Malen nach Zahlen, die Münzedition

Ich liebe Zahlen. Mathe war in der Schule nie ein Problem, aber die Mathematik in Spielen ist meist so gut versteckt, das ich diese nicht wahrnehmen kann. Ich habe inzwischen genug Carcassonne gespielt um die Zahlen in dem Spiel zu sehen und meine Züge qualitativ zu bewerten. Bei Agricola schaffe ich das immer noch kaum. Und für mich ist das keins der Merkmale ob ein Spiel abstrakt oder thematisch ist und ob es Leben hat oder wie Arbeit wirkt. Wenn ich die Mathematik sieht ist das ok, aber je länger ich brauche um das zu merken, um so mehr Spaß habe ich meist an dem Spiel. Aber zum Glück gibt es ohne Ende auch Mathematik im Meta-Bereich. Die Bewertungen von spielen, die Berechnung der Platzierung auf BGG, die Auflagen-, Verkaufs- und Produktionszahlen und eigentlich alles andere was man messen will.

Die Zahl-Seite

Kommen wir zum Deutschen Spielepreis. Die Mathematik springt hier jeden an. Die Leute müssen bis zu 5 Spiele angeben, welche unterschiedlich gewichtet werden, und raus kommt eine Platzierung, welche aus den aufsummierten Punkten besteht. Ein Blick in die neue Spielbox, welche die Tage jetzt verschickt wird, enthält wieder auch die Punkte, die die Spiele dabei gesammelt haben. Und diese Punkte werfen für mich Fragen auf. Wenn man nur die Platzierung sieht, wie auf der Webseite angegeben, dann denkt man sich das immer mehr Leute, die weniger die Freakspiele mögen, mit abstimmen. Die Platzierung des diesjährigen Spiel des Jahres ist auf Platz 3 deutlich besser als Platz 5 für Camel Up letztes Jahr. Ein Blick auf die Punkte macht aber deutlich. Die haben fast genauso viele Punkte, Camel Up hat sogar ein bisschen mehr.

Es ist also deutlich einfacher dieses Jahr einen höheren Platz zu erlangen als im Jahr davor. Sämtliche Plätze haben alle weniger Punkte. In der Gesamtsumme sind 19% weniger Punkte auf die Top 10 verteilt als 2014, als hätte einer sich die Umsatzsteuer gezogen um weniger zahlen zu müssen. Aber das sind um es besser erfassen zu können, Ein Fünftel aller Stimmen weniger. Leider geht Matthias Handel in seinem Kommentar zu Null auf diesen Umstand ein, sondern philosophiert im gesamten Text über das auf und ab von Hans im Glück, die halt zum zweiten Mal hintereinander gewonnen haben. Vielleicht schaffen sie auch den Hattrick nächstes Jahr, gönnen würde ich es ihnen sehr gerne. Aber wichtiger finde ich diese Zahlen. Und zu diesen Zahlen gibt es genau zwei Erklärungen für mich.

Erklärung 1 – Die Negative: Die Zahl der Teilnehmer ist Massiv zurückgegangen. Ein Umstand den ich grausig fände. Es wird immer mehr für diese Preis geworben und wir werden das Gefühl nicht los, dass es auch immer mehr Spieler gibt. Dennoch nimmt nur ein Bruchteil der Leute an diesem Preis Teil. Und selbst wenn sich viele für nicht teilnahmefähig halten und einfach nur Spiele von der Jury-Liste wählen würden die sie kennen, wäre da schon mehr Hilfe drin, denn jede Stimme zählt. Ich schaffe es auch nicht alle Spiele zu spielen, geschweige denn mehr als 10%. Wenn nur die abstimmen dürften, die alles gespielt haben, dann würde das ein sehr trauriger Preis werden. Und dennoch scheinen nichtmal 2000 Leute abzustimmen. Viel zu wenig.

Erklärung 2 – Die Positive: Der Jahrgang war sehr sehr stark. Es gab noch nie so viele gute Spiele und sehr viel haben auch für hanebüchene Spiele gestimmt. Die Gesamtzahl der Spiele für die abgestimmt hätte werden müssen wäre etwa 40% höher als im letzten Jahr. Ehrlich gesagt kann ich das nicht glauben. Der abgelaufene Jahrgang war vermutlich wirklich besser als der davor, aber das Gefälle an Punkten ist dennoch offensichtlich und gibt mir das Gefühl, daran kann es nicht liegen. Es wäre aber auch ein Beweis, das diese Spiele deutlich besser sind, als die Punkte es ausdrücken, denn sie mussten sich in einem viel härteren Umfeld beweisen. Also etwas richtig positives.

