Gedankengut Spiel ’16

Ach herrje, womit kommt der denn jetzt noch? Andere haben längst die Neuheitenliste für die Spielwarenmesse in Nürnberg 2017 abgearbeitet, jetzt kommt der hier mit so altem Kram um die Ecke.
Aber Peer und Matthias haben mich ja gezwungen. Und da lasse ich mich gerne ein wenig anstupsen. Nur musste ich beruflich schauen, dass ich den Beitrag irgendwo zeitlich schaffe unterzubekommen. Voilà.

Womit fange ich denn da am besten an? Falls ich Leser vergraulen will, wohl zunächst einmal mit dem Erlebnis auf der Messe mit Kindern unterwegs zu sein: Was soll ich sagen, im großen und ganzen hat das prima geklappt. Unsere Mädels (4,5 und 2,5) sind am Samstag früh mit Mama nach Essen gekommen und bis Sonntagnachmittag mit dabei gewesen. Wir Eltern hatten also den Donnerstag und Freitag zur freien Erkundung der Messe. Dadurch wird diese Messezeit aber auch gleichzeitig weniger von Spielen denn von Erlebnissen geprägt. Und ja, die Galeria, die ich früher immer wahnsinnig nervig fand, ist dann plötzlich ein Highlight. Falls Ihr meine Kinder mal trefft, wäre ich übrigens dankbar, falls Ihr bestätigen könntet, dass die Trampoline erst für ab 10-jährige Kinder sind 😉 Ihr vernichtet sonst meine Credibility. Die Messehighlights kamen für die Mädels eindeutig von Heidelberger und Schmidt: Eine große Entschuldigung an den jungen Mann oder die junge Frau, die am Sonntagfrüh im Heidelbär-Kostüm steckte. Ja, das war meine Tochter, die Dich beim Rausgehen aus der Galeria geschlagene 15 Minuten zugetextet hat und Dir Geschichten aus ihrem Leben erzählt hat. Danke, dass Du so nett stehengeblieben bist. Der Kaffee, den ich in der Zeit getrunken habe, war der wohl entspannteste des Tages. Und pardon, dass Dir die Mädels dann den ganzen Tag suchend durch die Hallen gefolgt sind. Wir spielen dafür jetzt nur noch Heidelberger-Spiele mit ihnen. Gut, bis auf Schmidts Bibi&Tina – Das große Rennen. Das spielerische Highlight der Messe für die Mädels. Und ein großer Dank an Schmidt, das wir dass Spiel am Stand erwerben durften, da die umliegenden Händler es überraschenderweise nicht im Sortiment hatten. Die Packung davon ist zwar groß, aber ich habe das gerne geschleppt, sind darin doch zwei Steckenpferde, die noch am Abend im Hotel bespielt wurden. Außerdem war der Karton bei weitem nicht so groß wie der von PlayMais, der anderen Entdeckung der Messe. Aber der Karton kam glücklicherweise per Post wenige Tage nach der Online-Bestellung. Apropos Online-Bestellung, kennt jemand eine Bezugsquelle für die Einhornkopfbedeckungen aus Halle 2? Sahen bescheuert aus, stehen aber auf dem Weihnachtswunschzettel der Mädels…

