Gedankengut Spiel ’16

Ach herrje, womit kommt der denn jetzt noch? Andere haben längst die Neuheitenliste für die Spielwarenmesse in Nürnberg 2017 abgearbeitet, jetzt kommt der hier mit so altem Kram um die Ecke.
Aber Peer und Matthias haben mich ja gezwungen. Und da lasse ich mich gerne ein wenig anstupsen. Nur musste ich beruflich schauen, dass ich den Beitrag irgendwo zeitlich schaffe unterzubekommen. Voilà.

Womit fange ich denn da am besten an? Falls ich Leser vergraulen will, wohl zunächst einmal mit dem Erlebnis auf der Messe mit Kindern unterwegs zu sein: Was soll ich sagen, im großen und ganzen hat das prima geklappt. Unsere Mädels (4,5 und 2,5) sind am Samstag früh mit Mama nach Essen gekommen und bis Sonntagnachmittag mit dabei gewesen. Wir Eltern hatten also den Donnerstag und Freitag zur freien Erkundung der Messe. Dadurch wird diese Messezeit aber auch gleichzeitig weniger von Spielen denn von Erlebnissen geprägt. Und ja, die Galeria, die ich früher immer wahnsinnig nervig fand, ist dann plötzlich ein Highlight. Falls Ihr meine Kinder mal trefft, wäre ich übrigens dankbar, falls Ihr bestätigen könntet, dass die Trampoline erst für ab 10-jährige Kinder sind 😉 Ihr vernichtet sonst meine Credibility. Die Messehighlights kamen für die Mädels eindeutig von Heidelberger und Schmidt: Eine große Entschuldigung an den jungen Mann oder die junge Frau, die am Sonntagfrüh im Heidelbär-Kostüm steckte. Ja, das war meine Tochter, die Dich beim Rausgehen aus der Galeria geschlagene 15 Minuten zugetextet hat und Dir Geschichten aus ihrem Leben erzählt hat. Danke, dass Du so nett stehengeblieben bist. Der Kaffee, den ich in der Zeit getrunken habe, war der wohl entspannteste des Tages. Und pardon, dass Dir die Mädels dann den ganzen Tag suchend durch die Hallen gefolgt sind. Wir spielen dafür jetzt nur noch Heidelberger-Spiele mit ihnen. Gut, bis auf Schmidts Bibi&Tina – Das große Rennen. Das spielerische Highlight der Messe für die Mädels. Und ein großer Dank an Schmidt, das wir dass Spiel am Stand erwerben durften, da die umliegenden Händler es überraschenderweise nicht im Sortiment hatten. Die Packung davon ist zwar groß, aber ich habe das gerne geschleppt, sind darin doch zwei Steckenpferde, die noch am Abend im Hotel bespielt wurden. Außerdem war der Karton bei weitem nicht so groß wie der von PlayMais, der anderen Entdeckung der Messe. Aber der Karton kam glücklicherweise per Post wenige Tage nach der Online-Bestellung. Apropos Online-Bestellung, kennt jemand eine Bezugsquelle für die Einhornkopfbedeckungen aus Halle 2? Sahen bescheuert aus, stehen aber auf dem Weihnachtswunschzettel der Mädels…