Ich bin also in mich gegangen und habe auch noch eine Blick auf die Jahrgänge davor geworfen. 2013 und 2012. Die Punktzahlen sind von 2013 auf 2014 auch um rund 17% gefallen. Hanabi war nur auf Platz 6, aber es hatte rund 100 Punkte mehr als Colt Express. Terra Mystics hatte über 1000 Punkte mehr als Marco Polo und damit vermutlich einen Rekord von über 4100 Punkten. Und ich würde behaupten wollen, dass Terra Mystics bestimmt kein schlechter Jahrgang war und der Wettbewerb mit Tzolk’in und Brügge und Keyflower und Andor auch ordentlich gewürzt. Im Jahr davor waren es allerdings weniger Stimmen, und Terra Mystics hat rund 10% Wachstum gebracht.

Ist das das Beispiel. Gute Spiele bringen auch ihre Fans dazu dafür zu stimmen? Oder ist es eher so, das es Verlage gibt die auch aktiv ihre Fans dazu auffordern für sie zu stimmen, auch wenn das einige dämlich finden, wenn dann ein Spiel bei CommunityLama gewinnt. Ein Umstand, der scheinbar sogar von der Webseite gelöscht wurde (auch wenn das Video noch im Netz ist, die Diskussion konnte ich nicht mehr finden). Es gibt echt viele Probleme die ein Preis haben kann, der von allen draussen gewählt werden darf, aber dafür gibt es nur eine Lösung. Es müssen mehr und mehr dafür abstimmen. Es müssen mehr dafür Werbung machen. Im besten Fall alle Verlage und nicht nur einige, also auch die, die glauben da eh nichts gewinnen zu können. Und der Preis braucht noch mehr Aufmerksamkeit, sonst wird er in ein paar Jahren weiter schrumpfen und keiner wird sich dafür am Ende interessieren. Vielleicht könnte Udo Bartsch einen Bruchteil seiner Millionen Leser bewegen mit abzustimmen.

Wenn ich mir was wünschen würde, dann wären dies zwei weitere Zahlen vom Merz-Verlag zu diesem Preis. Erstens, wie viele Leute haben teilgenommen und zweitens, wie viele verschiedene Spiele mindestens 50 Punkte haben. Diese Grenze ist willkürlich gewählt, aber sie zeigt wie viele Spiele wenigstens 10 Leute gefunden haben, die dafür gestimmt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich das bekomme: Vermutlich leider Null. Denn, statt aber mehr Infos rauszugeben und für alle einen Mehrwert zu geben, werden auf der eigenen Webseite die Top 10 aller alten Jahrgänge auf die Top 3 gekürzt. Als wären dies es nicht wert verewigt zu bleiben. Verabschiedet sich hier einer schon selber von dem Preis?

Die Kopf-Seite

Aber es gibt auch andere Zahlen zum Deutschen Spielepreis. Der Blick auf Hans im Glück hat mich mal schauen lassen, welche Verlage und welche Autoren wie oft denn gewonnen haben. Hans im Glück war 35 mal in den Top 10. Und in jedem Jahr mindestens einmal außer 1995 und 2005. Das nenne ich sehr solide. Aber es sind ja eh nicht so viele verschiedene Verlage. 260 Gewinner und Platzierte verteilen sich auf weniger als 70 Verlage. und gerade mal 130 Autoren oder Autorengruppen. Der häufigste Autor ist Wolfgang Kramer, der immerhin 20 mal dabei war. Zuletzt 2011 für Asara. Reiner Knizia war 16 mal dabei. Aber davon Null als seit 2008. Einen Knick den man in seinem Schaffen merkt, und den viele auch heute noch mit diesem Namen verbinden. Stefan Feld wurde schon 12 mal geehrt und das erste seit 2007.

