The Club

Peer Sylvester,  21. Mai 2009

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Rating: 4.5/10 (2 votes cast)

Verlag: Tuonela
Autor: Jussi Autio
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 15 Jahren (wegen des Themas, nicht wegen der Komplexität)
Spieldauer: 45 – 60 Minuten

Na das ist doch mal ein originelles Thema: Dating in der Disco. Ach was! Disco war gestern, heute geht man clubben – Yeah! Ordentlich abzappeln – Yeah! Leute kennen lernen – Yeah! Ordentlich poppen – Yeah! Je besser der Sex desto besser – Yeah! Willkommen im 21. Jahrhundert, ihr Schlaffis!

… Verzeihung, hab mich gehen lassen. Jedenfalls liegt hier die Essen-Neuheit des finnischen Verlag Tuonela Productions vor. Ordentlich sieht´s aus, Graphik ist auch gut, Thema – siehe oben – sehr originell. Was will man mehr? Na gut, mit seiner Sexualität sollte man schon im Reinen sein, denn deftig geht’s schon zu, auf der Tanzfläche des Clubs: Die Spieler schieben Plättchen mit Clubgästen Verrücktes-Labyrinth-Mässig in Richtung Tanzfläche. Treffen sich dort zwei Tänzer, die mindestens zwei der vier Eigenschaften gemeinsam haben (wobei „verschiedenes Geschlecht“ spieltechnisch als Gemeinsamkeit gilt – aber so sind wenigstens auch gleichgeschlechtliche Pärchen möglich) so dürfen die gemeinsam nach Hause fahren, die Briefmarkensammlung studieren und dabei gleich gewertet werden – Dabei richtet sich die Punktzahl nach der Zukunft des Pärchens und dieses wiederrum nach der Anzahl der Gemeinsamkeiten der beiden. Für einen One-Night-Stand kommt man mit der Mindestzahl an Übereinstimmungen aus, während für die wahre Liebe schon alle vier Kategorien identisch sein müssen.

Doch was wäre ein Discobesuch (bzw. der damit verbundene One-Night-Stand) ohne unliebsame Überraschungen? Die kommen dank der „verborgenen Qualitäten“ der Tänzer ins Spiel. Jeder Tänzer hat auf der Rückseite ein Symbol, welches die Wertung beeinflusst. Und zwar in etwa in der Größenordnung, in der unsere Sonne die Umlaufbahn der Erde beeinflusst. Für die „wahre Liebe“ gibt es 5 Punkte, die verdeckten Qualitäten beeinflussen diese Punktzahl je nach Kombination um bis zu 7 Punkte nach unten und bis zu 5 Punkte nach oben. Wenn man gut ist, merkt man sich die Symbole seiner Tänzer, zumindest die ersten 7 Züge lang. Dann bemerkt man, dass dermaßen viel von dem jeweils anderen Symbol abhängt, dass man´s sein lässt (und sich allerhöchstens die Symbole merkt, die fast immer Plus bzw. fast immer Minus zählen). Und außerdem kann man das Geschehen auf der Tanzfläche sowieso nicht beeinflussen, so unvorhersehbar ist das Geschiebe. Und dann hat man den Punkt erreicht, in der einem alles so egal ist, wie bei einem wahrem Discobesuch um 4 Uhr morgens und man sich darauf konzentriert, irgendwie noch Spaß aus dem Rest der Nacht heraus zu holen. Und wie geht das, wenn die Spielkontrolle gegen Null tendiert? Man konzentriert sich aufs Thema! Und legt sauberen Table-Talk hin:
„Ha, jetzt hab ich deine religiöse Tussi geschwängert!“
„Ha, jetzt hab ich es der Gruftifrau und dessen Gruft-Freundinnen mit meinem enormen Ding ordentlich besorgt!“
„Ha, jetzt ich deine fremdgehende Ehefrau mit AIDS angesteckt! Geschieht ihr Recht!“
Wie, das finden Sie nicht witzig? Zu dicht am Leben finden Sie? Tja, dann wissen Sie ja jetzt, welches Spiel sie nicht kaufen sollten…

Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – who has written posts on www.spielbar.com.


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