So, dann mache ich direkt beim letzten Adjektiv weiter. Ich bin jedes Jahr auf’s neue überrascht, mit welcher Naivität Kleinverleger hier an den Start gehen. War es letztes Jahr (oder vorletztes?) das eigenproduzierte Black Hole (engl. Bezeichnung für ein rundes Leiterspiel), setzte dem in diesem Jahr Stephan Daniel die Krone auf. Besagter Autor, Verleger, Ernährungsexperte und (!) Skilehrer sprach mich bereits vor der Neuheitenschau komisch von der Seite an, obschon ich gerade im Gespräch mit Tom Werneck vertieft war. Nun gut, Flyer entgegengenommen, gelächelt, zurück zum Gespräch. Dann kam aber während der Messe am Freitagabend das an Absurdität nicht zu übertreffende Ereignis: Wir schlenderten gerade von einem Termin zum nächsten als besagter Motivationskünstler aus seinem Stand heraus gesprungen kam (wirklich, wortwörtlich), um sich uns in den Weg zu stellen. Ohne große Vorstellung kam die Frage: ‚Hey, für welches Medium arbeitet Ihr denn?’ Man muss dazu sagen, dass wir neben spielbar noch die Spielevorstellungen für das Libelle-Magazin schreiben, z.B. gerade aktuell Krazy Wordz. Nun gut, ich war froh, dass ich ihn nicht umgerannt habe, so spontan kam der Sprung vor meine Füße (Anm. d. Red.: nein, aufgrund seiner kräftigen, tollen, männlichen Statur – erwähnten wir das mit dem Skilehrerschein – wär‘ das natürlich nicht, ach, ich schweife ab…), dennoch nett geantwortet und auf seinerseitiges Nachbohren versprochen, dass ich um 18 Uhr, nach unseren sonstigen Terminen, nochmal vorbeikomme. Gesagt, getan und @AttilaProducts einfach direkt mal mitgenommen. Und was dann geschah ist für mich immer noch unfassbar, auch in der Retrospektive. Wir also hin und freundlich gesagt ‚Da sind wir, dann zeig uns mal Dein Spiel‘. Dann folgte eine minutenlange Erläuterung, dass Trumpf ja nicht Quartett sei und dass da erhebliche Unterschiede bestehen. Die habe ich bis heute nicht verstanden, aber in dem Moment auf der Messe dachte ich nur ‚ok, was erklärst Du da, Du wirst doch hier nicht ein Trumpf-Spiel vorstellen wollen…‘. Weeeeeeit gefehlt. Die Erläuterung des Spiels begann dann mit den Worten ‚50% der Deutschen wollen mehr über Ernährung erfahren. Mit dem Spiel ‚jeu-d’œuvre‘ will ich zur Bildung beitragen.‘ Dann kam nochmal die Erklärung von Trumpf, verbunden mit dem Hinweis, dass das für die meisten Menschen als Spiel ja schon viel zu kompliziert sei (Anm.: was ich nicht hoffe). Er habe sich daher einen tollen Kniff ausgedacht, mit dem das Spiel noch viel toller wird: Die Schwierigkeit besteht ja bei Trumpf in der Entscheidung für eine Kategorie, die man Vorlesen möchte. Das nimmt einem jeu-d’œuvre ab. Hier steht oben auf der Karte, welche Kategorie man wählen muss. Hmm. Erst mal Schweigen. Dann kamen wir darauf zu sprechen, ob man dann noch von Spiel sprechen kann. Immerhin fällt damit alles weg, was man an Trumpf noch als Spiel bezeichnen könnte. Und wir waren echt nett und höflich, haben aber dennoch unserer Skepsis Ausdruck verliehen. Und das war offensichtlich Anlass genug, uns dann so was von persönlich anzugehen: Was wir doch für Journalisten seien, unsere Aufgabe sei doch wohl ihm zuzuhören und dann sofort über seine Worte zu berichten. Unser Einwand, dass weder spielbar noch Spielbox, für die Atti schreibt, wohl einen Leserkreis hätten, der sich für ein Trumpf-Spiel interessiert, wurde dann mit der Gegenfrage konterkariert, wieviele Leser wir denn hätten. Seine Zielgruppe sei immerhin eine andere, denn 50% der Deutschen hätten Interesse an Ernährung, er strebe also einen Markt von 40 Mio. Kunden an. (Anm.: Wenn ich mich nicht täusche, dann also knapp doppelt so viele, wie es Käufer für das Catan Grundspiel weltweit gab.) Da könnten wir mit unseren paar Tausend Lesern wohl kaum eine Relevanz für ihn haben. Bämm. Das saß. Ich wusste echt nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Beides aus Erheiterung.
Aber ich will eines zugeben: Die Aquarelle, die er nach eigenen Angaben selbst erstellt hat, sind toll. Hier könnten Verlage auf der Suche nach einem Illustrator ja mal vorbeischauen.

Leider konnten wir aufgrund der Kinder nicht zum Bloggertreffen am Samstagabend. Aber wir hätten vermutlich auch den Dienstaltersdurchschnitt gesprengt. Ich bin in dem Kontext über twitter gefragt worden, wie lange es spielbar.com schon gibt. Die Überraschung, dass wir am 22.02.2000 gestartet sind, war schon interessant. Webseiten gibt es also nicht erst seitdem Social Media en vogue sind 🙂

Dann noch ein paar vermischte Eindrücke:

Ein steter Anlaufpunkt war der Stand von Rathskellers. Die Tische von den Jungs sind echt grandios. Zwei davon stehen bei @AttilaProducts und ich freue mich jetzt schon auf die nächste Partie darauf (zum Zeitpunkt, wo ich dies hier schreibe, sieht es so aus als würde das Elisabeth I. werden, wunderbares Spiel).

