Zug um Zug – Meine erste Reise

Peer Sylvester,  22. Mai 2017

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Rating: 7.0/10 (2 votes cast)

Verlag: Ravensburger
Autor: Alan Moon
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 6 Jahre
Spieldauer: 15-30 Minuten

Zug um Zug – Meine erste Reise, ist tatsächlich eine Zug-um-Zug-Variante für Kinder. Das ist nicht selbstverständlich. Stone Age Junior, war auch keine Kindervariante für Stone Age.

Tatsächlich ist Zug um Zug ja nicht gerade das komplexeste aller Familienspiele, insofern darf man schon fragen, ob es da einer Kinderversion bedarf. Die Rechnungsabteilung bei Asmodee sagt sicherlich „Ja!“, aber was sagt die Rezensentenabteilung der Spielbar? Ähm. „Vielleicht?“

Meine erste Reise konzentriert sich auf Europa. Die Anzahl der Städte ist im Vergleich mit jedem anderen Zug um Zug gering. Die Verbindungen sind kurz –  maximal drei Felder. Die erste Reise ist also schon einmal deutlich übersichtlicher als das Grundspiel. OK. Kann man machen. Was noch?

Es gibt keine Siegpunkte mehr. Man muss nur versuchen seine Auftragskarten abzuarbeiten und zwar insgesamt sechs davon. Nicht erfüllbare Aufträge darf man sogar austauschen und einen automatischen Auftragserfolg gibt es, wenn man eine Stadt am linken Spielfeldrand mit einer am rechten Spielfeldrand verbindet. Die Kinderversion der längsten Zuglinie quasi. OK. Kann man machen. Noch was?

Ja, es gibt auch keine Auswahl bei den ausliegenden Farbkarten mehr.

OK. Kann man…. Moment mal, Bitte, was?

Ja, wer Karten zieht, zieht sie vom verdeckten Stapel. Ja das ist reines Glück.

Tatsächlich war ich sehr kritisch, ob ein derart kastriertes Zug um Zug  tatsächlich noch Spaß machen kann. Nun, klar ist, dass der Sieg ziemliche Glücksache ist: Gar nicht so sehr durch das blinde Ziehen der Streckenkarten – es sind viele Joker im Deck und da die Strecken kurz sind, braucht man oft gar nicht viel zu sammeln. Allerdings ist es schon ein Unterschied, ob mehrere Auftragskarten in derselben Stadt beginnen und grob in dieselbe Richtung weisen, oder ob man in ganz Europa unterwegs sein muss. Aber: Das Spiel ist kurz und für die Spieldauer trägt das Prinzip „Hoffnung“ durchaus. Da das Spiel ein enormes Tempo hat, wird man durchaus mitgerissen und fiebert mit, ob man die benötigte Verbindung noch hinbekommt oder nicht. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich vor die Wahl gestellt, dieses irgendeinem anderen Zug-um-Zug-Spiel vorziehen würde, aber spannend ist die Kinderversion durchaus eine kurze zeitlang. Außerdem ist es egal, was ich will, Hauptsache es macht den Kindern Spaß!

Und zu meiner Überraschung ist das durchaus der Fall! Zumindest Kindern, die sich nicht schon längst auf das „echte“ Zug um Zug eingespielt haben. Meine erste Reise hat den richtigen Titel: Dieses Spiel ist fast schon ein Lernspiel, bei dem es darum geht, „richtiges“ Zug-um-Zug-Spielen zu lernen. Hier können die Kinder vernünftiges Streckenbauen üben. Das es keinen Sinn macht z.B. zweimal dieselben zwei Städte auf unterschiedlichen Routen zu verbinden oder eine Route zu wählen, die zu den Karten passt, auch wenn diese etwas länger sein sollte, als die kürzestmögliche. Und das alles bemerkenswert frustfrei. Die Kinder haben bis zum Ende Siegchancen – einem engen, kleinen Brett und nivellierendem Glücksfaktor sei Dank!

Ob man für das Lernpaket „Zug um Zug lernen“ jetzt 30€ ausgeben möchte, hängt sicherlich davon ab, wie gern man selbst den Nachwuchs pädagogisch sinnvoll ausbilden möchte und was man sonst noch so im Schrank hat.

 

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Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – who has written posts on www.spielbar.com.


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