Bei Verlagen lässt sich ähnliches ablesen. Es verschiebt sich immer weiter. Neue Autoren kommen und alte gehen. Verlage kommen dazu und gehen wieder. Es ist Bewegung drin. Vielleicht haben auch noch mehr Leute Lust sich mit diesen Zahlen zu beschäftigen. Zumindest die Top 10 wurden bei Wikipedia ja festgehalten, wenn auch Punkte.

Die goldrunde Messe

Noch zwei Wochen bevor DIE Messe in Essen losgeht. Und während alle überlegen, was sie sich wann wo ansehen (wie auch ich im Rahmen meiner freien Zeit vor Ort), gibt es auch diejenigen, die einfach durch die Hallen schlendern und sich überraschen lassen, was auf sie zukommt. Es gibt die, die sich ansehen was Mainstream ist, und die, die versuchen, das zu finden, was weit ab davon ist, wobei es sich streiten lässt, ob z.B. Japon Brand noch zum Abseits gehört. Die Zeit wird hoffentlich aber für jeden super. Ich bin zumindest noch nie enttäuscht gewesen.

Aber ein Blick nach vorn ist auch immer ein Blick zurück. Da der neue Spielejahrgang mit Essen beginnt, könnte dies also ein Jahresrückblick sein. Ich will jedoch nicht in dieses Jahr zurückblicken, sondern auf das, was einigen in meiner Spielrunde aufgefallen ist als wir zurückgeblickt haben. Wir saßen die Woche beisammen und überlegten, welches Spiel wir als nächsten auf den Tisch bringen könnten. Ich bin dabei vermutlich der genügsamste, weil ich viele Spiele mag und für mich der Jahrgang mal wieder mehr war als nur die 5 Spiele, die ich beim Deutschen Spielepreis wählen darf. Für mich ist es selbstverständlich, dass nicht jeder Jahrgang nur nach oben zeigen kann, sondern das es gute und weniger gute Jahrgänge gibt. Aber auch die weniger guten haben klasse Spiele.

Aber eine Freundin saß bei uns am Tisch und sagt, dass die meisten Spiele nur ganz nett sind. So viele hätte sie nicht als wiederspielenswert empfunden. Wir gehen also durch die Liste der Spiele von Essen 2013 und Nürnberg 2014 und sie sagt bei gerade mal drei Spielen, die sie kennt, dass die wieder auf den Tisch dürfen. Ein erschreckender Jahrgang in ihren Augen. Also gehen wir an den großen Schrank der noch aufzuarbeitenden Spiele. Ein Schrank, der eigentlich deutlich abgebaut werden sollte als ich mir Vorsätze fürs neue Jahr nahm, und an dessen Vorhaben ich restlos gescheitert bin. Das Leben ist grausam.

Wir packten also ein Spiel auf den Tisch, das schon 6 Jahre alt war, aber noch eingeschweißt. Die Regeln wurden schnell gelesen, die Runde wurde angefangen und meine Frau kam sofort in den AP-Modus wo sie über jeden Zug lange überlegte. Diese Perle war also 6 Jahre in meinem Schrank gestaubt, weil ich es nicht geschafft habe alles zu spielen. Vor allem aber auch, weil ich die meisten Spiele noch öfter spielen möchte und dabei manche Spiele zwar gekauft sind, aber doch auf der Strecke bleiben. Und dabei ist mir wieder deutlich bewusst geworden wie groß der kulturelle Unterschied zwischen Brettspielen auf der einen Seite und Büchern und Filmen auf der anderen Seite ist. Die allermeisten Filem werden von den meisten nur 1x gesehen. Die meisten Bücher sogar 0x gelesen. Den Verlagen kann es egal sein, denn gekauft ist gekauft.

Für Spielesammler kann es egal sein. Denn Sammeln hat nichts mit Spielen zu tun, auch wenn es einigen Puristen widerstrebt, dass unser Hobby durchaus mehrere Hobbies sind. So gibt es die Mainstream-Sammler, die Sammler von exotischen Spielen, die Leute, die alte Spiele sammeln, diejenigen, die einfach nur Spielen wollen und natürlich auch die, die einzelne Spiele ergründen wollen, solange sie nur gut genug sind. Genauso gibt es aber Leute denen es ausreicht ein Spiel einmal gespielt zu haben als es wirklich zu ergründen. Es macht sie deswegen nicht zu weniger Spielern.