Es gab vereinzelt Ärger um rationierte Spiele. Für mich nicht ganz nachvollziehbar. Wenn man das mal in Ruhe betrachtet, ärgert sich niemand mehr als ein Verleger, falls er nicht genügend Spiele mit in Essen hat, weil einfach nicht mehr zu produzieren oder transportieren waren. Egal, welchen Verteilmechanismus man dann wählt, irgendjemand wird sich immer aufregen. Und entgangenen Gewinn hat er auch noch. Für die Kaufinteressenten: Wenn ein Spiel wirklich richtig gut ist, dann kommt es irgendwann zu einer Neuauflage oder einem weiteren Printrun.

Spannend fand ich die Vorankündigung des Paketversands direkt von der Messe. Überrascht war ich dann von der winzigen Größe des Stands. Ich hatte einen mindestens 4x so großen Stand erwartet. Aber das Geschäftsmodell scheint funktioniert zu haben und daher möchte ich fast wetten, dass im nächsten Jahr noch mehr Paketanbieter auf der Messe präsent sein werden. Die von weiter her angereisten Besucher haben zumindest lange Schlangen gebildet.

In den letzten Wochen habe ich eine spannende App immer häufiger genutzt: Boardgame Stats App, mit der einige Statistiken von BGG ausgelesen und Daten für BGG eingegeben werden können. Ein feines Ding. Und im krassen Kontrast zu twiddle auch ein Konzept, von dem ich auch vorab gesagt hätte, dass es funktioniert. Zu twiddle, einer anderen mobilen App, gab es hingegen trotz vermutlich großem Investment seitens Spieleverlage e.V. lediglich eine dünne Pressemitteilung. Vielleicht war zu dem Zeitpunkt bereits der Glaube an das Projekt verloren. Wenn alles gut läuft, werde ich in den kommenden Wochen hierzu nochmals etwas intensiver schreiben.

Na gut, und als ultimativer Nachschlag noch der Blick auf die Neuerwerbungen (= Pile of Shame des kommenden Jahres).

Spiel 2016 (= Pile of Shame 2017)
Spiel 2016 (= Pile of Shame 2017)

So, Peer und Matthias, das war’s von meiner Seite zu Essen. Euch fehlt noch was? Gut, dann hier noch ein kleiner Nachschlag: Nette Leute treffen – Spielen im Hotel – Bloggertreffen – Tolle Leute wiedersehen – Kasse geklaut, Kickstarter gemacht – Messe überfüllt – Wir wollen mehr Spielfläche! – Unfassbar hohe Preise – Ramschpreise – Waffeln – Crepes – Kaffee – Hotel Bredeney.

Die Ludoimpischen Spiele

Mir ist so kurz vor der Zielgerade, der Spiel ’16 in Essen, dieses Jahr aufgefallen, dass es gar nicht so sehr die Zeit vor Ort ist, welche die Arbeit ausmacht, sondern die 12 Monate davor. Die Zeit in der alle Neuheiten geplant, bearbeitet und irgendwie gehandelt werden. Der Vergleich der mir dabei durch den Kopf ging, war einer der sich anbot, weil hier in Berlin vor 2 Wochen der Marathon war.

Die Spiel ist ein Marathon. Genauer gesagt sind die 12 Monate bis zur Spiel der Marathon. Der Sommer ist Kilometer 35, wo die Puste gefühlt etwas nachlässt, und die Spiel selber ist die Zielgerade, wo ich nur noch 4 Tage drauf schaue um das Ergebnis zu erfahren. Man ist erschöpft und trotzdem noch voller Energie. Wie bei Ecstasy. Da ist man auch sofort Tod, kann aber noch 3 Tage durchtanzen.

Wir sind also beim Sport. Und so, wie die Olympiade der Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen darstellt, ist dieses Jahr aber auch die Zeit zwischen Ludoimpischen Spielen. Und ich dachte dann kann ich hier noch ein paar andere Sportarten vorstellen, die vor Ort von vielen ob gewertet oder ungewertet gespielt werden.

