Dez 31

And the Sylvester 2011 goes to…

Peer Sylvester,  2011      

Es ist wieder soweit: Preisträgertime!

Der Sylvester in Gold geht dieses Jahr an K2 von Adam Kaluza

Der Sylvester in Silber geht an Intrigo von Charles Chevallier, Catherine Dumas und Pascal Pelemans

Der Sylvester in Bronze geht an Strasbourgh von Stefan Feld

Der Sonderpreis für das beste Partyspiel geht an Bizzarie von Jiraman

Die Sylvester-Fördererwähnung für den besten gespielten Prototypen geht an das Kapitänskartenspiel von Jérôme Morin-Drouin

Knapp verpasst haben den Spiele Die Burgen von Burgund, Sentinels of the Multiverse, Perpetual Motion Machine, Innovation und Hanabi den Platz auf dem Treppchen.

Glückwunsch an alle Preisträger!

Zur mündlichen Urteilsbegründung: Auch wenn es viele spannende Spiele gibt, gibt es wenig Spiele, bei denen ich richtig mitfiebere und bei denen ich vor Aufregung aufstehe. K2 ist eines dieser wenigen Spiele. Es gibt nur wenig Spiele, bei denen man so mitfiebert: Schafft man es noch? Überleben die eigenen Leute? Hinzu kommt noch eine tadellose thematische Umsetzung bei einfachen und weitestgehend intuitiven Regeln. Seit Beginn des Jahres gehört K2 zu meinen Lieblingsspielen in diesem Jahr und hat diese Rolle niemals abgegeben.

Intrigo war das einzige Spiel, dass gefährlich wurde. Dabei besticht Intrigo durch die Einfachheit und die kurze Spieldauer. Das Prinzip ist so einfach, dass man gleich bei den ersten Zügen weiß, was trumpf ist. Ansonsten verweise ich auf die Rezi.

Zwei Feldspiele haben mir dieses Jahr außerordentlich gut gefallen: Strasbourgh und Die Burgen von Burgund. Letzteres habe ich rezensiert. Hier gefallen mir insbesondere die vielen Möglichkeiten, die Plättchenkombis zu nutzen. Strasbourgh ist aber klarer und geradliniger designed, was mehr an meinen Sinn für Eleganz appelliert. Und der Pokermechanismus ist einfach klasse.

Sentinels of the Multiverse habe ich rezensiert. Leider lässt der Wiederspielreiz etwas nach, sonst wäre es in den Top-3 gelandet. Aber auch so ist es das erste Spiel seit Jahren, für das ich mir eine Erweiterung bestellt habe.

Perpetual Motion Machine ist ein geniales Kartenspiel und ideal für Reisen (in die Philippinen z.B.) und Zwischendurch. Die intuitiven Regeln und das „klassische“ Design (mit handelsüblichem Blatt) sprechen auch Wenigspieler an. Einzig die Spieldauer könnte 15 Minuten kürzer sein, ansonsten ein wirklich feines Spiel.

Innovation führt die Tradition fort, dass ich mir englische Spiele kaufe, kurz bevor eine deutsche Ausgabe angekündigt wird. Darüber hinaus habe ich den Kauf nicht berut: Ein im Prinzip einfaches Kartenspiel (wenn man das Grundprinzip erst einmal verstanden hat), mit unglaublich vielen Kombinationsmöglichkeiten. Sicher der Chaosfaktor ist da, sicher es kann sich ziehen, wenn DEbker am Tisch das Unplanbare planen wollen und sicher würde ich es nicht zu viert spielen wollen, aber es ist ein wirklich rundes, originelles Spiel.

Hanabi konnte ich nur einmal spielen, aber es hat mich beeindruckt. Sicherlich auf der Grenze zwischen Spiel und Kunst. Oder Erfahrung. Ein kooperatives Spiel ohne Kommunikation ist schon was besonderes! Dasselbe gilt für die Punktwertung. Ich bleibe dabei: Es ist sicherlich kein Spiel für jedermann, aber jeder sollte es zumindest einmal gespielt haben, denn es gehört zu den wenigen einzigartigen Spielen!

Womit wir bei Bizzarie wären. Mit einem paar Augen und einem Mund fängt alles an: Daraus wird -ergänzut durch ein paar Bleistiftstriche der Spiele) ein Monster pro Spieler. Nun antworten die Spieler für die Monster und schätzen dann ein, welches der Monster noch ins Bett macht, Humanist ist oder viel lacht. Punkte gibt es für Übereinstimmungen. Das Unglaubliche ist, dass es tatsächlich funktioniert! Tatsächlich entwickeln die Monster im Laufe der Partie Persönlichkeit. Zugegeben einige mehr als andere, aber es gibt überraschend viele Übereinstimmungen. Bislang konnte ich damit auch sehr kritische Spiele überzeugen. Ein Partyspiel abseits des üblichen!

