Braincog und Portrayal

Wer ab und an mal bei Boardgames with Scott reinguckt, ist vielleicht auf das Spiel Portrayal von Braincog aufmerksam geworden. So auch ich und ich habe dem Macher Bill Jackobson mal ein paar Fragen gestellt. Im Zuge dessen kam ich auch in Genuß eines Rezensionsexemplares und einer vollwertigen Pressemappe – Ungewöhnlich professionell für einen Kleinverlag! Es folgt das Kurz-Interview, das Spiel wird weiter unten vorgestellt.

F: Stelle doch erst einmal den Werdegang deines Verlages vor!
A: Als meine Frau noch meine Freundin war, erfanden wir gemeinsam Portrayal (so 1997) Nach vielen Jahren in denen wir das Spiel getestet und verbessert hatten, patentierten wir es und bekamen 2006 genug Geld zusammen, um es zu produzieren. Wir gründeten damals Braincog exklusiv um Portrayal zu vermarkten.

F: Was habt ihr für die Zukunft geplant?
A: Wir überlegen ernsthaft, ob wir eine “Junior”-Version von Portrayal für 5-10jährigen herausbringen sollen. Auch haben wir Ideen für weitere Partyspiele, bei denen man Logik, Kreativität und Planung benötigt. Ich mag keine Spiele, in denen Glück eine Rolle spielt und denke, dass viele Partyspiele unter dem Glücksfaktor leiden. Bei Portayal geht es wirklich nur darum klare Anweisungen zu geben und zu befolgen und sinnvolle Annahmen zu machen. Gleichzeitig versuchen wir humorvolle und sogar surreale Elemente in unsere Spiele einzubinden und diese so interessant zu halten. Außerdem haben wir den Anspruch, dass jedes unserer Spiele auch zum Lernen eingesetzt werden kann. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Portrayal gerne von Lehrern angewendet wird, um Kindern die Wichtigkeit von genauen Anweisungen beizubringen.

F: Akzeptiert ihr auch Einsendungen anderer Autoren?
A: Im Moment wollen wir uns auf unsere eigenen Ideen konzentrieren. Braincog ist nur unser Zweit-Job, so dass uns Zeit und Geld fehlt, um allzu viele unserer eigenen Ideen zu produzieren, geschweige denn die externer Autoren.

F: Wie kann man Portrayal in Deutschland bekommen?
A: Bislang nur über unsere Webseite, wir suchen aber z.Z. einen deutschen Vertrieb.

Danke für die Antoworten!

Wie klar geworden sein dürfte ist Portrayal ein sogenanntes Partyspiel. Die Grundidee ist dieselbe wie bei Jam Dudel von Jonathan Leistiko (vorgestellt in meinem Buch Jam Dudel), allerdings ist ja letzteres so entwickelt worden, dass es ohne weiteres Material auskommt. Dafür bietet Portayal ein deutlich verbessertes Bewertungssystem. Wer Jam Dudel nicht kennt:
Ein Spieler zieht ein Bild und muss es den anderen beschreiben. Der Beschreiber darf die gemalten Bilder nicht sehen, die Maler natürlich nicht das Original. Bei Portrayal sind diese Bilder oft witzig und erinnern etwas an Karikaturen aus Zeitungen. Für das Beschreiben und Zeichnen steht nur eine gewisse Zeit zur Verfügung (gestoppt durch die Uhr). Anschließend werden 10 Kriterien aufgedeckt, nach denen die Maler ihre Bilder bewerten müssen, z.B. “Der Mann ist kleiner als die Frau” oder “Die Möwe fliegt nach rechts”. Für jedes erfüllte Kriterium gibt es einen Punkt. Der Beschreiber bekommt einen Punkt für jedes Kriterium, dass von mindestens einem Spieler gezeichnet wurde. Damit das aber kein Selbstgänger wird, kennt auch der Erklärer die Kriterien nicht! Das Resultat: Oft werden später unwichtige Details ausführlich beschrieben und andere Dinge gar nicht oder zu spät. Und davon lebt das Spiel – keine Überraschung also, dass fast alle Spieler lieber erklärten als zeichneten.
Portrayal ist ein sehr originelles Partyspiel und (neben Walkabout, Einfaltspinsel und Jam Dudel) eines der wenigen Zeichenspiele, bei denen es nicht darum geht einen Begriff zeichnerisch zu erklären. Auch muss man gar nicht so besonders gut Zeichnen können, um zu punkten. Natürlich bleibt es letztlich ein Partyspiel und man sollte dieses Genre schon irgendwie mögen. Wer das allerding kann findet ein schönes und vor allem endlich mal wieder originelles Spiel dieser Sparte, dass zudem sogar zu dritt gut funktioniert. Kein Spiel, dass ich den ganzen Abend spielen würde, aber für zwischendurch immer mal wieder gerne!

ciao
peer

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.