht aufzubauen. Es ist ein einfaches Familienspiel.

 

F: Klingt interessant! Was können wir in der Zukunft von euch erwarten? Und werdet ihr auch weiterhin Rollenspiele vertreiben? 


A: Wir haben im Moment keine Rollenspiele oder Sammelkartenspiele geplant, aber wir haben Partner die mit uns die Crystalicum-Reihe ausbauen wollen. Wir selbst wollen uns auf Brettspiele konzentrieren und arbeiten an 4 großen Projekten. All diese Spiele werden auf der Spielemesse zu sehen sein; einige als Prototypen und ein oder zwei als Essenneuheiten.

 

Saigo no Kane ist ein Brettspiel bei dem die Spielr um Macht und Einfluss in einer japanischen Highschool kämpfen. Mit der Hilfe der Schülervertetung (und dem Geld der Eltern) gilt es Veranstaltungen zu organisieren, die Stimmen bringen. Der Spieler mit der größten Anhängerschaft nach 5 Runden gewinnt.

 

Jukatan ist ein strategisches Spiel mit etwas Bluff. Man spielt einen Herrscher einer antiken Stadt einer aufstrebenden Civilization. Es gilt die Pyramiden fertig zu stellen, bevor es die Gegner tun. Um das zu schaffen werden Krieger ausgesandt um Arbeiter zu rekrutieren und die Gegner zu verwirren.

 

In Masamune kontrollieren die Spieler die Schmide, welche die berühmten japanischen Samuraischwerter herstellen und versuchen diese den Kriegern zu geben, die sie ehren werden. Dadurch wird die Ehre der eigenen Schmiede erhöht und der Daimyo wird auf die Schmiede aufmerksam. Nach einem Jahr -Zwölf Spielrunden- wird der Daimyo den neuen Hofschmied auswählen und er wählt nmatürlich die Schmiede mit der meisten Ehre.

 

Silesia ist unser Eurogame.  Die Spieler spielen wahlweise die Polen, Czechen, Deutschen oder Schlesier und versuchen in der Zeit vom Mittelalter zur Neuzeit Einfluss auf Schlesische Städte und Gebiete zu gewinnen. 

F: Kann man euch auch Prototypen zuschicken? 

A: Natürlich! Wir suchen immer nach talentierten Leuten. Wenn jemand ein interessantes Brettspiel erfunden hat oder einfach auch Prototypen testspielen will, soll er uns Bescheid sagen! 

 Mein Eindruck der drei Spiele: Als erstes fällt das für einen Kleinverlag sehr ordentliche Material auf. Sicher, die Spielpläne sind etwas dünn, aber Schachteln und restliches Spielmaterial ist (fast) auf dem “normalen” Level. Spielregeln liegen dreisprachig (polnisch, deutsch, englisch) vor und die Graphik ist wirklich gelungen, so dass man auf dem ersten Blick nicht unbedingt merkt, ein Kleinverlagsspiel vor sich zu haben.

Kazaam ist ein Sammelspiel, bei dem die Spieler versuchen deinen aus 9 Teilen bestehenden Homunculus fertig zu stellen. Der Hauptmechanismus ist im wesentlichen Plättchen A abzugeben um Plättchen B einbauen zu können. Was das Spiel von der Masse abhebt ist dass alle Teile des Homunculuses benutzt werden können, um Sonderzüge durchzuführen. Aktivierte Teile zählen aber nicht bei der Abrechnung und sind angreifbarer – ein schönes Dilemma! Insgesamt vielleicht kein Spitzenfilm, aber ein durchaus interessantes Familienspiel, dass es wert ist, sich damit näher zu beschäftigen!

Taín hat vielleicht die schönste Graphik: Das Irlandszenario ist sehr stimmungsvoll umgesetzt. Taín ist dabei ein reines Bluffspiel, dass als solches vielleicht etwas an Eketorp erinnert: Reihum setzt man verdeckt seine Marken ein. Dabei kann man prinzipiell sein eigenen Haus und Hof schützen oder gegnerische Häuser und Höfe angreifen. Eine ganze Reihe von Marken haben dabei überhaupt keinen Angriffswert sondern dienen nur zum bluffen. Die anderen sind etwas nach Wert gestaffelt, wobei es von den starken Figuren naturgemäß nur recht wenige gibt. Da man zudem eingesetzte Marken erst wieder bekommt, wenn alle eingesetzt werden gibt es eine kleine Verwaltungskomponente, die freilich nicht so furchbar stark zum tragen kommt. Im erster Linie gehts um bluffen: Marken einsetzen und (sind alle soweit) auswerten. In der Regel gewinnen Stärkere Figuren gegen schwächere. Bei einem Sieg eines Angreifers darf man Kühe oder Wertgegenstände stehlen, bei einem Unentschieden oder einem Sieg des Verteidigers bleibt die Tür verschlossen. Bei bestimmten Kombinationen gibt es noch kleinere Effekte, wie z.B. das Punkteträchtige Kidnappen der Tochter, auf die ich jetzt aber nicht im Detail eingehen will. Das Spiel endet wenn ein Spieler eine bestimmte Kuhanzahl vorweisen kann, spätestens aber nach 8 Runden. Mein Eindruck: Ein nettes Bluffspiel mit genau der richtigen Spieldauer. Es ist ein klares Absackerspiel, denn viel zu denken gibt es nicht und die einzelnen Runden ähneln sich schon etwas. Dennoch: Mir hats gefallen. Es ist schon befriedigend wenn man die Aktion des Gegenübers richtig erkannt hat und man ärgert sich wenn man die falschen Eingänge bewacht hat. Taín macht genau das was es soll und hat den Vorteil, dass es sich etwas flotter spielt als Eketorp.

Mustang ist sicherlich das schwächste der drei Spiele. Das fängt schon mit der Graphik an, die m.E. gegenüber den anderen beiden Titeln etwas abfällt. Gerade die drei Arten von Pferden (Hengst, Stute, Fohlen) sind nicht so klar auseinander zu halten wie wünschenswert wäre. Auch vom Mechanismus ist es nicht so originell wie die anderen beiden: Man sammelt Karten um mit bestimmten Kombinationen bestimmte Pferde aus der Praire oder vom Mitspieler zu stehlen. Nicht schlecht, aber schon oft gesehen. Allerdings dürfte Spielmechanismus und Thema durchaus für die pferdeliebhabenden Mädchen von 8-12 geeignet sein, was ich aber nicht ausprobieren konnte (ich hatte keine passenden Mädchen zur Hand). Für diese Zielgruppe also wohl durchaus empfehlenswert, ansonsten sind die anderen Spiele klar besser.

Vielen Dank für das Interview!

 

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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