Da sowieso keiner die Chance hat, das Kapitänsspiel zu spielen fasse ich mich kurz: Jerome aus unserer Montagsrunde hat ein sehr interaktives, Handelskartenspiel erfunden, dass mit einfachen Mitteln, knifflige Entscheidungen und viele Bündnismöglichkeiten bietet. Falls ein Verlag sowas tolles in sein Programm aufnehmen will, möge er mir bitte Bescheoid geben, ich sag Jerome dann bescheid 🙂

Frohes Neues Jahr!

Peer

 

 








Sep 20

Ohne viel Federlesen

Peer Sylvester,  2008      

Das Ergebnis der alljährlichen Umfrage, die sich hochtrabend „Spielepreis“ nennt, liegt vor und siehe da: Es gibt doch noch Überraschungen:

  1. AGRICOLA von Uwe Rosenberg (Lookout Games) 4497
  2. STONE AGE von Michael Tummelhofer (Hans im Glück) 3452
  3. CUBA von Michael Rieneck und Stefan Stadler (eggertspiele) 1645
  4. IM JAHR DES DRACHEN von Stefan Feld (alea/Ravensburger) 1138
  5. TRIBUN von Karl-Heinz Schmiel (Heidelberger Spieleverlag/MOSKITO-Spiele) 1033
  6. HAMBURGUM von Walther „Mac“ Gerdts (eggertspiele) 993
  7. GALAXY TRUCKER von Vlaada Chvatil (Czech Games Edition) 969
  8. KELTIS von Dr. Reiner Knizia (Kosmos) 863
  9. WIE VERHEXT! von Andreas Pelikan (alea/Ravensburger) 861
  10. METROPOLYS von Sébastien Pauchon (Ystari) 853

Cuba hätte ich nicht so hoch erwartet. Die Stimmen im Forum waren schließlich eher mäßig begeistert, man hat einfach mehr von den anderen Spielen gelesen – Rein vom Forumsfeedback her hätte ich Im Jahr des Drachen auf Platz 3 getippt. Keltis auf Platz 8 fährt den schlechtesten Platz eines SdJs ein, seit die Umfrage sich auf aktuelle Spiele konzentriert. Das liegt zum Teil am Spiel selbst (das kein Überhammer ist und auch kein Vielspielerspiel), zum anderen aber auch an der Konkurrenz, die dieses Jahr ja sehr stark war. Letztlich beglückwünsche ich die Verlage und Autoren zu ihrem Ergebnis – Für mich hat der DSP allerdings eher einen geringen Stellenwert.

Interessanter finde ich den Preisträger der Essener Feder, die hat nämlich Jamaica gewonnen. Wie ich schon in der Rezension schrieb: Das Konzept ist originell, aber sie hat einige Mangel in der Ausführung, namentlich: Sie ist zu unhandlich und die Struktur erschwert das Nachschlagen (Ähnliches gilt übrigens auch für die in Spielerkreisen hochgelobte Regel zu Galaxy Trucker: Witzig geschrieben, aber gezieltes Nachschlagen ist kaum möglich). Interessanterweise wird der Preisträger der Feder in Spielerkreisen überhaupt nicht diskutiert – Dabei dürfte der Feder unterm Strich für das Hobby mehr Relevanz beikommen als oben zitierter Spielepreis. Nur wenn die Regeln verständlich sind und Lust auf das Spiel zu wecken vermögen, kann ein Spiel auf dem Markt Erfolg haben. In sofern macht es Sinn erfolgreiche Regelkonzepte auszuzeichnen. Doch was weiß man über die Essener Feder? Macht die Jury eine gute Arbeit? Und wie passt die Jamaica-Regel ins Bild?

Die Kriterien, welche die Jury der Preisvergabe zugrunde liegt sind:

  1. Überzeugendes und gut strukturiertes Regelkonzept
  2. ansprechende grafische Gesamtgestaltung
  3. klar verständlicher Text
  4. gut leserliches Schriftbild
  5. lücken-, fehlerlose und eindeutige Erklärung
  6. richtige und vollständige Grafiken, als Verweise auf den Text
  7. die Regel soll Lust auf das Spiel machen und die Atmosphäre wiedergeben

Die Punkte 3, 4 , 5 ud 6 sollten selbstverständlich sein.  Die Jamaica-Regel überzeugt natürlich durch ihr innovatives und Athmosphäre erzeugenden Regelkonzept. Und es kommt ja auch alles in der Regel vor (Punkt 5 ist damit erfüllt.) Eine gute „Gliederung“ fehlt aber nicht nur bei der Jamaicaregel sondern auch bei den Kriterien. Und wenn man genau überlegt, sollte das Konzept auch mehr zählen als die Ausführung: Durch den Preisträger sollen andere Verlage angeregt werden ein ähnliches Konzept zu verwenden. Und dann machen die es dann hoffentlich besser.