Und Essen ist DIE Messe für fast alle von ihnen. Da gibt es Spiele für die meisten Geschmäcker und auch die Möglichkeit, diese zu spielen. Auf der Messe und auch im Anschluss in Gaststätten, Hotels Jugendherbergen Zügen und an vielen anderen Orten in der Stadt. Die Messe bietet Wettkämpfe und LARP-Materialien und es gibt sogar Comics und Rollenspiele. Es gibt Presseshows im Hotel nebenan und es gibt eine Podiumsdiskussion. Es gibt Geschäftsgespräche zwischen Verlagen und Verlagen mit Autoren und zwischen Autoren und zwischen jedem mit dem Kunden. Stück für Stück gibt es immer wieder etwas Neues. Natürlich könnte es noch mehr geben: Workshops, Seminare, Vorlesungen, aber hier ist jemand anderes gefragt. Sagt der Messe was ihr auch noch sehen wollt.

Die Qual zum Sonntag

Heute sind Wahlen und während ich jemand bin der sehr oft aufruft zu wählen, besonders für den Deutschen Spielepreis ist ein so viel wichtigeres Ereignis als die Bundestagswahl etwas was ich kaum erwähne. Ich gehe wählen und ich hoffe jeder Leser hier tut es auch, aber hier geht es ja um Spiele.

Spiele zum Thema Wahlen gibt es nicht so viele. Die Macher ist zweifelslos das berühmteste Beispiel (und bei BGG sogar als Spiel No 1 gelistet), wenn auch inzwischen schon wieder sehr veraltet. In den USA gibt es jede Menge Spiele wie Road to the White House, welche sich vor allem durch viel Material oder viel Regeln, bevorzugt aber beidem auszeichnen. Ein paar Spiele, welche das ganze eher auf die Schippe nehmen und bei uns in die Kategorie besonders einfach und fast schon langweilig fallen, gibt es natürlich auch.

Es gibt selbstverständlich noch ein paar Spiele in denen auch jemand gewählt werden soll. Bei 1655 Habemus Papam wird ein neuer Papst gewählt nur nicht mit modernen Methoden sondern vor allem mit dem Gewinn von Einfluss bei all den Wahlberechtigten. Wahlen selber sind halt kein spannendes Thema. Das wir bei Race for the Galaxy mitbestimmen welche Phasen gespielt werden ist nicht so wirklich dasselbe.

Ein Blick auf die Tatsache, dass wir in Spielen etwas wählen müssen ist eher müßig. Die meisten wenn nicht alle Spiele verlangen von den Spielern, dass sie Entscheidungen treffen. Manchmal haben sie nur zwischen zwei Optionen die Wahl, mal auch aus 20 Möglichkeiten und manchmal können wir auch dieselbe Entscheidung doppelt wählen wenn wir dran sind, wie etwa bei Euphrat und Tigris. Wenn es nur um Spieler geht, so ist normalerweise jeder Mal der gewählte Startspieler und darf Entscheidungen treffen. Die Amtsperiode ist schnell um und ich kann meine Entscheidung nächste Runde, nächstes Spiel oder auch am nächsten Abend wieder korrigieren.

Das ist der Grund warum Candyland, das Leiterspiel und vor allem Monopoly keine Spiele für mich sind, sondern nur Beschäftigung. Es werden keine Entscheidungen getroffen. Es gibt keine Wahl von unterschiedlichen Möglichkeiten. Es wird gewürfelt, gelaufen und bei Monopoly noch schnell alle Häuser umgepflanzt. Das wars.

Der Vergleich der Wahl zum Deutschen Spielepreis mit der Bundestagswahl ist da schon besser. Meine Entscheidung wird mit der des Kollektivs zusammengeführt und daraus wird ermittelt, wer die meisten Stimmen erhält. Zusätzlich habe ich aber nicht eine Stimme, sondern gleich fünf und die auch noch mit unterschiedlicher Gewichtung. Ich habe schließlich nicht nur 38 Parteien sondern gleich über 500 Spiele zur Wahl. Da ist schon einiges anders. Heute bitte jeder nur ein Kreuz um ein altes Filmzitat zu bemühen.