So, dann mache ich direkt beim letzten Adjektiv weiter. Ich bin jedes Jahr auf’s neue überrascht, mit welcher Naivität Kleinverleger hier an den Start gehen. War es letztes Jahr (oder vorletztes?) das eigenproduzierte Black Hole (engl. Bezeichnung für ein rundes Leiterspiel), setzte dem in diesem Jahr Stephan Daniel die Krone auf. Besagter Autor, Verleger, Ernährungsexperte und (!) Skilehrer sprach mich bereits vor der Neuheitenschau komisch von der Seite an, obschon ich gerade im Gespräch mit Tom Werneck vertieft war. Nun gut, Flyer entgegengenommen, gelächelt, zurück zum Gespräch. Dann kam aber während der Messe am Freitagabend das an Absurdität nicht zu übertreffende Ereignis: Wir schlenderten gerade von einem Termin zum nächsten als besagter Motivationskünstler aus seinem Stand heraus gesprungen kam (wirklich, wortwörtlich), um sich uns in den Weg zu stellen. Ohne große Vorstellung kam die Frage: ‚Hey, für welches Medium arbeitet Ihr denn?’ Man muss dazu sagen, dass wir neben spielbar noch die Spielevorstellungen für das Libelle-Magazin schreiben, z.B. gerade aktuell Krazy Wordz. Nun gut, ich war froh, dass ich ihn nicht umgerannt habe, so spontan kam der Sprung vor meine Füße (Anm. d. Red.: nein, aufgrund seiner kräftigen, tollen, männlichen Statur – erwähnten wir das mit dem Skilehrerschein – wär‘ das natürlich nicht, ach, ich schweife ab…), dennoch nett geantwortet und auf seinerseitiges Nachbohren versprochen, dass ich um 18 Uhr, nach unseren sonstigen Terminen, nochmal vorbeikomme. Gesagt, getan und @AttilaProducts einfach direkt mal mitgenommen. Und was dann geschah ist für mich immer noch unfassbar, auch in der Retrospektive. Wir also hin und freundlich gesagt ‚Da sind wir, dann zeig uns mal Dein Spiel‘. Dann folgte eine minutenlange Erläuterung, dass Trumpf ja nicht Quartett sei und dass da erhebliche Unterschiede bestehen. Die habe ich bis heute nicht verstanden, aber in dem Moment auf der Messe dachte ich nur ‚ok, was erklärst Du da, Du wirst doch hier nicht ein Trumpf-Spiel vorstellen wollen…‘. Weeeeeeit gefehlt. Die Erläuterung des Spiels begann dann mit den Worten ‚50% der Deutschen wollen mehr über Ernährung erfahren. Mit dem Spiel ‚jeu-d’œuvre‘ will ich zur Bildung beitragen.‘ Dann kam nochmal die Erklärung von Trumpf, verbunden mit dem Hinweis, dass das für die meisten Menschen als Spiel ja schon viel zu kompliziert sei (Anm.: was ich nicht hoffe). Er habe sich daher einen tollen Kniff ausgedacht, mit dem das Spiel noch viel toller wird: Die Schwierigkeit besteht ja bei Trumpf in der Entscheidung für eine Kategorie, die man Vorlesen möchte. Das nimmt einem jeu-d’œuvre ab. Hier steht oben auf der Karte, welche Kategorie man wählen muss. Hmm. Erst mal Schweigen. Dann kamen wir darauf zu sprechen, ob man dann noch von Spiel sprechen kann. Immerhin fällt damit alles weg, was man an Trumpf noch als Spiel bezeichnen könnte. Und wir waren echt nett und höflich, haben aber dennoch unserer Skepsis Ausdruck verliehen. Und das war offensichtlich Anlass genug, uns dann so was von persönlich anzugehen: Was wir doch für Journalisten seien, unsere Aufgabe sei doch wohl ihm zuzuhören und dann sofort über seine Worte zu berichten. Unser Einwand, dass weder spielbar noch Spielbox, für die Atti schreibt, wohl einen Leserkreis hätten, der sich für ein Trumpf-Spiel interessiert, wurde dann mit der Gegenfrage konterkariert, wieviele Leser wir denn hätten. Seine Zielgruppe sei immerhin eine andere, denn 50% der Deutschen hätten Interesse an Ernährung, er strebe also einen Markt von 40 Mio. Kunden an. (Anm.: Wenn ich mich nicht täusche, dann also knapp doppelt so viele, wie es Käufer für das Catan Grundspiel weltweit gab.) Da könnten wir mit unseren paar Tausend Lesern wohl kaum eine Relevanz für ihn haben. Bämm. Das saß. Ich wusste echt nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Beides aus Erheiterung.
Aber ich will eines zugeben: Die Aquarelle, die er nach eigenen Angaben selbst erstellt hat, sind toll. Hier könnten Verlage auf der Suche nach einem Illustrator ja mal vorbeischauen.

Leider konnten wir aufgrund der Kinder nicht zum Bloggertreffen am Samstagabend. Aber wir hätten vermutlich auch den Dienstaltersdurchschnitt gesprengt. Ich bin in dem Kontext über twitter gefragt worden, wie lange es spielbar.com schon gibt. Die Überraschung, dass wir am 22.02.2000 gestartet sind, war schon interessant. Webseiten gibt es also nicht erst seitdem Social Media en vogue sind 🙂

Dann noch ein paar vermischte Eindrücke:

Ein steter Anlaufpunkt war der Stand von Rathskellers. Die Tische von den Jungs sind echt grandios. Zwei davon stehen bei @AttilaProducts und ich freue mich jetzt schon auf die nächste Partie darauf (zum Zeitpunkt, wo ich dies hier schreibe, sieht es so aus als würde das Elisabeth I. werden, wunderbares Spiel).