Leider hat sich die Jury in der Vergangenheit nicht immer an dieses Credo gehalten und oft biedere, aber vollständige Regeln ausgezeichnet. Ein Beispiel war die Regel zu 5th Avenue. Klar, ist das Alea-Regelkonzept gut und erprobt und hat zu Recht auch 2000 (Tadsch Mahal) und 2002 gewonnen (Letzteres für Puerto Rico ein recht schwierig zu erklärendes Spiel). Aber 2004 war das Konzept nicht mehr neu. Und bei 5th Avenue fehlte ein bisschen „der Funke“ in der Regel, der dem Spieler zeigt, wie alles zusammenpasst. Zudem wurde ein bestimmter Regelfehler recht oft begangen. Das stand zwar explizit in der Regel, aber anscheindend nicht so eingebunden, dass der Fehler vermieden werden konnte.

(Anmerkung: Persönlich finde ich die Regeln von Queen Games am besten: Große Schrift, gut strukturiert, farbige Untermalungen -gut! Aber diese Meinung ist nicht unumstritten. Außerdem sind Queen games im Schnitt leichter zu erklären als Alea-Spiele)

Richtig gute Preisträger der Vergangenheit waren dagegen Piranha Pedro (Regel als Comic, der in das Spiel einführt – geht natürlich nur bei einfachen Spielen) und Siedler von Catan (Einstiegsblatt ohne das die Siedler kaum den Erfolg gehabt hätten, die sie hatten).

Unterm Strich verdient die Arbeit der Jury der Essener Feder deutlich mehr Beachtung, als sie erhält. Sie macht eine wichtige Arbeit. Und vor allem verdient sie eine Diskussion: Ist es wichtiger neuartige Konzepte, auch wenn diese noch nicht ausgereift sind, auszuzeichnen oder sollte sie lieber den Preis an vollständige, gut und strukturiert verfasste  Regeln vergeben, die nach dem „klassischen Muster“ gestrickt sind? Beide Ansätze haben ihre Berechtigung; Ersteres fördert neue Konzepte, letzteres Qualitätsverbesserung und die Diskussion wie eine Regel aufgebaut sein sollte, um verständlich und praktisch zu sein. Beide haben ihre Nachteile: Neue Konzepte müssen nicht deshalb besser sein, weil sie neu sind. Und wenn sich Spielregeln nicht weiterentwicklen, können Spiele wie die Siedler ihr Potential nicht erfüllen – Nur „Gut strukturiert“ reicht eben manchmal nicht. Ich habe jedenfalls diese Frage noch nicht für mich eindeutig entscheiden können!

Zum Schluß noch ein Hinweis: Meine Rezi zum Zug um Zug Kartenspiel ist online. Garantiert ohne Regeldiskussionen! Versprochen!

Und ich muss noch auf dieses englischsprachige Blog hinweisen: Es ist von Jeff Allers, dem Amerikaner meiner Berliner Autorenrunde und liefert ausführliche Beschreibungen wie unsere Prototypen (u.a. auch König von Siam) zu fertigen Spielen wurden.

ciao

peer








Aug 19

Spiel der Spiele

Peer Sylvester,  2008      

Die Wiener Spieleakademie hat wieder den österreichischen Spielepreis ausgerufen und dieses Jahr war nicht ganz so überraschend (sollte ich das Adjektiv  „lächerlich“ benutzen?) wie die Prämierung von Activity Extreme im letzten Jahr.

Gewonnen hat Suleika von Zoch. Da sich die Cassans regelmäßig beschweren, dass das SdJ an viel zu komplizierte Spiele geht überrascht dieser Preis nicht, denn ein seichteres Spiel, dass noch irgendwie Pfiff hat ist ja nicht am Markt. Immerhin: Suleika ist ein solides Würfelspiel und macht sicherlich auch irgendwo Spaß. Dass es fatal an Würfelspiele aus den 80er Jahren wie Cash & Carry erinnert, ist dem österreichischen Preis ja egal, da gehts ja nicht um Kulturgutförderung.

Ansonsten auf den Listen:

Spiele Hits für Familien:
Blox (Ravensburger)
Deukalion (Hasbro)
Drachenparade (Piatnik)
Drachenwurf (Schmidt)
Globalissimo (Kosmos)

Spiele Hits mit Freunden:
Galaxy Trucker (CGE)
Stone Age (Hans im Glück)
Wie verhext! (alea/Ravensburger)

Spiele Hits für Kinder:
Auf die Schätze, fertig, los! (Haba)
Haselnussbande (Queen Games)
Lauras erste Übernachtung (Amigo)

Spiele Hits für Experten:
Agricola (Lookout Games)
Race for the Galaxy (Abacusspiele/Rio Grande)
Tribun (Heidelberger Spieleverlag)

Weder bei den „Freunden“ noch bei den „Experten“ (die Unterscheidung dieser beiden Preise entzieht sich mir ein wenig) sind größere Überraschungen dabei. In der Familienkategorie überrascht vor allem Deukalion – denn das ist doch eher ein sehr mäßiges Spiel. Aber der Autor ist Österreicher und da schwingt natürlich etwas Lokalpatriotismus mit (dasselbe gilt für Drachenparade vom österreichischen Verlag Piatnik, der ja auch immer ne Nominierung bekommen muss).

Trotz meiner etwas harten Worte gratuliere ich allen Beteiligten ganz herz- und ehrlich.

ciao

peer