Hindernisganglauf – Der Weg durch die Gänge ist voller Leute mit Koffern, Sackkarren, Hubwagen, und so manch anderem Gefährt um die Masse an Spielen abzutransportieren, die andere mühsam hingeschleppt haben. Zum Glück sind es dieses Jahr 6 Hallen und so verteilt sich die Masse deutlich mehr als letztes Jahr, was zu einer Entspannung führen sollte. Mancher wird sich beschweren, dass es leerer sein wird, aber der war halt noch nicht bei der Halle 1 bei der zweiten Sportart.

Schnäppchencatchen – Eingesperrt in einem Käfig werden die Leute durch einen engen Gang gequält, wo sie die günstigsten Spiele ergattern können. Man will früh da sein um manche Schnäppchen zu machen, bevor sie alle sind, aber auch wiederum nochmal spät, wenn die letzten Spiele nochmal günstiger werden. Manche Perlen sieht man leider Jahrelang, für einen pervers niedrigen Preis. Was uns aber gleich zu Kategorie 3 bringt.

Neuheitenjagen – Natürlich will jeder die besten Spiele, aber bei solch einer Masse kann es nicht nur die besten geben. Je weniger man kennt, desto weniger kann man mit den Spielen die man hat unzufrieden sein. Was leider stimmt, wenn der nächsten im Handel ein Monopoly kauft, führt aber auch dazu, dass es welche gibt die sich gegen diese Tatsache währen. Sie studieren ihre Opfer seit Wochen und Monaten um sie dann gleich am ersten Tag alle an ihren jeweiligen Ständen zu erlegen und mitzunehmen. Ich kann selber sagen, wie wenig davon tatsächlich ordentlich behandelt und präpariert wird, und wie viel davon Zu Hause im Schrank anfängt zu modern. Man merkt es nur nicht, weil sie noch eingeschweißt sind.

Es gibt noch viele andere Sportarten in der Nische der Ludoimpischen Spiele, aber ehrlich gesagt so viel Platz habe ich hier auch nicht, ohne auch nur die letzten meiner 23 Leser zu verlieren. Der Vollständigkeithalber erwähnen wir sie aber natürlich. Trendhinterherlaufen, Schlangestehen, Preistiefwurf und gerade immer beliebter Staffel-Verlags-Übernahme.

Frohe Spiele.

Zwanzig Mal Fußball WM

Es gibt die Leute die Fußball als so toll empfinden, das sie sich möglichst alles dazu in den Kopf packen. Viele verfolgen was passiert und achten in erster Linie auf ihre eigene Lieblingsmannschaft. Es gibt auch die, die nur bei der Europameisterschaft und der Weltmeisterschaft aus ihren Löchern kriechen und sich mit dem Sport beschäftigen und es gibt natürlich noch die Totalverweigerer, die selbst solche Gelegenheiten komplett ignorieren sich mit diesem Sport zu beschäftigen. Ein Sport, der für sehr viele Menschen der wohl wichtigste Sport in ihrem Leben ist. Wie kann das nicht für jeden das Ereignis sein?

Bei uns Brettspielern ist das nicht viel anders. Da sind die Immer-Spieler, die einmal die Woche-Spieler, die Öfters-im-Jahr-Spieler und natürlich die Was-gibt-es-denn-unterm-Weihnachtsbaum Einmal-im-Jahr-Spieler. Doch selbst unter diesen gibt es Gruppen die nie auf einen Ast kommen. Es gibt die, die direkte Interaktion als wichtig empfinden, die Geselligen, die für jedes Kommunikationsspiel zu haben sind, die Strategiespieler, denen es nicht anspruchsvoll genug sein kann, die Beschäftiger, denen es nicht auf die Spielzeit ankommt, sondern auf das Entwickeln und natürlich die Thematiker, denen es am wichtigsten ist das ein Spiel seinen Flair vermittelt und nicht ausgewogen oder anspruchsvoll ist. Die Mischgruppen machen hier nochmals so einiges vielfältiger.