Es gab vereinzelt Ärger um rationierte Spiele. Für mich nicht ganz nachvollziehbar. Wenn man das mal in Ruhe betrachtet, ärgert sich niemand mehr als ein Verleger, falls er nicht genügend Spiele mit in Essen hat, weil einfach nicht mehr zu produzieren oder transportieren waren. Egal, welchen Verteilmechanismus man dann wählt, irgendjemand wird sich immer aufregen. Und entgangenen Gewinn hat er auch noch. Für die Kaufinteressenten: Wenn ein Spiel wirklich richtig gut ist, dann kommt es irgendwann zu einer Neuauflage oder einem weiteren Printrun.

Spannend fand ich die Vorankündigung des Paketversands direkt von der Messe. Überrascht war ich dann von der winzigen Größe des Stands. Ich hatte einen mindestens 4x so großen Stand erwartet. Aber das Geschäftsmodell scheint funktioniert zu haben und daher möchte ich fast wetten, dass im nächsten Jahr noch mehr Paketanbieter auf der Messe präsent sein werden. Die von weiter her angereisten Besucher haben zumindest lange Schlangen gebildet.

In den letzten Wochen habe ich eine spannende App immer häufiger genutzt: Boardgame Stats App, mit der einige Statistiken von BGG ausgelesen und Daten für BGG eingegeben werden können. Ein feines Ding. Und im krassen Kontrast zu twiddle auch ein Konzept, von dem ich auch vorab gesagt hätte, dass es funktioniert. Zu twiddle, einer anderen mobilen App, gab es hingegen trotz vermutlich großem Investment seitens Spieleverlage e.V. lediglich eine dünne Pressemitteilung. Vielleicht war zu dem Zeitpunkt bereits der Glaube an das Projekt verloren. Wenn alles gut läuft, werde ich in den kommenden Wochen hierzu nochmals etwas intensiver schreiben.

Na gut, und als ultimativer Nachschlag noch der Blick auf die Neuerwerbungen (= Pile of Shame des kommenden Jahres).

Spiel 2016 (= Pile of Shame 2017)
Spiel 2016 (= Pile of Shame 2017)

So, Peer und Matthias, das war’s von meiner Seite zu Essen. Euch fehlt noch was? Gut, dann hier noch ein kleiner Nachschlag: Nette Leute treffen – Spielen im Hotel – Bloggertreffen – Tolle Leute wiedersehen – Kasse geklaut, Kickstarter gemacht – Messe überfüllt – Wir wollen mehr Spielfläche! – Unfassbar hohe Preise – Ramschpreise – Waffeln – Crepes – Kaffee – Hotel Bredeney.

Tag 4 der Tagung XIXth Board Game Studies Colloquium, 2016

Heute dann das große Finale des Colloquiums mit den aus meiner Sicht für den modernen Brettspieler spannendsten Fragen und Vorträgen. Im frühen Morgen wurden Projekte, die den Einsatz von Brettspielen in der Schule adressieren, vorgestellt. David Parlett (Hase und Igel) hat anschließend in einem für Autoren sicherlich sehr relevanten Beitrag betrachtet, ob wir das Spiel spielen oder das Spiel uns spielt. Es war wirklich ein Genuss, seinen eloquenten Ausführungen zu folgen. In der Folge ging es dann um Brettspiele und ‚Yard Sales’, in Deutschland am ehesten noch mit Flohmärkten zu vergleichen. Michele King hat dabei ihr Faible für den Besuch dieser Einkauf-Events mit ihrem Interesse an Brettspielen und den sozialwissenschaftlichen Aspekten der Analyse zusammengeführt. Nach einem Ausflug in die Nutzung klassischer Spiele (und teilweise Spielzeuge) in Spielmobilen der städtischen Jugendarbeit ging es dann in das große Finale. Tom Werneck, einer der ‚Granden’ unserer kleinen, aber feinen Brettspiel-Community, hat hier einmal den Blick über den Tellerrand geworfen und den Einfluss von Spielen auf die (soziale) Entwicklung unserer Gesellschaft(en) betrachtet. Da kam es dann auch tatsächlich zum ersten und einzigen Mal während der Tagung zu Berührungspunkten mit meinen aktuellen Forschungsthemen, insbesondere den wohlfahrtsökonomischen Aspekten der Robotik und des Ecosystem-Managements.
Dem Zwang, pünktlich am Bahnhof sein zu müssen, aber auch noch den lokalen Spielefachhandel zu besuchen (lag zum Glück genau auf dem Weg zum Bahnhof), fiel dann leider das abschließende gemeinsame Mittagessen zum Opfer. Bleibt also, ein Fazit aus Sicht eines Brettspielers zu ziehen, was sich durchaus vom Fazit des Wissenschaftlers unterscheiden mag:

