Strand Cup

Peer Sylvester,  10. Juni 2006

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Verlag: Krimsus Krimskrams-Kiste
Autor: Mark Sienholz
Spieleranzahl: 4, 6 oder 8 Spieler
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: Pro Satz 30 Minuten

Sie finden es sowieso heraus, also kann ich auch mit der Tür ins Haus fallen: Ich bewundere die Jungs der Krimsus Krimskrams-Kiste ob ihrer Ideenvielfalt. Andererseits ärgere ich mich wohl im gleichem Maße über sie: Zu oft hat man das Gefühl, aus einer vielversprechenden Spielidee hätte man deutlich mehr machen können, wenn etwas mehr Redaktionsarbeit hinter den Autoren gestanden hätte. Inwieweit das auch auf Strand-Cup zutrifft, soll im folgenden erörtert werden.

Beim Strand-Cup (warum eigentlich nicht Beach-Cup?) handelt es sich um ein klassisches Beachvolleyballturnier: Zwei Parteien mit je zwei Spielern versuchen sich den Volleyball um die Ohren zu hauen. Die Kenntnis der Volleyballregeln werden vom Spiel weitestgehend vorausgesetzt, dasselbe gilt für die folgende Rezension.

Wie würden Sie ein Beachvolleyballspiel simulieren? Richtig, mit Aktionskarten! Und so funktioniert auch das Spielgeschehen: Das Aufschlag-Team spielt eine Karte und gibt somit einen gewissen Punktwert vor, der vom Gegner übertroffen werden muß (Beim Aufschlag i.a. kein Problem). Und hier kommt das zentrale und wirklich originelle Spielelement zu tragen: Das Team muß sich einigen, wer den Ball annehmen darf. Wer dies tut, muß nicht nur den Aufschlagswert übertreffen, sondern gibt auch den Aufbau-Wert vor. Der Partner darf nun seinerseits Stellen (ein weiterer Wert) oder gleich abschließen (wieder ein Wert). Da alle Werte einer Seite zusammengezählt werden, lohnt sich im allgemeinen der Aufbau. Wehe aber, der Partner hat keine passende Karte mehr! Dann ist der Ball und damit der Punkt natürlich verloren. Von dieser Partnerkommunikation lebt das Spiel. Daher sollte man unbedingt auf eine gewisse Kartenausspielgeschwindigkeit pochen; Wer jede Karte ausführlich bespricht, killt das Spiel.

Was gibt\’s noch? Nun, neue Karten z.B. werden erst dann an die Spieler ausgegeben, wenn ein Punkt erspielt ist. Bei langen Ballwechseln wird man daher immer öfter einfach schnell rüberspielen, um den Gegner in kartennotbedingte Verlegenheit zu bringen.

Es gibt Karten für Blocks (und mit diesen auch eine Reihe von Regelunklarheiten) sowie die unvermeidlichen Sonderkarten, die z.B. das Erreichen jedweden Balles erlauben oder den Gegner blenden. Was sonst eher stört, sorgt hier für Atmosphäre. Allerdings wird bei diesen Karten in der Mehrzahl gewürfelt, und da kommt zum (ohnehin massiven) Karten- auch noch das Würfelglück hinzu. Das ist in Ordnung, da Strand-Cup wenig mehr sein will, als ein Bier & Bretzel-Spiel. Diese Vorgabe erfüllt das Spiel auch völlig – ein Spiel läuft doch sehr lebhaft und spaßig ab; wer Taktik will, wird sowieso schnell verschreckt. Daß die Spieldauer etwas lang geraten ist, kann man durch kürzere Sätze ausgleichen (Ansonsten dauert ein 5-Satz-Spiel auch schon mal so lange wie eine Parte Städte & Ritter und das ist doch etwas zu üppig).

Übrigens können auch mehrere Teams gleichzeitig gegeneinander spielen – Man gibt dann beim Abschluß an, auf wessen Feld man schlägt. Irgendwie wollte niemand diese sehr realitätsferne (und auch etwas Königsmacherische) Variante spielen – Stattdessen haben wir einfach die Teams vergrößert. Das geht auch gut.

Unterm Strich? Eine gute Idee, die diesmal auch konsequent umgesetzt wurde. Die Spieldauer ist mal wieder zu lang (ein altes Problem der Krimsu-Spiele), aber das ist die einzig wirkliche Schwäche – zumindest wenn einen der geringe Anspruch nicht stört.

Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – Autor von Beiträgen auf www.spielbar.com.


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