Aber wenn man jeden von diesen Spielern fragen würde was macht ein gutes Spiel aus, dann würden oft ähnliche Argumente kommen. Jeder will oft dasselbe und diese werden so schwammig wie möglich formuliert. Wenn diese aber an Beispielen festgemacht werden sollen, dann funktioniert das wieder nicht. Was der eine als fröhliches Kommunikationsspiel empfindet, ist für den anderen ein trockenes Glücksspiel. Während einer es als Interaktiv empfindet, bei Agricola dem anderen ein Feld wegzunehmen, er hätte ja schneller sein können, ist dem anderen Abluxxen schon zu kommunikativ und laut. Verkaufszahlen und Ranglisten können da demokratisch entscheiden, wenn es denn wichtig ist.

Nun ist ja gerade Weltmeisterschaft im Fußball und wenn man nicht nur die Spiele verfolgt, sondern ein paar andere Fetzen im Internet aufsammelt, dann kommen schon interessante Kleinigkeiten raus. Gerade in den USA kenne ich aus beruflichen Gründen einige Brett- und Kartenspieler und diese verfolgen auch den World Cup zum Teil mit mehr und zum Teil mit weniger Interesse oder Ablehnung. Das der Sport langsam in den USA Fuß fasst ist auch daran zu sehen, das an kein anderes Land soviel Karten verkauft wurden dieses Jahr wie an Interessierte aus der USA.

Natürlich werden da wieder unterschiedliche Aspekte beleuchtet. Einer ist es gewohnt über Magic-Turniere zu reden, von diesen zu berichten und die Spieler und ihre Decks zu durchleuchten, so dass er die kompetitiven Elemente ins Sichtfeld bringt. Für ihn sind die Spieler wie Karten in seinem Magic-Deck, und die Strategien lassen sich auf eine Art Stein-Schere-Papier runterbrechen. Solange er daran Spaß hat, freue ich mich über seine Beobachtungen und kann seinen ausführlichen Schlussfolgerungen folgen, auch wenn sie dann am Ende falsch liegen.

Ein anderer ist da weniger zimperlich und mault die ganze Zeit, was an dem Sport alles geändert werden müsste, um es interessanter zu gestalten. Kürzerer Spielblöcke, weniger Showeinlagen der Spieler, ein robusteres Regelwerk, und was noch alles an Ideen ankommt. Es ist seine erste WM die er mitverfolgt. Für jemanden der mit dem Sport nicht groß geworden ist, kann es auch sehr befremdlich wirken.

Mit diesem Mind-Set werden aber auch von vielen Brettspielern Neuheiten betrachtet. In 2 Wochen ist die Fußball-WM vorbei und dann schauen alle, die es bisher nicht getan haben, wieder auf Essen und seine Neuheiten. Durch das frühe Essen auf der GenCon gibt es einiges schon jetzt zu erleben und zu erfahren. Kickstarter- und Spieleschmiede-Aktionen bewerben ihr Spiel schon jetzt um möglichst viel Finanzierung zusammenzubekommen, wenn das Spiel dann in Essen da sein soll. Informationen werden hier aufgesaugt, wie ein Schwamm.

Und in Essen und danach kommen dann wieder möglichst viele Spiele auf den Tisch. Oft nur einmal und dann ab zum nächsten. Ich werde wieder erleben wie Leute ein Spiel zu früh beurteilen, weil sie es nicht kennen. Ein Spiel das seine Qualitäten, vermutlich erst ab dem zweiten oder gar dritten Spiel erblühen lässt, so wie das Kingdom Builder getan hatte. Manche winken schon nach der Anleitung ab, als ob die Feinheiten einem in 40 Seiten nur so entgegenbringen.

Ja. Viel Spielen macht einen schlauer, aber nicht immer ist alles so einfach zu entzaubern wie es diese Spieler darstellen. Ein Verlag der ein Spiel bestimmt 100 mal getestet hat ist vielleicht betriebslind geworden oder hat es so fein geschliffen, das jeder Spaß daran abperlt, oder es ist das grandiose Spiel geworden, das Spiel des Jahres wird. Dies aber nach einmal spielen zu erkennen ist selten bis nie drin. Die Masse kann etwas erkennen, aber nur wenn die Masse auch sich damit beschäftigt.