Also sollten wir nicht so viel über Wahlen reden, sondern einfach wählen gehen. Und im Anschluss einen Spieleabend durchziehen. Klingt doch viel sinnvoller. Und wer noch etwas Politik braucht schaut sich die Rede von Marcel-André Casasola Merkle von der re:publica 2012 an: Mächtiger als Merkel: Wie Brettspielentwickler Gesetze machen (würden).

Freizeitaktivitäten im Sommer und Winter

Wenn ich Freizeitpark sage, fällt den meisten sofort die Achterbahn ein. Die gefährlichen Attraktionen sind der Magnet, der die meisten Besucher in die Parks zieht. Wer kein Freund solcher waghalsigen Bauchverdreher ist, der wird in den meisten Parks nicht wirklich glücklich werden. Ein Rekord jagt den nächsten und selbst innerhalb eines Parks gibt es immer größere Zahlen an Höhe, Geschwindigkeit und Verdrehen. Das einzige was einen davon abhält sich den Magen gleich auszukotzen sind die langen Schlangen den Attraktionen, welche zum Teil schon locker an die zwei Stunden dauern. Für gerade mal 3 Minuten Fahrt. Wer solche Attraktionen nicht so spannend findet lernt schon früh diese Parks zu meiden. Und wenn er schon da ist, dann lieber die Bimmelbahn für kleine Kinder zu fahren oder sich einfach nur auf eine Bank setzen und auf die Taschen aufpassen. Tolle Tage sehen anders aus.

Bei Brettspielen ist es oft genauso. Ein 18xx schreckt nicht vor einer Spielzeit von einem vollen Wochenende zurück. Ein Vielspieler hat kein Problem mit einer 60-seitigen Anleitung und auch das Material darf gerne mal locker 3kg oder mehr auf die Waage bringen und dabei ruhig aus rund 1000 Teilen bestehen. Das viele dabei abwinken, die keine festen Spieler sind, ist kein Geheimnis und dennoch bin ich immer wieder erschrocken, das manche es nicht schaffen über ihren Horizont zu sehen. Wie der Vater, der stolz sagt, dass wen sein 8-jähriger Sohn schon Tzolk’in versteht, dann kann das gar nicht zu schwer sein und daher muss es gefälligst nominiert sein. Ich bin auhc ein stolzer Vater und mein Sohn hat schon mit 9 Jahren gut BuBu gespielt, aber ich weiß, dass es die Ausnahme ist.

Manche Freizeitparks setzen sich da bewusst ab und zeigen sich von einer anderen Seite und mit einer anderen Zielgruppe im Fokus. Der Playmobil-Park war eine Erleuchtung wie es auch anders gehen kann, denn es gab kein einziges Fahrgeschäft, sondern nur einen Sandkasten neben dem anderen. Die Kinder waren Superglücklich aufgrund der Vielfalt wie es aussah und wir hatten als Eltern einen erholsamen Urlaub. Auch der Ravensburger Spieleland ist hier Erwähnenswert, weil er nur wenige Fahrgeschäfte hat und selbst diese von den meisten typischen Freizeitparkgängern vermutlich als harmlos und langweilig eingestuft werden dürften. Aber er hat viel mehr Mitmachattraktionen, die die Besucher zum aktiven mitmachen auffordern abseits des Hinsetzen und Fertig.

Es gibt sie also die Freizeitparks die für die nicht-Freizeitparkgänger gemacht sind. So wie es die Spiele gibt, welche gerade die Nicht- und Seltenspieler total begeistert. Die Jury ist da weiter als die meisten Individuen und wählt Spiele wie Hanabi und Qwixx auf ihre Listen als Repräsentanten eines Jahrgangs. Gerade Spieler die nur selten zu einem Spiel greifen sollen, wenn sie dies schon einmal im Jahr machen, zu einem guten Spiel greifen.

Und noch sind es rund drei Tage die wir alle beim Deutschen Spielepreis mit abstimmen dürfen. Es ist die Gelegenheit selber abzustimmen und zu sagen, welches Spiel uns am besten gefällt. Das die nominierten und gerade Siegertitel der letzten Jahre es in die Top 10 geschafft haben zeigt, das nicht nur die Vielspieler diesen Preis für sich beanspruchen können, sondern dass auch die Gelegenheitsspieler gelernt haben mitzustimmen, selbst wenn es nur für die drei Spiele sind, die sie kennen. Aber mir ist es lieber der Preis steht auf stabilen Füßen. Durch die Masse an Stimmen. Wer also noch nicht abgestimmt hat, sollte dies tun. Egal ob er lieber in das Playmobilland oder in den Europapark geht.