Die ersten beiden Tage des Colloquiums waren vollumfänglich historischen, antiken und darin sehr spezifischen Fragestellungen gewidmet. Beispielsweise, wenn es um alte Schachfiguren oder indische Spielbretter ging. Mein persönlicher Mehrwert als Brettspieler darin: Nahe Null, sehr nahe. Der Wert des Austausches in den Pausen mit Gleichgesinnten hingegen: Sehr hoch. Hier zeigt sich übrigens ansatzweise auch eine Parallele zu wissenschaftlichen Konferenzen meiner eigenen Disziplin. Die letzten beiden Tage hatten auch immer wieder Bezug zu modernen Brettspielen. Als Spieler: prima. Als Wissenschaftler hätte ich mit etwas mehr Rigor in den dargestellten Projekten gewünscht. Wenn ich mir also für zukünftige Konferenzen etwas wünschen dürfte, würde ich die beiden inhaltlichen Blöcke parallelisieren, d.h. die Dauer der Konferenz kürzen. Die gewonnene Zeit könnte ja zum Spielen verwendet werden, hier hatten die Vertreter der ‚Antikfraktion’ meines Erachtens erheblichen Nachholbedarf. Ich stehe gerne zur Verfügung, moderne Autorenspiele zu erläutern. Das hatte am letzten Abend gut funktioniert, The Game und Codenames wurden noch recht lange gespielt – mit Überraschung, dass man auch mit anderen Spielen als Go und Pachisi Freude haben kann.
Das Colloquium wird im kommenden Jahr in Kopenhagen stattfinden, unter http://www.bgs20.tors.ku.dk sind bereits erste Informationen dazu zu finden. Organisatorisch haben die Mitarbeiterinnen des Deutschen Spielearchivs jedoch große Fußstapfen hinterlassen. Das war wirklich toll gemacht.

Tag 3 der Tagung XIXth Board Game Studies Colloquium, 2016

Hui, heute gab es direkt mehrere große Highlights auf dem Colloquium. Im Morgen stand eine Exkursion zum Haba-Produktionswerk der Habermaaß GmbH an. Einziger Nachteil: Von Nürnberg aus waren das fast 2,5 Stunden Fahrt hin und danach wieder zurück. Der Aufenthalt bei Haba hätte dafür gerne länger ausfallen dürfen, z.B. auch, weil Markus Nikisch unserer Gruppe wirklich spannende Einblicke in die Produktionsprozesse ermöglicht hat. Das ein oder andere Detail, z.B. zu Obstgarten oder der gelben Schachtelfarbe der Haba-Spiele, war wirklich spannend zu erfahren. Darf ich hier aber nicht weitererzählen, sonst komme ich mit dem Bohr-Roboter in einen Käfig. Daher nur noch so viel: Die Currywurst in der hauseigenen Kantine ist empfehlenswert. Ob der Werksverkauf das auch ist, kann ich leider nicht sagen, weil für einen Besuch dort die Zeit leider nicht mehr ausreichte.
Zurück in Nürnberg folgten dann Beiträge zu mathematischen Aspekten von historischen Spielen. Zugegebenermaßen musste ich danach noch ein bisschen arbeiten und zwei Vorträge auslassen, so dass die Vortragsreihe mit drei erneut interessanten Beiträgen ausklang. Ralf Kuhn hat dabei spannende Einblicke in die Veränderungen von Spielgrafiken im Zeitverlauf, schön zu sehen bei Café International, gegeben. Deren Anlass waren unter anderem Änderungen in der moralischen Akzeptanz von dargestellten Szenerien – im genannten Beispiel die Zigaretten auf dem Schachtelcover – oder aber eine unterschiedliche Vorstellung von political correctness in verschiedenen Ländern. Anschließend ging es um den Einsatz von Spielen in Lernumgebungen für die Fremdsprachenqualifikation bevor zum Abschluss des Tages eine Würdigung des Schaffens von Alex Randolph zu seiner Zeit in Japan erfolgte. Zu den Spielen und Prototypen von Alex Randolph gibt es im Archiv auch eine spannende Ausstellung die dann für uns geöffnet wurde. Gleichsam wurden auch einige Archivräume zur Besichtigung geöffnet, bevor es in das letzte Highlight des Tages ging: Endlich spielen. Zwei Spiele kamen in meinen Runden auf den Tisch, The Game sowie Codenames. Ersteres das heimliche Spiel des Jahres (der Herzen) in der vergangenen Runde, letzteres der heißeste Anwärter auf den Titel in diesem Jahr.
Überraschend für mich persönlich war in den The Game-Runden der zu spürende geringe Bezug zu modernen Spielen der doch eher in der Altertumsforschung aktiven Kollegen. Daher war es um so schöner zu sehen, dass das Spiel dennoch auch nach meinem Wechsel der Spielrunde noch weiter gespielt wurde. Codenames führte dann erneut dazu, dass Bekundungen wie „ok, eine flotte Runde kann ich mitspielen“, völlig über den Haufen geworfen wurde. Das Spiel hat wirklich Suchtcharakter.