 

Laufende Messeupdates

In den kommenden Tagen findet in Essen wieder einmal der Höhepunkt des Jahres statt, die Spiel 2013 öffnet ihre Pforten.
Die laufende Messeberichterstattung verschiebt sich in diesen Tagen auf den Twitteraccount:
https://twitter.com/spielbar_com sowie auf das dortige Hashtag #Spiel13

Daneben wird es frische Photos von den Messeneuheiten und den Messehallen bereits am Mittwoch vor der Messe geben, und zwar unter
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Neuheitenschau
Messebilder

Personalverantwortung

Es sind die Extreme die einen immer wieder zum Nachdenken anregen. Ich hatte ein paar Jahre lang einen Job mit Personalverantwortung. Ich war verantwortlich für vier Personen und jede Menge freiwillige Helfer. Ein Job der mich verpflichtete mich mehr um das Personal als die Arbeit zu kümmern, aber es war klasse, weil ich nicht reingeworfen wurde, sondern langsam reinwachsen konnte. Je höher man in der Hierarchie war desto mehr ging es um das Managen der Mitarbeiter als um das Managen der Arbeit, obwohl das Eine das Andere bedingte. Und das hieß nicht nur aufpassen sondern auch fördern.

Derzeit bin ich Selbständig. Ich bin nur für mich alleine verantwortlich und kann meine Zeit halbwegs frei einteilen. Die Aufgaben stehen im Mittelpunkt und meine Verantwortung ist eher Ergebnisorientiert. Ich muss niemanden coachen oder motivieren, außer mich selber. Es gibt dennoch Helfer die ich engagieren muss, wenn ich eine Veranstaltung durchführe. Helfer auf die ich mich verlassen muss, welche wie ein Uhrwerk funktionieren müssen. Und dennoch gibt es auch hier Ausreißer.

Brettspiele haben diese Wunderbare Kategorie der Worker-Placements. Effektiv übernimmt jeder Spieler hier Personalverantwortung und muss das ihm gegebene Personal möglichst effektiv nutzen um die Aufgaben besser zu erledigen als die Mittbewerber. Leider beschränkt sich dieses System oft auf die Worker als Ressource, welche alle gleich gut sind und wo keine Menschliche Ebene drin ist. Das macht auch Sinn, denn das Spiel will eine idealisierte Welt vorspielen, welche uns aus der Realität flüchten lässt. Es macht auch Sinn, wenn man bedenkt das die Amerikaner ihr Personal oft auch nur als Human Ressources betrachten.

Zum Glück gibt es aber Spiele wo die Arbeiter unterschiedliche Stärken haben und für bestimmte Sachen besser geeignet sind. Diese zusätzliche Ebene hat den Vorteil, dass es noch strategischer werden kann. Auf seine Weise ist die Personalwahl bei Notre Dame genau hier so ein Element. Die Spieler müssen sogar damit leben, wer wann zur Verfügung steht. Auch Rattus ist mit seinen Personen etwas in der Art. Ich übernehme die Verantwortung eine Person anzuheuern, und muss damit leben wenn sie mich wieder Einfluss kostet.

Es ist immer noch stilisiert und es werden normalerweise keine Zufallseffekte dazwischen geworfen, wie sie als schlechtes Spieldesign von den Spielern angenommen werden, da sie als unkontrollierbare Glückselemente einbringen. Gerade wenn es manche Spieler mehr trifft als andere. Es wäre auch zu echt, wenn einer ausfällt weil er über Nacht zu viel getrunken, einfach verschlafen, mit einer Kollegin rumgemacht, was zu Spannung in der Belegschaft führt oder einfach nur den Dienstwagen zu Schrott gefahren hat. Solch eine Aufzählung erinnert an Monopoly aber nicht an ein Hard Core Euro Spiel. Da heißt es eher, die Pest tritt auf, die Hunnen überfallen Dich oder auch ein Assassine hat einen gemeuchelt.

Solche Begebenheiten passieren im wahren Leben und erwarten taktische Überlegungen und Anpassungen auf der Stelle. Eine Eigenschaft die auch beim Spieletesten aufkommt. Mitten im Spiel stellt man fest, dass das Spiel an einer Stelle nicht so funktioniert wie es gedacht war oder ein Element zu stark oder zu schwach ist. Es wird sofort geändert und mit der Änderungen weitergespielt. Und das Spiel widerspricht selten auf solche Aktionen. Menschen reagieren da doch individueller, so wie sie es am Spieltisch auch tun sollen.