Und hier geht es zur Abstimmung bis zum 31.7.: http://www.deutscherspielepreis.de

Wenn man Äpfel mit Äpfeln vergleicht

Wenn ich mit meiner Frau über etwas Spielebezogenes diskutiere dauert dies meist länger, denn manchmal kommen Argumente am nächsten Tag hinzu und dann wird das Thema wieder aufgekocht. An sich ist das nichts Schlimmes und wir versuchen oft nicht den anderen zu überzeugen sondern nur möglichst viele Argumente auszutauschen. Halt mit Nachdruck, denn schließlich denkt doch jeder im Grunde Recht zu haben.

Diese Woche ging die Diskussion um Suburbia. Es ist derzeit unser Lieblingsspiel. Und wie Lieblingsspiele so sind werden sie sehr oft gespielt. An manchen Abenden drei oder viermal hintereinander und an anderen nur einmal, weil die Runde statt 45 Minuten diesmal 2 Stunden gedauert hat. Es kamen halt bestimme Teil nicht und das Spiel verlief völlig anders. Meine Frau meinte zumindest nach einem Abend, dass ihr das Spiel besser gefällt Keyflower.

Besser als Keyflower? Ein Affront wie ich finde. Keyflower ist mein Liebling der großen drei dieses Jahres. Es spielt sich wunderbar zu sechst und die Herausforderungen sind immer wieder neu. Die Spieler zu lesen und sich zu freuen, wenn zwei sich streiten und deswegen verlieren gibt dem Spiel so viel mehr Tiefgang als man meinen könnte nach nur einer Partie.

Also kam mein erstes Argument. Keyflower bedient eine andere Zielgruppe. Es ist eher für den Hard Core Spieler gedacht. Suburbia bedient eher die Taktiker und kann einen Glücksanteil nicht verleugnen. Wenn ein Spiel damit verglichen werden sollte, dann Brügge. Und welches da besser ist wüsste ich nicht mal. Beide machen mir Spaß und beides haben wir oft gespielt. Ihr Gegenargument war das es bei beiden darum geht sich Hexteile zu holen und bei sich einzubauen. Nur mag sie versteigern nicht, so das Suburbia den Vorzug bekommen würde. Ein sehr fades Argument wie ich finde.

Aber es war schon immer schwer Sachen zu vergleichen und ich möchte nicht in der Jury sein und dafür sorgen das am Ende eine Empfehlungsliste repräsentativ für den Jahrgang steht der alles abdeckt. Den Zugang als Muster zu wählen ist eine Methode. Die Spiele-Art eine andere. Ob ich sage das Spiel ist einfach oder ein Würfelspiel sind Kategorien die unterschiedlich einfach zu quantifizieren sind. Gilt Troyes schon als Würfelspiel wie Der große Wurf? Darf ich die beiden denn deswegen vergleichen? Oder sollte ich nur alleine Strategiespiele mit Strategiespielen vergleichen? Aber wie viel Strategie darf drin sein und in wie weit darf ich dann Taktikspiele miteinander vergleichen und vor allem Spiele die zu einem bestimmten Prozentsatz beides liefern?

Am Ende gilt für viele das Bauchgefühl. Ein Gefühl, welches eindeutig sagt, dass nur ein einziges Element zählt: Der Spaß. Das wohl unquantifizierbarste und subjektivste Empfinden von allen. Aber auch hier kennt die Mathematik ein System: Die Fuzzylogik. Es ist nur kein System welches der normale Mensch anwendet. Aber jeder hat es dennoch drauf als Bauchgefühl. Und je mehr Leute ein gutes Bauchgefühl bei einem Spiel haben, je mehr es mögen und Spaß beim Spielen haben, desto besser muss es wohl sein. Alle anderen Vergleiche sind nur der Diskussion wegen.

PS: Wer alles Teil der Masse sein will sollte helfen seinen Spaß kund zu tun. Bei der Wahl zum Deutschen Spielepreis. Einfach anmelden abstimmen und freuen. Je mehr mitmachen, desto schärfer ist das Ergebnis und das kann nur in unser allem Interesse sein.