Tag 2 der Tagung XIXth Board Game Studies Colloquium, 2016

Am Abend des zweiten Tages komme ich im Anschluss an das obligatorische Conference Dinner nun noch kurz zu einer knappen Zusammenfassung des Tages. Zur Eröffnung des Tages ging es in drei Beiträgen um einzelne Spielsteine, erneut wieder mit Schach oder historischen Spielen aus dem asiatischen Raum verknüpft. Auch hier gilt schon wie gestern: Mangels Kenntnis der Materie kann ich dazu kaum etwas sagen. Sehr spannend war der anschließende Vortrag, bei dem Exponate aus der Sammlung des verstorbenen Werner Pöll vorgestellt worden. Er hatte sich in seiner Sammelleidenschaft hölzernen Spielsteinen mit Prägungen verschrieben. Spannend dabei auch die Einblicke in historische Produktionsmechanismen der Teile.
Wie so oft bei Konferenzen spielt die Musik aber insbesondere in den Pausen. Eine spannende Diskussion mit Dr. Bernward Thole hat mich zum intensiven Nachdenken über den Begriff der Spielmechanik bewogen – eine alternative Begrifflichkeit ist mir aber zwischenzeitlich immer noch nicht eingefallen. Die Mittagspause wurde abgerundet durch eine Führung durch das Gebäude, in dem sich Teile des Deutschen Spielearchivs befinden. Dieses wird gerade nach historischem Vorbild wieder neu aufgebaut.
Gestärkt ging es dann in die Nachmittagssessions, die sich nun stärker mit modernen Spielen beschäftigten. Angefangen mit Werbespielen und deren unterschiedlichen Ausprägungen – einige wirklich spannende Exponate sind auch derzeit im Archiv ausgestellt – ging es über zu Würfeln. Allerdings ohne Würfel. Wie das? Ganz einfach, mit den Würfelautomaten der Firma Erich Röber Apparatebau. Wirklich faszinierend. Ich überlege gerade, mir ein Exemplar für meine Spielesammlung zuzulegen. Anschließend wurde es dann vom Titel her richtig spannend, sollte doch das Spiel des Jahres über 20 Jahre retrospektiv betrachtet werden. Leider muss ich zugeben, dass die hier verwendete Datenbasis sowie der methodische Ansatz meines Erachtens nicht ausreichen, wenngleich eine initiale Idee für eine spannende Forschungsfrage durchaus gegeben sein könnte. Ich hoffe, in den noch folgenden Tagen einige Gedanken dazu mit dem Vortragenden austauschen zu können. Und auch das gibt es auf jeder wissenschaftlichen Konferenz einmal: Einen Vortrag, den ich wunderschön fand, jedoch weder in den Kontext Brettspiel einordnen konnte noch die Quintessenz eindeutig ziehen konnte. Nichtsdestotrotz war damit Gesprächsstoff für die anschließende Besichtigung der historischen Nürnberger Bierkeller gegeben.