Wette verloren, Glück gehabt

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Am Donnerstag war es soweit, die Messe hat Ihre Tore geöffnet. Zuvor waren schon einige Hypes fabriziert und die ein oder andere Sau durch’s Dorf getrieben worden.
Ich konnte dies in diesem Jahr mit einem gewissen Abstand nachverfolgen, da ich aufgrund der beruflichen Einbindung diesmal quasi keine Vorbereitungen treffen konnte. Ich war daher froh über einige Tips für Kickstarter-Aktionen, Vorbestellungen, etc. Einige davon habe ich genutzt, andere nicht.
Eine Möglichkeit zur Vorbestellung, die ich genutzt habe, war bei Fragor Games für die Neuheit Spellbound. Beeindruckende Zahlen sind da vorab durchs Netz gegeistert. Aufgrund einer glücklichen Fügung durfte ich mein Spiel auch schon am Mittwoch in Empfang nehmen. Kurz später kam eine Diskussion über den Verrücktheitsgrad der Szene auf. Es ging um Vor-der-Messe-Regelesen, Akzeptanz des Prototypenstatus einiger Neuheiten und ähnliche Themen. Und es ging um die ewige Jagd nach der Neuheit. Diesen Drang, immer das eine neue, herausragende Spiel im Bestand zu haben.
Und irgendwann war daraus eine Wette geboren. Mein Einsatz: Spellbound.
So habe ich noch am Abend mein Exemplar bei eBay eingestellt. Laufzeit drei Tage (damit ich mir notfalls am Sonntag noch ein weiteres Exemplar auf der Messe hätte kaufen können). Meine These: es gibt tatsächlich Enthusiasten, die bereit sind, für ein unbekanntes Spiel, zu dem marketingwirksam ein paar wenige Infos gestreut wurden, den dreifachen Neupreis zu zahlen. Gesagt getan, 180,- € lautete also die Ansage bei eBay.

Und jetzt ist die Aktion gerade einige Minuten verstrichen. Und ich habe mit meiner These daneben gelegen. Glück gehabt, denn jetzt darf ich mein (!) Spiel endlich auspöppeln. Und sowieso behalten. Und ich kann festhalten, die Szene ist doch nicht so – äh, wie habe ich oben geschrieben? – enthusiastisch, wie ich gedacht habe. Und das ist doch positiv. Dieses Positive hat jedoch auch eine Kehrseite, zeigt sich damit doch, wie klein unser erlauchtes Grüppchen von intensiven Brettspielern doch ist. Eigentlich schade, wenn man sieht, wie glücklich dieser Zeitvertreib doch machen kann.

P.S.: Dass ich von der Ausbildung her Wirtschaftswissenschaftler bin, zeigte sich wenige Sekunden vor Ablauf des Angebots bei eBay. Da kam ein Preisvorschlag über 130,- rein. Da musste ich denn doch schon überlegen. Glücklicherweise zu lange, so dass das Angebot schon abgelaufen war…

41 Tage bis zur Spiel 2012 – Ausgewählte Aktionen

So langsam steigert sich die Nervosität der Spielergemeinde. Es sind nur noch wenige Wochen bis zum Beginn der größten Spielemesse der Welt. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: Mehr als 800 Aussteller aus 36 Nationen. Beeindruckend. Und fast schon beängstigend.
Beängstigend, weil man als eingefleischter Brettspieler natürlich nichts verpassen will. Das gilt für Neuheiten von Verlagen, die alleine aufgrund eines Photos des Spielmaterials eine Vorbestellungsflut auslösen. Aber auch für die Sachen, die in den Social Media heiß beworben werden.

Ich selbst bin sehr gespannt auf die ganzen Umsetzungen von Brettspielen für mobile Endgeräte. Die ach so modernen Apps erobern derzeit die Branche. Viele Verlage spüren, dass hier eine große Chance auf ein Stückchen des großen Kuchens „Mobile Games“ besteht. Die klassischen Brettspielverlage sehen sich plötzlich in der Situation, mit den Entwicklungsstudios von Computerspielen kooperieren zu können. Noch deutlicher formuliert: Die Computerspielbranche hat Interesse an den Inhalten, die die Brettspielverlage liefern können: Soziale Interaktion, gefördert durch Brettspiele. Ich denke, dass kein größeres Lob für unser Hobby ausgesprochen werden kann, als dieser hochaktuelle Trend. Noch vor einigen Jahren wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, Brettspiele für die Nutzung am Desktop-Rechner umzusetzen (wenige Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, z.B. Die Siedler von Catan). Dafür spielt das gemeinsame Spielerlebnis einfach eine zu starke Rolle in unserem Hobby. Es zeigt aber auch, dass mobile Endgeräte eben diesen „sozialen“ Charakter aufweisen, den der Desktop-Rechner nicht hat. Kinder können mit Ihren Eltern gemeinsam auf dem Sofa oder im Garten auch auf dem Endgerät spielen (ohne Massen von Spielekartons verfügbar zu haben). Die Erwachsenen können ihre Spieleabende verlängern indem die Partien am Brett in den digitalen Umgebung eine Revanche erfahren. Ein Trend hat sich bei den „Mobile Boardgames“ nach meinem Empfinden schneller durchgesetzt als in der klassischen Branche: Eine fehlerhafte, schwache Umsetzung (Programmierung, künstliche Intelligenz) des Brettspiels wird schnell und deutlich durch den Kunden abgestraft. Sie es in Form negativer Bewertungen in den App Stores oder in der Kommunikation in den Social Media. Kunden erwarten eine grafische und vom Spielerlebnis her perfekte Umsetzung des Spiels. Dies ist ein Trend der – insbesondere wenn ich auf die Ausarbeitung vieler Spielregeln – bei unseren Brettspielen im Karton noch nicht soo stark ist. Hier ist der Kunde im Zweifel dann doch bereit und willens in Foren auf BGG oder der Webseite des Verlags nachzuschauen. Aber ich denke, dass aufgrund der starken Konkurrenzsituation (800 Aussteller, s.o.) auch hier eine Bewegung in den Markt kommt.

Worauf bin ich noch gespannt?
Eine sehr beeindruckende – und spannende – Werbeaktion betreibt aktuell Kosmos für das neue „Die Legenden von Andor“. Wer da noch nicht mitgerätselt hat, kann übrigens immer noch problemlos einsteigen. Ich bin wirklich gespannt, ob sich die hohen Erwartungen, die durch den immensen betriebenen Aufwand geschürt wurden, letztlich bestätigen. Aber ich bin da recht guter Hoffnung.
Nachdem ich nun endlich – aufgrund eines Tips von Attila – ein tolles Hängeregal für die Massen an Kartenspielen gefunden habe (Regaflex) freue ich mich auch auf viele neue Kartenspiele. Bohnanza hat in diesem Jahr seinen 15 Geburtstag gefeiert. Rund um dieses Event werden einige Aktionen durchgeführt. Z.B. eine Versteigerung von Grafiken bei Amigo zugunsten eines guten Zweckes (Freitag und Samstag um 16 Uhr, Stand 11-22).
Eine Premiere steht für uns persönlich in diesem Jahr an. Da erstmals mit Kind (und Kindertrage – mal schauen, wie das wird…) unterwegs, werden wir wohl auch bei Haba vorstellig werden. Haben die überhaupt Mehrstunden-Strategiekracher-Ultraheavy-Spiele im Programm? Nicht? Hmm, gut, dann muss ich mich da wohl umstellen 🙂
Da passt dann auch das diesjährige Thema der Europäischen Spielesammler Gilde ESG. Da geht es um Geschicklichkeitsspiele der letzten 150 Jahre. „Ich bau Dir ein… – Bauspiele“ lautet das passende Motto.

Begeisterung für ein bestimmtes Spiel muss schon vorhanden sein, wenn man die wertvolle Zeit auf der Messe für die Teilnahme an einem Turnier verwendet (erst wollte ich „opfert“ schreiben). Habe ich seinerzeit mal bei Siedler gemacht. Würde ich heute nicht mehr tun. Nichtsdestotrotz gibt es Angebote an Turnieren: Cuboro, Memory, Dominion, Carcassonne oder Warhammer Invasion sind nur einige Beispiele.

Einer der wichtigsten Punkte der Vorbereitung auf die Messe ist jedoch mit Sicherheit die Bestellung der Eintrittskarte. Das ist problemlos an den bekannten Vorverkaufsstellen möglich. Alle Infos zum Vorverkauf finden sich auch auf der Webseite des Merz Verlages.